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[Keine Rezension] Jenn McKinlay: Sprinkle With Murder

Cupcake Bakery Mystery, #01

Klappentext:
Melanie Cooper and Angie DeLaura are finally living out their dream as the proud owners of the Fairy Tale Cupcakes bakery. But their first big client is a nightmare. She’s a bridezilla who wants 500 custom cupcakes for her wedding.

When Mel stumbles upon the bride-to-be dead-by-cupcake, she becomes the prime suspect. To save themselves and their business, the ladies need to find the real murderer, before the cupcake killer ices someone else.

 

Kommentar:
Meine Freundin hat sich dankenswerterweise erbarmt, mir diesen Cozy-Krimi zum Geburtstag zu schenken. Er stand schon länger auf meiner Wunschliste – mit Cupcake-Covern kriegt man mich einfach immer.

Melanie Cooper und Angie DeLaura haben ihren Traum verwirklicht – ein eigene Cupcake-Bäckerei. Der erste große Auftrag ist allerdings von Anfang an vertrackt: Die einigermaßen schwierige Braut ihres langjährigen Freundes und Geschäftspartners Tate möchte für die Hochzeit 500 Cupcakes, die die Welt zuvor noch nie gesehen hat und die folglich extra kreiert werden sollen. Als Melanie die anspruchsvolle Kundin zur Cupcake-Besprechung aufsucht, ist diese tot – und in der Hand hält sie einen von Mels Cupcakes. Mel gerät unter Mordverdacht, nicht zuletzt, weil man ihr ein Verhältnis mit dem Beinahe-Ehemann unterstellt, und nimmt die Ermittlungen schließlich selbst in die Hand, um sich und Tate zu rehabilitieren …

Das Buch an sich ist genau das, was man aufgrund des Klappentextes erwarten kann: Ein unspektakulärer, wenig überraschender, aber netter Krimi, in dem eine sympathische Cupcake-Bäckerin in eigenem Interesse ermittelt. Der Fall ist nicht übermäßig komplex, aber durchaus unterhaltsam, wobei das Buch aber ohnehin im Wesentlichen von den Personen bzw. der Personenkonstellationen getragen wird, wie das bei Cozies halt mal so üblich ist. Und wie ebenso bei Cozies aus dem Essens-Genre üblich, gibt es nicht nur leckere Beschreibungen der zubereiteten Speisen, sondern auch die Rezepte dazu.


10/15

 

Serieninfo:
01 Sprinkle with Murder
02 Buttercream Bump Off
03 Death by the Dozen
04 Red Velvet Revenge
05 Going, Going, Ganache

 

 

[Gelesen im August 2012]

[Rezension] Lisa Kleypas: Sugar Daddy

The Travis Family, #01

Verlagstext:

Liberty Jones has dreams and determination that will take her far away from Welcome, Texas—if she can keep her wild heart from ruling her mind. Hardy Cates sees Liberty as completely off-limits. His own ambitions are bigger than Welcome, and Liberty is a complication he doesn’t need. But something magical and potent draws them to each other, in a dangerous attraction that is stronger than both of them.

When Hardy leaves town to pursue his plans, Liberty finds herself alone with a young sister to raise. Soon Liberty is under the spell of a billionaire tycoon—a Sugar Daddy, one might say. But the relationship goes deeper than people think, and Liberty begins to discover secrets about her own family’s past.

 

Kommentar:

Lisa Kleypas‘ erster zeitgenössischer Liebesroman steht schon seit mehreren Jahren ungelesen in meinem Regal – er ist mir vor allem deshalb wieder eingefallen, weil gerade das Gerücht laut wurde, dass demnächst angeblich der vierte Band der Travis-Serie erscheinen soll.

»Sugar Daddy« dreht sich um die Halb-Mexikanerin Liberty Jones und ist vielmehr eine Lebens- als eine Liebesgeschichte. In dem Buch werden ca. zehn Jahre von Libertys Lebens erzählt, und zwar über weite Strecken episodenhaft im Schnelldurchgang. Der Stil ist eher berichtend als erzählend, was es nicht gerade einfach macht, so richtig in die Geschichte einzutauchen und mitzufühlen; komischerweise hat mich das Buch trotzdem gefesselt. Vermutlich, weil Liberty eine wirklich interessante Protagonistin ist. Sie führt ein bescheidenes Leben und muss einige Entbehrungen hinnehmen, vor allem, weil sie sich um ihre kleine Schwester Carrington kümmern muss. Doch sie ist zäh, jammert nicht und hat außerdem immer Menschen an ihrer Seite, die ihr – bemerkt oder unbemerkt – helfen, wenn sie Hilfe braucht. In der zweiten Hälfte des Buches lernt Liberty dann schließlich den Tycoon Churchill Travis kennen, der sie unter seine Fittiche nimmt und ihr die Chance ihres Lebens bietet.

Erst ab diesem Moment wird die Geschichte der Mittzwanzigerin als zusammenhängende Handlung ohne (größere) Zeitsprünge erzählt, und erst da startet die Liebensgeschichte so langsam. Allerdings nicht, wie der Klappentext suggeriert, mit dem über sechzigjährigen Churchill Travis, sondern mit dessen Sohn. Kaum scheint sie ihr Glück gefunden zu haben, trifft sie jedoch ihre große Liebe Hardy wieder, in den sie schon als Vierzehnjährige Hals über Kopf verliebt war und den sie nie vergessen konnte. Obwohl Hardy offensichtlich ebenfalls Gefühle für sie hatte, hat er sie damals aus Vernunftgründen stets abgewiesen und schließlich die Stadt verlassen, um sein Glück zu machen. Ausgerechnet jetzt kehrt er zurück und stürzt sie ins Chaos, denn sie fühlt sich sofort wieder zu ihm hingezogen und sieht sich gezwungen, ihre Gefühle auf den Prüfstand zu stellen. Das tut sie gründlich, doch am Ende hatte ich den Eindruck, dass sie eine gute Entscheidung getroffen hat.

Thematisch war das Buch genau mein Ding, mit der Umsetzung war ich – wie angedeutet – allerdings nicht ganz glücklich. Zehn Jahre eines Lebens in einem Buch zu erzählen und dabei punktuell einige prägende Ereignisse rauszugreifen, ist nicht wirklich meins. Ich hätte es eleganter gefunden, wenn die Vergangenheit anders, vielleicht in Rückblenden, aufgearbeitet worden wäre und vielleicht auch nicht ganz so ausführlich, sodass der Anteil zwischen Libertys gegenwärtigem Leben mit den Travises und der Vergangenheit ohne die Travises ausgewogener gewesen wäre. Trotz dieser Kritik hab ich mich aber richtig gut unterhalten gefühlt; Kleypas liegt mir einfach, egal, ob sie historische oder zeitgenössische Bücher schreibt. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.)

 


11 Punkte

 

The Travis Family:
01 Sugar Daddy
02 Blue-Eyed Devil
03 Smooth Talking Stranger

[Rezension] Miranda Kenneally: Stealing Parker

Hundred Oaks, #2

Verlagstext:

Parker Shelton pretty much has the perfect life. She’s on her way to becoming valedictorian at Hundred Oaks High, she’s made the all-star softball team, and she has plenty of friends. Then her mother’s scandal rocks their small town and suddenly no one will talk to her.

Now Parker wants a new life.

So she quits softball. Drops twenty pounds. And she figures why kiss one guy when she can kiss three? Or four. Why limit herself to high school boys when the majorly cute new baseball coach seems especially flirty?

But how far is too far before she loses herself completely?

 

Kommentar (enthält leichte Spoiler):

Band 1 der Hundred-Oaks-Serie, »Catching Jordan«, steht schon eine halbe Ewigkeit auf meiner Wunschliste. Da mit »Stealing Parker« gerade Band 2 im Angebot war, hab ich das Buch runtergeladen und sofort gelesen.

Das Buch handelt von der 17-jährigen Parker, die seit dem Coming-Out ihrer Mutter der Welt beweisen will, dass sie anders ist als ihre Mutter – d.h. in diesem Fall in erster Linie: nicht lesbisch. Deshalb knutscht sie mit allen möglichen Jungs rum, ohne sich ernsthaft auf sie einzulassen. Dann aber kommt der 23-jährige Brian als Baseball-Assistenztrainer an ihre Schule, und sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Eine Beziehnung zwischen ihnen ist wegen des Altersunterschieds und des Lehrer-Schüler-Verhältnisses – vor allem für Brian – eigentlich unmöglich, nach einigem Hin und Her lässt er sich aber trotzdem auf die äußerst hartnäckige Parker ein. Ihr Glück ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn der Altersunterschied und die damit verbundenen Ansprüche sind nicht wegzudiskutieren; hinzu kommt Brians ständige Angst, sie könnten miteinander erwischt werden – was für seine Reputation eine Katastrophe wäre. Doch während die Beziehung zu Brian für Parker lange nicht so glücklich verläuft, wie sie es sich erträumt hat, schleicht sich ein alter Bekannter, Corndog, in ihr Leben und in ihr Herz, ohne dass sie es zunächst so richtig bemerkt. Und als sie es bemerkt, ist die Sache schon extrem kompliziert …

Die Story bietet einige Aspekte, die ich wirklich interessant finde: Eine verbotene Liebe hat ja immer was, und ich bin bekanntermaßen erklärter Fan von Dreiecksgeschichten. Die Umsetzung in diesem Fall hat mich aber nur bedingt überzeugt. Brian hab ich von Anfang an als ziemlichen Feigling empfunden, und sobald die beiden zusammen sind, benimmt er sich so bescheuert, dass völlig klar ist, wohin die Beziehung führen wird. Parkers wachsende Liebe zu Corndog hingegen ist richtig toll dargestellt – und es ist im Übrigen kein Wunder, dass Parker sich in Corndog verliebt, denn er ist einfach ein wundervoller Typ (dessen ungnädiges Verhalten gegen Ende hinsichtlich des großen Knalls für mich nicht so ganz zum entworfenen Charakter passt).

Positiv ist auch die Darstellung der Beziehung zwischen Parker und ihrer Mutter. Parker kann ihrer Mutter nicht verzeihen, dass sie mit ihrer Freundin durchgebrannt und ihre Familie im Stich gelassen hat. Obwohl sie ihre Mutter wahnsinnig vermisst, ist sie nicht mal bereit, ihre Anrufe und SMS zu beantworten; sie will sich von ihr abgrenzen und ein anderes Leben führen als vor dem Coming-Out ihrer Mutter. Wie dieser Konflikt aufgelöst wird, ist definitiv herzerwärmend, und dieser Handlungsstrang ist für mich eine Stärke des Buches.

Zu den Schwächen des Buches zählt für mich die Rolle von Parkers Vater, der Kirche und des Glaubens an sich. Parkers Vater sucht nach dem Weggang seiner Frau sein Heil in Gebeten und in der Kirche – einer Kirche, der er schon viele Jahre angehört und die ihn wegen der Sünden seiner Frau so offensichtlich ausgrenzt, dass ich nicht nachvollziehen kann, wieso man sich das antut. Und nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Kindern – denn Parker ist ebenfalls betroffen: Viele Kinder der Kirchenangehörigen, darunter die Tochter des Priesters, schneiden sie bzw. feinden sie nach dem Coming-Out ihrer Mutter offen an. Schließlich mischt sich die Kirche sogar in die neue Beziehung von Parkers Vater ein und überzeugt ihn davon, diese zu beenden, weil seine Freundin viel zu jung sei. Auf der anderen Seite gibts aber eine weitere Gemeinde, die von Corndog nämlich, da sind die Leute viel netter und toleranter. Ich weiß nicht, was die Autorin mit diesem omnipräsenten Kirchenthema sagen wollte: Es lohnt sich, ein guter Christenmensch zu sein, auch wenns gute und schlechte Gemeinden bzw. gute und schlechte Christen gibt?! Ehrlich, auf diesen Erzählstrang hätte ich gut verzichten können, zumal er sich in Aussagen manifestiert wie: »You’re still the same loving Christian girl I’ve always known« oder »I hope God was looking the other way.«

Darüber hinaus werden hier einfach wahnsinnig viele Problemthemen angerissen – zu viele, für meinen Geschmack. Neben den genannten gibts nämlich auch noch den Konflikt zwischen Parker und ihren ehemaligen Freundinnen, allen voran Pfarrerstochter Laura, die absolut skrupellos ist und keinen Funken »Christlichkeit« (wo wir schon beim Thema sind) in sich trägt, und die im Laufe der Handlung keinen Deut dazulernt. Natürlich gibts auch wieder den inzwischen für YA-Bücher fast schon obligatorisch gewordenen schwulen besten Freund, der für eine Menge Wirbel sorgt und sich als gar nicht so guter Freund entpuppt. Ganz beiläufig wird auch ein wenig gesund klingender Abnehmwahn eingeflochten sowie die Drogenprobleme von Parkers Bruder. Und dass es am Ende zum großen Knall kommen muss, sodass Parker in der Folge quasi allein dasteht, weil alle Involvierten maßlos übertreiben, ist für meinen Geschmack auch ein Tick zu viel.

Ingesamt trotz guter Ansätze nur eine durchschnittliche Geschichte, die meiner Ansicht nach viel Potenzial verschenkt … vielleicht, weil sie zu viel auf einmal will.

 


8/15

 

Serieninfo:
01 Catching Jordan
02 Stealing Parker
03 Things I Can’t Forget
04 Racing Savannah (12/2013)
05 Running from Fate (2014)

[Keine Rezension] Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen

Klappentext:
Die junge Restaurantbesitzerin Aurélie hat Liebeskummer: Von einem Tag auf den anderen wurde sie von ihrem Freund verlassen. Unglücklich streift sie durch Paris und stößt in einer kleinen Buchhandlung auf einen Roman, der gleich in den ersten Sätzen nicht nur ihr Lokal, sondern auch sie selbst beschreibt. Begeistert von der Lektüre, möchte Aurélie den Autor des Buchs kennenlernen, doch der ist leider sehr menschenscheu, erfährt sie vom Lektor des französischen Verlags. Aber Aurélie gibt nicht auf …

 

Kommentar:
Ich hatte mich aufgrund zahlloser begeisterter Rezensionen sehr auf die Lektüre dieses Buches gefreut, bin am Ende aber deutlich weniger begeistert, als ich es erwartet hätte. Kein Zweifel, »Das Lächeln der Frauen« ist ein nettes Buch mit schönen Ideen und teilweise hübschen poetischen Sätzen und Gedanken, die Geschichte ist aber mehr als vorhersehbar, und mir kam es vor, als hätte ich sie so oder ähnlich schon tausend Mal gelesen oder im TV gesehen. Da man als Leser die Perspektiven der beiden Protagonisten und somit das Geheimnis um den geheimnisvollen Autor namens Miller kennt, kann man ohne große Fantasie erraten, wie sich die Handlung entwickeln und wie sie enden wird. Ungelogen, es gibt nicht eine einzige überraschende Wendung im Buch.

Vielleicht muss man Paris-Liebhaber sein, um das Buch gebührend genießen zu können, oder darf keine anderweitigen Liebesgeschichten kennen – ich kann mir die vielen uneingeschränkten Lobeshymnen anders kaum erklären. Die Figuren sind nämlich auch nicht besonders sympathisch. Zu Aurèlie konnte ich keinerlei Verbindung aufbauen, aber insbesondere der männliche Protagonist mit seinem Hang, sich immer für die dümmstmögliche Lösung zu entscheiden und sich so immer tiefer in sein verhängnisvolles Lügengespinst zu verwickeln, war absolut nicht mein Fall. (Und dass er zu allem Übel auch noch ein Bartträger ist, macht die Sache nicht besser; das hätte ich notfalls aber verdrängen können.)

 


9/15

 

 

Trivia:
Ganz nebenbei bemerkt fand ich es durchaus amüsant, dass Aurélie und ihre (übrigens höchst anstrengende) Freundin Bernadette verzweifelt auf der Suche nach dem Originaltitel des Buches sind, um das es im Roman geht. So ging es mir mit dem Originaltitel von »Das Lächeln der Frauen« nämlich auch. Schließlich bin ich auf die Info gestoßen, dass das Buch in Frankreich noch gar nicht erschienen sein soll; die deutsche Ausgabe sei die Originalveröffentlichung, an der der deutsche Originalverlag Thiele angeblich alle Rechte hält (ebenso wie am Gesamtwerk des Autors). Die Welt hingegen hat zutage befördert, dass es den »ziemlich schnuckelig aussehenden« Nicolas Barreau gar nicht gibt.

 

 

[Gelesen im September 2012]

[Rezension] Auerbach & Keller: Unter allen Beeten ist Ruh

Pippa Bolle, #1

Klappentext:
Pippa Bolle hat die Nase voll von ihrer verrückten Berliner Familien-WG und bietet ihre Dienste als Haushüterin in der beschaulichen Kleingartenkolonie auf der Insel Schreberwerder an. Das Paradies für jeden Großstädter! Bienen summen, Vögel zwitschern, das Havelwasser plätschert. Doch die Ruhe trügt: Nachbarn streiten sich um Grundstücke, ein Unternehmer träumt vom großen Coup. Und dann gibt es auch schon die erste Tote …

 

Kommentar:
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin – ich glaube, ich bin bei Amazon über den aktuellen Pippa-Bolle-Roman gestolpert. Das Covermotiv und die Inhaltsbeschreibung haben mich direkt angesprochen, sodass ich zugeschlagen habe, als ich den Roman bei Buchticket entdeckt habe.

Weil Pippa Bolle in den Werbetexten für die Serie mit Miss Marple verglichen wird, bin ich davon ausgegangen, dass sie ebenfalls eine ältere Frau ist. Die Zeichnungen auf dem Cover, aufgrund derer ich Pippa nicht für unter 60 halten würde, unterstreichen diese Annahme; es wird jedoch schnell klar, dass Pippa wohl deutlich jünger ist. Ihr Alter wird zumindest in diesem Buch nicht verraten, ich würde sie aber auf Mitte bis Ende 40 schätzen. Sie hat einen Berliner Vater und eine englische Mutter, von der sie das Aussehen einer englischen Rose geerbt hat, außerdem erfährt man, dass sie (mindestens) mollig ist und eine Vorliebe für exotische Kopfbedeckungen hat. Bis vor Kurzem hat sie mit ihrem Mann Leo in Italien gelebt, den sie nun aber verlassen hat, weshalb sie notgedrungen in der elterlichen Wohnung Quartier bezogen hat.

Weil Pippa für ihre Übersetzungsarbeit deutlich mehr Ruhe braucht, als sie in der Wohnung ihrer Eltern kriegen kann, nimmt sie dankend das Angebot an, einen Schrebergarten auf der (fiktiven) Berliner Insel Schreberwerder zu hüten. Dort ist es allerdings deutlich weniger idyllisch als angenommen, denn der Geschäftsmann Lutz Erdmann möchte ein Hanfhotel bauen und versucht zu diesem Zweck, den Bewohnern mit miesen Tricks ihre Parzellen abzuluchsen. Es herrscht Aufruhr im vermeintlichen Paradies, erst recht, als eine Bewohnerin, die sich besonders vehement gegen Erdmanns Pläne gewehrt hat, tot aufgefunden wird. Alles sieht nach einem Freitod aus, doch als nicht viel später ihr Erbe bei einem angeblichen Unfall ebenfalls stirbt, glaubt daran niemand mehr. Eher zufällig gerät Pippa in die Ermittlungen und fördert Erstaunliches zutage …

Das Buch, das als erster deutscher Cozy-Krimi beschrieben wird, hat wirklich richtig Spaß gemacht. Der Fall, den Pippa zu lösen hat, ist solide, obwohl man sich schnell denken kann, dass der offensichtliche Mörder am Ende nicht für die Taten verantwortlich ist. Auch wenn ich es bis zum Schluss irritierend fand, von der Protagonistin kein klares Bild zu haben, war sie sehr sympathisch. Gleiches gilt für sämtliche anderen Bewohner von Schreberwerder, die großteils vielleicht ein bisschen eindimsensional, aber trotzdem sehr lebendig und originell beschrieben sind. Zudem verleiht eine gehörige Portion Humor dem Buch zusammen mit dem locker-flockigen Stil einen hohen Unterhaltungswert und fängt ein paar drohende Längen auf. Pippa und ich werden definitiv in der Zukunft noch Zeit miteinander verbringen!


11 Punkte

 

Trivia:
Hinter dem Autorenduo mit dem kulturträchtigen Namen stehen Ute Mügge-Lauterbach und Brenda Stumpf (letztere könnte dem einen oder anderen auch unter dem Pseudonym Stella Conrad bekannt sein). Bei Aveleen Avide ist ein interessantes Interview mit Frau Keller online.

 

 

Serieninfo:
01 Unter allen Beeten ist Ruh
02 Dinner for one, Murder for two
03 Tote Fische beißen nicht
04 Ins Gras gebissen

 

 

[Gelesen im September 2012]

[Keine Rezension] Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag

Originaltitel: L’Échappée belle

 

Klappentext:
Eine Hochzeit, das Wiedersehen von vier Geschwistern und das Aufeinanderprallen verschiedener Welten: hier Simon, der Gutmütige, der von seiner freudlosen Frau Carine begleitet wird. Da Garance, die Extravagante und Schlagfertige, und ihre Schwester Lola, die keine Auseinandersetzung mit ihrer ach so korrekten Schwägerin scheuen. Doch einer fehlt: der Bruder Vincent. Während in der Kirche die Hochzeit in vollem Gange ist, stehlen sich die Geschwister davon und besuchen Vincent. Sie sperren die Welt aus und verbringen einen geschenkten Tag voller Wiedersehensfreude.

 

Kommentar:
Kurz nachdem ich Winterkatzes Leihgabe »Denn das Glück ist eine Reise« gelesen und für unspektakulär, aber dennoch sehr nett befunden habe, ist mir beim Regalsortieren Anna Gavaldas »Ein geschenkter Tag« in die Finger gefallen. Ich dachte, nachdem es ähnlich aussieht wie das Buch von Vermalle und ebenfalls von einer französischen Autorin ist, wäre es vielleicht auch ähnlich nett, und wollte einfach mal schnell reinlesen.

Tatsächlich hat mich »Ein geschenkter Tag« mit einer amüsanten Eingangsepisode um die nervensägige Schwägerin der Erzählerin Garance direkt in seinen Bann gezogen. Die Begeisterung war aber schnell dahin, denn schon kurz nach dem starken Beginn fällt die Geschichte mehr und mehr ab und langweilt zunehmend mit familiären Belanglosigkeiten, wenig unterhaltsamen Kindheitserinnerungen und philospophischen Gedanken, die teils ziemlich klischeebehaftet sind. Nichts, was mich besonders bei Laune gehalten hätte. Wäre da nicht der ansprechende Schreibstil, hätte ich das Buch wohl trotz seiner Kürze nicht beendet.

 


5/15

 

 

[Gelesen im September 2012]

[Rezension] Megan Heart: Naked. Hemmungslose Spiele

Originaltitel: Naked

 
Klappentext:
Alex Kennedy bedeutet nichts als Ärger und er steht nicht auf Frauen! Olivia ist gewarnt, als sie auf einer Party den charismatischen Alex erblickt. Auf einen Mann wie ihn kann die schöne Fotografin gut verzichten! Unvergessen ist ihr Exverlobter, der sich überraschend als schwul geoutet hat. Doch gegen jede Vernunft inspiriert der Anblick von Alex muskulösem, sexy Körper Olivia zu einem spontanen erotischen Fotoshooting. Plötzlich verspürt sie ein unwiderstehliches Prickeln, und ehe sie sich versieht, liegt sie in Alex Armen. Vergessen sind alle Warnungen, als sie sich auf ein gefährlich hemmungsloses Spiel einlässt …

 
Kommentar:
Es ist schon eine Weile her, dass ich »Hot Summer« (Rezension) gelesen habe, das Buch, in dem Alex Kennedy seinen ersten Auftritt hatte. Einen durchaus beeindruckenden Auftritt, denn die Figur war ziemlich geheimnisvoll und düster angelegt, und ich hätte sofort zum Folgeband gegriffen, hätte es ihn damals schon gegeben, um mehr über diesen undurchsichtigen Mann zu erfahren. Inzwischen gibt es die Fortsetzung, aber ich habe nach dem Lesen nicht den Eindruck, sehr viel mehr über Alex zu wissen als vorher. Das Buch wird nämlich – wie alle Romane von Megan Hart – aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin erzählt, und die weiß bis kurz vor Schluss selbst kaum etwas über ihrem Liebsten, vom Offensichtlichen abgesehen. Aber von Anfang an!

Das Buch startet schon so dröge, dass ich es nach fünf oder sechs Kapiteln fast zur Seite gelegt hätte. Protagonistin Olivia lernt auf der Party ihres besten Freundes Patrick (der einst ihr Verlobter war, bevor er sich als schwul geoutet hat) Alex Kennedy lernen. Trotz eindringlicher Warnungen und Drohungen Patricks, die aber unzweifelhaft eher Eifersucht und Besitzansprüchen entspringen als aufrichtiger Sorge, lässt Olivia den gut aussehenden Alex in ihre leer stehende Einliegerwohnung einziehen, und es dauert nicht lange, bis die beiden was miteinander anfangen. Ganz so schwul, wie Patrick behauptet hat, ist Alex dann doch nicht, und Patricks Behauptung, Alex stehe nicht auf Frauen, wird schnell und ausgiebig widerlegt.

Was dem Leser zunächst vorkommen muss wie eine Affäre, entwickelt sich rasant zu einer Beziehung, und erstaunlich schnell ist von Liebe die Rede. Und dann passiert eine halbe Ewigkeit eigentlich nichts mehr. Alex ist durch und durch toll, unterstützt Olivia jederzeit mit einem fast schon beängstigenden Verständnis für jede Lebenslage, bekocht sie, liest ihr jeden Wunsch von den Lippen ab, bespaßt ihre Mutter und bereitet ihr natürlich auch im Bett allergrößtes Vergnügen. Wie Olivia hin und wieder mal feststellt, weiß sie ziemlich wenig von ihm, doch sie tut nicht wirklich was, um das zu ändern (wobei allerdings auch bezweifelt werden darf, dass er sich ihr geöffnet hätte). Sie ist nämlich weitgehend damit beschäftigt, ihre Konfession und als Folge davon auch sich selbst zu finden (was mich thematisch wirklich kein bisschen angesprochen hat; ganz im Gegenteil), den Konflikt mit ihrer jüdischen Mutter zu verarbeiten und endlich mal die Beziehung zu ihrem fürchtlichen Ex-Verlobten in weniger selbstzerstörerische Bahnen zu lenken.

Ehrlich gesagt hab ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass es ein böses Erwachen gibt und dass Alex Olivia hintergeht oder verlässt und die ganze Seifenblase platzt, aber bis auf eine Krise am Ende pläschert die ganze Geschichte – von einem kurzen Zwischenhoch abgesehen – über hunderte Seiten ohne größere Beziehungs-Aufs und -Abs vor sich hin. Das war irgendwie ganz schön wenig – zumal ich zu Olivia keinen echten Draht und für ihre Probleme abseits ihrer Beziehung wenig Verständnis hatte. Ein Highlight des Buches ist zweifelsohne das Treffen mit Alex’ Jugendfreund Jamie und dessen Frau Anne (bekannt aus »Hot Summer«), das allerdings nicht nur Olivia, sondern auch die Leser mit beträchlichen Zweifeln zurücklässt. Das Happyend hat für mich einen schalen Beigeschmack.

Spoiler

Zumindest mir kommt nämlich das, was Jamie und Alex verbindet, nicht einfach nur wie eine große Männerfreundschaft vor, sondern wie eine verleugnete Liebe.

[Einklappen]

 


8/15

 

 
Trivia:
Wie häufiger bei Megan Hart hatten auch diesmal wieder Figuren aus anderen Büchern Auftritte. Man begegnet nicht nur Jamie und Anne aus »Hot Summer«, sondern in Gestalt von Olivias Freundin Sarah die Frau, die in den Callboy Jack aus »Callboys« (Rezension) verliebt ist. Ebenso tauchen die beiden Protagonisten aus »Dirty« auf.

[Rezension] Lisa Kleypas: Crystal Cove

Friday Harbour, #4

Klappentext:
Justine Hoffman has made a comfortable life for herself on the island of Friday Harbor. She is the proprietor of a successful boutique hotel, and she has the safe, predictable life she has always wanted. Growing up with her flighty, nomadic mother, Marigold, has instilled in her a deep longing for stability. But in spite of everything Justine has achieved, there is still something missing. Love. And after years of waiting and dreaming, she is willing to do whatever it takes to change her destiny.

What Justine soon discovers is that someone cast a spell on her when she was born, with the result that she will never find her soul mate. Determined to change her fate, Justine finds a way to break the enchantment, never dreaming of the dangerous complications that will follow.

And when Justine meets the mysterious Jason Black, she accidentally unleashes a storm of desire and danger that threaten everything she holds dear . . . because Jason has secrets of his own, and he wants more from her than fate will ever allow.

 

Kommentar:
»Crystal Cove« ist bereits der vierte Teil der Friday-Harbor-Serie, zeitgenössischen Liebesromanen mit einem Hauch Magie. Dieser Hauch Magie kam mir in den Bänden 1-3 irritierend bis überflüssig, aber nicht allzu störend vor, beim vorliegenden Buch schießt die Autorin aber für meinen Geschmack weit übers Ziel hinaus.

Protagonistin Justine ist nämlich eine heidnische Hexe. Da mich das Thema noch nie interessiert hat, ich mich folglich nicht damit auskenne und die Autorin es meiner Meinung nach auch nicht vernünftig erklärt, hab ich nicht wirklich begriffen, was für eine genau; für das Buch ist es allerdings auch nicht notwendig zu wissen, wodurch sich die diversen verschiedenen Hexen genau unterscheiden. Justine jedenfalls verfügt über beeindruckende Kräfte, die sie allerdings nur bedingt kontrollieren kann, weil sie die Hexerei nie lernen wollte und sich weigerte, dem Zirkel beizutreten, dem ihre ungeliebte Mutter angehört. Überdies ist sie im Besitz eines mächtigen Zauberbuches, das ihr dennoch ein bisschen Zauberei ermöglicht.

So verfällt sie eines Tages auf die Idee, mittels dieses mächtigen Zauberbuches einen Zauber zu wirken, der ihr die große Liebe bringen soll. Bei der Gelegenheit stellt sie fest, dass ein Fluch auf ihr lastet, der bis dato verhindert hat, dass sie sich ernsthaft verliebt. Sie hebt ihn auf und macht sich auf, um herauszufinden, wer sie damit belegt hat. Zwei befreundete Hexen aus dem Zirkel ihrer Mutter rücken nach zähem Ringen damit heraus, was es mit der Sache auf sich hat, und spätestens jetzt wird klar, dass die Liebesgeschichte in diesem Buch ziemlich anstrengend werden könnte: Es wird nämlich enthüllt, dass alle Männer, in die sich die Hexen verlieben, zwangsläufig recht schnell abnippeln, und dass man einen Fluch wie den, mit dem Justine belegt ist, mitnichten einfach so aufheben kann, ohne dass das wenig erbauliche Konsequenzen nach sich zieht.

Ziemlich zeitgleich taucht als Objekt der Begierde der Geschäftsmann Jason auf, ein Buddhist ohne Seele mit dem dazu passenden Nachnamen Black. Die Geschichte mit der nicht vorhandenen Seele ist übrigens wörtlich zu verstehen – er hat keine Seele. Sowas kommt schon mal vor, dann ist die Zeit auf der Erde allerdings meist relativ knapp bemessen und nur auf ein Leben beschränkt; Reinkarnation ist nicht. Jason hat seine ganze eigenen Gründe, nach Friday Harbor zu kommen und etwas mit Justine anzufangen, das wird aber später völlig beiläufig abgetan, weil sich der eigentlich eiskalte Geschäftsmann mit Haut und Haar in die Hotelbesitzerin verliebt hat und bereit ist, sein seelenloses Dasein für sie zu opfern.

Ihr seht schon, es ist diesmal einiges los auf der Insel – leider hat es aber nicht viel Spaß gemacht, bei diesem albernen Hin und Her dabei zu sein. Mir waren diese ganzen Flüche und Gegenflüche und Fluchübertragungen deutlich zu viel des Guten. Ich weiß nicht, was Kleypas sich dabei gedacht hat, so viel Gewicht auf paranormale Elemente zu legen, und denke auch nicht, dass die Leser von zeitgenössischen Liebesromanen so was lesen wollen. Hinzu kommt, dass dabei die Liebesgeschichte und die Emotionen total auf der Strecke bleiben. Stattdessen springt die Autorin zu allem Übel auf den BDSM-Zug auf – als hätte sie das nötig! – und liefert eine ganz fürchterliche Bondage-Szene ab, die weder gut geschrieben noch erotisch ist.

Ich hoffe wirklich, dass Kleypas im nächsten Buch der Serie den Magie-Anteil wieder stark runterschraubt und sich stattdessen auf das besinnt, was sie wirklich gut kann: gefühlvolle Liebesromane mit einer Prise Humor. Sonst ist die Friday-Harbor-Serie für mich Geschichte.

 


5 Punkte

 

Serieninfo:
01 Christmas Eve at Friday Harbor | Das Winterwunder von Friday Harbor – 8/15
02 Rainshadow Road | Zaubersommer in Friday Harbor – 11/15
03 Dream Lake | Der gute Stern von Friday Harbor (Dezember 2013) – 13/15
04 Crystal Cove | N.N.
05 Lighning Bay (September 2013)

[Rezension] Maggie Stiefvater: Rot wie das Meer

Originaltitel: The Scorpio Races

Klappentext:
Jedes Jahr im November wird die Insel Thisby von Capaill Uisce heimgesucht, Meereswesen, die in Gestalt wunderschöner Pferde Tod und Verderben bringen. Schnell wie der Seewind und tückisch wie das Meer, ziehen sie die Menschen in ihren Bann. Wie viele junge Männer der Insel fiebert auch Sean Kendrick dem Skorpio-Rennen entgegen, bei dem sie auf Capaill Uisce gegeneinander antreten. Nicht wenige bezahlen dafür mit ihrem Leben. Das diesjährige Rennen aber wird sein wie keines zuvor: Als erste Frau wagt Puck Connolly, sich einen Platz in dieser Männerwelt zu erkämpfen. Sie gewinnt den Respekt von Sean Kendrick, der ihr anfangs widerwillig, dann selbstlos hilft. Schließlich fällt der Startschuss und auch diesmal erreichen viele Reiter nicht das Ziel. Ihr Blut und das ihrer Capaill Uisce färben die Wellen des Meeres rot.

Kommentar:
Ich war extrem skeptisch bezüglich dieses Buches, nicht zuletzt wegen einiger durchwachsener Kritiken, z.B. von Holly, die für mich in Sachen Stiefvater-Bücher eine verlässliche Quelle ist. Zum Glück habe ich »Rot wie das Meer« trotzdem gelesen – es ist für mich bis dato eines der Highlights 2013.

Das Buch basiert im Groben auf einer keltischen Sage über die Capaill Uisce (gesprochen: KAPpl ISCHke), ziemlich blutrünstige Pferde, die die meiste Zeit im Wasser leben und eher an Raubtiere als an normale Pferde erinnern. Gelingt es, sie im November aus dem Meer zu locken und einigermaßen zu zähmen, hat man ein wahnsinnig schnelles Rennpferd, das jedoch seine Gefährlichkeit und seine Liebe zum Salzwasser nie einbüßt. In »Rot wie das Meer« gehört es zu einem festen Bestandteil des Lebens, dass einige mutige Bewohner der Insel Thisby im Herbst die Capaill Uisce fangen, die an Land kommen, um mit diesen das alljährliche berühmte Skorpio-Rennen zu bestreiten.

Seit langer Zeit ist der junge Sean Kendrick beim Rennen dabei; er hat mit seinem roten Hengst Corr bereits viermal gesiegt und gilt als eine Art (Wasser-)Pferdeflüsterer. Erstmals meldet jedoch auch ein Mädchen fürs Rennen, Kate »Puck« Connolly, und als wäre das nicht schon schlimm genug, will sie auch noch mit einem normalen Pferd gegen die Capaill Uisce antreten. Sie stößt auf einigen Widerstand, doch ausgerechnet Sean setzt sich für sie ein – und hilft ihr auch bei der Vorbereitung aufs Rennen. Die beiden kommen sich im Laufe der Handlung auf eine sehr leise Art und Weise näher; nicht durch Worte, sondern durch Blicke und kleine Gesten mit großer Wirkung. Die Darstellung ihrer Beziehung erfolgt sehr zurückhaltend, aber extrem intensiv, und erinnert an »Shiver«, auch wenn zwischen Sean und Puck weit weniger – für viele Leser, die auf eine Liebesgeschichte hoffen, vielleicht auch zu wenig – passiert.

Man muss definitiv die leisen Töne und eine eher gemächliche Erzählweise mögen, damit einem das Buch uneingeschränkt gefällt – vor allem die erste Hälfte könnte für den einen oder anderen ein wenig spannungsarm sein. Mich hat das Buch aber von Beginn an fasziniert: mit diesen seltsamen Wasserpferden, die aufgrund ihrer Ambivalenz gar nicht so einfach zu fassen sind, mit der grauen und stürmischen Atmosphäre, mit den leicht verschrobenen Inselbewohnern, den interessanten und eigenwilligen Protagonisten und der Magie, die vor allem Sean über die Capaill Uisce ausübt. Ich glaube, dass vieles in diesem Buch auf »Pferdemenschen« anders und vor allem intensiver wirkt als auf Leser, die mit Pferden nichts am Hut haben; allein schon, das Verhalten eines Pferdes zu kennen und die Kraft eines Pferdes unter dem Sattel gefühlt zu haben, dürfte da für die eine oder andere Szene Einiges ausmachen. Ich bin mir insofern nicht ganz sicher, ob Leute, die keinen Draht zu Pferden haben, mit diesem Buch richtig glücklich werden können. Einen Versuch ist es aber allemal wert, denn Stiefvater erzählt einmal mehr eine wunderbare Geschichte!

 

14/15

 

Trivia:
Maggie Stiefvater hat vor Kurzem ein Cover Round-up zum Buch gepostet. Dabei ist mir aufgefallen, dass der deutsche Verlag sich als Einziger gegen ein Pferd auf dem Cover entschieden hat. Wie mir Herr Lindner vom Loewe-Verlag auf Nachfrage mitteilte, war das eine bewusste Entscheidung. Man wollte vermeiden, dass das Buch vom Endkunden als Pferdebuch wahrgenommen wird.

Und wer die November-Cakes nachbacken will, deren Beschreibung einem schon beim Lesen des Buches das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, findet das Rezept inkl. Selbstversuch bei Holly.

[Rezension] Karina Halle: On Every Street

The Artists Trilogy, #0.5

Klappentext:
When young con artist Ellie Watt decides to call herself Eden White and go after the drug lord who ruined her as a child, she never expects to fall for one of his henchmen. But Javier Bernal is no ordinary man. Subtly dangerous and overwhelmingly seductive, Eden finds herself passionately in love with Javier, the very person she’s set-up to betray. With her body and heart in a heated battle against her deep need for revenge, no one will walk away from this con a winner.

Kommentar:
Auf das Prequel zur Artist-Trilogie bin ich bei Goodreads aufmerksam geworden, wo das Buch große Begeisterung hervorruft und eine durchschnittliche Bewertung von 4,58 (von 5) hat. »On Every Street« ist erst nach Band 1 der Serie veröffentlicht worden – und vielleicht muss man »Sins & Needles« zuvor gelesen haben, um in die Lobeshymnen einzustimmen. Würde jedenfalls erkären, warum mich die Novella weit weniger umgehauen hat als den Rest der Welt.

Der Plot ist eigentlich wirklich interessant: Ellie Watt, die Tochter eines Betrügerpärchens, wurde als Kind bei einer Gaunerei im Auftrag ihrer Eltern erwischt, woraufhin das Opfer zur Strafe ihr Bein mit Säure verätzen lässt. Mit 20 begibt sie sich auf einen Rachefeldzug gegen den Drogenboss, der ihr das Leben versaut hat, um endlich ihren inneren Frieden zu finden. Ihr Plan sieht so aus, dass sie sich unter falscher Identität, als Eden White, an einen Mitarbeiter des Verbrechers heranschleicht und ihrem eigentlichen Opfer so nahekommt. Doch Javier Bernal, die rechte Hand des Drogenbosses, weckt echte Leidenschaft in ihr und lässt sie ihre Pläne schnell vergessen – obwohl ihr Geliebter ein echter Bad Boy ist…

Die Geschichte hätte wirklich viel Potenzial gehabt – das aber nicht voll ausgeschöpft wurde. Denn Eden vergisst ihren Rachefeldzug völlig und konzentriert sich nur noch auf Javier. Sie trifft nicht ein einziges Mal auf den Mann, wegen dem sie so gelitten und jetzt alles hinter sich gelassen und eine falsche Identität angenommen hat; als sich die (einzige) Gelegenheit ergibt, kneift sie und geht dem Zusammentreffen aus dem Weg. Für mich war es ziemlich unglaubwürdig, dass jemand, der bis zu einem gewissen Zeitpunkt sein gesamtes Sein auf Rache ausrichtet, das Ziel komplett aus den Augen verliert vor lauter großartigem Sex.

Die Darstellung der schwierigen Beziehung zwischen Eden und Javier ist alles in allem ganz gut gelungen. Man muss zunächst mal darüber hinwegsehen, dass Jungfrau Eden von Latin Lover Javier schon bei der ersten Begegnung von den Socken gehauen wird – und umgekehrt –, aber sowas soll ja vorkommen. Dass Eden von Beginn an Javiers brutale, kaltblütige und mörderische Seite ignoriert bzw. sie entschuldigt, ist schon schwerer zu akzeptieren, es funktioniert aber, weil ihr innerer Konflikt wegen der Situation vor allem zu Beginn der Geschichte wirklich groß ist. Mit Fortschreiten der Beziehung lernt sie immer besser, die Augen vor dem zu verschließen, was Javier wirklich ist: der Handlanger eines Drogenbosses, der die Drecksarbeit macht. Es macht Sinn, dass Edens Ignoranz nur so lange fuktioniert, wie die Verbrechen nicht vor ihren Augen stattfinden; als es jedoch zu einer Hinrichtung in ihrem Haus kommt, gibt es die erste große Krise. Javier hat zwar genug Einfluss auf sie, um sie zunächst zu beruhigen; doch weitere Ereignisse sind dann des Guten zu viel.

Sehr positiv zu vermerken ist, dass Javier nicht durch die Liebe geläutert wird, wie das ja so oft der Fall ist in solchen Büchern. Er verwandelt sich nicht in ein Weichei, sondern bleibt ein kaltblütiger Verbrecher, auch wenn er phasenweise mit seinem eigenen Leben hadert. Wie er sagt, hasst er das Leben als Drogenbosshandlanger zwar, aber nicht genug, um es aufzugeben. Insgesamt ist er ein sehr glaubwürdiger Charakter, der gute wie schlechte Seiten hat.

Obwohl ich den Plot an sich und vor allem Javier eigentlich gut fand, konnte mich die Geschichte nicht in ihren Bann ziehen. Ich schiebe das auf den Erzählstil, der zum Teil recht sprunghaft ist: Längere Zeiträume werden einfach übersprungen und dann rückblickend kurz zusammengefasst – was die Entwicklung der Beziehung zwischen Javier und Eden nicht gerade nachvollziehbar macht. Das mag der Kürze der Novella geschuldet sein, doch das reicht nicht als Grund, wenn sich dem Leser das Verhalten der Protagonisten nicht erschließt.

Spoiler

Vor allem hat mich geärgert, dass nicht näher erklärt wird, was genau mit Javiers Freund Miguel war, der von ihm hingerichtet wird – da muss man sich lapidar mit der Info abspeisen lassen, dass Miguel ein Verräter war. Noch viel schlimmer fand ich aber, dass Javier Eden am Ende betrügt. Das war für mich einfach komplett unglaubwürdig, weil überhaupt nicht nachvollziehbar. Nichts in der Handlung hat ernsthaft darauf hingedeutet, dass die teils sehr vereinnahmende Liebe, die er Eden während der ganzen Zeit entgegengebracht hat, nicht echt war oder abgenommen hätte. Und da es nach der Entdeckung seines Betrugs kein Gespräch mehr zwischen ihm und Eden gibt, bleibt darüber hinaus die Frage offen, ob er Eden schon die ganze Zeit betrogen hat und sie vielleicht sogar nie wirklich geliebt hat.

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Der »richtige« Band 1 der Serie spielt, wie ich inzwischen weiß, sechs Jahre später und handelt laut Klappentext von Ellie und dem Tätowierer Camden; eine Rezension verrät aber, dass auch Javier eine Rolle spielt. Möglicherweise werden dann noch einige offene Fragen geklärt. Ich werde das Buch also wohl lesen, um zu erfahren, was ich hinsichtlich »On Every Street« gern wüsste …

 


8/15

 

Serieinfo:
0.5 On Every Street
01 Sins & Needles
02 Shooting Stars (05/2013)
03 Bold Tricks (10/2013)