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Scandal & Scoundrel, #2

Inhalt:
Lonesome Lily Turned Scandalous Siren
Miss Lillian Hargrove has lived much of her life alone in a gilded cage, longing for love and companionship. When an artist offers her pretty promises and begs her to pose for a scandalous portrait, Lily doesn’t hesitate…until the lying libertine leaves her in disgrace. With the painting now public, Lily has no choice but to turn to the one man who might save her from ruin.
Highland Devil turned Halfhearted Duke
The Duke of Warnick loathes all things English, none more so than the aristocracy. It does not matter that the imposing Scotsman has inherited one of the most venerable dukedoms in Britain—he wants nothing to do with it, especially when he discovers that the unwanted title comes with a troublesome ward, one who is far too old and far too beautiful to be his problem.
Tartan Comes to Town
Warnick arrives in London with a single goal: get the chit married and see her become someone else’s problem, then return to a normal, quiet life in Scotland. It’s the perfect plan, until Lily declares she’ll only marry for love…and the Scot finds that there is one thing in England he likes far too much…
Kommentar:
Bis etwa zur Hälfte war das wirklich ein netter Historical, den ich mit 4-4.5 Punkten bewerten wollte. Dann sind der Autorin leider offenbar die Ideen ausgegangen und statt das Buch einfach um ein paar Seiten zu kürzen oder meinetwegen auch Wörter zu schinden oder einen zusätzlichen Handlungsstrang einzuführen (selbst das wäre besser gewesen!), musste mehrfach die gleiche unglaubwürdige Krise bemüht werden, bevor es endlich zum Happy-End kam. Einmal hätte ich es ja noch verstanden, vielleicht sogar zweimal, aber gleich mehrere Krisen aus immer demselben Grund? Nein, sorry, das geht gar nicht.
In der ersten Hälfte des Buches geht es darum, dass der schottische Vormund Alec sein Mündel vor einem Skandal retten will, indem er sie unter die Haube bringt, bevor ein Aktgemälde vor ihr enthüllt wird. Es gibt eine Menge Kabbeleien und amüsante Szenen und es ist schnell klar, dass es zwischen beiden mächtig funkt und sie sich ineinander verlieben. Die beiden sind auch wirklich sympathisch und niedlich zusammen.
Dann aber kommen Liebe und Sex ins Spiel und alles geht den Bach runter. Nachdem es zu sexuellen Handlungen in einer Kutsche gekommen ist, geht das Drama los. Er will sie ja ach so sehr, aber er darf nicht. Er ist ja nur ein schottischer Rohling und muss sie beschützen und ist nichts für sie, obwohl er ja immerhin ein Duke ist und sie nur die Tochter eines Landverwalters. Deswegen beharrt er weiter darauf, ihr einen Mann zu suchen. Leider ist er ihr aber vollkommen erlegen, weshalb nicht viel später aus Fast-Sex in der Kutsche richtiger Sex wird. Großartiger Sex. Voller Leidenschaft und Liebe. Der Schotte wäre aber kein Schotte, wenn ihm anschließend nicht doch wieder einfallen würde, dass sein Mündel nichts für ihn ist und sie was Besseres verdient hat als ihn. Bla, bla, bla. Weitere Zwischenfälle und Liebesschwüre ihrerseits nutzen auch nichts, um ihn umzustimmen und ihr den Wunsch zu erfüllen, sie zu heiraten. Schließlich, endlich, endlich, endlich, offenbart er der Frau seiner Träume, warum er glaubt, er sei nicht gut genug für sie. Die Begründung ist maximal halbwegs überzeugend (eher weniger) und schreckt Lillian entsprechend wenig ab. Es kommt erneut zu stundenlangem, großartigem, liebevollem, leidenschaftlichen Sex und Beteuerungen, dass das alles nicht so schlimm ist und dass Lily Alec versteht. Aber dann der Gipfel: Am nächsten Morgen ist Alec erneut verschwunden, weil er nicht gut genug für sie ist und sie angeblich was Besseres verdient hat. Allerspätestens an diesem Punkt ist man geneigt, ihm zuzustimmen – ich wollte wirklich schreien, und der Grund, warum Alec sich am Ende davon überzeugen lässt, dass er doch gut genug für Lillian ist, hat mich auch nicht besänftigt. Er ist nämlich ungefähr genauso überzeugend wie die Begründung, dass ein Duke mit bewegter Vergangenheit nicht gut genug für eine skandalumwitterte Landstuarttochter sein soll.

7 Punkte (MacLean-Bonus inklusive)
Wie ich mitgekriegt habe, erfreuen sich neuerdings offenbar Motorradgang-Liebesromane einiger Beliebtheit. Ihr wisst schon, solche Typen wie die Hells Angels und die Bandidos, die Prostitution, Drogen- und Waffengeschäfte kontrollieren und sich gegenseitig bekriegen. Wenn man sich die Jungs anschaut, die im Zuge der Berichterstattung so abgebildet sind, sind das schon rein optisch nicht gerade Kerle, wie herkömmliche Frauen sie sich wünschen, aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Jedenfalls bin ich über die Amazon-Empfehlungen über die „Hell’s Horsemen“-Serie von Madeline Sheehan gestolpert, die in Deutschland vom Sieben Verlag veröffentlicht wird, und hab mir Band 1 zugelegt.
Was soll ich sagen. Nach kurzfristiger anfänglicher Begeisterung musste ich feststellen, dass sich die Geschichte zunehmend zu einer ziemlich kranken Missbrauchs- und Gewaltorgie entwickelt, in der ausnahmslos komplett durchgeknallte Menschen interagieren. Eine gewisse Spannung kann ich dem Buch dennoch definitiv nicht absprechen, ich war durchaus gefesselt und habe mit verstörender Faszination Seite um Seite weitergeblättert. Um mal das Standardbeispiel für solche Dinge zu bemühen: Es war ein bisschen so, wie einen Unfall mitzuerleben und nicht wegschauen zu können. Am Ende bleibt aber doch ein sehr schales Gefühl zurück, zumal irgendwann der Verstand wieder normal zu arbeiten beginnt und man sich zwangsläufig die Frage stellen muss:
Was zum Teufel ist das mit den Frauen?
Sie kämpfen für Emanzipation, Gleichberechtigung und Freiheit und verurteilen Kulturen, in denen Frauen bis heute unterdrückt und zum Objekt degradiert werden. Sie wollen einen verlässlichen Mann an ihrer Seite, der sie liebt, wertschätzt und achtet und der sie weder betrügt noch schlägt noch vergewaltigt. Das alles wird in diesem Buch komplett auf den Kopf gestellt. Sämtliche Frauen werden (zumindest phasenweise) psychisch und physisch benutzt und misshandelt, teils mit ihrer Einwilligung. Gerechtfertigt wird das offenbar durch eine Form von unsterblicher angeblicher Liebe, die – nüchtern und mit Verstand betrachtet – von nichts als pathologischer Obsession, Frauen- bzw. Selbstverachtung und dem Drang nach Selbstzerstörung zeugt. Trotz alledem findet ein Großteil der Leserinnen diese Geschichte richtig gut (Goodreads-Rating: 4,09; Amazon.com-Rating: 4,4).
Warum ist das so? Warum werden mit solcher Begeisterung sogenannten „Liebesromane“ gelesen, die alles in den Dreck treten, was eine moderne normale Frau vom Leben und der Liebe erwartet? Ich kann nur hoffen, dass es nichts mit heimlichen Wunschträumen zu tun hat, denn dann hätte die ganze Emanzipations- und Feminismusbewegung in ihren jahrelangen Kämpfen verdammt wenig erreicht und man müsste konstatieren, dass die Urinstinkte schwer bis gar nicht auszulöschen sind.
Nebenbemerkung: Ja, ich weiß schon, Bücher sind Fiktion und haben nicht zwingend was mit dem echten Leben zu tun. Die ganzen Frauen, die SM-Erotikromane lesen, wollen die Sexpraktiken auch nicht unbedingt zu Hause nachspielen. Aber der Unterschied ist, dass die Frauen in den SM-Romanen üblicherweise Lust und Liebe erleben; das ist im vorliegenden Buch eher weniger nicht der Fall. Möglicherweise ist das bei anderen MC-Liebesromanen anders.
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Das dazugehörige Buch:

Madeline Sheehan: Undeniable – Eva und Deuce (Hell’s Horsemen, #1)
Eine Liebe gegen jede Chance.
Eva Fox ist die Tochter des Silver Demons Motorcycle Club Präsidenten und wächst wie eine Prinzessin in der rauen Umgebung des Clubs auf. Als sie den sexy Hell’s Horsemen Biker Deuce West trifft, ist sie noch ein kleines Mädchen. Doch vom ersten Augenblick an weiß sie: Er ist der Sinn ihres Daseins. Deuce ist ebenfalls im Club seines Vaters aufgewachsen. Während Eva langsam zur Frau heranwächst, entwickeln sich ihre zufälligen Begegnungen immer intensiver. Das Schicksal führt sie stets erneut zusammen und so beginnt eine Reise auf gewundenen Schicksalspfaden, gepflastert mit Schmerz, Betrug und Blutvergießen. Eva sieht in Deuce von Anfang an, was er in sich selbst nicht sieht – einen Mann, der es wert ist, geliebt zu werden, doch wird sie stark genug sein, ihm das zu beweisen?
Dies ist die Geschichte von Eva und Deuce.
Es ist nicht einfach.
Aber nichts, was sich wirklich lohnt, ist das.
Und die Liebe ist alles wert.
Originaltitel: A Groom of One’s Own
Serie: The Writing Girls #1

Klappentext:
Die Hochzeit des Duke of Hamilton steht kurz bevor, und als Gesellschaftsreporterin darf Miss Sophie Harlow bei dem glanzvollsten Ereignis der Saison natürlich nicht fehlen. Dass sie sich dabei in den Bräutigam verliebt, war nicht geplant. Allerdings ist sie nicht die Einzige, die ihren verbotenen glühenden Kuss nicht vergessen kann. Aber wird der perfekte Duke den Skandal der Saison riskieren, um die Frau seines Herzens zu gewinnen?
Kommentar:
Für schreibende Mädels in Regency- bzw. Viktorianischen Zeiten kann ich mich ja per se begeistern, aber … oh Mann! Was hat man nur aus dieser netten Idee gemacht? Dabei klang die Beschreibung so vielversprechend! Am Ende gings aber nur um die unwiderstehliche Anziehung zwischen Sophie und dem Duke, heimlichen Treffen und Betrug.
Die Unverfrorenheit, mit der ausgerechnet die vor dem Altar stehen gelassene Sophie und der vermeintlich ach so ehrenwerte Duke in Anwesenheit der schüchternen Verlobten des Dukes und der versammelten Verwandtschaft flirten, tanzen und sich ziemlich offensichtlich zu kurzen Stelldicheins treffen, ist wirklich bemerkenswert. Und nicht gerade sympathisch, schon gar nicht vonseiten des Dukes, der nicht nur durch sein doppeltes Herzogtum, sondern auch durch seine Doppelmoral auffällt. Er düpert seine Verlobte öffentlich durch sein ungeniertes Geflirte mit Sophie, findet es aber moralisch nicht vertretbar, die Verlobung zu lösen, denn im Gegensatz zu Sophie ist die Braut ja die perfekte Duchess. Das nenn ich mal rücksichtsvoll!
Zum Glück taucht aus dem Nichts ein verwegener bayerischer Prinz auf, in den sich die verschmähte Clarissa verlieben kann und der bei ihr eine Wesensveränderung von 180 Grad herbeiführt. Und noch viel glücklicher ist der Umstand, dass der Bayer nicht nur im Rang höher steht, sondern auch mehr Geld hat, sodass er für die Schulden der Eltern (die nicht gerade begeistert von ihrem nicht englischen Schwiegersohn in spe sind) seiner Angebteten problemlos tilgen kann. Somit ist er für Clarissa keinesfalls eine Notlösung, sondern quasi ein Aufstieg. Also alles gut!
Ein lächerliches Hochzeitsverwechslungsspielchen, das beinahe schiefgeht, ist der »Höhepunkt« dieses Machwerks, von dem ich froh war, es zuschlagen zu dürfen.
Ich hab das Buch übrigens tatsächlich auf Deutsch gelesen (ich glaub, ich habs mal auf dem Flohmarkt eingesackt) und würde sagen: An der Übersetzung lag es nicht, dass mir der Roman so wenig gefallen hat. Die ist nämlich insgesamt ganz gut gelungen, abgesehen davon, dass die Sprache stellenweise recht modern ist. Das ist aber auch im englischen Original so und wird der Autorin von vielen Leserinnen angekreidet.
Keine Ahnung, ob ich noch mal zu einem Buch dieser Autorin greifen würde; im Moment würd ich in Anbetracht meines wachsenden Entsetzens beim Lesen sagen: eher nicht.

3/15
Serieninfo: The Writing Girls
01 A Groom of One’s Own | Lady meines Herzens
02 A Tale of Two Lovers | Rivalen der Liebe
03 The Tattooed Duke | Geheimes Spiel der Liebe
03.5 Three Schemes and a Scandal (Novella) | (nicht übersetzt)
04 Seducing Mr. Knightly | Von der Liebe verführt
Deutscher Titel: In deinen Augen
The Wolves of Mercy Falls, Teil 3
Inhalt (goodreads):
In Maggie Stiefvater’s SHIVER, Grace and Sam found each other. In LINGER, they fought to be together. Now, in FOREVER, the stakes are even higher than before. Wolves are being hunted. Lives are being threatened. And love is harder and harder to hold on to as death comes closing in.
Kommentar (enthält Spoiler für die Bände 1 und 2):
Auf meine uneingeschränkten Begeisterung für »Shiver« folgte mit »Linger« die Ernüchterung. Jetzt ist Band 3 da – und damit verbunden hegte ich die Hoffnung, dass »Forever« an den grandiosen Einführungsband würde anknüpfen können und Band 2 nur die typischen Probleme eines Mittelbuchs einer Trilogie hatte.
Nachdem Grace am Ende von »Linger« dem Wolf in sich nachgeben musste, geht es in »Forever« im Wesentlichen darum, sie in einen Menschen zurückzuverwandeln und ihr und Sam ein gemeinsames Leben zu ermöglichen. Zu diesem Zweck forscht Neu-Wolf Cole unter Einsatz seines Lebens, um ein Mittel zu finden, den Virus einzudämmen. Sam hat aber noch andere Probleme: Man verdächtigt ihn nicht nur, mit Graces Verschwinden zu tun zu haben, sondern macht ihn außerdem für den Tod eines anderen Mädchens mitverantwortlich. Zu allem Übel wird zur Jagd auf die Wölfe von Mercy Falls geblasen, um diese vollständig auszurotten – und es ist an Sam und Cole, das Rudel einschließlich Grace zu retten.
Klingt dünn? Ist es auch. Die erste Hälfte des Buches dümpelt ziemlich ereignislos vor sich hin, und es passiert eigentlich überhaupt nichts, was einen fesseln oder die Handlung wirklich voranbringen würde. Später nimmt die Geschichte dann deutlich an Fahrt auf und wird sogar einigermaßen spannend, sodass ich das Buch in einem Rutsch zuende gelesen habe. Es gibt überdies in der zweiten Hälfte wieder einige sehr berührende Momente, die an »Shiver« erinnern und mir wieder vor Augen geführt haben, warum ich dieses Buch so sehr mochte.
Das ändert aber nichts daran, dass es eigentlich im Vergleich zu Band 2 keine echte Weiterentwicklung der Gesamtsituation gibt, keine neuen Erkenntnisse bzgl. des Wolfsdaseins und folglich auch keine Weiterentwicklung bzgl. der Heilungsmöglichkeiten. Richtig sauer hat mich aber das Ende der Geschichte gemacht – warum eigentlich heißt dieses Buch »Forever«?! Man mag mich für eingeschränkt, unflexibel und Happy-End-süchtig halten, aber ich kann nicht verstehen, wieso man ein so perfektes Buch wie »Shiver« zur Serie ausbaut, wenn man zwei (deutlich weniger überzeugende) Bände später eher zwei Schritte zurückgemacht hat und alles noch viel ungewisser ist als nach Band 1. Das kann eigentlich nur eins bedeuten: Man konnte sich nicht zu einem endgültigen Abschluss durchringen, sondern will sich offen halten, die Geschichte irgendwann weiterzuführen – das Ende schreit förmlich danach. Ärgerlich!
Fazit:
9/15 – Mäßiger Abschluss der so vielversprechend gestarteten Trilogie, deren Ende einfach nur ärgerlich ist.

(Dies ist eine alte Rezension, die seit Erscheinen des Buches – in meinem Dashboard rumfliegt. Gelesen hab ich »Forever« 2011.)
Verlagstext:
New York Times bestselling author Mary Balogh returns to the elegance and sensuality of Regency England as she continues the enthralling story of four remarkable women–friends and teachers at Miss Martin’s School for Girls. At the center of this spellbinding novel is Anne Jewell, a teacher haunted by a scandalous past…until she meets a man who teaches her the most important lesson of all: nothing is simple when it comes to love.…
She spies him in the deepening dusk of a Wales evening–a lone figure of breathtaking strength and masculinity, his handsome face branded by a secret pain. For single mother and teacher Anne Jewell, newly arrived with her son at a sprawling estate in Wales on the invitation of an influential friend, Sydnam Butler is a man whose sorrows–and passions–run deeper than she could have ever imagined.
As steward of a remote seaside manor, Sydnam lives a reclusive existence far from the pity and disdain of others. Yet almost from the moment Anne first appears on the cliffs, he senses in this lovely stranger a kindred soul, and between these two wary hearts, desire stirs. Unable to resist the passion that has rescued them both from loneliness, Anne and Sydnam share an afternoon of exquisite lovemaking. Now the unwed single mother and war-scarred veteran must make a decision that could forever alter their lives. For Sydnam, it is a chance to heal the pain of the past. For Anne, it is the glorious promise of a future with the man who will dare her to reveal her deepest secrets…before she can give him all her heart.
Kommentar:
Nachdem ich Baloghs Roman »A Summer to Remember« beendet hatte, konnte ich gar nicht anders, als nach »Simply Love« zu greifen, denn hier findet Sydnam, der Bruder des Helden aus »A Summer to Remember«, sein Glück.
Die Lehrerin Anne Jewell wird von ihrem adeligen Bekannten eingeladen, zusammen mit ihrem neunjährigen unehelichen Sohn David einen Monat der Sommerferien mit ihm und der Familie seiner Frau, den Bedwyns, in Wales zu verbringen. Damit David, der sonst fast nur Frauen und Mädchen um sich hat, auch mal unter Männer kommt und adäquate Spielgefährten hat, willigt sie zähneknirschend ein, obwohl ihr gar nicht wohl dabei ist, unter all den Adligen zu sein. Vor Ort entzieht sie sich den Bedwyns und ihrem Anhang, so gut sie kann, und freundet sich stattdessen mit dem Verwalter Sydnam an. Aus ihrer Freundschaft wird langsam mehr, doch als der Sommer vorbei ist, scheint auch ihre Beziehung beendet. Dann allerdings führt eine eine schicksalhafte Fügung sie erneut zusammen, und sie sind gezwungen, die Geister der Vergangenheit gemeinsam zu vertreiben …
Wie unschwer festzustellen ist, erzählt Balogh einmal mehr ihren Lieblingsplot: Ein Paar tut sich aus Vernunftgründen zusammen und verwandelt das Zweckbündnis in eine echte Liebesehe. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern der Autorin sind die Protagonisten zum Zeitpunkt der Hochzeit hier aber sehr wohl ineinander verliebt, nur haben sie ihren Gefühlen nicht getraut und sich deshalb zuvor gegen eine Beziehung entschieden. Dass sie am Ende des Sommers überhaupt auseinandergegangen sind, fand ich als Leser allerdings nicht wirklich nachvollziehbar und auch ein wenig ärgerlich. Schließlich hat Balogh vorher ein halbes Buch lang sehr eindringlich und gefühlvoll geschildert, wie die beiden sich näherkommen, ihre Beziehung Schritt für Schritt intensivieren und sich schließlich ineinander verlieben. Dass es hier um echte Gefühle geht und nicht um einen harmlosen Sommerflirt, der abgehakt ist, sobald man sich nicht mehr sieht, ist schon aufgrund der Charaktere der beiden klar; insofern passte für mich die Trennung bei allen Selbstzweifeln der Helden einfach nicht ganz. Zudem gibt es eine Reihe von Missverständnissen und falsch gedeuteten Gesten, die in ihrer Häufung ein wenig nervten, sowie ein paar Längen in der zweiten Hälfte, weil man sich doch sehr im Kreis dreht. Bei aller Kritik erzählt Balogh aber trotzdem eine wunderbar romantische Geschichte voller Lebensweisheit, in der sich zwei einsame Seelen finden und lieben lernen.
Vor allem Sydnam ist ein unwiderstehlicher Protagonist: Er ist ein »tortured hero«, wie er perfekter nicht sein könnte. Um zu beweisen, dass er ein echter Mann ist, der seinen älteren Brüdern das Wasser reichen kann, ist der begnadete Maler auf den Kontinent gegangen, um gegen Napoleon zu kämpfen. Dort allerdings ist er in Gefangenschaft geraten, wurde gefoltert und ist – mehr tot als lebendig nach Hause zurückgekehrt – mit Verbrennungen der gesamten rechten Körperhälte, ohne Arm und Auge und als seelisches Wrack. Im Laufe der Zeit hat er gelernt, mit seinen Kriegsverletzungen zu leben und das Beste daraus zu machen, allerdings trauert er immer noch der Malerei nach und meidet wegen seiner offensichtlichen Entstellungen den Kontakt zu Fremden. Bemerkenswert an ihm ist, dass er sich – bis auf wenige Momente – nicht in Selbstmitleid und Verbitterung suhlt, sondern versucht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben, sich Herausforderungen zu stellen und optimistisch an die Dinge heranzugehen, auch wenn sie ohne Auge und Arm unmöglich erscheinen. Er ist eine Figur mit außergewöhnlicher Tiefe.
Gleiches gilt im Prinzip auch für Anne, allerdings ist sie zum Teil etwas anstrengend. Sie hat ein uneheliches Kind von einem Adligen geboren und wurde daraufhin von ihren Eltern mehr oder weniger verstoßen. Ihr Selbstwertgefühl hat schwer gelitten, was durchaus verständlich, in der extremen Ausprügung aber phasenweise höchst nervig ist, etwa wenn sie sich einredet, die Bedwyns würden sie trotz der Einladung und aller gegenteiligen Versicherungen verachten, weil sie im Rang unter ihnen steht und ein uneheliches Kind hat. Um Umgang mit Syndam ist sie hingegen wundervoll, auch wenn die beiden einen denkbar schlechten Start haben, weil sie sich nämlich vor dem »Monster« zu Tode erschreckt und panikartig wegläuft. Sie versteht aufgrund ihrer eigenen Geschichte vieles, was andere nicht verstehen, und man kann ihr sogar verzeihen, dass sie – absolut unbelehrbar! – immer wieder mit höchst indiskreten Fragen herausplatzt, für die sie sich dann peinlich betreten entschuldigen muss; aber man verzeiht sie ihr, weil Sydnam hart im Nehmen ist und seine Antworten zu tiefschürfenden, aufschlussreichen Gesprächen führen, durch die die beiden sich erst näherkommen.
Wieder einmal bindet Balogh auch Figuren ein, die man aus älteren Büchern bereits kennt – und zwar ganz besonders viele. Man trifft nicht nur die Protagonisten aus der dazugehörigen Simply-Reihe, sondern auch Kit und Lauren aus »A Summer to Remember« sowie sämtliche Bedwyns nebst ihren Partnern aus der Slightly-Reihe. Sowas gibt einem Roman immer einen besonderen Kick, denn es ist immer wie ein Wiedersehen mit alten Freunden und macht einfach Spaß.
Fazit:
14/15 – Toller historischer Liebesroman! Für Fans des Genres ein Muss.

Reiheninfo:
01 Simply Unforgettable – 9/15
02 Simply Love
03 Simply Magic
04 Simply Perfect
(Gelesen und rezensiert im Dezember 2012.)
Originaltitel: A Study in Seduction
Daring Hearts, #1

Klappentext:
Lydia Kellaway besitzt ein einzigartiges Talent für Mathematik und ist daher in der viktorianischen Gesellschaft eine Außenseiterin. Als sie erfährt, dass Alexander Hall, Viscount Northwood, im Besitz eines Medaillons ist, das ein gefährliches Geheimnis ihrer Vergangenheit birgt, sucht sie ihn auf, um es zurückzuerlangen. Doch Northwood fordert sie zu einem Wettstreit des Geistes heraus. Lydia ahnt nicht, dass dabei ihr Herz auf dem Spiel steht.
Kommentar:
Nina Rowan lässt mich mit ihrem Debüt gespalten zurück. Die Figuren mochte ich allesamt sehr gern, auch die Nebenfiguren, denn sie sind sympathisch, glaubwürdig und liebenswert mit ihren Absonderlichkeiten; die Geschichte hat mich aber nicht so ganz überzeugt.
Lydia ist ein mathematisches Wunderkind. Sie versucht, das Leben in Formeln zu pressen, was ihr teilweise auch gelingt – außer in Sachen Liebe; diesen Versuch sieht sich aufzugeben gezwungen, nachdem sie durch einen Zufall Alexander kennenlernt. Der Mann mit der skandalösen Familiengeschichte – seine Mutter ist mit einem Russen durchgebrannt – zieht sie magisch an, körperlich wie geistig. Und diese Gefühle beruhen auf Gegenseitigkeit; Alexander ist ebenfalls schnell klar, dass er Lydia zur Frau will oder keine. Dummerweise weigert sie sich aber trotz aller Lust und Liebe, den künftigen Lord zu heiraten, denn sie hat ihrerseits ein Familiengeheimnis, das nicht bekannt werden darf.
Was das gut gehütete Familiengeheimnis ist, war relativ offensichtlich. Was im Rahmen der Geschichte daraus gemacht wurde, fand ich nicht so gut. Wer das Buch liest und mich kennt, wird sich darüber nicht wundern, denn es ist hinlänglich bekannt, dass ich so ein Hin und Her absolut nicht leiden kann (hier: „Ich liebe dich, aber ich kann dich nicht heiraten.“ – „Na gut, wenn du mich zwingst, heirate ich dich meinetwegen halt.“ – „Oh, Mist, jetzt kann ich dich aber doch nicht mehr heiraten, denn ich will ja nur das Beste für dich.“)
Am Anfang des Buches steht mal wieder pure Lust im Vordergrund: Lydia und Alexander entbrennen schon bei der ersten Begegnung im Sturm füreinander, was durch allerhand blumig-ausschweifende Beschreibungen deutlich wird. Ich bin ja nach wie vor leicht irritiert, wenn in einem historischen Liebesroman körperliche Anziehung die Basis einer Liebesgeschichte ist und die Lust auch noch recht schnell ausgelebt wird, denn es passt für mich einfach nicht so wirklich in die Zeit, aber gut … man gewöhnt sich an alles. Und Lydias Geschichte rechtfertigt immerhin in gewisser Weise ihren Mangel an viktorianischer Prüderie.
Der Handlungsstrang um Joseph – mit all seinen vergangenen und aktuellen Aspekten – hat mich nicht überzeugt und war mir zu dick aufgetragen. Man hätte die ganze Geschichte eleganter und weniger pseudo-dramatisch lösen können. (Ich bleibe an dieser Stelle etwas vage, weil ich sonst Leute spoilern würde, die die Geschichte noch lesen wollen.) Völligen unsinnig finde ich überdies Alexanders Plan, dem Skandal in England zu entgehen und irgendwann später zurückzukehren, wenn sich die Wogen geglättet haben. Das soll die Lösung zum großen Glück sein? Würde man einen drohenden Skandal nicht in London aussitzen und dem Gerede des Ton trotzen, wenn man seine Frau wirklich liebt, statt sie nach Russland zu schleppen, wo gerade der Krimkrieg ausgebrochen ist?! Außerdem bleibt die Frage offen: Ist Alexander eigentlich auch ein Wunderkind, da es ihm ja gelingt, Lydias für unlösbar gehaltenen Aufgaben zu bewältigen? Vielleicht löst sich dieses Rätsel ja im Laufe der Serie noch, die Alexanders Geschwister zum Thema haben werden – möglicherweise eine Ansammlung von Wunderkindern!
Auf Deutsch ist das Buch Anfang des Jahres 2014 bei Lyx erschienen und ich habe die Serie schon totgeglaubt, aber eineinhalb Jahre nach Band 1 wird nun doch auch noch Band 2 veröffentlicht, Der Klang der Leidenschaft (OT: A Passion For Pleasure). Irgendwie ist das wirklich eine zu lange Zeitspanne, als dass ich noch ein Interesse daran hätte …

7/15
[gelesen im Juni 2014]
Originaltitel: Every Day
Serie: Every Day, #1
 
Inhalt:
Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.
Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?
Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?
Kommentar (mit Spoilern!):
Die Idee von A, der jeden Tag im Körper eines anderen gleichaltrigen Menschen aufwacht, klingt eigentlich viel zu fantastisch, um mir zu gefallen. Komischerweise gefällt sie mir trotzdem, denn so, wie die Geschichte erzählt wird, geht sie trotzdem auf und kommt einem irgendwie gar nicht so fantastisch, sondern fast real vor. Bemerkenswert an dieser Rahmenhandlung ist, dass A nicht wirklich die Person ist bzw. mit der Person verschmilzt, in der er steckt, sondern dass er immer der Gleiche ist und versuchen muss, sich dem fremden Körper wenigstens so weit anzupassen, dass seine Anwesenheit nicht weiter auffällt. Das bereitet ihm hin und wieder ganz schöne Schwierigkeiten.
In meist kurzen Abschnitten erzählt A von seinen Erlebnissen, die so verschieden sind wie die Menschen, die für einen Tag seine Hülle sind. Er befindet sich z.B. im Körper einer Zicke, eines Strebers, eines minderjährigen illegalen Dienstmädchens, mehrerer Homosexueller, einer Drogenabhängigen, einer Depressiven, eines Fettleibigen usw. Das ist wirklich gut gemacht und bindet auf unaufdringliche Weise jede Menge Problemthemen aus dem Lebensalltag ein, allerdings ohne großartig zu werten und ohne den moralischen Zeigefinger zu heben.
Mit A’s Vorgehen, normalerweise nicht allzu sehr in das Leben der Jugendlichen einzugreifen, in denen er sich gerade befindet, ist es vorbei, als er in Gestalt von Justin auf dessen Freundin Rhiannon trifft und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Von diesem Tag an ist A’s Liebe zu ihr der rote Faden, der sich durch die Episoden mit seinen „Wirten“ zieht und seinem Leben einen neuen Sinn gibt. Doch diese Liebe stürzt ihn auch in einen tiefen Konflikt, denn von diesem Tag an stellt er das Leben seiner „Gastgeber“ notfalls auch auf den Kopf, um das Mädchen zu treffen, dem sein Herz gehört, und er plagt sich zunehmend mit Fragen zu seiner Existenz.
Während A zu allem bereit ist, hat Rhiannon so ihre Schwierigkeiten mit der Situation. Obwohl sie sich in A verliebt hat und wirklich versucht, mit all dem klar zu kommen, was da unverhofft auf sie einprasselt, schafft sie es nur bedingt. Und auch wenn sie immer sein wahres Ich spürt, hat sie große Probleme damit, dass er bei jedem Treffen ein anderer ist, und sie hat Probleme mit körperlicher Annäherung, wenn er gerade ein Mädchen ist oder ein Junge, der ihr nicht gefällt. Auch dass sie im Grunde nie wissen, ob sich ihre Verabredungen und Pläne realisieren lassen, bereitet ihr Kopfzerbrechen und verkompliziert ihre Beziehung. Rhiannon will Sicherheit und Beständigkeit, und die kann A ihr nicht geben, solange er jeden Tag ein anderer ist.
Ich hatte beim Lesen häufiger den Eindruck, dass A mehr investiert, vielleicht auch mehr fühlt als Rhiannon – was sich auch in seiner selbstlosen letzten Aktion widerspiegelt. Außerdem habe ich mich hin und wieder gefragt, ob Rhiannon eigentlich von den Lesern und Leserinnen gemocht wird, denn von ihr werden ja die romantisch-idealistischen Vorstellung von Liebe zum Teil ganz schön torpediert. Das liegt nicht nur an ihren zunehmenden Zweifeln, sondern auch an ihrer mangelnden Offenheit bzgl. gleichgeschlechtlichen Körperlichkeiten und an ihrer Fixierung auf Äußerlichkeiten, als sie A in Gestalt eines stark übergewichtigen Jungens nicht berühren will. Ich finde es mutig, dass der Autor das Mädchen so anlegt, obwohl doch Äußerlichkeiten keine Rolle spielen sollten, schon gar nicht, wenn man jemanden liebt; manch einer könnte Rhiannon vielleicht als oberflächlich oder wenig tolerant sehen. Für mich machte aber genau das die Figur und damit auch die Story realistisch.
Meinetwegen könnte die Geschichte so stehen bleiben, wie sie endet, aber es wird – voraussichtlich nächstes Jahr – eine Fortsetzung mit dem Titel Rhiannon geben. (Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Geschichte fortgeführt oder nur noch mal aus Rhiannons Perspektive erzählt wird. Bislang hab ich mich auch nicht weiter damit beschäftigt, falls jemand mehr weiß: Immer her mit den Infos!)

11/15
OT: A Lady Awakened
Blackshear, #1
Klappentext:
Nach dem Tod ihres Mannes kämpft die junge Witwe Martha Russell darum, ihr Anwesen Seton Park zu behalten. Um ihren Anspruch darauf zu festigen, greift sie zu einer List: Mit dem attraktiven Lebemann Christopher Mirkwood will sie ein Kind zeugen, das sie als Erbe ihres verstorbenen Mannes ausgeben kann. Sie hätte jedoch nie vermutet, dass sie sich in Christopher (sic!) verlieben könnte …
Kommentar:
Wie ich nach dem Flohmarktkauf dieses Buches festgestellt habe, besitze ich bereits seit geraumer Zeit die englische Ausgabe, die vergessen in meinem Regal vor sich hinverstaubt. Schade eigentlich, denn das Debüt von Cecilila Grant hat mich richtig gut unterhalten.
Die Geschichte ist nicht neu, aber doch eher außergewöhnlich im Reigen der 0815-Historicals. Die zurückgezogen lebende Witwe, eigentlich als Ausbund an Anstand bekannt, beschließt nach dem Tod ihres Mannes, alles daranzusetzen, Herrin über das Anwesen zu bleiben und zu verhindern, dass der Bruder ihres Mannes hier einzieht. Nicht Habgier, sondern die Sorge um die weiblichen Angestellten, die sich in der Vergangenheit seinen sexuellen Übergriffen ausgesetzt sahen, ist dabei ihr Motiv – ein geschickter Zug der Autorin, lässt es doch den Betrug deutlich weniger selbstsüchtig erscheinen. Sie macht sich also auf die Suche nach einem Liebhaber, der ihr innerhalb eines Monats ein Kind zeugt. Praktischerweise wurde gerade der für seine Ausschweifungen bekannte Adlige Theo Kirkwood (nicht Christopher, wie es im Klappentext heißt!) ins Exil aufs Nachbargut verbannt, der nicht gerade lange überredet werden muss, als Marthas »Hure« (oder wie sie es ausdrückt: »Zuchthengst«) einzuspringen.
Was dann folgt, ist allerdings entgegen seiner Erwartungen kein Vergnügen für ihn, denn Martha will keine Lust, sondern wirklich nur seinen Samen – und sie zieht das im Gegensatz zu anderen Heldinnen, die schnell in Leidenschaft entbrennen – ziemlich entschlossen durch. Das finde ich gut, denn alles andere wäre unglaubwürdig gewesen und hätte nicht zu Martha und ihrer Weltsicht gepasst. Entsprechend gefühllos und kurz ist das nächtliche sexuelle Beisammensein der beiden, obwohl sich Mirkwood zunächst redlich bemüht, ihr die Sache so angenehm wie möglich zu machen.
Doch etwas anderes entwickelt sich in diesen veranschlagten vier Wochen zwischen den beiden, nämlich eine echte Freundschaft, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Kirkwoods Entwicklung steht. Der Londoner Lebemann beginnt nämlich, sich für die Aufgaben eines Gutsherren zu interessieren, für die Landwirtschaft und die Menschen, die für ihn arbeiten. Martha ist ihm in diesen Dingen weit voraus und unterstützt ihn, wo sie kann. Dieser Aspekt der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, weil er nicht nur die Entwicklung des Protagonisten zu einem verantwortungsvollen Menschen zeigt, sondern auch – wenn auch nur einen kleinen und vielleicht etwas verklärten – Ausschnitt aus dem Landleben der Zeit. Dass Martha ihn lieben lernt, weil er sich ändert und im Grunde die gleiche Auffassung und das gleiche Verantwortungsbewusstsein an den Tag legt wie sie selbst, ist glaubwürdig. Seine offene, fröhliche, unbekümmerte Art verändert im Gegenzug die nüchterne, ernste, spröde Martha, die in jeder Hinsicht lockerer wird – allerdings im Kleinen und manchmal auch nur im Stillen, was ebenfalls glaubwürdig ist.
Dass ein eigentlich überflüssiger Streit die beiden erst mal entzweien muss, bevor es nach einigen dramatischen Verwicklungen schließlich zum Happy End kommt, hätte nicht sein müssen; das Buch hätte auch so genug Stoff hergegeben. Sehr elegant und gelungen fand ich hingegen die Lösung um das Erbe von Seton Park, die allen zugute kommt, die es verdienen.
Neben den glaubwürdigen Protagonisten, der insgesamt guten Geschichte und dem ansprechenden Rahmen war außerdem der Humor genau mein Ding. Mirkwoods Auseinandersetzungen mit dem heimtückischen Schwein seiner Pächter zum Beispiel haben mich immer wieder aufs Neue zum Lachen gebracht, und auch Marthas zynische Weltsicht, vor allem im Zusammenhang mit dem männlichen Körper, war genau mein Ding. Ihre Gedanken, als Mirkwood sich das erste Mal vor ihr auszieht, sind göttlich und schon wert, das Buch zu lesen.
Die Sprache der Übersetzung ist stellenweise mal wieder relativ modern, es hält sich aber noch in Grenzen. Flüssig zu lesen ist der Roman in jedem Fall, und der nächste Band der Serie befindet sich schon auf meinem Wunschzettel (auch wenn mich der Plot erst mal nicht so anmacht).

12/15
[Gelesen im Mai 2014.]
Anmerkung: Inzwischen habe ich auch den zweiten Band der Serie gelesen, »Das Versprechen der Kurtisane« (OT: A Gentleman Undone), und es hat mir gar nicht gefallen. Natürlich liege ich damit mal wieder völlig konträr zur Allgemeinheit, aber das wundert sicher keinen mehr?! ;) Im Englischen gibt es noch einen dritten Band der Blackshear-Serie, Lyx hat den aber bislang nicht übersetzt und so wie es aussieht, kommt er auch nicht mehr. Zumal der Historical-Versuch des deutschen Vorzeigeverlags wohl insgesamt eher als gescheitert zu bezeichnen ist; das Programm wurde wieder stark runtergeschraubt, wie’s aussieht.
Klappentext:
American heiress Louise Vandermeer has agreed to marry a European aristocrat. Her intended is rumored to be a hideously ugly man, a prospect that propels her into a reckless shipboard affair with a compelling stranger she never sees in the light of day. Unbeknownst to Louise, her mystery man is actually her betrothed, Charles d’Harcourt, whose romantic prank backfires when he becomes smitten with his own fiancee.
Kommentar:
Ich bin ja normalerweise ein großer Fan von »Die Schöne und das Biest«-Variationen, aber das nutzte in dem Fall auch nichts. Zumal das Biest eigentlich gar kein Biest war, sondern ein französischer Adliger, der trotz eines blinden Auges und einer Narbe ziemlich attraktiv ist und keinerlei Probleme hat, Frauen für sich zu begeistern. Aber von vorn:
Aus geschäftlichen Gründen lässt Charles sich auf eine arrangierte Ehe mit der wunder-wunder-wunderschönen Amerikanerin Louise ein, die halb so alt ist wie er und die er das erste Mal auf ihrer Überfahrt von Amerika nach Frankreich sieht. Wobei »sieht« zu viel gesagt ist, denn erstens ist er eigentlich gar nicht da, so rein offiziell (er weilt nämlich heimlich auf dem Schiff, um seiner Affäre mit einer verheirateten Frau zu frönen), und zweitens darf Louise ihn nie anschauen, d.h. nur im Dunklen oder mit verbundenen Augen treffen. Er sagt ihr nämlich nicht, wer er ist, sondern lässt sie in dem Glauben, er wäre ein arabischer Pascha. Louise – naiv und unerfahren, wie sie nun mal ist – ist natürlich vollkommen fasziniert von diesem »fremdländischen« Adonis und lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein, der nicht nur ihre Jungfräulichkeit, sondern auch ihr Herz zum Opfer fällt. Charles verliebt sich ebenfalls in seine zukünftige Frau, verpasst aber unzählige hervorragende Gelegenheiten, ihr reinen Wein über seine wahre Identität einzuschenken, und trennt sich bei Ankunft des Schiffs in Frankreich quasi von ihr. Sie ist zwar aus Vernunftgründen weiterhin bereit, sich auf die Ehe mit dem französischen Adligen einzulassen, leidet aber unter heftigem Liebeskummer wegen ihres arabischen Paschas.
Weil wir uns in einem Märchen Liebesroman befinden, erkennt Louise in ihrem französischen Prinzen den Pascha natürlich nicht wieder, denn er wendet den höchst raffinierten Trick an, nun nicht mehr – wie auf dem Schiff – englisch, sondern französisch mit ihr zu sprechen. Der Sprachwechsel scheint seine Stimme und Intonation so sehr zu verändern, dass Louise keinerlei Verdacht schöpft, auch nicht im Zusammenhang mit seinem sonstigen Auftreten, seinem Handeln oder Denken oder gar seinem Körperbau oder Geruch oder so. Seine Tarnung ist so gut, dass nicht mal Louises Hund ihn wiedererkennt. (Seht ihr mein Augenrollen?!)
Weil Louise ein tapferes Mädchen ist, das aussichtslose Situationen als solche erkennt, heiratet sie Charles wie verabredet trotz aller Liebe zu ihrem Araber; sie weigert sich allerdings zunächst, die Ehe zu vollziehen. Das macht Charles total wütend und spätestens angesichts seines diesbezüglichen gewalttätigen Ausrasters (er zerstört die komplette Einrichtung) hatte er das letzte Fitzelchen meiner Sympathie verloren. Natürlich sagt er Louise immer noch nicht, dass ER der vermeintliche Pascha ist, ebenso wenig wie bei zahlreichen weiteren grandiosen Gelegenheiten im Verlauf der Geschichte. Stattdessen setzt die Autorin offenbar darauf, dass sich Louise neu in ihren Ehemann verlieben soll, was erstens gar nicht so einfach ist angesichts all des Herzschmerzes wegen des unvergleichlichen Paschas und zweitens auch gar nicht so richtig Sinn macht; für mich zumindest nicht. Die Handlung zieht sich wie Kaugummi, ohne dass wirklich was passiert, und irgendwann nervt es nur noch kolossal, dass Charles nicht endlich mal eine der vielen Chancen ergreift, Louise die Wahrheit zu sagen.
Ich glaube, es ist kein allzu großer Spoiler, wenn ich an dieser Stelle verrate, dass die Sache am Ende natürlich rauskommt und zu einer Krise führt, bevor es zum Happy End kommen kann. Meine Güte, was für ein blöder Tanz … Ich wünschte, Mary Balogh hätte diese Geschichte ab der Ankunft in Frankreich zuende erzählt; das wäre genau ihr Plot gewesen und sie hätte was deutlich Besseres daraus gemacht!

5/15
Originaltitel: Sizzling Sixteen
Stephanie Plum, #16
Klappentext
Stephanie Plum erbt von ihrem Onkel Pip eine geheimnisvolle Flasche, die Glück bringen soll. Doch danach sieht es zunächst gar nicht aus: Cousin Vinnie, Eigentümer von Vincent Plum Bail Bonds, wird wegen angeblicher Spielschulden von einem Gangster festgehalten. Zum Glück haben Stephanie und ihre Kolleginnen einige Erfahrung darin, wie man vermisste Personen aufspürt. Aber wie sollen sie an die 786.000 Dollar kommen, die nötig sind, um Vinnie auszulösen? Mal ehrlich: Stephanie liegt gar nicht so viel an ihrem Boss, aber sie liebt nun mal ihren Job, also muss etwas passieren. Und ausnahmsweise entpuppen sich Morelli und Ranger, die beiden Männer an ihrer Seite, als wahre Glücksfälle …
Kommentar:
Was ist das eigentlich für ein Quatsch, dass jedes Stephanie-Plum-Buch das Wort »Kuss« im Titel enthalten muss? Mir geht dieser erzwungene Unsinn wirklich auf den Senkel; wieso bringt man stattdessen nicht das Engagement auf, Entsprechungen zum Original zu finden, die die Bandnummern enthalten, so wie man es bei den ersten vier Bänden gemacht hat? Aber nein, man setzt auf nichtssagende, austauschbar idiotische und krampfhaft auf lustig getrimmte Titel wie »Der Beste zum Kuss«, »Kuss mit Soße« oder »Kuss Hawaii« und auch noch Werbesätze, in denen Schwachsinnswörter wie »Nonkussultra« vorkommen! Wer denkt sich so was aus und kriegt derjenige wirklich Geld dafür??? Glauben die Verlage ernsthaft, dass die Leser das witzig finden?! (Finden andere Leser das vielleicht wirklich witzig, nur ich nicht?)
Okay, das Buch ist immerhin etwas besser als der deutsche Titel, wobei dazu ja nicht so viel gehört. Die Story ist mal wieder höchst absurd und übertrieben – wie man es von Stephanie-Plum-Büchern erwarten muss. Obwohl ich ein paarmal laut lachen musste über so manch eine Szene oder Formulierung, fand ich die Serie früher deutlich lustiger als heute. Ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob das daran liegt, dass sie heute noch übertriebener ist als früher – besser gesagt: nicht nur übertrieben, sondern zu übertrieben – oder dass sie einfach nicht mehr wirklich was Neues bietet und man außerdem irgendwie doch erwartet, dass Stephanie irgendwann noch was dazulernt bei der Verhaftung von NGVlern. Wenigstens ein kleines bisschen was!
Den nächsten Band werde ich selbstverständlich wieder kaufen und für eine schnell zu lesende, seichte und irgendwie ganz amüsante Unterhaltung wird er allemal gut sein. Und das ist ja auch schon was. (Und ich hab die Hoffnung ja immer noch nicht aufgegeben, dass Stephanie sich irgendwann Ranger schnappt – auch wenn ich nicht wirklich dran glaube. Dumme Nuss!)

9/15
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