Kategorien

Archive

2017 Reading Challenge

Irina has read 1 book toward her goal of 40 books.
hide

[Keine Rezension] Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag

Originaltitel: L’Échappée belle

 

Klappentext:
Eine Hochzeit, das Wiedersehen von vier Geschwistern und das Aufeinanderprallen verschiedener Welten: hier Simon, der Gutmütige, der von seiner freudlosen Frau Carine begleitet wird. Da Garance, die Extravagante und Schlagfertige, und ihre Schwester Lola, die keine Auseinandersetzung mit ihrer ach so korrekten Schwägerin scheuen. Doch einer fehlt: der Bruder Vincent. Während in der Kirche die Hochzeit in vollem Gange ist, stehlen sich die Geschwister davon und besuchen Vincent. Sie sperren die Welt aus und verbringen einen geschenkten Tag voller Wiedersehensfreude.

 

Kommentar:
Kurz nachdem ich Winterkatzes Leihgabe »Denn das Glück ist eine Reise« gelesen und für unspektakulär, aber dennoch sehr nett befunden habe, ist mir beim Regalsortieren Anna Gavaldas »Ein geschenkter Tag« in die Finger gefallen. Ich dachte, nachdem es ähnlich aussieht wie das Buch von Vermalle und ebenfalls von einer französischen Autorin ist, wäre es vielleicht auch ähnlich nett, und wollte einfach mal schnell reinlesen.

Tatsächlich hat mich »Ein geschenkter Tag« mit einer amüsanten Eingangsepisode um die nervensägige Schwägerin der Erzählerin Garance direkt in seinen Bann gezogen. Die Begeisterung war aber schnell dahin, denn schon kurz nach dem starken Beginn fällt die Geschichte mehr und mehr ab und langweilt zunehmend mit familiären Belanglosigkeiten, wenig unterhaltsamen Kindheitserinnerungen und philospophischen Gedanken, die teils ziemlich klischeebehaftet sind. Nichts, was mich besonders bei Laune gehalten hätte. Wäre da nicht der ansprechende Schreibstil, hätte ich das Buch wohl trotz seiner Kürze nicht beendet.

 


5/15

 

 

[Gelesen im September 2012]

[Rezension] Lisa Kleypas: Crystal Cove

Friday Harbour, #4

Klappentext:
Justine Hoffman has made a comfortable life for herself on the island of Friday Harbor. She is the proprietor of a successful boutique hotel, and she has the safe, predictable life she has always wanted. Growing up with her flighty, nomadic mother, Marigold, has instilled in her a deep longing for stability. But in spite of everything Justine has achieved, there is still something missing. Love. And after years of waiting and dreaming, she is willing to do whatever it takes to change her destiny.

What Justine soon discovers is that someone cast a spell on her when she was born, with the result that she will never find her soul mate. Determined to change her fate, Justine finds a way to break the enchantment, never dreaming of the dangerous complications that will follow.

And when Justine meets the mysterious Jason Black, she accidentally unleashes a storm of desire and danger that threaten everything she holds dear . . . because Jason has secrets of his own, and he wants more from her than fate will ever allow.

 

Kommentar:
»Crystal Cove« ist bereits der vierte Teil der Friday-Harbor-Serie, zeitgenössischen Liebesromanen mit einem Hauch Magie. Dieser Hauch Magie kam mir in den Bänden 1-3 irritierend bis überflüssig, aber nicht allzu störend vor, beim vorliegenden Buch schießt die Autorin aber für meinen Geschmack weit übers Ziel hinaus.

Protagonistin Justine ist nämlich eine heidnische Hexe. Da mich das Thema noch nie interessiert hat, ich mich folglich nicht damit auskenne und die Autorin es meiner Meinung nach auch nicht vernünftig erklärt, hab ich nicht wirklich begriffen, was für eine genau; für das Buch ist es allerdings auch nicht notwendig zu wissen, wodurch sich die diversen verschiedenen Hexen genau unterscheiden. Justine jedenfalls verfügt über beeindruckende Kräfte, die sie allerdings nur bedingt kontrollieren kann, weil sie die Hexerei nie lernen wollte und sich weigerte, dem Zirkel beizutreten, dem ihre ungeliebte Mutter angehört. Überdies ist sie im Besitz eines mächtigen Zauberbuches, das ihr dennoch ein bisschen Zauberei ermöglicht.

So verfällt sie eines Tages auf die Idee, mittels dieses mächtigen Zauberbuches einen Zauber zu wirken, der ihr die große Liebe bringen soll. Bei der Gelegenheit stellt sie fest, dass ein Fluch auf ihr lastet, der bis dato verhindert hat, dass sie sich ernsthaft verliebt. Sie hebt ihn auf und macht sich auf, um herauszufinden, wer sie damit belegt hat. Zwei befreundete Hexen aus dem Zirkel ihrer Mutter rücken nach zähem Ringen damit heraus, was es mit der Sache auf sich hat, und spätestens jetzt wird klar, dass die Liebesgeschichte in diesem Buch ziemlich anstrengend werden könnte: Es wird nämlich enthüllt, dass alle Männer, in die sich die Hexen verlieben, zwangsläufig recht schnell abnippeln, und dass man einen Fluch wie den, mit dem Justine belegt ist, mitnichten einfach so aufheben kann, ohne dass das wenig erbauliche Konsequenzen nach sich zieht.

Ziemlich zeitgleich taucht als Objekt der Begierde der Geschäftsmann Jason auf, ein Buddhist ohne Seele mit dem dazu passenden Nachnamen Black. Die Geschichte mit der nicht vorhandenen Seele ist übrigens wörtlich zu verstehen – er hat keine Seele. Sowas kommt schon mal vor, dann ist die Zeit auf der Erde allerdings meist relativ knapp bemessen und nur auf ein Leben beschränkt; Reinkarnation ist nicht. Jason hat seine ganze eigenen Gründe, nach Friday Harbor zu kommen und etwas mit Justine anzufangen, das wird aber später völlig beiläufig abgetan, weil sich der eigentlich eiskalte Geschäftsmann mit Haut und Haar in die Hotelbesitzerin verliebt hat und bereit ist, sein seelenloses Dasein für sie zu opfern.

Ihr seht schon, es ist diesmal einiges los auf der Insel – leider hat es aber nicht viel Spaß gemacht, bei diesem albernen Hin und Her dabei zu sein. Mir waren diese ganzen Flüche und Gegenflüche und Fluchübertragungen deutlich zu viel des Guten. Ich weiß nicht, was Kleypas sich dabei gedacht hat, so viel Gewicht auf paranormale Elemente zu legen, und denke auch nicht, dass die Leser von zeitgenössischen Liebesromanen so was lesen wollen. Hinzu kommt, dass dabei die Liebesgeschichte und die Emotionen total auf der Strecke bleiben. Stattdessen springt die Autorin zu allem Übel auf den BDSM-Zug auf – als hätte sie das nötig! – und liefert eine ganz fürchterliche Bondage-Szene ab, die weder gut geschrieben noch erotisch ist.

Ich hoffe wirklich, dass Kleypas im nächsten Buch der Serie den Magie-Anteil wieder stark runterschraubt und sich stattdessen auf das besinnt, was sie wirklich gut kann: gefühlvolle Liebesromane mit einer Prise Humor. Sonst ist die Friday-Harbor-Serie für mich Geschichte.

 


5 Punkte

 

Serieninfo:
01 Christmas Eve at Friday Harbor | Das Winterwunder von Friday Harbor – 8/15
02 Rainshadow Road | Zaubersommer in Friday Harbor – 11/15
03 Dream Lake | Der gute Stern von Friday Harbor (Dezember 2013) – 13/15
04 Crystal Cove | N.N.
05 Lighning Bay (September 2013)

[Keine Rezension] Heidi McLaughlin: Forever my Girl

The Beaumont Series, #1

Klappentext:

I was never supposed to be a rock star. I had my life all planned out for me. Play football in college. Go to the NFL. Marry my high school sweetheart and live happily ever after.

I broke both our hearts that day when I told her I was leaving. I was young. I made the right decision for me, but the wrong decision for us. I’ve poured my soul into my music, but I’ve never forgotten her. Her smell, her smile.

And now I’m going back.

After ten years.

I hope I can explain that after all this time.

I still want her to be my forever girl.

 

 

 

Kommentar:

Dieses Buch hab ich bei Chrissi entdeckt, und obwohl ihr Urteil letztendlich durchwachsen war, hat mich der Plot genügend angefixt, um mir das E-Book trotzdem zu kaufen. Es wäre allerdings absolut kein Verlust gewesen, das Buch nicht gelesen zu haben – mein Urteil ist ziemlich identisch mit dem von Chrissi.

Das Buch startet traurig, aber extrem stark. Ich war sofort gefesselt, habe mitgefiebert, mitgelitten und mitgeweint. Leider kann die Autorin das Niveau nicht lange halten, die Story verflacht sichtlich und plätschert schon nach Kurzem ziemlich spannungsarm vor sich hin. Den Hauptfiguren mangelt es an Tiefe bzw. an Ecken und Kanten, und alles in dieser Geschichte geht viel zu einfach. Das betrifft nicht nur die Beziehung zwischen Josie und Liam, sondern auch die zwischen Liam und seinem Sohn – beide sind vom ersten Augenblick an uneingeschränkt begeistert von ihrer Verwandtschaft, es gibt keine Reserviertheit, keine Skepsis, kein Fremdeln. Selbst die potenziellen Störfaktoren für das wiederzufindende Glück in Gestalt von Josies langjährigem Lebensgefährten und Liams eifersüchtige Agentin eliminieren sich quasi von selbst, indem sie Dinge tun, die so unverzeihlich sind, dass es den Protagonisten sehr leicht fällt, sie aus ihrem Leben zu verbannen. Man strebt dem Glück also ohne größere Hindernisse entgegen, und entsprechend wenig begeisternd ist das Buch.

Sprachlich und orthographisch scheint mir das Buch übrigens auch nicht besonders ausgefeilt zu sein. Mein Englisch ist ehrlich gesagt nicht gut genug, um das fundiert zu beurteilen, aber der eine oder andere Kommentar bei Goodreads bestätigt meinen Eindruck.

 


6/15

 

Was mich jetzt noch bewegt:
Gehören Hidden-Baby-Plots eigentlich zwingend zu Rock-Star-Büchern?

[Rezension] Sherry Thomas: Tempting the Bride

Fitzhughes, #3

Verlagstext:
Helena Fitzhugh understands perfectly well that she would be ruined should her secret love affair be discovered. So when a rendezvous goes wrong and she is about to be caught in the act, it is with the greatest reluctance that she accepts help from David Hillsborough, Viscount Hastings, and elopes with him to save her reputation.

Helena has despised David since they were children—the notorious rake has tormented her all her life. David, on the other hand, has always loved Helena, but his pride will never let him admit the secrets of his heart.

A carriage accident the day after their elopement, however, robs Helena of her memory—the slate is wiped clean. At last David dares to reveal his love, and she finds him both fascinating and desirable. But what will happen when her memory returns and she realizes she has fallen for a man she has sworn never to trust?

 

Kommentar:
Manche Bücher gefallen mir einfach nicht, weil mir der Plot nicht liegt oder ein Charakterzug ein Protagonisten; dass andere mehr damit anfangen können, kann ich aber nachvollziehen. Hin und wieder ist es mir aber wirklich ein Rätsel, was andere Leser an einem Buch finden. So geschehen hier – was umso enttäuschender ist, da ich mich sehr auf die Geschichte von Hastings und Helena gefreut hatte.

Helena Fitzhugh ist eine für die damalige Zeit ziemlich fortschrittliche Frau. Sie arbeitet als Verlegerin und unterhält ein heimliches Verhältnis mit einem verheirateten Mann; die Bemühungen ihrer Familie, sie von Mr. Martin fernzuhalten, helfen wenig. Dann wird den beiden Liebenden eine Falle gestellt, und um einen Skandal zu vermeiden, muss Helena Lord Hastings heiraten, den ihr seit Jugendzeiten verhassten Freund ihres Bruders. Bevor es allerdings zur Hochzeit kommt, wird Helena in einen Unfall verwickelt und verliert das Gedächtnis …

Das ist ja mal ein Kniff, oder? Frau liebt einen verheirateten Mann und hasst ihren langjährigen Verehrer, dann aber zwingen die Umstände sie, vom verheirateten Mann zu lassen und den Verehrer zu heiraten. Aber juchee, zum Glück für alle Beteiligten verliert die Frau ihr Gedächtnis, und alle können von vorn beginnen. Da Helena nichts mehr von ihrer Verachtung für Hastings weiß, der sie jahrelang beleidigt und verspottet hat, um seine Gefühle zu überspielen, kann sie sich ganz auf die Gegenwart konzentrieren. Das ist gut für Hastings, denn der kann endlich er selbst sein und entpuppt sich als verständnisvollster, liebevollster und umsichtigster Mann der Welt. Die Chancen auf ein Happy End stehen bestens, aber so läuft’s natürlich nicht – wär ja auch langweilig.

Stattdessen findet auf knapp 300 Seiten ein nervensägiges Hin und Her statt, in dessen Verlauf Helena Hastings mal liebt und mal hasst. Als Hastings ihr erzählt, dass sie vor dem Unfall in Mr. Martin verliebt war, reagiert sie noch mit Unverständnis und kann gar nicht fassen, was sie an diesem Langweiler gefunden haben soll. Nicht viel später kehrt jedoch die Erinnerung an Hastings zurück, und das ist nicht so gut für die Beziehung der beiden, doch auch diese Krise wird abgewendet. Das Paar scheint schon auf dem besten Weg ins endgültige Glück zu sein, als es endgültig abstrus wird. Helena erinnert sich plötzlich wieder an ihren »sweet, poor Mr. Martin«, und das lächerliche Drama nimmt seinen Lauf: Helena überhäuft Hastings mit ungerechten Vorwürfen, woraufhin der in alte Muster verfällt und mit verletzenden Worten zurückschlägt. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass die beiden am Ende auch diese Krise überwinden, obwohl sich für Helena zwischenzeitlich eine ungeahnte Chance auftut, um ihr die Freiheit der Wahl zu geben.

Es ist typisch für Sherry Thomas, dass ihre Protagonisten bisweilen ganz schön eigen sind, und mit Helena reiht sich eine weitere Figur in diesen Reigen ein. Leider schießt die Autorin hier mal wieder übers Ziel hinaus und macht aus der eigentlich fortschrittlichen Lady eine zum Teil wenig sympathische Frau, die das Wohl ihres Geliebten Mr. Martin über alles stellt. Hastings bleibt eigentlich ziemlich blass; sein früheres mieses Verhalten Helena gegenüber wird ziemlich fadenscheinig mit seiner Herkunft und Vergangenheit begründet, und er wird vorwiegend durch sein Verhalten seiner Tochter gegenüber definiert. Er hat nämlich ein uneheliches Kind mit massiven Verhaltensstörungen (deren Ursache nur unzureichend geklärt werden), das er höchst liebevoll und mit einer Engelsgeduld behandelt – womit er Helena immer wieder aufs Neue beeindrucken kann.

Man hat also ein Buch voller Krisen, wo doch eine völlig gereicht hätte – dann hätte die Autorin vielleicht auch Zeit gehabt, die Gefühle der beiden Protagonisten transparent zu machen. Das gelingt Thomas diesmal nämlich überhaupt nicht; sie erzählt zum Teil sehr episodenhaft hier und dort eine Begebenheit und behauptet Dinge, die man einfach nicht nachempfinden kann. Es gibt natürlich ein paar schöne Stellen, aber alles in allem hab ich mich lange nicht mehr so geärgert beim Lesen eines sehnsüchtig erwarteten Buches. Einmal mehr fühle ich mich in meiner Überzeugung bestätigt, dass Back-to-Back-Veröffentlichungen (fast) immer zu Lasten der Qualität gehen.

 


5 Punkte

 

Serieninfo:
01 Beguiling the Beauty – 9/15
02 Ravishing the Heiress – 12/15
03 Tempting the Bride – 5/15

[Rezension] Jenny Downham: Ich gegen dich

Originaltitel: You Against Me

 

Verlagstext:
Als Mickey erfährt, dass Tom, Sohn reicher Eltern, seine fünfzehnjährige Schwester Kathryn vergewaltigt haben soll, will er sich rächen. Da kommt ihm der Flirt mit Toms Schwester Ellie mehr als gelegen. Als Liebe daraus wird, muss er sich entscheiden, auf wessen Seite er steht: Hält er zu Kathryn, dem Opfer, zu seiner Mutter, einer Alkoholikerin und seiner kleinen Schwester Holly, oder gibt er der Liebe eine Chance? Und auch Elli stürzt die Beziehung zu Mickey in einen Gewissenskonflikt: Soll sie ihren Bruder weiter schützen oder auspacken? Und was wird dann aus ihrer Familie? Ein spannender Roman über die Liebe, die Lust am Leben und die Entdeckung des eigenen Muts, den man nicht mehr aus der Hand legt, bis zur allerletzten Zeile.

 

Kommentar mit Spoilern:
Ich bin verärgert, meine Zeit mit diesem Buch verschwendet zu haben. Nachdem ich erst nicht reinkam, wurde es im Mittelteil etwas besser, nur um dann wieder ganz furchtbar langweilig zu werden und in einem unsäglichen Ende zu versanden. Aber ich hätte es wissen müssen; der deutsche Verlag hat offenbar mit Absicht ein so bescheuertes Cover gewählt – als Abschreckungsmaßnahme!

 

Es geht um ein Mädchen aus gutem Hause, dessen Bruder Tom der Vergewaltigung bezichtigt wird. Er bestreitet alles und behauptet, Karyn hätte es gewollt; Protagonistin Ellie, die ebenfalls im Haus war, gibt an, nichts von der Sache mitbekommen zu haben. Es ist allerdings schnell klar, dass sie mehr weiß. Kurz nach dem Verbrechen lernt Ellie einen wundervollen Jungen kennen und lieben – der sich nicht viel später als Karyns Bruder entpuppt. Er wollte sie ursprünglich für die Handlungen ihres Bruders bezahlen lassen bzw. sie aushorchen, verwirft seine Pläne allerdings, weil er sich ebenfalls in Ellie verliebt. Logischerweise steht die Beziehung der beiden unter keinem guten Stern …

Eigentlich finde ich das Thema ja grundsätzlich interessant, denn es geht darum, dass Ellie die folgenschwere Wahl treffen muss, ob sie ihr Wissen über Toms Tat verschweigen und ihren Bruder schützen soll oder ob sie die Wahrheit sagen soll – und sich somit gegen ihre Familie wenden. Das Buch ist fast zu Ende, als Ellie sich entscheidet, doch obwohl ich das Mädchen bis dahin 300 Seiten lang begleitet habe, ist mir absolut unklar, wieso sie sich letztendlich so entschieden hat. Ihr eigener Konflikt wird auch nicht so richtig deutlich, denn sie setzt sich eigentlich gar nicht wirklich mit den Vorkommissen in jener Nacht auseinander, zumindest nicht für den Leser nachvollziehbar. Zudem werden die Geschehnisse nicht final geklärt; es bleiben diverse Fragen offen. Außerdem wird die Schuldfrage für meinen Geschmack nicht ausreichend problematisiert – was aber meines Erachtens unabdingbar ist, wenn man schon ein solches Thema aufgreift. Ich erwarte keine moralische Wertung, aber doch zumindest ein Aufzeigen der verschiedenen möglichen Betrachtungsweisen und auch Motive.

Ich hätte dem Buch vielleicht trotzdem noch 3 Sterne (7 Punkte) gegeben, wenn mich der Fortgang der Handlung nach Ellies neuer Aussage so geärgert hatte: Nachdem wir nämlich endlich so weit sind, dass Ellie die Wahrheit sagt, erfährt man zwar, dass die Gerichtsverhandlung ganz schön hart für alle Beteiligten werden wird, vornehmlich für Ellie und Karyn, tatsächlich endet das Buch aber vorher – was ich echt ärgerlich finde, zumal immerhin noch die Option in den Raum gestellt wird, dass Tom selbst die Wahrheit sagen und somit die beiden Mädchen vor der Schmach bewahren könnte.

Die Liebesgeschichte hat mich vollkommen kaltgelassen, und weder Ellie noch Mikey haben mich in irgendeiner Form berührt; mir war selten so egal, was aus der Beziehung der Protagonisten wird. Überdies mussten noch diverse Klischees ins Buch gepackt werden, so kommt Tom aus reichem Hause und Karyn aus einer sozial schwachen Familie mit einer Alkoholikermutter, die nur bedingt in der Lage ist, die Verantwortung und Fürsorge für ihre Kinder zu übernehmen (man hört förmlich das Gemunkel, dass es unter den Umständen kein Wunder ist, dass die 15-jährige Tochter sturzbetrunken in so eine Situation geraten ist). Aber zum Glück ist da ja der verantwortungsbewusste Mikey, der die Welt seiner Familie, ach was, eigentlich die ganze Welt, wieder ins Lot bringt.


5 Punkte

[Keine Rezension] Judith Ivory: Sleeping Beauty

Verlagstext:
Once, a long time ago, Coco Wild learned to never allow a man’s kiss to move her, for that way led to her downfall. A slender beauty with alluring eyes, she built impregnable defenses around her emotions. The men who came to adore her, fought to conquer her and learn her mysteries, made her the toast of London, but none were able to rouse her passions.

But that hard taught lesson is about to unravel because of Sir James Stoker. Back in England with a treasure of gold from his adventures, newly knighted by Queen Victoria herself, and feted everywhere, the handsome explorer has the world at his feet. He’s exactly the man that Coco might have dreamed about when she was young: a tall, fair hero with a charming smile. Now he’s turned his energy toward winning her, the most desirable and the least attainable woman he knows; and Coco’s afraid James may find his way past the thorns that have so long protected her from the world, and awaken her slumbering heart with just one kiss.

 
Kommentar:
Es war mal wieder Zeit für ein Judith-Ivory-Buch, fand ich. Vor allem mit »Untie My Heart« (Rezension) hat mich die Autorin vor einigen Jahren wirklich begeistert, und Liebesromane mit Märchenmotiv sind ja nie verkehrt. Leider konnte ich »Sleeping Beauty« aber nicht viel abgewinnen, im Gegenteil: Das Buch hätte mich beinahe in eine ernsthafte Lesekrise gestürzt.

Der Gelehrte und Forscher James Stoker wirkt extrem naiv und ist das Paradebeispiel eines Stalkers: Er beobachtet und verfolgt Coco Wild auf Schritt und Tritt, zieht dann abstruse Schlüsse aus seinen heimlichen Beobachtungen und konfrontiert Coco dann mit seinen Einbildungen. Sie nimmt seine Vorwürfe erstaunlich gelassen hin, vielleicht ist sie sowas als ehemalige Kurtisane und Frau von Welt gewohnt. Von ein paar völlig uninteressanten Intrigen abgesehen, die James‘ Forschungen bzw. seinen Afrikaufenthalt betreffen, ist das Buch ist ein ewiges Hin und Her aus »Ich will dich« (James) und »Wir dürfen nicht« (Coco). Doch als es endlich so weit ist, dass Coco ihre Bedenken und Lebenspläne über den Haufen wirft, lässt James sie im Stich – natürlich nur, um später in einer höchst dramatischen Szene die Rückeroberung in Angriff zu nehmen.

Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie dieses Buch zu so guten Rezensionen kommt; ich fand die Handlung wirklich höchst ermüdend, James mit seinem ständigen Stalking schrecklich nervig und Coco relativ blass. Ich konnte keinerlei Verbindung zu den Protagonisten aufbauen und – was viel schlimmer ist – auch keinerlei Emotionen zwischen ihnen spüren. Das Buch hatte nette Momente, aber die haben alle anderen Mängel mitnichten wettgemacht. Und auch, wenn das nicht zu Abzügen in der Bewertung führt: Ich wäre im Leben nicht auf eine Parallele zum Dornröschen-Motiv gekommen (was aber daran liegen könnte, dass ich die Ur-Version von Charles Perrault nicht kenne, sondern nur die Grimmsche Version des Märchens).

 


6 Punkte

[Keine Rezension] Kai Meyer: Asche und Phönix

Verlagstext:
Parker und Ash haben nichts gemeinsam. Er ist Hollywoods größter Jungstar, das Gesicht des Magiers Phoenix aus den »Glamour«-Filmen. Sie ist eine »Unsichtbare«, nirgends zu Hause, getrieben von der Angst, wie alle anderen zu sein. Doch dann erwischt Parker Ash in seiner Londoner Hotelsuite, wo sie gerade sein Bargeld klaut. Parker kann sein Leben im Fokus der Medien nicht mehr ertragen. Und nutzt die Chance, mit Ash vor den Fans und Paparazzi zu fliehen. Dabei scheint er geradezu körperlich abhängig von Ruhm und Aufmerksamkeit. Ihre gemeinsame Flucht führt sie durch Frankreich an die Côte d’Azur – auf den Spuren eines teuflischen Paktes, verfolgt von einer dämonischen Macht, die sie gnadenlos jagt.

Kommentar:

Als Kai Meyer sein neues Buch vorgestellt hat, war ich sofort Feuer und Flamme: Nicht nur das Cover fand ich extrem ansprechend, sondern auch den Klappentext. Letzteren hab ich allerdings mal wieder nicht aufmerksam genug gelesen bzw. bei »teuflischer Pakt«, »dämonische Macht« und »gnadenlose Jagd« einfach nicht geschaltet. Während ich also blauäugigerweise dachte, ich kriege eine reale Geschichte über einen Jungen und seiner Verbündeten auf der Flucht vor dem Ruhm (was auch insofern doof war, weil Meyer Bücher ja immer zumindest starke fantastische Elemente haben), bekam ich es tatsächlich mit einer fantastischen Geschichte zu tun, in deren Zentrum eine Art Teufelspakt steht. (Dass dieses Thema von unzähligen Rezensenten als ach so innovativ und neu gepriesen wird, kann ich übrigens nur auf mangelnde Literatur-, Sagen- und Filmkenntnisse zurückführen!)

Ich hätte damit leben können, dass ich was anderes kriege als erwartet, zumal ich Teufelspaktgeschichten eigentlich immer ganz faszinierend finde. Leider ist die Umsetzung hier nicht wirklich spannend: Alles, was mit dem Teufelspakt zu tun hat, ist wenig überraschend, und darüber hinaus gibt es im wesentlichen Verfolgungsjagden und Gemetzel. Parker und Ash sind während der kompletten Handlung auf der Flucht: erst vor den Paparazzi und Fans, dann vor ihrem überirdischen und eigentlich übermächtigen Widersacher namens Libatique und dessen skurrilen Zombies. Zahllose Leichen pflastern ihren Weg, und es geht teilweise wirklich ganz schön ekelhaft und brutal zu – für schwache Nerven ist das Buch definitiv nichts.

Hinzu kommt, dass Parker und Ash trotz der vielversprechenden Einführung letztendlich sehr blass bleiben. Man erfährt extren wenig über ihren Hintergrund und ihre Vergangenheit und ebenso wenig über ihr Wesen. Ich assoziiere mit beiden keinerlei Charakterzüge und Besonderheiten, die sie bemerkenswert machen würden. Für Ash gilt das noch viel mehr als für Parker, da hilft auch ihr eigenwilliges Hobby nichts, alles Mögliche und Unmögliche zu fotografieren und die Fotos irgendwo hinzupinnen. Beide sind einfach nur irgendwelche Teilnehmer an einem Actionspektakel, in das sie ohne eigenes Verschulden geraten sind. Und auch in Sachen Nebenfiguren hat »Asche und Phönix« wenig zu bieten, zumal diese – kaum eingeführt – auch schon wieder massakriert werden.

Richtig schlecht ist das Buch bei aller Kritik nicht, aber der große Wurf ist dem Autor für meinen Geschmack auch nicht gelungen – wobei fairerweise noch mal darauf hingewiesen sei, dass ich solche actionreichen Stoffe einfach auch nicht besonders mag. Davon abgesehen drängt sich mir aber der Gedanke auf, dass Meyer möglicherweise doch lieber beim Schreiben von Trilogien bleiben sollte, bei denen er Zeit hat, eine Geschichte und vor allem die Charaktere ausgiebig zu entwickeln.

 


6 Punkte

[Rezension] Anne Gracie: Ein stürmischer Retter

Originaltitel: The Perfect Stranger
Perfect, #3

Kurzbeschreibung (Amazon):
In einer dunklen Strandnacht im Jahre 1818: Mitten in den Dünen drohen Faith die Kräfte zu verlassen. Die Stimmen ihrer lüsternen Verfolger, die immer näher kommen, die Dornen allüberall sind kaum mehr zu ertragen. Ob sie mit ihrer Flucht doch zu viel wagte? Entsetzt erkennt Faith, wie schutzlos sie so allein ist. Da geschieht das Unerwartete: Plötzlich hört sie Musik, sanfte spanische Musik … sieht ein Lagerfeuer und dann – ihn. Wie ein Sturm kommt ihr Retter aus dem Schatten, zieht Faith mit seinen starken und doch sanften Händen ins warme Licht und tut etwas, was noch kein Mann für sie getan hat: Er kämpft für sie …


Kommentar:

Bereits 2007/2008 sind die ersten beiden Bände von Anne Gracies Perfect-Serie bei Cora auf Deutsch erschienen. Anschließend wurde die Serie aus mir unbekannten Gründen (ich mutmaße einfach mal, dass die Resonanz nicht gut genug war) zunächst auf Eis gelegt, um nun – drei Jahre später – fortgesetzt zu werden.

Frankreich, 1818. Faith Merridew ist auf der Flucht vor drei Männern, die ihr an die Wäsche wollen, als sie auf Nicholas Blacklock trifft. Der Engländer rettet sie vor ihren Verfolgern und versorgt ihre Wunden. Als er von ihrem Schicksal hört, bietet er ihr sogar an, sie zu heiraten, um ihre Ehre zu retten – allerdings soll die Ehe nur auf dem Papier bestehen, und Faith soll eigentlich nach der Trauung nach England zurückkehren. Sie weigert sich allerdings, und begleitet stattdessen Nicholas und seine beiden Gefährten Mac und Stevens auf ihrer geheimnisvollen Mission durch Frankreich und Spanien …

Ich konnte mich schon der allgemeinen uneingeschränkten Begeisterung für die beiden Vorgängerbände nicht so ganz anschließen – zwar fand ich sie ganz nett, aber ich hatte nie den Drang, unbedingt mehr von der Autorin zu lesen. Das hat sich mit diesem Band nicht geändert. Ich fand die Geschichte wenig glaubwürdig, wenig romantisch und die Figuren kein bisschen mitreißend. Vor allem die sturköpfige Protagonistin Faith war gar nicht mein Fall: Sie wirkte auf mich trotz einiger sympathischer Züge einfach nur schrecklich naiv und daher einigermaßen nervig. Ich halte es für möglich, dass Faith’ Naivität durch die Übersetzung verstärkt sein könnte, aber das ist nur ein indifferentes Gefühl, das ich nicht belegen kann. Faith’ Ehemann Nicholas, der unter einer geheimnisvollen Krankheit leidet, ist auch nicht gerade ein Sympathieträger, sondern ein Meister im Verdrängen, der zudem ständig Dinge tut und erlaubt, die er eigentlich gar nicht tun und erlauben will. Die Nebenfiguren, Nicks Begleiter Stevens und Mac, kann man fast schon als Lichtblicke in der Personenkonstellation bezeichnen – ganz besonders im Vergleich zur Zigeunerin Estelle, die gegen Ende zur Reisegruppe stößt und den Gipfel der Nervigkeit darstellt.

Die Geschichte plätschert über weite Strecken vor sich hin, ohne dass wirklich was passiert – außer dass die Protagonisten versuchen, trotz aller Liebe und Fürsorge ihre Gefühle füreinander zu verleugnen. Das Ganze gipfelt dann in einem fantastischen Ende um eine Prophezeiung und eine Wunderheilung, was ebenso albern ist wie der Drang der Autorin, alle Beteiligten unter die Haube zu bringen, notfalls auch ohne dazugehörige Geschichte.

Fazit:
6/15 – Durchschnittlicher Liebesroman, dem es vollkommen an Romantik mangelt.

 

 

Serieninfo:
01 The Perfect Rake | Ein köstliches Spiel – 12/15
02 The Perfect Waltz | Ein magischer Walzer – 10/15
03 The Perfect Stranger | Ein stürmischer Retter – 6/15
04 The Perfect Kiss | Ein verbotener Kuss

[Keine Rezension] Sarah Stewart Taylor: Der Totenschmuck

OT: Mansions of the Dead
Sweeney St. George, #2

Kurzbeschreibung (Amazon):
Die Kunsthistorikerin Sweeney St. George wird von der Polizei zu Rate gezogen: Einer ihrer Studenten wurde ermordet und seine Leiche mit Trauerschmuck behängt. Ein Ritualmord? Sweeney besucht die wohlhabende Familie des Toten und versucht, mehr über die Herkunft des Schmuckes in Erfahrung zu bringen. Doch die Familienmitglieder hüllen sich in Schweigen. Heimlich setzt Sweeney ihre Recherchen fort und findet heraus, dass die Familie vor nicht allzu langer Zeit einen weiteren tragischen Todesfall zu beklagen hatte …


Kommentar:

Wenn man schon auf Seite 60 furchtbar gelangweilt ist, sollte man ein Buch eigentlich weglegen. Da die Hoffnung aber zuletzt stirbt, habe ich bis Seite 100 durchgehalten – und die restlichen 300 Seiten anschließend quergelesen. Das war auch mehr als ausreichend, ich hatte am Ende jedenfalls nicht das Gefühl, als wäre mir irgendwas entgangen.

Die Protagonistin Sweeney St. George – deren schrecklicher Vorname mich eigentlich schon von vornherein hätte abschrecken sollen! – ist Kunsthistorikerin und Grabforscherin und wird von der Polizei als Expertin zu einem Fall hinzugezogen, bei dem Totenschmuck eine Rolle spielt. Wie sich herausstellt, ist der Tote ein Student von ihr, der auch noch aus einer der bedeutendsten Familien der Stadt kommt. Natürlich haben solche Familien grundsätzlich Dreck am Stecken, und zwar jedes einzelne Mitglied, sodass sich viele, viele Ermittlungsansätze und Aspekte ergeben, die man fröhlich beleuchten kann.

Zu allem Übel wird die Geschichte auch noch aus zahlreichen Perspektiven erzählt – was aber nunmal nur dann sinnvoll und unterhaltsam ist, wenn der Autor sein Handwerk richtig gut beherrscht (s. z.B. Deborah Crombie). Überflüssig zu erwähnen, dass das hier nicht der Fall ist: Die verschiedenen Blickwinkel bringen die Handlung wenig bis gar nicht voran und sind daher überflüssig und langweilig. Die Figuren können das Buch auch nicht retten – weder die zwar nicht unsympathische, aber auch nicht gerade charismatische Protagonistin noch irgendwelche Nebenfiguren in Gestalt von Polizisten, Studenten oder Verdächtigen.


Fazit:

4/15 – Langweiliges Geplänkel ohne Spannung und Charme, das nur eine richtig tolle Protagonistin hätte retten können. Sweeney St. George hat dazu aber nicht das Zeug.

 

 

Serieninfo:
01 O’Artful Dead | Ein listiger Tod
02 Mansions of the Dead | Der Totenschmuck
03 Judgment of the Grave | Das Totengericht
04 Still as Death | Leise kommt der Tod

[Rezension] Susane Colasanti: Something Like Fate

Klappentext (Amazon):
Erin and Lani are best friends . . . and total opposites when it comes to everything, including boys. But then Erin starts dating Jason, and when Lani meets him, sparks fly. Lani is a loyal friend to Erin, but when junior year ends and Erin goes to camp for the summer, she leaves Lani behind . . . with Jason. Will Lani be able to put her friendship with Erin first, or will she be tempted by the guy who may just be her soul mate?


Kommentar (Achtung, enthält Spoiler!):

Als Steflite auf ihrem Blog den Trend der Händchenhalt-Cover vorgestellt hat, hat mich »Something Like Fate« regelrecht angesprungen: Nicht nur fand ich das Cover extrem hübsch, sondern der Klappentext hat auch noch eine spannend klingende Dreiecks-Lovestory versprochen – die mag ich ja ohnehin besonders gern.

Lani ist wie vom Blitz getroffen, als ihre beste Freundin Erin ihr ihren designierten neuen Freund Jason vorstellt. Lani und Jason verstehen sich auf Anhieb und haben sofort das Gefühl, sich schon ewig zu kennen – sind sind offensichtlich Seelenverwandte. Wegen Erin beschränken sie ihre Beziehung zunächst auf eine rein freundschaftliche Ebene, doch dauerhaft können sie ihre Gefühle füreinander nicht verleugnen. Erin ist stinksauer, als sie erfährt, dass Lani und Jason zusammen sind, und macht vor allem ihrer ehemaligen besten Freundin das Leben zur Hölle …

Was eigentlich eine spannende Konstellation ist, ist für meinen Geschmack leider nicht überzeugend umgesetzt – oder vielleicht ist mir der Umgang mit den Problemen auch einfach nur zu »teenie«. Schon die Basis für die Beziehung ist albern: Jason ist noch gar nicht mit Erin verpaart, als er das erste Mal auf Lani trifft. Doch obwohl er die Seelenverwandtschaft mit dem Mädchen ebenfalls erkennt und sich sofort zu ihr hingezogen fühlt, lässt er sich auf eine Beziehung mit Erin ein, weil er denkt, Lani sei mit einem anderen zusammen. Nicht gerade eine gute Basis für eine Beziehung, so aus erwachsener Sicht!

Dass Erin das ständige, wenngleich zunächst noch freundschaftliche Zusammensein zwischen Lani und Jason überhaupt nicht stört, kommt mir auch befremdlich vor; das ist aber vielleicht mit dem großen Vertrauen zu erklären, das sie in ihre Freundin hat. Umso schlimmer, dass Lani dieses Vertrauen enttäuscht – und hier sind wir beim nächsten Punkt, der mir überhaupt nicht gefallen hat: Erins Verhalten, nachdem sie von der Beziehung zwischen Lani und Jason erfährt, ist zwar absolut inakzeptabel, ich kann ihre Wut aber dennoch verstehen. Man fängt einfach nichts mit dem (Ex-)Freund der besten Freundin an. Punkt. Auch dann nicht, wenn er vorher Schluss gemacht hat – das macht die Sache kein bisschen besser, schon gar nicht, wenn er wegen einem Schluss gemacht hat. Ausrufezeichen.

Das Büßergewand, das Lani sich daraufhin aus lauter schlechtem Gewissen anzieht, ist trotzdem bescheuert. Sie verspricht der wütenden Erin nämlich, den Kontakt zu Jason aus alter Verbundenheit abzubrechen. Lustigerweise steht sie aber trotzdem als notorische Freund-Ausspannerin da und wird von Erin und dem Rest der Schule gedisst. Für mich macht das keinen Sinn: Wenn Erin Lani die Freundschaft ohnehin kündigt und sie trotzdem attackiert, warum sollte sie den Kontakt zu Jason abbrechen? Zu diesem unlogischen Verhalten passen dann immerhin die Auflösung der Krise und die Aussprache mit Erin.

Erschwerend zu diesen Kritikpunkten kommt hinzu, dass ich Lani und Jason die vermeintliche Seelenverwandtschaft nicht wirklich abgekauft habe – zumal ein paar Gemeinsamkeiten noch keine Seelenverwandtschaft ausmachen! Davon abgesehen ist dieser Seelenverwandtschaftsquatsch aber schlicht eh nicht mein Ding.

Auch die Figuren konnten mich nicht wirklich überzeugen, und zwar keine einzige – sie sind durch die Bank blass. Lani hab ich weder die Umweltschützerin noch die Esoteriktante (sie interessiert sich für Handlesen, Tarot, Horoskope, Sternzeichen usw.) wirklich abgenommen, und Jason war auch nicht überzeugender. Der hatte bei mir allerdings schon deshalb keinen guten Stand, weil er sich auf Erin eingelassen hat, obwohl er sich eigentlich zu Lani hingezogen fühlt (siehe oben). Dass er seine Freundin später per Brief abgesägt, während sie hunderte von Meilen entfernt im Ferienlager weilt und weder Internet noch Telefon hat, hat ihn in meinem Ansehen natürlich auch nicht gerade steigen lassen. (Auch wenn es heutzutage ja geradezu en vogue ist, seinen Partner per SMS abzuschießen, gern auch medienwirksam. Ich weiß.) Völlig unglaubwürdig war Lanis andere ach-so-gute Freundin Danielle, und mit Lanis Freund Blake hat die Autorin dann zudem die fast schon obligatorische Rolle des schwulen besten Freunds abgedeckt. Sehr praktisch, so konnten neben Umweltfragen und Mobbingproblematik auch das Schwulenthema abgekaspert und Toleranz gepredigt werden.

Ehrlich gesagt kam mir das Buch beim Lesen komischerweise gar nicht so schlecht vor, wie es jetzt klingt – es liest sich flüssig und ist soweit ganz unterhaltsam. Doch je mehr ich darüber nachgedacht, desto mehr ärgerliche Kritikpunkte sind mir eingefallen – meine Punktewertung ist jetzt also ein Mischmasch aus dem ganz positiven Eindruck während des Lesens und dem Ergebnis nach kurzer Reflexion übers Buch. Fest steht für mich aber vor allem: Die Autorin wollte mit diesem Buch m.E. zu viel; sie hat zu viele verschiedene Aspekte eingebaut. Dabei sind die Figuren und deren Gefühle in Vergessenheit geraten – von Romantik und großer Liebe habe ich jedenfalls nichts bemerkt.

Fazit:
6/15 – Sehr durchschnittliche Teenie-Lovestory, die zwar vordergründig ganz unterhaltsam zu lesen, aber bei näherer Betrachtung dennoch ziemlich verzichtbar ist.