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Originaltitel:

Inhalt:
Einen solch heiklen Fall hat die ebenso intelligente wie attraktive Elena Morales noch nie in ihrer Versicherung bearbeiten müssen: Als Sanitäter getarnte Diebe haben den Weinkeller eines reichen Anwalts aus Los Angeles leer geräumt und sind in einem Krankenwagen mit 600 Flaschen edelsten französischen Weines im Wert von drei Millionen Dollar entkommen. Als Komplize dabei war der Hausmeister des Anwalts, der den Dieben das Tor öffnete.
Elena will den Schaden vorerst nicht begleichen, zu obskur scheint ihr der Fall, zu schleppend laufen die polizeilichen Ermittlungen an. Glücklicherweise ist ihr Teilzeitgeliebter Sam Levitt frankophil und ein Weinkenner von hohen Gnaden. Da er zwischenzeitlich auf die schiefe Bahn geraten ist und dringend Geld braucht, kann er Elenas Angebot nicht ausschlagen: Er soll den gestohlenen Wein aufspüren. Nur im Erfolgsfall erhält er einen Lohn. Die Intuition sagt ihm: Wenn ausschließlich französischer Wein geraubt wurde, muss es sich um eine Art patriotischen Diebstahl handeln, um eine Rückführung des Weines in seine Heimat. Die Spur führt nach Marseille, und Sam nimmt sie auf seine Weise auf: lustvoll, unkonventionell und unverschämt raffiniert.
Kommentar:
Ich will es einigermaßen kurz machen, denn viel gibt das Buch auch gar nicht her. Obwohl die Grundidee, der Weindiebstahl, eigentlich ganz nett und mal was anderes ist, bietet der Kriminalfall bestenfalls Stoff für eine Kurzgeschichte. Deshalb ist er großzügig angereichert mit zahlreichen Nebenthemen rund um die französische Lebensart jeder Couleur: In aller Ausführlichkeit erfährt der Leser jede Menge Details über Gebäude und Straßenzüge sowie Mode und französische Lässigkeit, über Weingüter, Weingeschmack, Weingeschichte und Grundsatzfragen rund um den Wein, etwa: »Aus welchem Land kommt der beste Wein?« (ratet!), »Sind Schraubverschlüsse Korken vorzuziehen?« oder »Gibt es den perfekten Gaumen?« Und weil Detektiv Sam und seine bordelaise Assistentin Sophie während ihrer Ermittlung außer Weintrinken im wesentlichen Essen, bleiben ausführliche Beschreibungen von Nobelrestaurants und unverfälschten, charmanten, touristenfreien Klitschen, von Menüfolgen, Speisen, kulturellen Geschmacksunterschieden (Innereien sind toll, auch wenn Amerikaner sie nicht zu schätzen wissen) und Esstechniken (etwa der des Austernessens) nicht aus. Üblicherweise tragen solche Dinge zum Flair eines Buches bei und ich mag Einblicke in eine Kultur durchaus gerne, doch hier ist das Verhältnis zwischen Kriminalfall und kulturellen Aspekten vollkommen unausgewogen und macht deshalb keinen Spaß mehr – zumindest nicht, wenn man einen Krimi und keine Glorifizierung Frankreichs lesen will.
Wie Hauptfigur Sam, verbrecherischer Ex-Jurist, es zum Versicherungsdetektiv gebracht hat, ist unklar; er dürfte nämlich zu den unfähigsten Ermittlern gehören, die mir je begegnet sind: Selbst die naheliegendsten Dinge kommen ihm nicht in den Sinn und müssen ihm von Dritten – meist in Gestalt einer schönen Frau – eingeflüstert werden. Das verwundert allerdings nicht weiter, wenn man sich seine Grundregel bei kriminaltechnischen Ermittlungen betrachtet: »Um den Tathergang zu verstehen, muss man zum Ausgangspunkt zurückkehren. Und der befindet sich in diesem Fall im Herkunftsland des gestohlenen Weines.« (S. 61) Nun ja … zumindest ist es ein guter Grund für eine Reise ins gelobte französische Land, wie sogar Auftraggeberin Elena erkennt, die übrigens praktisch keine Rolle spielt, obwohl sie im Klappentext so prominent erwähnt wird.
Zur mangelhaften Ausarbeitung des Kriminalfalls und den wenig überzeugenden Ermittlern passt dann das Ende, das zumindest mal ungewöhnlich ist. Obwohl ich persönlich einen vielleicht langweiligen, aber »vernünftigen« Ausgang einer Geschichte bevorzuge, kann ich normalerweise auch mit unorthodoxen Auflösungen leben – vorausgesetzt, sie sind gut begründet und nachvollziehbar. In diesem Fall ist das aber leider nicht so, insofern ist auch der Ausgang der Geschichte eher unfassbar denn überzeugend.
Hinzu kommen dann noch Erzähltechniken, die mir so gar nicht liegen. Zahllose Figurenperspektiven, die komplett unnötig sind, sind das erste Ärgernis: Das Buch startet aus der Sicht des Weinsammlers, der später bestohlen wird, und geht über in die Perspektive des Diebes. Anschließend ist erneut der Weinsammler am Zug; seine Perspektive geht mitten im Gespräch auf Versicherungsfrau Elena über, bevor irgendwann endlich Ermittler Sam ins Spiel kommt, dessen Assistentin Sophie natürlich ebenfalls Teile der Geschichte schildern darf. Zu allem Überfluss wird die Erzählung aus der Sicht einer Person durch vereinzelte Gedanken einer anderen Figur unterbrochen, und zwischenzeitlich meldet sich auch noch immer wieder ein allwissende Erzähler zu Wort. Das geht einfach gar nicht.
Fazit:
5/15 – Eine Geschichte, die sich leicht und locker nebenbei weglesen lässt, die aber eigentlich kein Krimi, sondern eine Liebeserklärung an Frankreich und die französische Kultur ist. Angesichts des Hintergrunds von Peter Mayle, einem nach Frankreich ausgewanderten Briten, der seine Erlebnisse in der neuen Heimat schon in mehreren Büchern (u.a. »Mein Jahr in der Provence«) sehr erfolgreich verarbeitet hat, ist das wohl keine echte Überraschung; vielleicht hätte er dabei bleiben sollen, statt sich aufs Krimigenre zu verlagern.
Darcy-Brüder, Buch 2
Inhalt:
Nichts läuft mehr richtig im Leben von Danny Darcy, Sänger der Folkband »Dylan’s Dogs«. Soozie, seine geliebte Frau, will sich scheiden lassen, und seine Lieder sind chronisch erfolglos. Doch anders als bei vielen verlassenen Männern ist es bei ihm ein Familienfluch. Um ihn aufzuheben, reist Darcy in die Sümpfe Louisianas – und findet eine Welt, in der Wespenkinder, lesende Baumwollspinnen und Sirenen über Leben und Tod entscheiden …
Kommentar:
»Lyra« ist die Fortsetzung von »Fabula«, kann aber auch unabhängig von Teil 1 gelesen werden. Die Geschichte dreht sich um den zweiten Sohn der Scherazade Helen Darcy: den Musiker Danny. Danny und seine Frau Sunny erwarten ein Baby, doch weil Dannys Mutter der jungen Frau eine schmerzliche Lüge in den Kopf setzt, verlässt sie ihren Mann. Danny, der alles daran setzt, um Sunny zurückzugewinnen, findet heraus, dass ihm die Sirenen aus den Sümpfen von Louisiana helfen können. Gemeinsam mit seiner Frau macht er sich schließlich auf die gefährliche Reise zu den sagenumwobenen Wesen, um ihre Ehe und das Leben ihres ungeborenen Kindes zu retten.
So dramatisch und spannend wie sich das anhören mag, ist es leider nicht. Dem Buch liegen gute Ideen zugrunde und es startet auch interessant, baut aber – trotz einiger Roadmoviezüge während Dannys Odyssee von einem »Helfer« zum nächsten – mehr und mehr ab, um am Ende vollkommen ins Fantasisch-Märchenhafte abzugleiten. Das Problem an dem Buch ist, dass die eigentliche Handlung total dünn ist und mit zahlreichen ausufernden Geschichten innerhalb der Geschichte sowie mit eingestreuten Songtiteln bzw. -zeilen (die Musik ist neben Sunny schließlich Dannys große Liebe) maßlos aufgeblasen wird. Manch einer mag das stimmungsvoll finden, ich fand es schlicht nicht gelungen, zumal mich die Stimmung nicht gepackt hat, und war zunehmend genervt. Hinzu kommt, dass die fantastischen Vorgänge am Ende zum Teil ziemlich übersteigert sind, keinen rechten Sinn ergeben und sich überschlagen bzw. umkehren nach dem Motto: Nichts ist, wie es scheint. Manch einer mag das in Ordnung finden, weil man es hier nun mal mit fantastischer Literatur zu tun hat, ich persönlich bin aber der Meinung, dass auch ein Fantasybuch einer werkimmanenten Logik folgen muss. Ich gestehe aber auch, dass ich zu diesem Zeitpunkt keine Lust mehr hatte, nach einem womöglich vorhandenen tieferen Sinn zu suchen, Hinweise abzuwägen und mitzurätseln; dazu war ich schon viel zu gelangweilt und genervt und wollte es einfach nur noch hinter mich bringen. (Aber immerhin hab ich durchgehalten, während mein Mann das Buch auf S. 310 von 400 abgebrochen hat!)
Meine schlimmsten Befürchtungen in Sachen Sprache sah ich bereits auf der ersten Textseite (11) bestätigt, wo mich – quasi zur Begrüßung – folgender mit metaphorischen Vergleichen angereicherte Satz angesprungen hat:
Die Welt war ein müder Blues mit einer Stimme, die von Rauch und Whiskey krächzte wie ein Gebäude, dessen Wände dem Sturm nicht länger standzuhalten vermögen.
Zu meiner Erleichterung konnte ich aber feststellen, dass das Buch sprachlich-stilistisch nicht so überladen ist wie angenommen: Der »typische Marzi-Stil«, bei dem ein Bild das nächste jagt, um ein- und dieselbe Sache zu beschreiben, ist zum Glück nur im Ansatz vorhanden. Leider gibt es aber etwas anderes zu bemäkeln: Einzelsätze und Halbsätze – manchmal auch in Form von nur ein oder zwei Wörtern und kombiniert mit Songtiteln –, die jeweils in einer neuen Zeile beginnen. Das liest sich in der milden Variante so:
Sie drehte das Radio auf.
Lehnte sich zurück.
Beobachtete, wie die Welt da draußen vor dem Fenster vorbeizog.
»Buddy Holly«, sagte sie sehnsüchtig.
Everyday.
(S. 203)
In der exzessiven Form wird das noch viel weiter getrieben, und es tut mir Leid, das sagen zu müssen, aber ich hab mich an einigen Stellen wirklich verarscht gefühlt – zumal ich mich frage, ob das eigentlich wirklich ein Stilmittel des Autors ist oder vielleicht doch nur der Zeilen- bzw. Seitenschinderei seitens des Verlages dient. Wie so oft bei Marzis Büchern fällt nämlich auch hier auf, dass das Buch äußerst großzügig – in ungewohnt großer Schrift mit großem Zeilenabstand gesetzt wurde. Man kennt das ja bereits von den anderen Marzi-Büchern, die bei Heyne veröffentlicht wurden und zusammen mit den Elfen, Zwergen, Orks usw. ins 14 Euro teure Fantasy-Broschur-Programmsegment passen sollen, obwohl sie vom Umfang her nicht wirklich gut dafür geeignet sind.
Fazit:
4/15 – Die Idee sowie einzelne Elemente der Geschichte sind eigentlich gut, die Umsetzung ist aber nicht wirklich gelungen.
Originaltitel: Welcome to Temptation

Inhalt:
Von Ruhe auf dem Lande kann keine Rede sein: Als die Schwestern Sophie und Amy Dempsey einen Kurzfilm in dem verschlafenen Nest Temptation in Ohio drehen wollen, wirbeln sie viel Staub auf. Die wohlanständigen Bewohner hegen abenteuerliche Vermutungen, was das Thema des Films anbelangt, und sehen die Moral der Gemeinde gefährdet. Als sich der Bürgermeister Phineas Tucker in Sophie verliebt, scheint der Skandal perfekt. Und dann wird auch noch eine Leiche gefunden …
Kommentar:
Susi ist schuld, dass ich mich mit diesem Buch rumgequält habe – ich hab auf ihren Sommerlektürentipp gehört! Aber gut, vielleicht ist das die ausgleichende Gerechtigkeit dafür, dass ich ihr »Kiss the Cook« von Jacquie D’Alessandro und einen neuen Versuch mit Lisa Kleypas aufgequatscht habe; beides ein Schlag ins Wasser für sie! ;)
Das Ärgernis fängt schon mit Titel und Cover an. Normalerweise bin ich als Nackenbeißer-Leserin diesbezüglich ja ziemlich hart im Nehmen und greif das Thema gar nicht mehr auf, aber hier möchte ich doch mal die Frage in den Raum stellen, was sich der Verlag wohl dabei gedacht hat, das Buch »Die Naschkatzen« zu nennen und prominent Kirschen aufs Cover packen? Kirschen kommen immerhin in Form einer bedruckten Küchentapete vor, wobei sich nur leider im Laufe der Zeit herausstellt, dass die Kirschen gar keine Kirschen, sondern verunglückte Äpfel sind. Von Naschkatzen ist hingegen weit und breit nichts zu sehen, weder in zwei- noch in vierbeiniger Gestalt, und Essen spielt nicht mal eine untergeordnete Rolle in diesem Buch. Warum also überträgt man nicht einfach den Originaltitel ins Deutsche und nennt das Buch »Willkommen in Temptation«? Ein hübsches Ortsschild dazu, evtl. ein bisschen Landschaft – fertig ist die Sache. Das wäre sicher nicht übermäßig originell, aber immerhin auch nicht völlig daneben.
Nun aber zu den wirklich wesentlichen Dingen, zunächst zur Handlung. Erwartet hatte ich eigentlich ein lustiges, vielleicht skurriles Buch, gekriegt hab ich gähnende Langeweile. Die Geschichte ist ein Mischmasch aus unterschiedlichsten Themen, als da wären: die schwierige Familiensituation der Geschwister Dempsey, die unerquickliche Mutter-Sohn-Beziehung zwischen Bürgermeister Phineas und seiner Mutter Liz, die bürgerliche Spießigkeit und Prüderie sowie der Kampf ums Bürgermeisteramt in einer amerikanischen Kleinstadt, eine Mordaufklärung und natürlich die Beziehung zwischen Sophie und Phineas. Mit einem Wort: Die Handlung ist heillos überladen. Dennoch hätte man wohl was daraus machen können; gerade die spießbürgerlichen Einwohner hätten jede Menge Angriffspunkte liefern können, um einen netten Rahmen für eine schöne Liebesgeschichte zu bilden. Stattdessen bietet uns die Autorin jede Menge Unsinnigkeiten, schreckliche Sexszenen und ausnahmslos furchtbare, nervige Figuren.
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Originaltitel: The Child Thief

Inhalt:
Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die dunklen Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die in einer aussichtslosen Situation nicht mehr weiterwissen. Peter rettet sie … und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch Peter verrät ihnen nicht, dass dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr …
Kommentar:
»Der Kinderdieb« ist eines dieser Bücher, die einem überall begegnen und die alle toll finden – andernfalls hätte ich mich nie dafür entschieden, es als Hardcover zu kaufen. Vielleicht sollte ich endlich mal lernen, mich auf mein Gefühl zu verlassen, statt mich von der allgemeinen Begeisterung für Bücher anstecken zu lassen, deren Klappentext mich eigentlich gar nicht so besonders anspricht.
Ich wollte Broms Peter-Pan-Version wirklich mögen, aber es ist mir beim besten Willen nicht gelungen. Daher mach ichs kurz: »Der Kinderdieb« ist ein beeindruckendes Fantasybuch, das einerseits eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten Mythen in sich vereint und andererseits mit tollen neuen Ideen und Gestalten angereichet wurde. Für meinen Geschmack wurde aber zu wenig aus den Ideen gemacht, denn eigentlich jagt im Wesentlichen ein Scharmützel bzw. ein Gefecht das nächste. Es geht um Abhängigkeit, Macht und Unterdrückung, gepaart mit psychischer wie physischer Gewalt zwischen allen Altersschichten. Ganz bestimmt kann man die Handlung auf eine sinnbildliche Ebene heben und jede Menge Gesellschaftskritik darin entdecken, in erster Linie ist der Stoff aber einfach nur düster, extrem gewalttätig und bietet trotz kleiner Lichtblicke kaum Hoffnung.
Die Figuren sind fast alle negativ angelegt; die einzige bemerkenswerte Ausnahme ist Nick, der von Peter zu Beginn des Buches gerettet und durch die Nebel gebracht wird. Zwar nagt auch an ihm immer wieder die Finsternis, er bewahrt aber über weite Strecken seine Menschlichkeit. Dennoch ist auch er keine Figur, mit der ich hätte mitfiebern können – was wohl auch gut so ist, denn sonst hätte mich der Ausgang der Geschichte in noch tiefere Frustration gestürzt. Peter selbst ist … tja, ein Kinderdieb eben. Er lockt unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verzweifelte Kinder aus der realen Welt nach Avalon, das leider auch kein besseres Leben bietet. Bis zum Schluss ist er eine durch und durch skrupellose Gestalt, worüber auch die Betonung seines Charismas und seines betörenden Lächelns nicht hinwegtäuschen kann. Man könnte ihm vielleicht zugute halten, dass er seine Seele an die Königin von Avalon verloren hat und alles tut, um ihr zu dienen und das sterbende Land zu retten; das hilft aber auch nicht wirklich, um ihn auf der Sympathieskala nach oben zu hieven.
Das Bemerkenswerteste an diesem Buch waren für mich die grandiosen Zeichnungen des Autors, der ein bekannter Illustrator ist. Im Kinderdieb-Special auf den Seiten des Pan-Verlags kann man u.a. einen Trailer sowie Livebooks zum Buch anschauen und ein interessantes Interview mit dem Autor lesen.
Fazit:
5/15 – Prinzipiell steckt hinter dem Buch eine tolle Idee, die Umsetzung konnte mich aufgrund der hohen Kampflastigkeit, außerordentlichen Brutalität und der völligen Trostlosigkeit allerdings überhaupt nicht begeistern. Für Freunde dieser Art von Fantasy ist »Der Kinderdieb« aber vermutlich dennoch ein lesenswertes Buch.
Originaltitel: The Spy Wore Silk
Serie: Merlin’s Maidens, Teil 1

Inhalt:
Einst waren sie Waisenkinder aus den rauen Londoner Slums – nun sind sie auserwählt, an »Mrs. Merlin’s Academy for Select Young Ladies« die Kunst der Spionage und der Verführung zu erlernen. Die begabteste dieser Spioninnen ist Siena, die sowohl scharfe Klingen als auch ihre unwiderstehliche Sinnlichkeit einzusetzen weiß. Sie soll als Kurtisane die feine Londoner Gesellschaft aufmischen und in einer exklusiven Gruppe von Büchersammlern einen Verräter entlarven. Ihr Hauptverdächtiger ist Lord Kirtland, der sich jedoch als ebenso geheimnisvoll wie verführerisch erweist. Und schon bald sieht Siena sich vor die Wahl gestellt: Entweder folgt sie ihrem Verstand – oder ihrem Herzen …
Kommentar:
Geschlagene sieben Tage habe ich gebraucht, um dieses Buch zu lesen, weil ich so gelangweilt davon war, dass ich nach spätestens zehn Seiten die Lust verloren habe. In einem wahren Kraftakt hab ichs dann heute morgen im Schnelldurchgang hinter mich gebracht – muss ich mehr sagen?
Ich bin ohnehin kein großer Freund von Spionagegeschichten, dieses Buch zählt unglücklicherweise auch noch zu den weniger guten Werken des Genres. Die Geschichte ist nämlich nicht nur langweilig, sondern darüber hinaus – inklusive der Auflösung – ziemlich hanebüchen. Außerdem ist Superheldin Siena trotz ihrer angeblich grandiosen Talente nicht gerade eine begnadete Spionin – sie verliebt sich direkt bei ihrem ersten Auftrag in den Verdächtigen Kirtland und gibt nicht viel später ihre Tarnung komplett auf, weil sie einfach fühlt, dass er unschuldig ist. Das nenn ich doch mal eine fundierte Einschätzung! Zugegebenermaßen kann sie ganz gut mit diversen Waffen sowie ihrer Haarnadel umgehen, sodass die Möglichkeit besteht, weggeschlossene geheime Briefe in ihren Besitz zu bringen; so findet sie etwa heraus, dass einer der Verdächtigen sich zum Tatzeitpunkt in »Dr. Erector’s Health Spa« wegen Erektionsstörungen hat behandeln lassen. (Haha.) Im Grunde beschränkt sich ihre Spionagetätigkeit aber auf sexy Auftritte, ermüdende und planlos wirkende Gespräche und wenig aufschlussreiche Observationen aller Art, die aber immerhin für Siena selbst zielführend sind. So schließt sie zum Beispiel aus dem Umgang Kirtlands mit seinen Haustieren (Hund und Katze), dass ein Mensch, der Tiere liebt, kein »Bösewicht« sein kann, und auch das Studium des nackten Lords führt zu ganz neuen Erkenntnissen für die Jungfrau (die übrigens vorgibt, eine Kurtisane zu sein und einen Beschützer zu suchen). Nicht nur hat sie Gelegenheit, seine »ziselierten Muskeln und Sehnen … sanft wie Marmor, hart wie Granit« zu bewundern, nein, sie sieht auch erstmals in natura diese gewissen männlichen Körperteile, die ihr Lehrer immer so poetisch als »Familienschmuck« bezeichnet hat. Scharfsinnig, wie sie nunmal ist, erkennt sie augenblicklich, dass der Earl zu den reichsten Männern Englands zählen muss:
Das rabenschwarze lockige Dach stach ab von der marmornen Helligkeit seiner Schenkel und sah aus wie die Krone seiner Männlichkeit. Siena hatte eine Reihe klassischer Götter gesehen, die sich ihr in all ihrer aufgereckten Glorie präsentiert hatten. Aber sogar im Ruhezustand trieb der Reichtum des Earls dem gesamten Olymp die Röte ins Gesicht. (S. 113)
Kein Wunder, dass der Guten ein »frecher Hitzeschwall über die Wangen flog«, wenn so unversehens Dächer in ihr Blickfeld rücken zwischen all der Glorie und dem Reichtum! Da kann man schon mal den Kopf verlieren und seine Aufgaben vergessen, sodass man schließlich selbst verdächtigt wird, eine Verräterin zu sein und in einem hochdramatischen Finale seine Loyalität unter Beweis stellen und trotz aller Supertalente gerettet werden muss.
Sagte ich schon, dass Siena noch nicht persönlich mit »prallen Lenden« zu tun hatte?! Das ist gar nicht schlimm, denn sie ist ja – wie wir wissen – in allen Bereichen außergewöhnlich talentiert, also auch in Liebesdingen. Dank Kirtlands tatkräftiger Mithilfe (»Halt mich fest, Julian. Richte mich mit deiner Kraft wieder auf!«) jubelt und jubiliert man also gemeinsam in einem »bebenden Auf und Ab«, während der Krösus seinen Samen in ihr verströmt. Und weil wir nun mal in einem Liebesroman sind, führt diese wundervolle gemeinschaftliche Erfahrung zu ganz neuen schwülstigen Erkenntnissen: »Obwohl ihre Körper nicht mehr verbunden waren, spürte er noch das innere Band zwischem sich und Black Dove [ihr »Künstlername«], das viel stärker war als nur das Fleisch, das für eine Weile eins gewesen war.«
Neben einer total langweiligen Spionage- und ebenso langweiligen Liebesgeschichte ohne jegliche Überraschungen erhalten wir einen Einblick in die Umgangsformen von gutsituierten Büchersammlern im 19. Jahrhundert, über die zumindest ich lieber nichts gewusst hätte. Leider muss ich trotzdem Männergesprächen beiwohnen, die sich um »mickrige Anhängsel von Schwanz, die man mit der Lupe suchen muss« drehen, und die offenbaren, dass laut der Einschätzung der charmanten Kollegen nichts in den Adern von Protagonist Kirtland fließt »außer Pisse und Blut«. Na Bravo.
Und sonst? Sonst gibts noch jede Menge Szenen, die völlig undurchsichtig sind, weil sie so schlecht beschrieben sind, dass man überhaupt nicht folgen kann und nicht weiß, was da eigentlich genau passiert. Vielleicht sind sie auch einfach nur unsinnig und entspringen der überbordenden Fantasie einer Autorin, die einfach keine guten Actionsequenzen schreiben kann und es deshalb heillos übertreibt. Möglicherweise mangelt es mir aber auch schlicht an Vorstellungsvermögen? Urteilt selbst (wenn ihr wollt):
Ein paar Sekunden später tauchten Pferd und Reiter im vollen Galopp aus dem Nebel auf.
»Aufpassen«, schrie Kirtland, als die Hufe auf die vordersten Planken schlugen, »die Brücke bricht jeden Moment ein!«
Noch während er aufschrie, wusste er, dass es zu spät war. Die Planken sackten erst zusammen und splitterten dann mit einem schauderhaften Krachen.
Der Earl trieb seinen Hengst bis zum Wasser. Vielleicht hatte der Fremde den Sturz überlebt. Es war zwar äußerst unwahrscheinlich, aber falls der Mann doch Glück gehabt hatte, konnte er wenigstens am Ufer stehen und ihm helfen, sich aus dem anschwellenden Fluss zu flüchten.
Erstaunt stellte er fest, dass der Reiter in der Lage war, den abrutschenden Hengst zu zügeln, ihm den Kopf nach vorn zu richten und das schaumbedeckte Tier zu zwingen, den Rücken zu krümmen und zu einem gewaltigen Sprung anzusetzen. Die Hufe flogen durch die Luft, der Umhang wirbelte umher. Für den Bruchteil einer Sekunde hingen Pferd und Reiter mitten in der Luft … Plötzlich befanden sie sich wieder auf festem Boden und kämpfen darum, auf der steilen Anhöhe nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
(…)
In diesem Moment bohrte sich ein Splitter einer abgebrochenen Planke längs in den Stiefel des Fremden. Reiter und Pferd drohten, auf den felsigen Grund in der Tiefe zu stürzen. Der Earl reagierte blitzschnell, schoss gefährlich nahe an das Flussufer heran und befreite die gesplitterte Planke mit einem kräftigen Tritt. »Geben sie mir ihre Hand!«
Der Fremde schnappte sich Kirtlands ausgestreckten Arm, und der Earl drigierte seinen Hengst auf höher gelegenes Gelände. Die beiden Pferde waren jetzt über die verschlungenen Arme ihrer Reiter verbunden und versuchten, wieder in sicheren Tritt zu gelangen. (S. 37f.)
Kann irgendjemand folgen und vielleicht doch einen Sinn entdecken? Ich lese folgendes: Da bricht eine Brücke unter dem Gewicht von Pferd und Reiter zusammen, doch in einer Wundertat katapultiert sich ein Pferd im Fallen (wohlgemerkt ohne Boden unter den Hufen) in die Luft und befindet sich auf einmal auf einer Anhöhe, weil die Brücke offenbar steil nach oben führt. Hm? Obwohl ja eigentlich aus der Gefahrenzone, nämlich auf besagter Anhöhe, taucht eine mysteriöse und äußerst tückische Planke auf, die nach den Gesetzen der Schwerkraft eigentlich nach unten in den reißenden Fluss hätte fallen müssen. Tut sie aber nicht, stattdessen bohrt sich hinterhältigerweise in das Bein des Reiters, weswegen das Pferd erneut aus dem Tritt gerät. Damit der heldenhafte Earl seinen Teil zum Geschehen beitragen kann, packt er den Arm des Reiters, der jetzt eventuell doch von der Anhöhe gestürzt ist, denn der Earl befindet sich ja am Flussufer. *???* Dass die Pferde durch die Arme ihrer Reiter verbunden sind und so wieder in den Tritt kommen sollen, obwohl sie das eher behindern dürfte, macht dann auch schon nichts mehr. Was für ein Quatsch!
Fazit:
4/15 – Ein langweiliges Buch mit wenig beeindruckenden Helden, das stellenweise immerhin mit unfreiwilliger Komik zu unterhalten weiß.
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Serieninfo: Merlin’s Maidens
01 The Spy Wore Silk | Geliebte Spionin
02 Seduced by a Spy | Gefährliches Spiel der Versuchung (September 2010)
03 The Scarlet Spy
Originaltitel: The Tutor

Inhalt:
Die Bibliothekarin Rosalind Howard soll die Privatsammlung des faszinierenden Julian Hadey ordnen. Doch Julian und seine Frau haben noch einen anderen Plan mit ihr. Sie soll ihren unerfahrenen Neffen in die Kunst der Liebe einführen. So wird Rosa Teil eines erotischen Spiels, in dem Leidenschaft und Verlangen die Regeln bestimmen.
Kommentar:
Viel zu sagen gibt es zu diesem Buch eigentlich nicht. Dem Klappentext ist nichts hinzuzufügen; er sagt alles aus, was es zum Inhalt zu wissen gibt, denn die »Handlung« ist äußerst dürftig und dient lediglich dazu, die Sexszenen zusammenzuhalten. Mich persönlich stört das bei einem Erotikroman nicht, es soll aber erwähnt werden für jene, die auch bei Erotica eine sinnvolle Geschichte erwarten.
Im Haus von Julian befriedigt jeder jeden, wobei das Hauptaugenmerk natürlich auf der Bibliothekarin Rosalind liegt, die aber ebenso gut Fleischereifachverkäuferin sein könnte, denn sie tut alles, nur nicht Bücher katalogisieren. Stattdessen treibt sie es wie angewiesen mit dem neunzehnjährigen Neffen des Hausherren (einem echten Naturtalent, dem es eigentlich gar nichts beizubringen gibt, weil er intuitiv alles richtig macht), darüber hinaus aber auch mit dem Hausherren, seiner Frau, dem Hausherren und seiner Frau sowie der Fitnesstrainerin. Um zu alledem noch eine homosexuelle BDSM-Komponente ins Spiel zu bringen, frönt Rosalind außerdem ihrer voyeuristischen Ader, von der sie zuvor gar nicht wusste, dass sie existiert, und beobachtet gemeinsam mit ihrem Zögling den Hausherren beim Bondage-Sex mit dem (quoten-)schwarzen Chauffeur. Und weil auch das noch nicht genug ist, dürfen wir noch diversen Masturbationsszenen beiwohnen, bei denen zum Teil ein beeindruckender, nimmermüder Vibrator zum Einsatz kommt. Es werden also (fast) sämtliche denkbaren Präferenzen bedient, besonders erotisch sind die Sexszenen aber leider alle nicht – und das, obwohl wir Dank der Adleraugen des gelehrigen Schülers während des Akts anatomische Details beschrieben bekommen, die eigentlich gar nicht sichtbar sein dürften oder die alternativ so extrem ausgebildet sind, dass ich mir den Anblick gar nicht so genau vorstellen will. Ob da jemandem beim Schreiben die Fantasie durchgegangen ist?!
Fazit:
06/15 – Standardkost mit maximal mittelmäßigem Erotikfaktor. Kann man, muss man aber wirklich nicht.

Inhalt:
Luna Wilder ist eine toughe Polizistin, die in ihrer Heimatstadt für Ruhe und Ordnung sorgt. Als Insoli-Werwölfin gehört Luna keinem Rudel an und muss sich deshalb allein auf ihren Instinkt verlassen. Bei der Suche nach einem Serienmörder, der eine Reihe von Ritualmorden begangen hat, kristallisiert sich bald ein Hauptverdächtiger heraus: der Werwolf Dmitri Sandovsky. Doch es fällt Luna schwer, sich seinem wölfischen Charme zu entziehen. Der raubeinige Dmitri weckt ihre animalischen Triebe und gefährdet zugleich ihre Unabhängigkeit. Aber Luna und Dmitri müssen zusammenarbeiten, um dem wahren Mörder das Handwerk zu legen.
Kommentar:
Als begeisterte Leserin der Night-Creatures-Serie von Lori Handeland, habe ich den ersten Teil von Kittredges Werwolf-Krimis mit großer Spannung erwartet. Die Autorin führt die Leser mit ihrer Urban-Fantasy-Serie in die fiktive Stadt Nocturne City, wo außer Menschen auch Hexen und Werwölfe leben. Für die bessere Übersicht gibt es eine Stadtkarte am Anfang des Buches, darüber hinaus ist das Setting aber nicht besonders intensiv ausgearbeitet – man erfährt relativ wenig über Leben und Fähigkeiten von Werwölfen und Hexen.
Die Story an sich bietet nichts sensationell Neues, ist aber prinzipiell durchaus ansprechend: Die Werwolf-Polizistin Luna Wilder wird zu einem grauenhaften Mord an einer Werwolf-Prostituierten gerufen. Die Spuren an Tatort und Leiche deuten auf einen Artgenossen als Täter hin, und schon bald ist mit Dmitri Sandovsky ein Verdächtiger gefunden. Dann allerdings tauchen zwei weitere Leichen junger Werwölfinnen auf und alles deutet darauf hin, dass Luna es mit schwarzmagischen Ritualmorden zu tun hat. Sie muss feststellen, dass die Sache viel komplizierter ist als angenommen und gerät bald selbst ins Visier des Mörders.
Unglücklicherweise ist die Umsetzung der Geschichte nur bedingt gelungen. Hinter dem Kriminalfall steckt eine gute Grundidee, die Aufklärung hat aber zum Teil arge Längen, und der überraschend verlaufende Showdown lässt einen verwundert zurück. Die Irritation wird nicht zuletzt dadurch verstärkt, dass es trotz der Lösung des Falles einige offene Enden gibt, die wohl in den Folgebänden aufgegriffen werden. Das Hauptproblem des Buches ist aber ein anderes, nämlich die fast ausnahmslos unsympathischen Figuren, allen voran Luna selbst.
Die Werwolf-Polizistin ist eine der schrecklichsten Heldinnen, die mir in letzter Zeit untergekommen sind. Sie gibt sich zu jeder Zeit megalässig und hat selbst in lebensbedrohlichen Situationen immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Wenn sie dabei so cool wäre wie Anita Blake, würde ich mich ja nicht beschweren – ist sie aber nicht, denn ihr Zynismus wirkt in den meisten Fällen aufgesetzt, bemüht und ist nicht lustig. Zudem verhält sich Luna gegenüber Kollegen, Vorgesetzten, Verdächtigen und Zeugen ignorant, unverschämt, respektlos und arrogant, und da ihr darüber hinaus jegliche Diplomatie, Vernunft und Klarsicht abgehen, ist sie alles andere als eine gute Polizistin – da helfen auch die geschärften Werwolfsinne nichts. Dafür hat sie aber offenbar einen beeindruckendes Gespür für Mode – der Leser ist zu jeder Zeit bestens darüber informiert, welche Klamotten sie trägt.
Das Objekt ihrer Begierde, Dmitri, ist auch nicht sympathischer als Luna und passt insofern natürlich ganz gut zu ihr, auch wenn nicht ganz klar ist, wann, wie und warum sie sich in ihn verliebt. Dmitri jedenfalls ist ein Rudelführer und ehemaliger Zuhälter, der beruflich umgesattelt hat und sich nun lieber als Drogendealer verdingt. Locker, wie er ist, fährt er Motorrad, trägt u.a. Black-Sabbath-T-Shirts, hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt und gerne auch mal einen cholerischen Anfall, in dessen Verlauf er Sachen durch die Gegend schmeißt. Wenn ihn nicht gerade die Trauer um ein getötetes Rudelmitglied ereilt, ist er entweder ziemlich ätzend oder versucht, Luna in Sachen Coolness mit Sprüchen wie »Dass Sie meine Zündkerzen ein wenig zum Glühen bringen, hat noch lange nichts zu bedeuten« den Rang abzulaufen. Dass die beiden gemeinsam eine komplett unerotische Sexzene fabrizieren, passt irgendwie.
Immerhin ist die Übersetzung gelungen und das Buch liest sich flüssig – wenn man davon absieht, dass der Ausruf »Hex noch mal!«, der mit enervierender Häufigkeit verwendet wird, mich immer wieder aufs Neue irritiert hat. Die Notwendigkeit, gebräuchliche englische Wörter wie »underdressed«, Schimpfwörter wie »Mist« sowie Lunas Gedanken zumindest teilweise zu kursivieren, erschließt sich mir allerdings nicht – ich empfinde das eher als störend. Gleiches gilt für die Großschreibung einzelner Wörter und Sätze zur Betonung der Wichtigkeit.
Fazit:
5/15 – Eine prinzipiell solide Geschichte, die aber Längen hat und durch eine Ansammlung unsympathischer Figuren – allen voran die Protagonistin – zunichte gemacht wird. Wenn man diese Art von Heldin allerdings mag, kann man an dem Buch vermutlich dennoch seine Freude haben.
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Serieninfo:
01 Night Life | Schattenwölfe
02 Pure Blood
03 Second Skin
04 Witch Craft
05 Daemon’s Mark
1. Teil der Ghostwalker-Serie
Inhalt:
Die Journalistin Marisa Pérèz lebt nach einem Skandal zurückgezogen in den Bergen Kaliforniens. Eines Nachts findet sie einen verletzten nackten Mann auf ihrer Veranda. Sie nimmt sich seiner an und versorgt seine Wunden. Am nächsten Morgen steht die Polizei vor der Tür – in der Nachbarschaft wurde ein Mord verübt. Marisa ahnt nicht, dass der faszinierende Fremde ein Geheimnis hütet, das ihre Welt erschüttern wird …
Kommentar:
Die zufällige Rettung eines attraktiven Fremden verändert Marisas Leben, denn dadurch gerät sie in tödliche Gefahr und muss gemeinsam mit ihm flüchten. Als sie nach einigen Schwierigkeiten schließlich das Lager von Coyles Leuten erreichen, gerät ihre Weltvorstellung ins Wanken: Sie erfährt, dass Coyle und seine Leute Gestaltwandler sind – halb Mensch, halb Berglöwe (Puma) –, die von einem Unbekannten gejagt werden. Ein Junge namens Bowen wurde bereits entführt, und die Gestaltwandler setzen alles daran, ihn zu befreien. Dabei geraten Coyle und Marisa aber auch selbst ins Visier der skrupellosen Verbrecher.
Mit einigem Interesse habe ich dem ersten Teil der Ghostwalker-Serie entgegengeblickt, denn mit Michelle Raven wendet sich eine relativ bekannte deutsche Romantic-Suspense-Autorin dem Genre der paranormalen Liebesromane zu. Im Zentrum stehen Gestaltwandler, bei denen es sich allerdings ausnahmsweise mal nicht um Werwölfe handelt, sondern – vorwiegend – um Raubkatzen. Davon abgesehen bleibt sie aber ihrer Linie treu: Das Buch trägt sehr deutliche Romantic-Suspense-Züge – und bestätigt meinen früheren Eindruck, dass ich mit diesem Liebesroman-Sub-Genre herzlich wenig anfangen kann.
Ich erwarte von einem Liebesroman keine realisische Handlung, aber was hier geboten wird, ist mir einfach zu arg. Da schleppt die verschreckte Marisa, die ja keinem Menschen auf der ganzen Welt mehr trauen kann, einen verletzten Fremden in ihre Hütte, versorgt ihn und lässt ihn im Haus übernachten, statt Polizei und/oder Ambulanz zu rufen. Nicht viel später begibt sie sich mit ihm auf die Flucht, nur weil er ihr verkündet, sie befinde sich in Lebensgefahr. Dann müssen sie sich während der Flucht trennen, doch dank eines obskuren Adlers, der Marisa durch sein Verhalten zum Autodiebstahl anstiftet, kann sie Coyle nicht viel später doch wieder aufsammeln. Ein leerer Benzintank ist ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zum Lager von Coyles Leuten, ebenso wie die jeden Überlebensinstinkt überlagernde ständige und überwältigende Lust aufeinander. Zwar lauern überall Feinde, doch das hindert die beiden, die schon die ganze Zeit nervtötend heiß aufeinander sind, nicht daran, mitten in der Pampa übereinander herzufallen. Zwar schlafen die beiden nicht miteinander, aber immerhin Marisa kommt voll und ganz auf ihre Kosten.
Noch unglaublicher wird es, als die beiden schließlich das Lager erreicht haben, und sie schließlich erfährt, dass Coyle ein Gestaltwandler ist. Er hält sich nicht mit großartigen Erklärungen auf, sondern führt es ihr mit dem Hinweis, sie brauche keine Angst zu haben, einfach vor, indem er sich mal eben in einen Berglöwen verwandelt. Marisa ist für ein paar Sekunden schon ein wenig erschrocken, dann allerdings geht sie dazu über, seine vollkommene Schönheit zu bewundern, ihn zu kraulen und sich an sich zu schmiegen. Was soll ich sagen, daran, dass die beiden ununterbrochen heiß aufeinander sind, ändert auch die derzeitige Gestalt von Berglöwe Coyle nichts. Er baut sich also über ihr auf und leckt mit seiner raffinierten Raubtierzunge ihre Brüste, bis sie im Strudel ihres Höhepunkts versinkt. Marisas trockener Kommentar dazu: »Das war … ungewöhnlich. Wir sollten reden.« (S. 161). Ungewöhnlich ist wirklich ein gutes Stichwort! Als es nicht viel später endlich erstmals zum »echten« Vollzug kommt, hat Coyle zwar prinzipiell gerade seine menschliche Gestalt, Zunge und Zähne sind aber doch tierisch, außerdem hat er teilweise ein Fell. Ich staune ehrlich gesagt immer noch über diese m.E. sodomistisch angehauchten Szenen und finde es wirklich mutig, so etwas in diesem Buchsegment zu veröffentlichen – und noch mehr staune ich darüber, dass in kaum einem anderem Kommentar zum Buch darauf eingegangen wird. Dass Menschenfrauen, die sich mit Berglöwengestaltwandlern vereinigen, Berglöwenbabys zur Welt bringen, macht da auch schon nicht mehr viel aus.
Zur Kritik an der Handlung kommt, dass mich die Protagonisten gar nicht überzeugen konnten. Coyle bleibt relativ blass und gerät ständig in Lebensgefahr, aus der ihn Marisa retten muss, während Coyle nie zur Stelle ist, wenn sie ihn braucht (außer vielleicht sexuell). Marisa hadert mit ihrer Vergangenheit und handelt überhaupt nicht konsequent. Obwohl sie in einigen Situationen durchaus Mut und Stärke an den Tag legt, wirkt sie andererseits oft wie ein naives, oberflächliches kleines Mädchen. Ihre selbstzweiflerischen Anwandlungen – sie sorgt sich beispielsweise selbst nach dem heißesten Sex noch um ihre Augenringe, die möglicherweise ihre Attraktivität schmälern – sind aufgrund ihrer Unangemessenheit ziemlich anstrengend, und wie bereits mehrfach erwähnt ist die Sexfixierung der beiden Protagonisten selbst in schlimmsten Gefahren einfach nur unglaubwürdig und nervig.
Einen ansprechenden Nebenstrang bilden die Geschehnisse im Haus des besessenen Wissenschaftlers Stammheimer, der Jungberglöwengestaltwandler Bowen gefangen hält, um an ihm zu forschen. Interessant wird es, als Stammheimers eigentlich bei der Mutter lebende Tochter Isabel bei ihm aufschlägt, Bowen zufällig entdeckt und versucht, ihm zur Flucht zu verhelfen. Isabel und Bowen sind immerhin wesentlich sympathischer als Coyle und vor allem Marisa, wenngleich sie einige frappierende Gemeinsamkeiten mit den beiden aufweisen. Isabel reagiert zum Beispiel ebenso unfassbar gelassen auf die Verwandlung von Bowen in einen Berglöwen wie zuvor Marisa – sie schaut sich die Wandlung mit staunender Faszination an, krault die Raubkatze ein bisschen unterm Kinn und alles ist gut. Und als wäre es nicht schlimm genug, dass Marisa und Coyle nichts anderes im Kopf haben als immer nur Sex, kriegt auch Bowen, der an eine Liege gefesselt ist und tagelang gefoltert wurde, beim Anblick von Isabel unmittelbar eine Erektion – als hätte er sonst keine Probleme!
Stilistisch ist das Buch ebenfalls eigen. Michelle Ravens Erzählweise ist mir einfach viel zu ausufernd; sie breitet alles endlos aus und beschreibt jede Detail in einer Ausführlichkeit, die mich einfach nur gelangweilt hat. Man hätte »Die Spur der Katze« locker um 150–200 Seiten kürzen können, ohne dass man auf irgendwelche relevanten Inhalte hätte verzichten müssen – und es hätte dem Buch eher gut getan denn geschadet. Zugegebenermaßen ist das aber schlicht eine stilistische Eigenheit der Autorin, die der eine mag und der andere nicht.
Fazit:
5/15 – Sexbesessene Helden stolpern durch eine mit Gestaltwandlern angereicherte Geschichte, die jeder Logik entbehrt und auch noch so detailliert erzählt ist, dass sie trotz aller Action und Abenteuer langweilt. Freunde des Romantic-Suspense-Genres werden an dem Buch aber möglicherweise trotzdem ihre Freude haben.
Inhalt:
Jede Beziehung hat das Zeug zur Satire. Schlafzimmer und Mann sind vorgeheizt, nur die Liebste lässt auf sich warten. Hatte er ihr nicht eine SMS mit »Erwarte dich auf dem Maträtzchen, mein Schätzchen« geschickt? Hoppla, die Nachricht ging versehentlich an eine Kollegin. Von wegen langweiliges Familienleben. Bei Stefan Schwarz haben alle was zu lachen. Er muss sich wegen memmenhafter Schreckhaftigkeit rechtfertigen, die Frau will im Bett noch nicht abgedimmt werden, der Sohn lügt zu schlecht, der Tochter gelingt in der Küche die Erstbesteigung der Abzugshaube, die verdammte Ossi-Katze hat immer was zu jammern und der irrlichternde Alt-Vater gerät mit rutschender Hose beinahe in eine Pressekonferenz mit Angela Merkel.
Kommentar:
Der vielversprechende Titel hat mich auf das Buch aufmerksam werden lassen – nur ist es blöderweise nicht so originell wie der Titel verspricht. Stefan Schwarz erzählt kurze Begebenheiten aus seinem Alltag, die mich zumeist einfach nur gelangweilt haben. Die einzelnen Episoden sind schlicht nicht pointiert genug, um einen gut zu unterhalten; ihnen geht trotz der Kürze (maximal vier Seiten) in den meisten Fällen auf halber Strecke die Luft aus. Zwar veranlasst die eine oder andere Formulierung und Situation zum Schmunzeln, das wars aber auch schon – und das reicht nicht. Um ehrlich zu sein hat mich das Ganze nach einer Weile so sehr ermüdet, dass ich nur noch weitergelesen habe, bis ich endlich auf die Episode gestoßen bin, auf die der Buchtitel verweist und die den weit weniger originellen Titel »Schnurren und Schrammen – wer will das verdammen« trägt. Nachdem aber selbst die mich nicht gut unterhalten konnte, habe ich beschlossen, das Buch abzubrechen. Mir geht offenbar der Humor ab, um dieses Buch so »urkomisch« finden zu können wie die meisten anderen Kritiker.
Fazit:
4/15 – Trotz netter Ansätze alles in allem total langweilig und belanglos. Dass ich das kleinformatige Buch trotz seines geringen Umfangs von nur 144 Seiten in der Mitte abgebrochen habe, spricht wohl eine deutliche Sprache.
Originaltitel: Light Boxes
Inhalt:
Viele hundert Tage schon währt die kalte Herrschaft des Februars: Der Wechsel der Jahreszeiten ist außer Kraft gesetzt, finstere Priester patrouillieren, Papierdrachen dürfen nicht mehr zum Himmel aufsteigen, Kinder verschwinden im Wald. Traurigkeit legt sich über die Stadt wie der Schnee, der endlos fällt, doch die Erinnerung an warme Tage lebt weiter. Die Stadt beschließt, in den Kampf zu ziehen, den Winter zu besiegen, und Thaddeus, der Ballonfahrer, soll ihr Anführer sein. Doch dann stößt Thaddeus in einer Hütte am Waldrand auf den Februar selbst – und es ist ein Mann, der eine Geschichte schreibt: die Geschichte der Stadt …
Kommentar:
»Thaddeus und der Februrar« ist ein ausgesprochen hübsches kleines Buch: kompakt, ansprechend gestaltet, typografisch interessant und mit sehr schönen Zeichnungen von Ria Brodell zu einzelnen Buchszenen. Zweifellos malt auch Shane Jones sehr anschauliche, lebendige Bilder und schafft vereinzelt wunderschöne, poetische Sätze. Das ist aber leider auch schon das beste, was ich über das Werk sagen kann.
Das Buch dürfte wohl der literarischen Moderne bzw. der experimentellen Literatur zuzuordnen sein. Es wird mit der Typografie gespielt, immer wieder sind Listen mit Aufzählungen eingestreut und es gibt Seiten, auf denen nur ein Satz steht oder ein einziger Satz wiederholt wird. Damit könnte ich mit gut arrangieren, wenn ich den Sinn der Geschichte verstanden hätte, doch Jones’ Metaphorik erschließt sich mir nicht im geringsten. Wie der Pressetext offenbart, erzählt der Autor von etwas, »das tief in uns existiert«; ich weiß nur leider nicht, was das sein soll. Und nicht nur begreife ich den tieferen Sinn nicht, ich vermag nicht mal der vordergründigen Geschichte zu folgen. Dankenswerterweise erhellt einen der Klappentext einigermaßen, darüber hinaus ist die Story aber einfach nur verworren und fragementarisch; befremdliche, teils brutale Szenen reihen sich – oft zusammenhanglos – aneinander. Am Ende ist der mutmaßliche Februar gar nicht der Februar, sondern der echte Februar hat nur so getan als sei der falsche Februar der echte Februar … oder so. Sein Täschungsmanöver hilft ihm jedenfalls nichts, er wird von Thaddeus besiegt. Alles wird gut, die Toten sind gar nicht tot – vom Februar abgesehen –, und Juni und Juli halten Einzug. Es steht zu hoffen, dass die beiden weniger fiese Gestalten sind als der Februar, sonst gibts womöglich eine Fortsetzung.
Fazit:
Eindeutig nur etwas für Freunde experimenteller Literatur. Da ich trotz literaturwissenschaftlichen Studiums nichts begriffen habe und mich das Buch offenbar heillos überfordert, kann ich mich nur Thaddeus selbst anschließen, der im Gespräch mit dem falschen Februar feststellt: »Das ist doch alles Irrsinn« (S. 143).
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