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2017 Reading Challenge

Irina has read 1 book toward her goal of 40 books.
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[Rezension] Olivia Cunning: Double Time

Sinners on Tour, #5

Klappentext:

On the rebound from the tumult of his bisexual lifestyle, notoriously sexy rock guitarist Trey Mills falls for sizzling new female guitar sensation Reagan Elliot and is swept into the hot, heady romance he never dreamed possible.

Ecstatic to be on tour learning the ropes with Trey’s band, The Sinners, Reagan finds she craves Trey as much as she craves being in the spotlight.

When Reagan’s ex, Ethan Connor, enters the scene, Trey’s secret desires come back to haunt him, and pleasure and passion are taken to a whole new level of dangerous desire.

 
Kommentar (mit leichten Spoilern):

Ich erinnere mich noch lebhaft an meine Begeisterung, als ich vor über fünf Jahren Band 1 der Sinners-Serie gelesen habe. Band 2 konnte mich schon nicht mehr so sehr begeistern, und das Chaos, das dann um Treys Geschichte folgte, hat mich wirklich abgeschreckt. Der Verlag war nämlich der Meinung, dass die von der Autorin eigentlich als Band 5 angedachte Geschichte um Trey vorgezogen werden müsste – sehr zum Ärger der Autorin, die nicht müde wurde, darüber zu lamentieren, und mich damit bei allem Verständnis ziemlich genervt hat. Jedenfalls wurde die VÖ von Band 5 vorgezogen, ich wollte die Bücher aber in der „richtigen“ Reihenfolge lesen, also hab ich ihn gekauft und ins Regal gestellt, um Band 3 und 4 abzuwarten und vorher zu lesen. Band 3 war dann allerdings nicht besonders gut und ich hatte keinerlei Lust auf Band 4 (der thematisch ohnehin nicht mein Ding ist), also blieb „Double Time“ unberührt im Regal und ist von meinem geistigen Radar verschwunden, zumal die Kritiken ohnehin nicht besonders waren. Jetzt bin ich gerade über die Fortsetzung von Treys Geschichte gestolpert und hab endlich zum im wahrsten Sinne des Wortes angestaubten Buch gegriffen.

Trey, der seit dreizehn Jahren heimlich in seinen Freund und Bandkollegen Brian verliebt ist, hat realisiert, dass er Brian vergessen muss. Brian hat nämlich (in Band 1) sein Glück mit Myrna gefunden und ist gerade Vater eines Sohnes namens Malcolm geworden. Es ist also beim besten Willen nicht mehr anzunehmen, dass zwischen ihnen was laufen wird, also schwört der frustrierte bisexuelle Trey sowohl Brian als auch allen anderen Männern dieser Welt ab. Praktischerweise trifft er direkt nach seinem deprimierenden Besuch an Malcolms Kindbett Reagan, die frisch in der Band von Treys Bruder anheuert und genauso Gitarre spielt wie Brian. Wer wäre besser als Trostpflaster geeignet? Da Reagan nicht zimperlich ist, hat sie keine Einwände, direkt mit ihrem Idol rumzuknutschen, und nachdem sie ihn noch einen halben Tag pro forma hingehalten hat, nimmt sie ihn mit nach Hause und es kommt zu heißem Sex, der für Trey ganz besonders heiß ist, weil er Reagans vermeintlich schwulen sexy Exfreund, Freund und Mitbewohner Ethan trifft. Vom Funkenflug zwischen Trey und Ethan kriegt Reagan aber nichts mit, und am Ende des Tages bzw. der Nacht sind sie und Trey ein festes Paar. Trey glaubt zu diesem Zeitpunkt offenbar halbwegs ernsthaft, er könnte seine bisexuelle Seite für immer unterdrücken; darüber reden kann er mit Reagan jedenfalls nicht, denn er glaubt, sie könnte nicht damit umgehen. Natürlich kann Trey seinen Hang zu Männern aber nicht dauerhaft verleugnen – schon gar nicht, nachdem Ethan ihn mächtig anmacht. Nach einem kleinen Drama arrangiert man sich also zu dritt und wird glücklich.

Je länger ich über dieses Buch nachdenke, desto schwachsinniger kommt es mir vor. Die ganze Geschichte ist nicht stimmig und hat mich emotional kein bisschen gepackt. Schon wie und in welcher Situation Trey und Reagan zusammenkommen, ist schräg. Dass sie noch am gleichen Abend – ohne sich im Mindesten zu kennen – eine feste Beziehung beschließen und nicht viel später von Liebe die Rede ist, ist noch viel schräger. All das wirkt überhastet, wenig glaubwürdig und noch weniger ernstzunehmend. Schon gar nicht, weil Reagan die ganze Zeit wie ein albernes Fangirl erscheint (ihr Verhalten – auch gegenüber anderen Bandmitgliedern – ist phasenweise ziemlich fremdschämwürdig) und scheinbar alles mitmachen und für alles Verständnis aufbringen würde, was Trey will und tut, während man Trey einfach nicht abkauft, dass er sich so schnell verliebt und es aufrichtig meint.

Tut er scheinbar aber (auch wenn die Autorin einem das nicht nahebringt); Trey versucht sogar ernsthaft, der muskelbepackten Verführung in Gestalt von Reagans Mitbewohner Ethan zu widerstehen, obwohl der ihn total heißmacht. Ich war wirklich gespannt, wie die Autorin die drei zusammenbringen würde – so wie die Geschichte angelegt war, konnte ich mir keine elegante Lösung vorstellen, aus der alle Figuren unbeschädigt hervorgehen würden. So war es dann auch; Cunning hat Treys weiße Weste weitgehend unbefleckt gelassen und dafür Ethan zum Sündenbock gemacht – die Skrupellosigkeit, mit der Ethan den festen Freund seiner Freundin angräbt und zu verführen versucht, ist beispiellos. Es fiel mir insofern schwer, auch nur die geringste Begeisterung für ihn aufzubringen, sodass er neben Reagan die zweite Person in dieser Konstellation war, mit der ich wenig anfangen konnte.

Die Sexszenen, ob zu zweit (mf/mm) oder zu dritt (mmf), waren okay, aber nicht außergewöhnlich heiß. Als völlig überflüssig und konstruiert habe ich empfunden, auch noch einen höchst halbherzigen SM-Ausflug einzubauen, denn es gab hier wirklich schon genug andere Spielarten und Themen, mit denen man sich beschäftigen konnte. Dass der erste Sex zwischen Ethan und Trey ein wenig aus den Fugen gerät, ist ebenfalls irritierend, zumal die Sache nicht so wirklich aufgelöst wird und unausgegoren wirkt.

Apropos unausgegoren: Die eine oder andere unausgegorene Nebengeschichte gibts auch noch, z.B. um einen Stalker, um einen eifersüchtigen Nebenbuhler, um Reagans wenig verständnisvollen Vater und um die vom Bandmanager gewünschte Verwandlung Reagans in ein Sexpüppchen. Wobei der Begriff Nebengeschichte zum Teil zu hoch gegriffen ist: Es wird eher eine Baustelle aufgemacht und dann unverrichteter Dinge wieder zugeschüttet bzw. brach liegen gelassen, ohne dass klar wäre, was das alles eigentlich sollte.

Am allerschlimmsten an diesem ganzen Buch ist aber, wie Brian auf Treys Enthüllung, ihn zu lieben, reagiert. Das passt so was von nicht zu Brian und allem, was man jemals über das Verhältnis zwischen den beiden Männern erfahren hat, dass man nur sprachlos sein kann. Die Erklärung für Brians Verhalten wird später nachgeliefert, sie ist aber alles andere als glaubwürdig und macht die Sache kein bisschen besser.

 
Fazit:

Ich weiß nicht, ob das Buch besser geworden wäre, wenn der ganze Hickhack zwischen Verlag und Autorin nicht stattgefunden hätte; Tatsache ist: »Double Time« in der vorliegenden Form ist eine ziemliche Enttäuschung (die vermutlich ohne den zeitlichen Abstand noch größer gewesen wäre). Die ganze Geschichte wirkt unausgegoren, uninspiriert, unglaubwürdig und unemotional, und ich hab jetzt eigentlich nicht mehr wirklich Lust, die Fortsetzung dieser Ménage-à-trois zu lesen, die mich eigentlich überhaupt wieder auf „Double Time“ gebracht hatte. Vor allem in Anbetracht des Potenzials, das die Figur Trey und seine unerfüllte Liebe zu Brian gehabt hätten, ist das Endprodukt ein wahrer Jammer.

 


7/15

[Wohlwollende 7 Punkte! Die meisten davon dafür, dass Trey Trey ist, der mein Herz schon in Band 1 erweicht hat! ;)]

[Rezension] Sarah MacLean: A Scot in the Dark

Scandal & Scoundrel, #2

Inhalt:
Lonesome Lily Turned Scandalous Siren
Miss Lillian Hargrove has lived much of her life alone in a gilded cage, longing for love and companionship. When an artist offers her pretty promises and begs her to pose for a scandalous portrait, Lily doesn’t hesitate…until the lying libertine leaves her in disgrace. With the painting now public, Lily has no choice but to turn to the one man who might save her from ruin.

Highland Devil turned Halfhearted Duke
The Duke of Warnick loathes all things English, none more so than the aristocracy. It does not matter that the imposing Scotsman has inherited one of the most venerable dukedoms in Britain—he wants nothing to do with it, especially when he discovers that the unwanted title comes with a troublesome ward, one who is far too old and far too beautiful to be his problem.

Tartan Comes to Town
Warnick arrives in London with a single goal: get the chit married and see her become someone else’s problem, then return to a normal, quiet life in Scotland. It’s the perfect plan, until Lily declares she’ll only marry for love…and the Scot finds that there is one thing in England he likes far too much…

Kommentar:
Bis etwa zur Hälfte war das wirklich ein netter Historical, den ich mit 4-4.5 Punkten bewerten wollte. Dann sind der Autorin leider offenbar die Ideen ausgegangen und statt das Buch einfach um ein paar Seiten zu kürzen oder meinetwegen auch Wörter zu schinden oder einen zusätzlichen Handlungsstrang einzuführen (selbst das wäre besser gewesen!), musste mehrfach die gleiche unglaubwürdige Krise bemüht werden, bevor es endlich zum Happy-End kam. Einmal hätte ich es ja noch verstanden, vielleicht sogar zweimal, aber gleich mehrere Krisen aus immer demselben Grund? Nein, sorry, das geht gar nicht.

In der ersten Hälfte des Buches geht es darum, dass der schottische Vormund Alec sein Mündel vor einem Skandal retten will, indem er sie unter die Haube bringt, bevor ein Aktgemälde vor ihr enthüllt wird. Es gibt eine Menge Kabbeleien und amüsante Szenen und es ist schnell klar, dass es zwischen beiden mächtig funkt und sie sich ineinander verlieben. Die beiden sind auch wirklich sympathisch und niedlich zusammen.

Dann aber kommen Liebe und Sex ins Spiel und alles geht den Bach runter. Nachdem es zu sexuellen Handlungen in einer Kutsche gekommen ist, geht das Drama los. Er will sie ja ach so sehr, aber er darf nicht. Er ist ja nur ein schottischer Rohling und muss sie beschützen und ist nichts für sie, obwohl er ja immerhin ein Duke ist und sie nur die Tochter eines Landverwalters. Deswegen beharrt er weiter darauf, ihr einen Mann zu suchen. Leider ist er ihr aber vollkommen erlegen, weshalb nicht viel später aus Fast-Sex in der Kutsche richtiger Sex wird. Großartiger Sex. Voller Leidenschaft und Liebe. Der Schotte wäre aber kein Schotte, wenn ihm anschließend nicht doch wieder einfallen würde, dass sein Mündel nichts für ihn ist und sie was Besseres verdient hat als ihn. Bla, bla, bla. Weitere Zwischenfälle und Liebesschwüre ihrerseits nutzen auch nichts, um ihn umzustimmen und ihr den Wunsch zu erfüllen, sie zu heiraten. Schließlich, endlich, endlich, endlich, offenbart er der Frau seiner Träume, warum er glaubt, er sei nicht gut genug für sie. Die Begründung ist maximal halbwegs überzeugend (eher weniger) und schreckt Lillian entsprechend wenig ab. Es kommt erneut zu stundenlangem, großartigem, liebevollem, leidenschaftlichen Sex und Beteuerungen, dass das alles nicht so schlimm ist und dass Lily Alec versteht. Aber dann der Gipfel: Am nächsten Morgen ist Alec erneut verschwunden, weil er nicht gut genug für sie ist und sie angeblich was Besseres verdient hat. Allerspätestens an diesem Punkt ist man geneigt, ihm zuzustimmen – ich wollte wirklich schreien, und der Grund, warum Alec sich am Ende davon überzeugen lässt, dass er doch gut genug für Lillian ist, hat mich auch nicht besänftigt. Er ist nämlich ungefähr genauso überzeugend wie die Begründung, dass ein Duke mit bewegter Vergangenheit nicht gut genug für eine skandalumwitterte Landstuarttochter sein soll.


7 Punkte (MacLean-Bonus inklusive)

[Rezension] Maggie Stiefvater: Forever

Deutscher Titel: In deinen Augen
The Wolves of Mercy Falls, Teil 3

Inhalt (goodreads):
In Maggie Stiefvater’s SHIVER, Grace and Sam found each other. In LINGER, they fought to be together. Now, in FOREVER, the stakes are even higher than before. Wolves are being hunted. Lives are being threatened. And love is harder and harder to hold on to as death comes closing in.

Kommentar (enthält Spoiler für die Bände 1 und 2):
Auf meine uneingeschränkten Begeisterung für »Shiver« folgte mit »Linger« die Ernüchterung. Jetzt ist Band 3 da – und damit verbunden hegte ich die Hoffnung, dass »Forever« an den grandiosen Einführungsband würde anknüpfen können und Band 2 nur die typischen Probleme eines Mittelbuchs einer Trilogie hatte.

Nachdem Grace am Ende von »Linger« dem Wolf in sich nachgeben musste, geht es in »Forever« im Wesentlichen darum, sie in einen Menschen zurückzuverwandeln und ihr und Sam ein gemeinsames Leben zu ermöglichen. Zu diesem Zweck forscht Neu-Wolf Cole unter Einsatz seines Lebens, um ein Mittel zu finden, den Virus einzudämmen. Sam hat aber noch andere Probleme: Man verdächtigt ihn nicht nur, mit Graces Verschwinden zu tun zu haben, sondern macht ihn außerdem für den Tod eines anderen Mädchens mitverantwortlich. Zu allem Übel wird zur Jagd auf die Wölfe von Mercy Falls geblasen, um diese vollständig auszurotten – und es ist an Sam und Cole, das Rudel einschließlich Grace zu retten.

Klingt dünn? Ist es auch. Die erste Hälfte des Buches dümpelt ziemlich ereignislos vor sich hin, und es passiert eigentlich überhaupt nichts, was einen fesseln oder die Handlung wirklich voranbringen würde. Später nimmt die Geschichte dann deutlich an Fahrt auf und wird sogar einigermaßen spannend, sodass ich das Buch in einem Rutsch zuende gelesen habe. Es gibt überdies in der zweiten Hälfte wieder einige sehr berührende Momente, die an »Shiver« erinnern und mir wieder vor Augen geführt haben, warum ich dieses Buch so sehr mochte.

Das ändert aber nichts daran, dass es eigentlich im Vergleich zu Band 2 keine echte Weiterentwicklung der Gesamtsituation gibt, keine neuen Erkenntnisse bzgl. des Wolfsdaseins und folglich auch keine Weiterentwicklung bzgl. der Heilungsmöglichkeiten. Richtig sauer hat mich aber das Ende der Geschichte gemacht – warum eigentlich heißt dieses Buch »Forever«?! Man mag mich für eingeschränkt, unflexibel und Happy-End-süchtig halten, aber ich kann nicht verstehen, wieso man ein so perfektes Buch wie »Shiver« zur Serie ausbaut, wenn man zwei (deutlich weniger überzeugende) Bände später eher zwei Schritte zurückgemacht hat und alles noch viel ungewisser ist als nach Band 1. Das kann eigentlich nur eins bedeuten: Man konnte sich nicht zu einem endgültigen Abschluss durchringen, sondern will sich offen halten, die Geschichte irgendwann weiterzuführen – das Ende schreit förmlich danach. Ärgerlich!

Fazit:
9/15 – Mäßiger Abschluss der so vielversprechend gestarteten Trilogie, deren Ende einfach nur ärgerlich ist.

 

 

(Dies ist eine alte Rezension, die seit Erscheinen des Buches – in meinem Dashboard rumfliegt. Gelesen hab ich »Forever« 2011.)

Nina Rowan: Das Rätsel der Liebe

Originaltitel: A Study in Seduction
Daring Hearts, #1

Klappentext:

Lydia Kellaway besitzt ein einzigartiges Talent für Mathematik und ist daher in der viktorianischen Gesellschaft eine Außenseiterin. Als sie erfährt, dass Alexander Hall, Viscount Northwood, im Besitz eines Medaillons ist, das ein gefährliches Geheimnis ihrer Vergangenheit birgt, sucht sie ihn auf, um es zurückzuerlangen. Doch Northwood fordert sie zu einem Wettstreit des Geistes heraus. Lydia ahnt nicht, dass dabei ihr Herz auf dem Spiel steht.

Kommentar:

Nina Rowan lässt mich mit ihrem Debüt gespalten zurück. Die Figuren mochte ich allesamt sehr gern, auch die Nebenfiguren, denn sie sind sympathisch, glaubwürdig und liebenswert mit ihren Absonderlichkeiten; die Geschichte hat mich aber nicht so ganz überzeugt.

Lydia ist ein mathematisches Wunderkind. Sie versucht, das Leben in Formeln zu pressen, was ihr teilweise auch gelingt – außer in Sachen Liebe; diesen Versuch sieht sich aufzugeben gezwungen, nachdem sie durch einen Zufall Alexander kennenlernt. Der Mann mit der skandalösen Familiengeschichte – seine Mutter ist mit einem Russen durchgebrannt – zieht sie magisch an, körperlich wie geistig. Und diese Gefühle beruhen auf Gegenseitigkeit; Alexander ist ebenfalls schnell klar, dass er Lydia zur Frau will oder keine. Dummerweise weigert sie sich aber trotz aller Lust und Liebe, den künftigen Lord zu heiraten, denn sie hat ihrerseits ein Familiengeheimnis, das nicht bekannt werden darf.

Was das gut gehütete Familiengeheimnis ist, war relativ offensichtlich. Was im Rahmen der Geschichte daraus gemacht wurde, fand ich nicht so gut. Wer das Buch liest und mich kennt, wird sich darüber nicht wundern, denn es ist hinlänglich bekannt, dass ich so ein Hin und Her absolut nicht leiden kann (hier: „Ich liebe dich, aber ich kann dich nicht heiraten.“ – „Na gut, wenn du mich zwingst, heirate ich dich meinetwegen halt.“ – „Oh, Mist, jetzt kann ich dich aber doch nicht mehr heiraten, denn ich will ja nur das Beste für dich.“)

Am Anfang des Buches steht mal wieder pure Lust im Vordergrund: Lydia und Alexander entbrennen schon bei der ersten Begegnung im Sturm füreinander, was durch allerhand blumig-ausschweifende Beschreibungen deutlich wird. Ich bin ja nach wie vor leicht irritiert, wenn in einem historischen Liebesroman körperliche Anziehung die Basis einer Liebesgeschichte ist und die Lust auch noch recht schnell ausgelebt wird, denn es passt für mich einfach nicht so wirklich in die Zeit, aber gut … man gewöhnt sich an alles. Und Lydias Geschichte rechtfertigt immerhin in gewisser Weise ihren Mangel an viktorianischer Prüderie.

Der Handlungsstrang um Joseph – mit all seinen vergangenen und aktuellen Aspekten – hat mich nicht überzeugt und war mir zu dick aufgetragen. Man hätte die ganze Geschichte eleganter und weniger pseudo-dramatisch lösen können. (Ich bleibe an dieser Stelle etwas vage, weil ich sonst Leute spoilern würde, die die Geschichte noch lesen wollen.) Völligen unsinnig finde ich überdies Alexanders Plan, dem Skandal in England zu entgehen und irgendwann später zurückzukehren, wenn sich die Wogen geglättet haben. Das soll die Lösung zum großen Glück sein? Würde man einen drohenden Skandal nicht in London aussitzen und dem Gerede des Ton trotzen, wenn man seine Frau wirklich liebt, statt sie nach Russland zu schleppen, wo gerade der Krimkrieg ausgebrochen ist?! Außerdem bleibt die Frage offen: Ist Alexander eigentlich auch ein Wunderkind, da es ihm ja gelingt, Lydias für unlösbar gehaltenen Aufgaben zu bewältigen? Vielleicht löst sich dieses Rätsel ja im Laufe der Serie noch, die Alexanders Geschwister zum Thema haben werden – möglicherweise eine Ansammlung von Wunderkindern!

Auf Deutsch ist das Buch Anfang des Jahres 2014 bei Lyx erschienen und ich habe die Serie schon totgeglaubt, aber eineinhalb Jahre nach Band 1 wird nun doch auch noch Band 2 veröffentlicht, Der Klang der Leidenschaft (OT: A Passion For Pleasure). Irgendwie ist das wirklich eine zu lange Zeitspanne, als dass ich noch ein Interesse daran hätte …

 


7/15

 

 

[gelesen im Juni 2014]

[Keine Rezension] Janet Evanovich: Der Beste zum Kuss

Originaltitel: Sizzling Sixteen
Stephanie Plum, #16

Klappentext

Stephanie Plum erbt von ihrem Onkel Pip eine geheimnisvolle Flasche, die Glück bringen soll. Doch danach sieht es zunächst gar nicht aus: Cousin Vinnie, Eigentümer von Vincent Plum Bail Bonds, wird wegen angeblicher Spielschulden von einem Gangster festgehalten. Zum Glück haben Stephanie und ihre Kolleginnen einige Erfahrung darin, wie man vermisste Personen aufspürt. Aber wie sollen sie an die 786.000 Dollar kommen, die nötig sind, um Vinnie auszulösen? Mal ehrlich: Stephanie liegt gar nicht so viel an ihrem Boss, aber sie liebt nun mal ihren Job, also muss etwas passieren. Und ausnahmsweise entpuppen sich Morelli und Ranger, die beiden Männer an ihrer Seite, als wahre Glücksfälle …


Kommentar:

Was ist das eigentlich für ein Quatsch, dass jedes Stephanie-Plum-Buch das Wort »Kuss« im Titel enthalten muss? Mir geht dieser erzwungene Unsinn wirklich auf den Senkel; wieso bringt man stattdessen nicht das Engagement auf, Entsprechungen zum Original zu finden, die die Bandnummern enthalten, so wie man es bei den ersten vier Bänden gemacht hat? Aber nein, man setzt auf nichtssagende, austauschbar idiotische und krampfhaft auf lustig getrimmte Titel wie »Der Beste zum Kuss«, »Kuss mit Soße« oder »Kuss Hawaii« und auch noch Werbesätze, in denen Schwachsinnswörter wie »Nonkussultra« vorkommen! Wer denkt sich so was aus und kriegt derjenige wirklich Geld dafür??? Glauben die Verlage ernsthaft, dass die Leser das witzig finden?! (Finden andere Leser das vielleicht wirklich witzig, nur ich nicht?)

Okay, das Buch ist immerhin etwas besser als der deutsche Titel, wobei dazu ja nicht so viel gehört. Die Story ist mal wieder höchst absurd und übertrieben – wie man es von Stephanie-Plum-Büchern erwarten muss. Obwohl ich ein paarmal laut lachen musste über so manch eine Szene oder Formulierung, fand ich die Serie früher deutlich lustiger als heute. Ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob das daran liegt, dass sie heute noch übertriebener ist als früher – besser gesagt: nicht nur übertrieben, sondern zu übertrieben – oder dass sie einfach nicht mehr wirklich was Neues bietet und man außerdem irgendwie doch erwartet, dass Stephanie irgendwann noch was dazulernt bei der Verhaftung von NGVlern. Wenigstens ein kleines bisschen was!

Den nächsten Band werde ich selbstverständlich wieder kaufen und für eine schnell zu lesende, seichte und irgendwie ganz amüsante Unterhaltung wird er allemal gut sein. Und das ist ja auch schon was. (Und ich hab die Hoffnung ja immer noch nicht aufgegeben, dass Stephanie sich irgendwann Ranger schnappt – auch wenn ich nicht wirklich dran glaube. Dumme Nuss!)


9/15

[Keine Rezension] Máire Claremont: The Dark Lady

Mad Passions, #1

Klappentext:
Lord Ian Blake has returned from India a broken man. Years ago, he pledged to Lady Eva Carin—his childhood companion and first love—that he would bring her husband back alive. His failure haunts him. But even his jaded soul can’t anticipate the shocking sight of beautiful, independent Eva confined in a madhouse.

Locked in an asylum, forgotten by society, Eva is adrift in both body and mind. For Ian to break her free, they must cross a powerful enemy—and prove her sanity to England’s unforgiving aristocracy. But the biggest danger of all may come when the secrets of Eva’s tragic past are finally unlocked.

 

Kommentar:
Ich weiß gar nicht, wo ich über dieses Buch gestolpert bin; sehr wahrscheinlich bei Goodreads. Der Klappentext hat mich jedenfalls sofort angemacht – vor allem den Irrenhaus-Hintergrund fand ich sehr spannend –, also hab ich das E-Book heruntergeladen und direkt losgelesen.

Den Anfang der Geschichte fand ich wirklich stark. Lord Ian Blake sucht nach einem längeren Indienaufenthalt seine Jugendliebe und die Frau seines besten Freundes auf, deren Mann er eigentlich heil aus Indien zurückbringen sollte – was ihm aber nicht gelungen ist: Hamilton ist tot – und es ist schnell klar, dass die Vorwürfe, die Ian sich deshalb macht, vielschichtig sind. Doch nicht nur das, Eva ist gar nicht da. Wie Ian erfährt, ist Evas Sohn Adam, der Erbe von Hamilton, bei einem Unfall ums Leben gekommen; stattdessen hat Hamiltons Bruder Thomas die Herrschaft über Haus und Land übernommen und Eva in ein Irrenhaus verfrachtet, weil sie angeblich an ihrer Trauer verzweifelt ist und sich umbringen wollte. Ian sucht die Einrichtung umgehend auf und entführt die laudanumsüchtige Eva in einer dramatischen Aktion, die einen Toten mit sich bringt und gleichzeitig die Protagonistin des nächstes Bandes der Serie einführt. Eine nicht wirklich aufregende Flucht von Ort zu Ort vor den Irrenhauswärtern folgt, die deutlich macht, dass Ian unbedingt beweisen muss, dass Eva nicht verrückt ist, wenn die Jagd irgendwann ein Ende haben soll.

In Maire Claremonts Debüt gibt es viele gute Ansätze, ganz überzeugen kann das Buch aber nicht. An den Protagonisten liegt das nicht, sie sind trotz – oder wegen! – ihrer Ecken und Kanten sympathisch und man wünscht ihnen ihr Glück. Die Story schafft es aber nicht, die Grundspannung aufrechtzuerhalten; es gibt viel Im-Kreis-Gedrehe, und die diversen Krisen enden ziemlich unspektakulär. Trotzdem war der Roman gut genug, um mir direkt Lust auf Band 2 zu machen – den ich nun ebenfalls direkt runtergeladen habe und für den Julia Quinn wohl erst mal warten muss!

 


9/15

 

Serieninfo:
01 The Dark Lady
02 Lady in Red
02.5 A Lady Undone
03 The Dark Affair (2014)

[Keine Rezension] Helene Hanff: 84, Charing Cross Road

Originaltitel: 84, Charing Cross Road

Beschreibungstext (Amazon):
Durch Zufall stößt die amerikanische Bühnenschriftstellerin Helene Hanff Ende der 40er Jahre auf die Adresse eines kleinen Antiquariats in London. Eine neue Quelle für schwer aufzutreibende Bücher? Als sie zur Feder greift, ahnt sie nicht, dass dies der Beginn einer jahrzehntelangen Freundschaft ist. Anfangs dreht sich die Korrespondenz zwischen ihr und dem Antiquar Frank Doel und seinen Angestellten allein um die gemeinsame Leidenschaft für Bücher. Doch mit der Zeit werden die Briefe persönlicher. Helene erzählt von ihrem Alltag in New York, schickt Care-Pakete nach London, wo die Lebensmittel noch knapp sind. Im Gegenzug erhält sie wertvolle Erstausgaben. Schließlich erreichen die Briefe eine Vertrautheit, wie man sie nur zwischen wirklich guten Freunden findet.

Mit »84, Charing Cross Road« hat Hanff dieser außergewöhnlichen Freundschaft ein Denkmal gesetzt und gleichzeitig ein einzigartiges Zeitdokument der 50er und 60er Jahre geschaffen.

Kommentar:

Wieso dieses Buch in den Himmel gelobt wird, ist mir ein Rätsel. Nicht, dass ich es schlecht fände, aber die allgemeinen überbordenden Lobeshymnen kann ich absolut nicht nachvollziehen – möglicherweise fehlt mir der Feingeist für solche Bücher. Ja, er ist ein Stück Zeitgeschichte, dieser – übrigens reale – Briefwechsel zwischen der Amerikanerin Helene Hanff und den englischen Antiquariatsmitarbeitern um Frank Doel, welcher im Original bereits in den 1970er-Jahren publiziert wurde. Aber er bleibt für mein Verständnis doch sehr an der Oberfläche und ist folglich ganz unterhaltsam (zumal Helene Hanff recht scharfzüngig und amüsant schreibt), lässt mich jedoch nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen. Für ein »einzigartiges Zeitdokument der 50er und 60er Jahre« halte ich ihn mitnichten, und die »große Vertrautheit« zwischen der Amerikanerin und den Engländern sehe ich ebenso wenig, wie ich den Briefwechsel als wirklich freundschaftlich empfunden habe. Er ist – wie gesagt – unterhaltsam, aber für mein Empfinden (meist) belanglos.

 


9/15

[Rezension] Miranda Kenneally: Stealing Parker

Hundred Oaks, #2

Verlagstext:

Parker Shelton pretty much has the perfect life. She’s on her way to becoming valedictorian at Hundred Oaks High, she’s made the all-star softball team, and she has plenty of friends. Then her mother’s scandal rocks their small town and suddenly no one will talk to her.

Now Parker wants a new life.

So she quits softball. Drops twenty pounds. And she figures why kiss one guy when she can kiss three? Or four. Why limit herself to high school boys when the majorly cute new baseball coach seems especially flirty?

But how far is too far before she loses herself completely?

 

Kommentar (enthält leichte Spoiler):

Band 1 der Hundred-Oaks-Serie, »Catching Jordan«, steht schon eine halbe Ewigkeit auf meiner Wunschliste. Da mit »Stealing Parker« gerade Band 2 im Angebot war, hab ich das Buch runtergeladen und sofort gelesen.

Das Buch handelt von der 17-jährigen Parker, die seit dem Coming-Out ihrer Mutter der Welt beweisen will, dass sie anders ist als ihre Mutter – d.h. in diesem Fall in erster Linie: nicht lesbisch. Deshalb knutscht sie mit allen möglichen Jungs rum, ohne sich ernsthaft auf sie einzulassen. Dann aber kommt der 23-jährige Brian als Baseball-Assistenztrainer an ihre Schule, und sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Eine Beziehnung zwischen ihnen ist wegen des Altersunterschieds und des Lehrer-Schüler-Verhältnisses – vor allem für Brian – eigentlich unmöglich, nach einigem Hin und Her lässt er sich aber trotzdem auf die äußerst hartnäckige Parker ein. Ihr Glück ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn der Altersunterschied und die damit verbundenen Ansprüche sind nicht wegzudiskutieren; hinzu kommt Brians ständige Angst, sie könnten miteinander erwischt werden – was für seine Reputation eine Katastrophe wäre. Doch während die Beziehung zu Brian für Parker lange nicht so glücklich verläuft, wie sie es sich erträumt hat, schleicht sich ein alter Bekannter, Corndog, in ihr Leben und in ihr Herz, ohne dass sie es zunächst so richtig bemerkt. Und als sie es bemerkt, ist die Sache schon extrem kompliziert …

Die Story bietet einige Aspekte, die ich wirklich interessant finde: Eine verbotene Liebe hat ja immer was, und ich bin bekanntermaßen erklärter Fan von Dreiecksgeschichten. Die Umsetzung in diesem Fall hat mich aber nur bedingt überzeugt. Brian hab ich von Anfang an als ziemlichen Feigling empfunden, und sobald die beiden zusammen sind, benimmt er sich so bescheuert, dass völlig klar ist, wohin die Beziehung führen wird. Parkers wachsende Liebe zu Corndog hingegen ist richtig toll dargestellt – und es ist im Übrigen kein Wunder, dass Parker sich in Corndog verliebt, denn er ist einfach ein wundervoller Typ (dessen ungnädiges Verhalten gegen Ende hinsichtlich des großen Knalls für mich nicht so ganz zum entworfenen Charakter passt).

Positiv ist auch die Darstellung der Beziehung zwischen Parker und ihrer Mutter. Parker kann ihrer Mutter nicht verzeihen, dass sie mit ihrer Freundin durchgebrannt und ihre Familie im Stich gelassen hat. Obwohl sie ihre Mutter wahnsinnig vermisst, ist sie nicht mal bereit, ihre Anrufe und SMS zu beantworten; sie will sich von ihr abgrenzen und ein anderes Leben führen als vor dem Coming-Out ihrer Mutter. Wie dieser Konflikt aufgelöst wird, ist definitiv herzerwärmend, und dieser Handlungsstrang ist für mich eine Stärke des Buches.

Zu den Schwächen des Buches zählt für mich die Rolle von Parkers Vater, der Kirche und des Glaubens an sich. Parkers Vater sucht nach dem Weggang seiner Frau sein Heil in Gebeten und in der Kirche – einer Kirche, der er schon viele Jahre angehört und die ihn wegen der Sünden seiner Frau so offensichtlich ausgrenzt, dass ich nicht nachvollziehen kann, wieso man sich das antut. Und nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Kindern – denn Parker ist ebenfalls betroffen: Viele Kinder der Kirchenangehörigen, darunter die Tochter des Priesters, schneiden sie bzw. feinden sie nach dem Coming-Out ihrer Mutter offen an. Schließlich mischt sich die Kirche sogar in die neue Beziehung von Parkers Vater ein und überzeugt ihn davon, diese zu beenden, weil seine Freundin viel zu jung sei. Auf der anderen Seite gibts aber eine weitere Gemeinde, die von Corndog nämlich, da sind die Leute viel netter und toleranter. Ich weiß nicht, was die Autorin mit diesem omnipräsenten Kirchenthema sagen wollte: Es lohnt sich, ein guter Christenmensch zu sein, auch wenns gute und schlechte Gemeinden bzw. gute und schlechte Christen gibt?! Ehrlich, auf diesen Erzählstrang hätte ich gut verzichten können, zumal er sich in Aussagen manifestiert wie: »You’re still the same loving Christian girl I’ve always known« oder »I hope God was looking the other way.«

Darüber hinaus werden hier einfach wahnsinnig viele Problemthemen angerissen – zu viele, für meinen Geschmack. Neben den genannten gibts nämlich auch noch den Konflikt zwischen Parker und ihren ehemaligen Freundinnen, allen voran Pfarrerstochter Laura, die absolut skrupellos ist und keinen Funken »Christlichkeit« (wo wir schon beim Thema sind) in sich trägt, und die im Laufe der Handlung keinen Deut dazulernt. Natürlich gibts auch wieder den inzwischen für YA-Bücher fast schon obligatorisch gewordenen schwulen besten Freund, der für eine Menge Wirbel sorgt und sich als gar nicht so guter Freund entpuppt. Ganz beiläufig wird auch ein wenig gesund klingender Abnehmwahn eingeflochten sowie die Drogenprobleme von Parkers Bruder. Und dass es am Ende zum großen Knall kommen muss, sodass Parker in der Folge quasi allein dasteht, weil alle Involvierten maßlos übertreiben, ist für meinen Geschmack auch ein Tick zu viel.

Ingesamt trotz guter Ansätze nur eine durchschnittliche Geschichte, die meiner Ansicht nach viel Potenzial verschenkt … vielleicht, weil sie zu viel auf einmal will.

 


8/15

 

Serieninfo:
01 Catching Jordan
02 Stealing Parker
03 Things I Can’t Forget
04 Racing Savannah (12/2013)
05 Running from Fate (2014)

[Keine Rezension] Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen

Klappentext:
Die junge Restaurantbesitzerin Aurélie hat Liebeskummer: Von einem Tag auf den anderen wurde sie von ihrem Freund verlassen. Unglücklich streift sie durch Paris und stößt in einer kleinen Buchhandlung auf einen Roman, der gleich in den ersten Sätzen nicht nur ihr Lokal, sondern auch sie selbst beschreibt. Begeistert von der Lektüre, möchte Aurélie den Autor des Buchs kennenlernen, doch der ist leider sehr menschenscheu, erfährt sie vom Lektor des französischen Verlags. Aber Aurélie gibt nicht auf …

 

Kommentar:
Ich hatte mich aufgrund zahlloser begeisterter Rezensionen sehr auf die Lektüre dieses Buches gefreut, bin am Ende aber deutlich weniger begeistert, als ich es erwartet hätte. Kein Zweifel, »Das Lächeln der Frauen« ist ein nettes Buch mit schönen Ideen und teilweise hübschen poetischen Sätzen und Gedanken, die Geschichte ist aber mehr als vorhersehbar, und mir kam es vor, als hätte ich sie so oder ähnlich schon tausend Mal gelesen oder im TV gesehen. Da man als Leser die Perspektiven der beiden Protagonisten und somit das Geheimnis um den geheimnisvollen Autor namens Miller kennt, kann man ohne große Fantasie erraten, wie sich die Handlung entwickeln und wie sie enden wird. Ungelogen, es gibt nicht eine einzige überraschende Wendung im Buch.

Vielleicht muss man Paris-Liebhaber sein, um das Buch gebührend genießen zu können, oder darf keine anderweitigen Liebesgeschichten kennen – ich kann mir die vielen uneingeschränkten Lobeshymnen anders kaum erklären. Die Figuren sind nämlich auch nicht besonders sympathisch. Zu Aurèlie konnte ich keinerlei Verbindung aufbauen, aber insbesondere der männliche Protagonist mit seinem Hang, sich immer für die dümmstmögliche Lösung zu entscheiden und sich so immer tiefer in sein verhängnisvolles Lügengespinst zu verwickeln, war absolut nicht mein Fall. (Und dass er zu allem Übel auch noch ein Bartträger ist, macht die Sache nicht besser; das hätte ich notfalls aber verdrängen können.)

 


9/15

 

 

Trivia:
Ganz nebenbei bemerkt fand ich es durchaus amüsant, dass Aurélie und ihre (übrigens höchst anstrengende) Freundin Bernadette verzweifelt auf der Suche nach dem Originaltitel des Buches sind, um das es im Roman geht. So ging es mir mit dem Originaltitel von »Das Lächeln der Frauen« nämlich auch. Schließlich bin ich auf die Info gestoßen, dass das Buch in Frankreich noch gar nicht erschienen sein soll; die deutsche Ausgabe sei die Originalveröffentlichung, an der der deutsche Originalverlag Thiele angeblich alle Rechte hält (ebenso wie am Gesamtwerk des Autors). Die Welt hingegen hat zutage befördert, dass es den »ziemlich schnuckelig aussehenden« Nicolas Barreau gar nicht gibt.

 

 

[Gelesen im September 2012]

[Rezension] Megan Heart: Naked. Hemmungslose Spiele

Originaltitel: Naked

 
Klappentext:
Alex Kennedy bedeutet nichts als Ärger und er steht nicht auf Frauen! Olivia ist gewarnt, als sie auf einer Party den charismatischen Alex erblickt. Auf einen Mann wie ihn kann die schöne Fotografin gut verzichten! Unvergessen ist ihr Exverlobter, der sich überraschend als schwul geoutet hat. Doch gegen jede Vernunft inspiriert der Anblick von Alex muskulösem, sexy Körper Olivia zu einem spontanen erotischen Fotoshooting. Plötzlich verspürt sie ein unwiderstehliches Prickeln, und ehe sie sich versieht, liegt sie in Alex Armen. Vergessen sind alle Warnungen, als sie sich auf ein gefährlich hemmungsloses Spiel einlässt …

 
Kommentar:
Es ist schon eine Weile her, dass ich »Hot Summer« (Rezension) gelesen habe, das Buch, in dem Alex Kennedy seinen ersten Auftritt hatte. Einen durchaus beeindruckenden Auftritt, denn die Figur war ziemlich geheimnisvoll und düster angelegt, und ich hätte sofort zum Folgeband gegriffen, hätte es ihn damals schon gegeben, um mehr über diesen undurchsichtigen Mann zu erfahren. Inzwischen gibt es die Fortsetzung, aber ich habe nach dem Lesen nicht den Eindruck, sehr viel mehr über Alex zu wissen als vorher. Das Buch wird nämlich – wie alle Romane von Megan Hart – aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin erzählt, und die weiß bis kurz vor Schluss selbst kaum etwas über ihrem Liebsten, vom Offensichtlichen abgesehen. Aber von Anfang an!

Das Buch startet schon so dröge, dass ich es nach fünf oder sechs Kapiteln fast zur Seite gelegt hätte. Protagonistin Olivia lernt auf der Party ihres besten Freundes Patrick (der einst ihr Verlobter war, bevor er sich als schwul geoutet hat) Alex Kennedy lernen. Trotz eindringlicher Warnungen und Drohungen Patricks, die aber unzweifelhaft eher Eifersucht und Besitzansprüchen entspringen als aufrichtiger Sorge, lässt Olivia den gut aussehenden Alex in ihre leer stehende Einliegerwohnung einziehen, und es dauert nicht lange, bis die beiden was miteinander anfangen. Ganz so schwul, wie Patrick behauptet hat, ist Alex dann doch nicht, und Patricks Behauptung, Alex stehe nicht auf Frauen, wird schnell und ausgiebig widerlegt.

Was dem Leser zunächst vorkommen muss wie eine Affäre, entwickelt sich rasant zu einer Beziehung, und erstaunlich schnell ist von Liebe die Rede. Und dann passiert eine halbe Ewigkeit eigentlich nichts mehr. Alex ist durch und durch toll, unterstützt Olivia jederzeit mit einem fast schon beängstigenden Verständnis für jede Lebenslage, bekocht sie, liest ihr jeden Wunsch von den Lippen ab, bespaßt ihre Mutter und bereitet ihr natürlich auch im Bett allergrößtes Vergnügen. Wie Olivia hin und wieder mal feststellt, weiß sie ziemlich wenig von ihm, doch sie tut nicht wirklich was, um das zu ändern (wobei allerdings auch bezweifelt werden darf, dass er sich ihr geöffnet hätte). Sie ist nämlich weitgehend damit beschäftigt, ihre Konfession und als Folge davon auch sich selbst zu finden (was mich thematisch wirklich kein bisschen angesprochen hat; ganz im Gegenteil), den Konflikt mit ihrer jüdischen Mutter zu verarbeiten und endlich mal die Beziehung zu ihrem fürchtlichen Ex-Verlobten in weniger selbstzerstörerische Bahnen zu lenken.

Ehrlich gesagt hab ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass es ein böses Erwachen gibt und dass Alex Olivia hintergeht oder verlässt und die ganze Seifenblase platzt, aber bis auf eine Krise am Ende pläschert die ganze Geschichte – von einem kurzen Zwischenhoch abgesehen – über hunderte Seiten ohne größere Beziehungs-Aufs und -Abs vor sich hin. Das war irgendwie ganz schön wenig – zumal ich zu Olivia keinen echten Draht und für ihre Probleme abseits ihrer Beziehung wenig Verständnis hatte. Ein Highlight des Buches ist zweifelsohne das Treffen mit Alex’ Jugendfreund Jamie und dessen Frau Anne (bekannt aus »Hot Summer«), das allerdings nicht nur Olivia, sondern auch die Leser mit beträchlichen Zweifeln zurücklässt. Das Happyend hat für mich einen schalen Beigeschmack.

Spoiler

Zumindest mir kommt nämlich das, was Jamie und Alex verbindet, nicht einfach nur wie eine große Männerfreundschaft vor, sondern wie eine verleugnete Liebe.

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8/15

 

 
Trivia:
Wie häufiger bei Megan Hart hatten auch diesmal wieder Figuren aus anderen Büchern Auftritte. Man begegnet nicht nur Jamie und Anne aus »Hot Summer«, sondern in Gestalt von Olivias Freundin Sarah die Frau, die in den Callboy Jack aus »Callboys« (Rezension) verliebt ist. Ebenso tauchen die beiden Protagonisten aus »Dirty« auf.