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[Rezension] Lisa Kleypas: Verbotene Früchte im Frühling

Originaltitel: Scandal in Spring
Wallflowers, Book 4

Inhalt:
Drei Saisons und Daisy Bowman hat noch keinen Ehemann gefunden. Da spricht ihr Vater ein Machtwort: Sie soll seinen Geschäftspartner Matthew Swift heiraten! Daisy ist entsetzt, schien er ihr doch stets langweilig und farblos. Aber sie hat nicht mit Matthews überraschendem Charme gerechnet, als sie ihn seit Langem erstmals wiedersieht. Und mit diesem unerwartet sinnlichen Prickeln, das sie neuerdings in seiner Nähe verspürt. Schon bald muss sie sich eingestehen, dass er sich immer mehr als ihr Traummann entpuppt. Doch kaum lassen seine heißen Küsse ihre Leidenschaft erblühen, behauptet Matthew plötzlich, Daisy niemals heiraten zu können …

Kommentar:
Im letzten Teil der Wallflower-Serie soll das letzte verbliebene Mauerblümchen unter die Haube gebracht werden: Daisy Bowman. Die Romantikerin hat allerdings gar kein echtes Interesse an einer Heirat; ihr reicht es völlig, sich in ein Buch zu vertiefen oder in der Natur zu sein. Ihrem Vater passt das überhaupt nicht – weswegen er sie vor die Wahl stellt: Entweder findet sie bis Ende der Saison einen passenden Ehemann, oder sie muss seinen Geschäftspartner Matthew Swift heiraten. Daisy und ihre hochschwangere Schwester Lillian sind schockiert, denn beide können den unansehnlichen, berechnenden Langweiler nicht ausstehen – eine Hochzeit mit ihm muss unbedingt verhindert werden. Deshalb werden einige potenzielle Heiratskandidaten auf den Landsitz von Lillians Mann Lord Westcliff geladen, doch dann taucht auch Matthew Swift auf – und Daisys Abneigung verflüchtigt sich in Windeseile.

Nicht zuletzt liegt das daran, dass Lisa Kleypas in dieser Geschichte mal ein männliches Entlein auspackt, das zum Schwan geworden ist. Der ehemals dürre Matthew hat nämlich eine ganz beachtlich attraktive Figur entwickelt, seit Mr. Bowman ihn dazu genötigt hat, eine Köchin anzustellen, die ihm vernünftiges Essen kocht. Seine Kleider sitzen jetzt viel besser, und außerdem hat er eine niedliche Locke, die bestens dafür geeigent ist, in der Protagonistin den Wunsch zu wecken, sie ihm aus dem Gesicht zu streichen. Doch nicht nur sein Äußeres überzeugt, sondern auch sein Charakter. Jeder mag und schätzt ihn, denn er ist ehrenhaft, patent, nett, charmant – und wie sich herausstellt sogar romantisch. So sehr Daisy sich auch bemüht, ihre Abneigung gegen ihn zu bewahren: Es gelingt ihr nicht. Mit jedem Zusammensein – ob bei der gemeinsamen Rettung einer Gans oder beim Boulespiel – wächst ihre Achtung vor ihm, und es dauert nicht lange, bis sie Hals über Kopf in ihn verliebt. Doch obwohl Matthew ihre Gefühle erwidert, beteuert er, sie nicht heiraten zu können, weil er ein schreckliches Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt. Dieses Geheimnis erweist sich am Ende natürlich als weit weniger schrecklich als dargestellt; Matthews Ängste sind aber einigermaßen plausibel erklärt.

Da Matthew trotz seiner ominösen Vergangenheit leider kein bisschen düster wirkt, sondern ebenso nett und sympathisch ist wie Daisy, entwickelt sich keine echte Spannung. Die Geschichte plätschert ohne wirkliche Höhen und Tiefen vor sich hin, und selbst die eigentlich dramatischen Ereignisse am Ende reißen einen ob ihres durchsichtigen Ausgangs nicht vom Hocker. Es ist eine Geschichte von revidierten Vorurteilen und einer wachsenden Liebe, die zwar ganz unterhaltsam, aber nichts Besonderes ist.

Selbstverständlich haben auch die anderen Mauerblümchen nebst Ehemännern und Kindern wieder ihre Auftritte, wobei insbesondere der wundervolle Westcliff und Daisys Schwester (aus Band 2 der Serie) eine größere Rolle inne haben. Daisy erweist sich mal wieder als äußerst zänkisch und herrisch, als sie erfährt, dass sich ihre kleine Schwester in Matthew verliebt hat und versucht ihr möglichstes, um die Beziehung zu verhindern. Ihr ehrlicher, offener Umgang mit ihrer Aversion und ihre Bereitschaft, sich dennoch mit dem Mann ihrer Schwester zu arrangieren, bewahren sie am Ende davor, allzu unsympathisch zu wirken.

Fazit:
9/15 – Eine nette Geschichte mit sympathischen Figuren, der es allerdings ein wenig an Spannung und Dramatik mangelt.

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Serieninfo:
01 Secrets of a Summer Night | Geheimnisse einer Sommernacht
02 It Happened One Autumn | Herbstfeuer (Cora)/Der Earl und die Erbin (Mira) (Rezension)
03 The Devil in Winter | Es begann in einer Winternacht (Rezension)
04 Scandal in Spring | Frühlingsküsse (Rezension)
05 A Wallflower Christmas

Außerdem gibt es Verbindungen zur Hathaway-Serie und dem Einzeltitel »Again the Magic« (dt. »Und ewig brennt das Feuer«/»Liebe ist süßer als Rache« ).

[Rezension] Lisa Kleypas: Es begann in einer Winternacht

Devil in Winter
Wallflower-Quartett, Teil 3

Inhalt:
Sebastian, Lord St. Vincent, hat den Ruf eines Frauenhelden – und doch ist er der Einzige, der die scheue Erbin Evangeline vor ihren geldgierigen Verwandten retten kann. Mutig macht sie dem in einer finanziellen Krise steckenden Viscount einen Heiratsantrag. Allerdings unter einer Bedingung: keine erotischen Annäherungen nach der Hochzeitsnacht! Denn niemals will Evangeline zu den Damen gehören, denen der charmante Lord das Herz gebrochen hat. Aber schon auf der winterlichen Reise zur Trauung in Gretna Green sprühen die Funken der Leidenschaft. Als sie einander in der eiskalten Kutsche wärmen, erwacht heißes Begehren …

Kommentar:
Die Leseprobe zu diesem Buch in »It Happened One Autumn« (dt.: Herbstfeuer/Der Earl und die Erbin) war ein extrem wirksamer Teaser – weshalb der Griff zu Band 3 der Wallflower-Serie eine Frage der Zeit war. Das Buch knüpft praktisch unmittelbar an die Ereignisse der Vorgängerbandes an, insofern macht es Sinn, die Bücher nach Möglichkeit in der richtigen Reihenfolge zu lesen; natürlich funktioniert das Buch aber auch für sich genommen, es macht nur nicht ganz so viel Spaß.

Das Buch startet ohne jedes Vorgeplänkel mit Evangeline Heiratsantrag an Viscount St. Vincent, der zwar einigermaßen überrumpelt ist, aber aufgrund seiner finanziellen Lage kaum eine Wahl hat als das Angebot der reichen Erbin anzunehmen. Da Evangelines habgierige Verwandte ihr auf den Fersen sind und die Zeit drängt, besteigen Evie und Sebastian kaum eine Stunde später eine Kutsche nach Gretna Green, um dort ihre Zweckehe zu schließen. Doch schon unterwegs kommen sich die beiden näher, und der Viscount entwickelt eine Fürsorge, die ein Evie ein ungekanntes Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit hervorruft.

Frisch verheiratet zurück in London, quartieren sich Evie und Sebastian im Spielclub von Evies Vater Ivo Jenner ein (an den sich Kleypas-Leser evtl. aus dem Buch »Roulette des Herzens«/»Dreaming of You« erinnern). Während Evie sich aufopferungsvoll um ihren sterbenden Vater kümmert, übernimmt Sebastian direkt das Kommando über den Club, um diesen wieder auf Vordermann zu bringen. Darüber hinaus steht er aber auch Evie in ihrer Trauer bei und unterstützt bzw. beschützt sie, wo er nur kann. Die Umstände schweißen die beiden mehr und mehr zusammen, bis sie sich schließlich trotz aller Ängste zueinander bekennen. Man hat es also mit einem typischen »Vernunfts- wird Liebesehe«-Plot zu tun, der solide umgesetzt ist, sich an einigen Stellen aber doch ein wenig zieht. Für meinen Geschmack gab es zudem zu viele lebensbedrohliche Situationen – zumal ich die Rachegelüste des ehemaligen Angestellten Bullard nicht überzeugend fand. Sehr interessant hingegen war der Blick auf die medizinischen Ansichten und Behandlungsmethoden der damaligen Zeit.

Einmal mehr überzeugend sind die Figuren. Die reiche Evangeline, die von ihren geldgierigen Verwandten misshandelt wird und dazu gezwungen werden soll, ihren Cousin zu heiraten, handelt aus purer Verzweiflung als sie Sebastian die Hochzeit vorschlägt, obwohl sie ihn auf den Tod nicht ausstehen kann. Zunächst hält man sie für eine schwache Person, doch schon bald erweist sie sich als überraschend willensstark, stur, entschlossen und absolut dazu in der Lage, Sebastians Eskapaden mit der nötigen Ruhe zu begegnen. Sie denkt nicht daran, sich weiterhin herumschubsen zu lassen und bietet Sebastian Paroli, wo sie nur kann; gleichzeitig ist sie aber eine sehr liebevolle, fürsorgliche Figur. Sebastian hingegen, der bereits in »Herbstfeuer« eine tragende Rolle gespielt und versucht hat, die Verlobte seines besten Freundes zu entführen, ist eigentlich der ultimative Bösewicht. Er ist egozentrisch, rücksichtslos, durch und durch unmoralisch und sehr stolz darauf. Sein ausschweifendes Leben aufzugeben, kommt für ihn nicht in Frage – aber Evie verlangt das ja auch gar nicht von ihm, weshalb die finanziell einträgliche Ehe nur Vorteile für ihn bringt. Womit St. Vincent allerdings nicht rechnet: Dass Evie ungekannte Gefühle in ihm weckt und ihn verändert. Bereits auf der Reise nach Gretna Green beginnt seine Wandlung, die sich in kleinen fürsorglichen Gesten spiegelt und später zu Eifersuchtsanfällen führt. Sein ausgeprägter Beschützerinstinkt und das starke Besitzdenken lassen ihn bisweilen ziemlich herrisch wirken, trüben aber seinen Charakter nicht, zumal Evies Wohl für ihn immer im Vordergrund steht und seine Angst glaubwürdig wirkt.

Die Auftritte der anderen Mauerblümchen sind in diesem Buch leider relativ gering gehalten, der grandiose Lord Westcliff spielt aber eine größere Rolle und ist gewohnt hinreißend. Überdies wird in diesem Buch Cam Rohan eingeführt, der Halbblut-Roma und künftige Protagonist dem Buch »Mine Till Midnight«. Er ist das Faktotum in Jenners Spielclub und Auslöser für die eine oder andere Eifersuchtsszene; außerdem küsst er Mauerblümchen Nummer 4, Daisy Bowman. Mich würde brennen interessieren, ob es Kleypas’ ursprünglicher Plan war, Daisy und Cam im letzten Band der Serie zusammenzubringen, bevor sie sich entschlossen hat, mit dem Roma die neue Hathaway-Serie zu starten. So oder so: Es ist wirklich grandios, wie elegant Kleypas ihre Bücher miteinander verknüpft!

Fazit:
12/15 – Erneut ein richtig guter Roman aus der Feder von Lisa Kleypas, von dem ich mir allerdings aufgrund des überragenden Anfangs noch mehr versprochen hatte; zwischenzeitlich wirkte die Geschichte etwas überladen und zäh.

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Serieninfo:
01 Secrets of a Summer Night | Geheimnisse einer Sommernacht
02 It Happened One Autumn | Herbstfeuer (Cora)/Der Earl und die Erbin (Mira) (Rezension)
03 The Devil in Winter | Es begann in einer Winternacht (Rezension)
04 Scandal in Spring | Frühlingsküsse
05 A Wallflower Christmas

Außerdem gibt es Verbindungen zur Hathaway-Serie und dem Einzeltitel »Again the Magic« (dt. »Und ewig brennt das Feuer«).

[Rezension] Lisa Kleypas: It Happened One Autumn

Deutscher Titel: Herbstfeuer (Cora Historical Gold) / Der Earl und die Erbin (Mira)
Wallflower-Quartett, Teil 2

Inhalt:
Die hübsche amerikanische Erbin Lillian Bowman soll auf Wunsch ihrer Mutter einen englischen Adligen heiraten. Doch mit ihrer direkten Art eckt sie in der vornehmen Gesellschaft Londons immer wieder an. Auch der begehrte Junggeselle Marcus Marsden, Earl of Wesden, mokiert sich nur zu gern über ihre Fauxpas. Lilian sprüht Funken vor Wut! Bis Marcus sie an einem sonnigen Herbsttag auf seinem Landsitz unvermittelt in die Arme reißt und küsst und ungeahnte Leidenschaft sie durchströmt. Ist es nur ein Strohfeuer oder der Beginn einer großen Liebe?

Kommentar:
Haaaaach … was isses schön! Der erste Band der Wallflowers-Serie gefiel mir wegen der reichlich arroganten, adelsfixierten Protagonistin, die ihr Glück mit Füßen getreten hat, nicht so besonders, weswegen ich eine längere Wallflower-Pause eingelegt habe. Ein Fehler, wie sich jetzt herausgestellt hat, denn Band 2 ist ein richtig tolles Buch, das allerbeste Unterhaltung für Liebesromanfans bietet.

Obwohl der Plot ein Klassiker und bereits gefühlte hunderttausend Mal dagewesen ist, macht Lisa Kleypas eine wunderschöne Geschichte daraus. Zwar gibt es (wie in praktisch allen Romanen dieses Genres) einige Unwahrscheinlichkeiten, das Ende ist ziemlich dick aufgetragen und für meinen Geschmack unnötig dramatisch, davon abgesehen bietet das Buch aber allerbeste humorvolle Unterhaltung mit einer Vielzahl amüsanter Dialoge und einer Liebe, die keine Standesgrenzen kennt. Und das, obwohl die reiche Amerikanerin Lilian Bowman mitnichten die passende Braut für Marcus ist.

Marcus ist nämlich der wohlerzogene Spross einer der ältesten Adelsfamilie des Landes, und sollte er je heiraten, muss seine Braut unbedingt standesgemäß sein. Lilian ist alles andere als das: Sie ist ungehobelt und hasst die strikten, überflüssigen gesellschaftlichen Konventionen der Engländer. Folgerichtig hält sie Marcus auch für einen verknöcherte, langweiligen, arroganten Adligen, während er sie wegen ihres unangemessenen Verhaltens zunächst verachtet. Zahlreiche Streitgespräche und beißender Spott bleiben angesichts dieser Konstellation nicht aus, dennoch fühlen sich die beiden unwiderstehlich zueinander hingezogen, als sie einander näher kennenlernen. Nach und nach erkennen sie die guten Seiten des anderen und revidieren ihre vorgefertigten Meinungen – was richtig glaubwürdig dargestellt wird.

Nicht nur die Hauptfiguren überzeugen auf ganzer Linie, sondern auch sämtliche Nebenfiguren. Da Kleypas wie kaum ein anderer Autor auf einen echten Seriencharakter setzt, bindet sie sowohl die Handlung als auch die Figuren früherer (und folgender) Bände ein, sodass man viele alte Bekannte wiedertrifft – etwa die anderen Mauerblümchen oder den skandalumwitterten St. Vincent, der im nächsten Band die Hauptrolle spielen wird. Trotz der Verbindungen zwischen den Büchern kann man sie übrigens problemlos unabhängig voneinander lesen, denn die Zusammenhänge werden kurz erklärt, wo das nötig ist.

Fazit:
14/15 – Allerbeste humorvolle Liebesromanunterhaltung, die nicht mit einer innovativen Geschichte, aber mit wunderbaren Figuren und viel Humor überzeugt. Ein Cliffhanger, der St. Vincent betrifft, macht zusätzlich richtig Lust auf Band 3 der Serie.

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Serieninfo:
01 Secrets of a Summer Night | Geheimnisse einer Sommernacht
02 It Happened One Autumn | Herbstfeuer (Cora)/Der Earl und die Erbin (Mira)
03 The Devil in Winter | Es begann in einer Winternacht
04 Scandal in Spring | Frühlingsküsse
05 A Wallflower Christmas (Novella)

Außerdem gibt es Verbindungen zur Hathaway-Serie und dem Einzeltitel »Again the Magic« (dt. »Und ewig brennt das Feuer«).

[Rezension] Emma Wildes: Eine unzüchtige Lady

Originaltitel: An Indecent Proposition

Inhalt:
Was für ein Skandal! Die beiden berüchtigtsten Londoner Lebemänner haben gewettet, wer von ihnen der bessere Liebhaber ist. Ausgerechnet Lady Caroline Wynn, die respektable junge Witwe mit dem kühlen Blick, willigt ein, bei dieser skandalösen Wette als Schiedsrichterin zu fungieren. Die lustvollen Nächte mit der schönen Caroline wecken in Nicholas, Duke of Rothay, schon bald ungeahnte Gefühle …

Kommentar:
Ich bin ja inzwischen vorsichtig geworden, was Rezensionen bei Amazon und in Foren angeht; die ausschließlich positiven Kritiken zu Emma Wildes Buch haben aber doch mein Interesse geweckt. »Eine unzüchtige Lady« ist das erste Buch der Autorin, das in Deutschland erschienen ist, obwohl die Autorin seit ihrem Debüt 2005 eine ganz beachtliche Backlist von über 40 Titeln (vorwiegend erotische Bücher) aufgebaut hat. Im deutschsprachigen Raum wird der zweite Titel von Emma Wildes im Herbst bei Blanvalet erscheinen: Schön und ungezähmt (Lessons from a Scarlet Lady).

Aufhänger dieses Regency-Romans ist eine Wette, die Nicholas, Duke of Rothay, und Derek, Earl of Manderville, in nicht gerade nüchternem Zustand abschließen: Die beiden Freunde wollen herausfinden, wer von ihnen der bessere Liebhaber ist – wie Männer nun mal so sind, versuchen beide, auf diese Weise ihre Frustration über eine enttäuschte Liebe kompensieren. Als Schiedsrichterin bietet sich die schöne, aber als unterkühlt geltende Witwe Caroline an, und nachdem man ihr Anonymität zugesichert hat, einigen sich die Beteiligten auf die Modalitäten: Lady Wynn soll zunächst eine Woche mit Nicholas, danach eine Woche mit Derek auf dem Land verbringen; anschließend wird sie ihr Urteil anonym im Gesellschaftsteil der Zeitung veröffentlichen. Bei dieser Konstellation tut sich natürlich ein grundsätzliches Problem auf: Es gehört sich in historischen Liebesromanen einfach nicht, dass die Protagonistin mit zwei Männern schläft. Auch Emma Wildes beachtet dieses ungeschriebene Gesetz und löst die Sache ziemlich konventionell: Sie teilt die Geschichte nämlich an dieser Stelle in zwei gleichwertige Haupthandlungsstränge, von denen sich einer mit Nicholas und Caroline beschäftigt, der andere mit Derek und seinem Schwarm Annabel, die Grund für seinen Frust ist.

Nicholas setzt sich in der Folge mit Lady Wynn in eines seiner unzähligen herzögliche Landhäuser ab, um dort seine Fähigkeiten als Liebhaber unter Beweis zu stellen. Zu seiner Überraschung ist Caroline aber – obwohl Witwe – sexuell weitgehend unerfahren und sogar regelrecht traumatisiert, da ihr Mann sie immer nur benutzt hat. Es gilt also, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie langsam und gefühlvoll an die körperliche Liebe heranzuführen. Unterdessen bleibt Derek in London und gesteht sich ein, was für seine gesamte Umgebung schon seit Ewigkeiten offensichtlich ist: dass er die junge Annabel liebt. Endlich erhellt, setzt er alles daran zu verhindern, dass seine große Liebe einen anderen heiratet, nur weil er selbst sie vor einiger Zeit tief enttäuscht hat.

Die beiden erzählten Liebesgeschichten sind nichts besonderes, aber in Ordnung; die Aufbereitung allerdings lässt doch ein wenig zu wünschen übrig. Auffällig sind beispielsweise die teils ganz schön langweiligen, ausufernden Dialoge, die das Geschehen nicht recht voranbringen und in deren Verlauf häufig die gleiche Sache mehrfach wiedergekäut wird. Hinzu kommen endlose Beschreibungen von Äußerlichkeiten – ich weiß gar nicht, wie oft Carolines kastanienbraunes Haar und ihr elfenbeinerner Säulenhals erwähnt wird, viel zu oft, auf jeden Fall – sowie überflüssig dramatische Verwicklungen am Ende des Buches, die augenscheinlich nur dazu dienen, noch ein paar Seiten herauszuschlagen. Natürlich gibt es auch jede Menge Sexszenen, die mit bebenden Brüsten, einstürzenden Himmeln, brandenden Wellen und erklommenen Gipfeln einhergehen, aber leider nicht prickeln.

Dass mich das Buch zwar einigermaßen unterhalten, aber nicht richtig gepackt hat, hängt sicher auch mit den Figuren zusammen. Diese sind zwar prinzipiell alle sympathisch, haben aber trotz ihres zum Teil tragischen Hintergrunds keinerlei Tiefe. Sie sind eindimensional, erschreckend gut und ebenso langweilig. Nicholas beispielsweise verwandelt sich im Handumdrehen von einem notorischen Weiberhelden zum Frauenversteher, der unschlagbar sensibel, geduldig, rücksichtsvoll und vollkommen geläutert ist, kaum dass er Caroline trifft. Caroline, die Zeit ihres Lebens nie von jemandem geliebt wurde und nach den Erfahrungen mit ihrem verstorbenen Gatten nie wieder einen Mann wollte, ist ihrerseits rasend schnell in Liebe entbrannt – was aufgrund ihres angeblich tief sitzenden Traumas wenig glaubwürdig ist. Zu diesem Trauma passt übrigens auch ihr Motiv, die Schiedsrichterrolle zu übernehmen, nicht im Mindesten. Die junge Annabel ist einfach ein kleines trotziges Mädchen, das ziemlich blass bleibt, während Derek weinerlich wirkt, kaum Eigeninitiative zeigt und unfähig zur Selbstkritik zu sein scheint – wie sonst könnte er glauben, das wenig brillante Argument, er sei ein Mann, würde sein Verhalten in der Vergangenheit entschuldigen? (»Ich bin ein Mann, ein Mann, der dieselben normalen Fehler begeht wie jeder andere seiner Geschlechtsgenossen«, S. 213, bzw. »Ich bin nicht der erste Mann, der vor dem Gedanken an Liebe oder gar Hochzeit zurückschreckt«, S. 219.)

Sprachlich wirkt das Buch zum Teil ziemlich angestaubt und wartet gerade bei den Sexszenen mit blumigen Formulierungen zu all dem »schwelgerischen Vergnügen« auf, wobei ich nicht nachvollziehen kann, ob das schon im Original so ist oder auf die Übersetzung zurückzuführen ist. Tatsache ist: Die Übersetzung ist zwar nicht völlig daneben, passt aber an vielen Stellen im Detail nicht und wirkt deshalb manchmal ein wenig sinnentstellend (s. auch LeseLustFrusts Kommentar zum ersten Satz). In regelmäßigen Abständen bin ich über Kleinigkeiten – z.B. eine »plumpe Hand« – gestolpert (nur im Wortsinne zu verstehen!) und so aus dem Lesefluss gerissen worden. Um aber keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ich hatte schon mit weit schlechteren Übersetzungen zu tun; die Qualität der vorliegenden wirkt sich höchstens unbewusst auf die Bewertung aus.

Fazit:
8/15 – Ein durchschnittlich unterhaltsamer Regency-Roman, der nicht aus der Masse hervorsticht und phasenweise etwas antiquiert wirkt. Fans von Liebesgeschichten ohne großen Tiefgang dürften sich aber dennoch sehr gut unterhalten fühlen.

[Rezension] Mary Balogh: A Secret Affair

The Huxtables, Book 5

Inhalt:
Hannah, ein Mädchen vom Land, hat mit neunzehn Jahren den sagenhaft reichen, aber viel älteren Duke of Dunbarton geheiratet. Nach seinem Tod zehn Jahre später und einer einjährigen Trauerzeit, ist die Herzogin endlich frei, und sie ist entschlossen, ihre Freiheit auszukosten. Ihr vordringlicher Wunsch ist es, sich einen Liebhaber zu nehmen – und sie hat auch schon jemandem im Augen: Constantine Huxtable, den illegitimen Sohn eines Earls, der einen ebenso teuflischen Ruf hat wie Hannah selbst …

Kommentar:
»A Secret Affair« ist der letzte Band der fünfteiligen Serie um die Huxtable-Familie, in dem es um Constantine geht, den undurchsichtigen Cousin der vier Huxtable-Geschwister, die in den ersten Teilen unter die Haube gebracht werden. Wie viele andere Fans der Serie habe ich Constantines Geschichte bereits nach seinen Auftritten im ersten Band herbeigesehnt; umso größer war die Gefahr einer Enttäuschung.

Tatsächlich startet das Buch wenig ansprechend, was vor allem mit der Figur der Duchess of Dunbarton zusammenhängt. Sie hat beschlossen, Constantine zu ihrem Liebhaber zu machen, und weil sie immer bekommt, was sie will, setzt sie alles daran, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sie ist berechnend, selbstherrlich, unterkühlt und über alle Maßen herrisch – mit anderen Worten: eine der schrecklichsten und unsympathischsten Liebesromanheldinnen, die man sich vorstellen kann. Constantine, der zunächst ein wenig blass wirkt, durchschaut ihr Spiel von Anfang an; seine Reaktion darauf ist zwiespältig: Einerseits lässt er sich darauf ein, andererseits hält er aber auch dagegen, weshalb es zuächst vorrangig um Kontrolle, Macht und Manipulation geht – nicht gerade mein bevorzugtes Thema bei einem Liebesroman.

Im Verlauf der Handlung aber, etwa mit Beginn des zweiten Drittels, wandelt sich dann das Bild mehr und mehr. Constantine erkennt, dass Hannah – ebenso wie er selbst – einige Geheimnisse mit sich herumträgt, und er erlebt einige Überraschungen, als er diese aufdeckt. Schritt für Schritt lernt er eine andere Hannah kennen, die Hannah, die hinter der Maske der eingebildeten Schönheit verborgen ist und die der Öffentlichkeit normalerweise verborgen bleibt: eine warmherzige, gefühlvolle Frau. Im Gegenzug offenbart er Hannah seine eigenen Geheimnisse, die ein neues Licht auf seine Figur werfen.

Vom schwachen Start abgesehen ist das Buch einfach ganz typisch Balogh, zumal der Plot im Grunde der gleiche ist wie bei den vier vorherigen Huxtable-Büchern. »A Secret Affair« erzählt von einer wachsenden Liebe zwischen zwei starken Persönlichkeiten, die aus einem zunächst eher praktisch motivierten Arrangement das Beste machen. Innovativ ist die Geschichte mit anderen Worten zwar nicht wirklich, aber sie ist gut erzählt und beinhaltet interessante und glaubwürdige Protagonisten – nachdem sie erst mal ihre Masken abgelegt haben und ihr wahres Ich zeigen. Ebenfalls typisch Balogh ist, dass es – obwohl sich das Buch zunächst vorrangig um eine Affäre dreht – keine nennenswerten Sexszenen gibt, und dass der Wert von Familie und Freundschaft betont wird. So begegnet man natürlich auch den anderen Huxtables nebst ihrem Anhang wieder, die zum Teil gewichtige Auftritte haben und den Seriencharakter unterstreichen; die fünf Bücher sind allerdings problemlos auch unabhängig voneinander lesbar (wobei ich davon ausgehe, dass sie dann etwas weniger Spaß machen).

Fazit:
11/15 – Nach einem schwachen Start aufgrund der sehr eigenen Persönlichkeit der Herzogin, entwickelt sich das Buch mehr und mehr zu einer typischen Balogh-Geschichte, die alles in allem sehr solide Liebesromanunterhaltung bietet.

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Serieninfo: The Huxtables:
01 First Comes Marriage (Rezension)
02 Then Comes Seduction (Rezension)
03 At Last Comes Love (Rezension)
04 Seducing an Angel (Rezension)
05 A Secret Affair (Rezension)

[Rezension] Julia Quinn: Ten Things I Love About You

The Bevelstrokes, Book 3

Inhalt:
London, 1822. Annabel Winslow, das älteste von acht Kindern, soll durch eine gute Partie ihre verarmte Familie retten. Sie wird vom Land nach London geschickt, wo ihre Großmutter ihr eine Saison ermöglicht. Tatsächlich zeigt der Earl of Newbury reges Interesse an ihr – er braucht auf seine alten Tage dringend einen Erben, damit sein Titel, sein Besitz und sein Vermögen nach seinem Tod nicht an seinen verhassten Neffen Sebastian Grey fallen. Trotz des beträchtlichen Altersunterschieds ist Annabel eigentlich fest entschlossen, ihre Pflicht zu erfüllen, doch dann lernt sie ausgerechnet besagten Sebastian Grey kennen und verliebt sich in ihn …

Kommentar:
Zehn Gründe, warum dieses Buch zwar alles in allem ganz nett ist, aber bei Weitem nicht an andere Bücher der Autorin heranreicht.

Eins: Die Geschichte ist ziemlich dünn; insbesondere in der ersten Hälfte passiert sehr wenig und die Handlung mutet aufgeblasen an. Zwei: Wenn sich die beiden Helden mal treffen – was anfangs nicht allzu häufig der Fall ist –, schäkern und scherzen sie, die Dialoge sind aber sehr oberflächlich und erscheinen relativ bemüht auf witzig und flapsig getrimmt. Drei: Lord Newburys extreme Abneigung gegen Sebastian sowie sein ganzes Auftreten und Verhalten am Ende des Buches sind wenig glaubwürdig; die Konfrontation zwischen ihm und Sebastian sowie sein Angriff auf Annabel sind einigermaßen überzogen. Vier: Die Sexszene zwischen Annabel und Sebastian erscheint deplatziert und nur der Vollständigkeit halber angehängt, weil in so ein Buch nun mal eine Sexszene zwischen den Protagonisten gehört. Ungewöhnlich für Julia Quinn ist auch fünf: dass vor allem im ersten Teil des Buchs ihr typischer feinsinniger Humor viel zu kurz kommt und durch maßlos ausgewälzte Witze und endlose Wortwiederholungen ersetzt wird – was ganz schön nervt.

Punkten kann das Buch aber mit sechs: einer wunderbare Heldin, die durch ihre Natürlichkeit und Liebenswürdigkeit beeindruckt, und sieben: einem ebenso wunderbaren Helden, der ein ehemaliger Scharfschütze ist und unter weiblichem Pseudonym Schauerromane schreibt. Obwohl eine Verbindung zwischen den beiden zunächst ausgeschlossen scheint, kann man acht: die wachsende Liebe zwischen den beiden spüren und tatsächlich nachvollziehen. Diesen wunderbaren, warmherzigen, witzigen Protagonisten stehen neun: bemerkenswerte und liebenswerte Freunde zur Seite, vor allem in Gestalt von Annabels adlige Cousine Luisa, die hoffentlich bald ihr eigenes Buch kriegen wird (ich bin mir ziemlich sicher!), sowie Sebastians liebenswerte Cousine Olivia, die Protagonistin aus »What Happens in London«.

Das alles führt zu zehn: Vor allem die Figuren retten das Buch, für das das gleiche gilt wie schon für die beiden Vorgänger in dieser Serie: Es gibt zwei sehr unterschiedliche Hälften. Hier kann der erste Teil der Geschichte leider überhaupt nicht überzeugen, während der zweite das Buch immerhin auf 8/15 Punkten hebt (wobei da evtl. ein kleiner Quinn-Bonus inkludiert sein mag, der andererseits wahrscheinlich durch die hohe Erwartungshaltung neutralisiert wird!).


Serieninfo:
01 The Secret Diaries of Miss Miranda Cheever (Rezension) | Für immer und ewig, Viscount (Cora)
02 What Happens in London (Rezension)
03 Ten Things I Love About You

[Rezension] Meredith Duran: Wicked Becomes You

Inhalt:
Gwen Maudsley hat alles, was eine Frau sich nur wünschen kann; das einzige, was ihr zu ihrem Glück fehlt, ist ein Mann. Als sie allerdings zum zweiten Mal vor dem Altar sitzen gelassen wird, hat sie genug davon, die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen, denn was hat es ihr gebracht? Sie beschließt, das Leben ab sofort zu genießen, Abenteuer zu erleben und so richtig verwegen zu sein – und wer könnte sie besser unterweisen als Alex Ramsey, der verrufene Freund ihres verstorbenen Bruders?

Kommentar:
Hohe Erwartungen aufgrund früherer bemerkenswerter Bücher sind oft eine Krux – doch nicht so bei Meredith Duran. Auch das dritte Buch, das ich nach »Duke of Shadows« (13/15) und »Bound by Your Touch« (13/15) von ihr gelesen habe, überzeugt auf ganzer Linie mit einer guten Geschichte und wundervollen Figuren.

Die allseits beliebte Gwen Maudsley ist zwar nicht adliger Abstammung, ihr sagenhafter Reichtum in Kombination mit ihrem untadeligen Ruf ermöglicht ihr allerdings dennoch den Zugang zur Londoner High Society. Vor allem ihr Erbe lockt zahlreiche Männer an, doch mit denen hat Gwen ganz offensichtlich kein gutes Händchen: Bereits zum zweiten Mal wird sie kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten verlassen. Kaum hat sie den ersten Schock überwunden, wandelt sich ihre Trauer in Trotz, und sie beschließt, ihr behütetes Dasein hinter sich zu lassen und stattdessen das Leben zu genießen. Nicht nur Alex Ramsey, dem sie kurz nach der geplatzten Hochzeit einen Kuss abringt, hält sie für überspannt, sondern auch ihre Verwandten und Freunde; dennoch setzt sie ihren Willen durch und reist in Begleitung ihrer Anstandsdame nach Paris, um dort Abenteuer zu erleben. Dass auch Alex sich dort aufhält, kommt ihr nicht ungelegen, denn er ist genau der richtige Lehrer.

Der verrufene Alex Ramsey kennt Gwen schon seit Jahren, denn er war der beste Freund ihres verstorbenen Bruders Richard. Gwen war der Grund für einen Streit zwischen den Freunden, der in letzter Konsequenz zu Richards Tod führte und Alex bis heute verfolgt. Er weigert sich strikt, etwas anderes als brüderliche Gefühle für das Mädchen zuzulassen – oder zumindest versucht er es. Außerdem hat er anderes in Paris zu tun, als sich im Gwen zu kümmern; er will herausfinden, warum sein Bruder eines seiner Landgüter an einen dubiosen Geschäftsmann veräußert hat und dieses zurückkaufen.

Natürlich treffen die beiden in Paris aufeinander, und Alex begleitet Gwen auf ihren Abenteuern und bei den teilweise äußerst amüsanten Versuchen, verwegen zu sein – indem sie zum Beispiel Gläser wirft, diese aber anschließend pflichtschuldig bezahlt (und zwar nicht zu knapp). Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Gwen unwiderstehlich veführerisch ist, sodass Alex seine guten Vorsätze, die Finger von ihr zu lassen, nicht lange einhalten kann. Ob amüsant, sexy oder ernsthaft, ob in Paris, entlang der Côte Azur, wohin die Reise die beiden führt, oder zurück in London – jede Szene hat Atmosphäre, bietet amüsante Unterhaltung und ist gleichzeitig ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Beziehung zwischen Gwen und Alex. Einzig die Komplikation zwischen den beiden am Ende sowie die etwas konstruiert wirkende Auflösung um das verkaufte Landgut durch den Bruders sind ein wenig viel, das tut dem Lesevergnügen aber kaum einen Abbruch. Vor allem angesichts des an sich völlig ausgelutschten Plots – braves Mädchen beschließt, ein böses Mädchen zu werden und hängt sich deshalb an einen Schwerenöter – ist das eine beachtliche Leistung.

Fazit:
14/15 – Ein Liebesroman mit Witz und Verstand – Meredith Duran hat sich mit diesem Buch endgültig als eine meiner Lieblingsautorinnen etabliert.

[Rezension] Andrea Pickens: Geliebte Spionin

Originaltitel: The Spy Wore Silk
Serie: Merlin’s Maidens, Teil 1

Inhalt:
Einst waren sie Waisenkinder aus den rauen Londoner Slums – nun sind sie auserwählt, an »Mrs. Merlin’s Academy for Select Young Ladies« die Kunst der Spionage und der Verführung zu erlernen. Die begabteste dieser Spioninnen ist Siena, die sowohl scharfe Klingen als auch ihre unwiderstehliche Sinnlichkeit einzusetzen weiß. Sie soll als Kurtisane die feine Londoner Gesellschaft aufmischen und in einer exklusiven Gruppe von Büchersammlern einen Verräter entlarven. Ihr Hauptverdächtiger ist Lord Kirtland, der sich jedoch als ebenso geheimnisvoll wie verführerisch erweist. Und schon bald sieht Siena sich vor die Wahl gestellt: Entweder folgt sie ihrem Verstand – oder ihrem Herzen …

Kommentar:
Geschlagene sieben Tage habe ich gebraucht, um dieses Buch zu lesen, weil ich so gelangweilt davon war, dass ich nach spätestens zehn Seiten die Lust verloren habe. In einem wahren Kraftakt hab ichs dann heute morgen im Schnelldurchgang hinter mich gebracht – muss ich mehr sagen?

Ich bin ohnehin kein großer Freund von Spionagegeschichten, dieses Buch zählt unglücklicherweise auch noch zu den weniger guten Werken des Genres. Die Geschichte ist nämlich nicht nur langweilig, sondern darüber hinaus – inklusive der Auflösung – ziemlich hanebüchen. Außerdem ist Superheldin Siena trotz ihrer angeblich grandiosen Talente nicht gerade eine begnadete Spionin – sie verliebt sich direkt bei ihrem ersten Auftrag in den Verdächtigen Kirtland und gibt nicht viel später ihre Tarnung komplett auf, weil sie einfach fühlt, dass er unschuldig ist. Das nenn ich doch mal eine fundierte Einschätzung! Zugegebenermaßen kann sie ganz gut mit diversen Waffen sowie ihrer Haarnadel umgehen, sodass die Möglichkeit besteht, weggeschlossene geheime Briefe in ihren Besitz zu bringen; so findet sie etwa heraus, dass einer der Verdächtigen sich zum Tatzeitpunkt in »Dr. Erector’s Health Spa« wegen Erektionsstörungen hat behandeln lassen. (Haha.) Im Grunde beschränkt sich ihre Spionagetätigkeit aber auf sexy Auftritte, ermüdende und planlos wirkende Gespräche und wenig aufschlussreiche Observationen aller Art, die aber immerhin für Siena selbst zielführend sind. So schließt sie zum Beispiel aus dem Umgang Kirtlands mit seinen Haustieren (Hund und Katze), dass ein Mensch, der Tiere liebt, kein »Bösewicht« sein kann, und auch das Studium des nackten Lords führt zu ganz neuen Erkenntnissen für die Jungfrau (die übrigens vorgibt, eine Kurtisane zu sein und einen Beschützer zu suchen). Nicht nur hat sie Gelegenheit, seine »ziselierten Muskeln und Sehnen … sanft wie Marmor, hart wie Granit« zu bewundern, nein, sie sieht auch erstmals in natura diese gewissen männlichen Körperteile, die ihr Lehrer immer so poetisch als »Familienschmuck« bezeichnet hat. Scharfsinnig, wie sie nunmal ist, erkennt sie augenblicklich, dass der Earl zu den reichsten Männern Englands zählen muss:

Das rabenschwarze lockige Dach stach ab von der marmornen Helligkeit seiner Schenkel und sah aus wie die Krone seiner Männlichkeit. Siena hatte eine Reihe klassischer Götter gesehen, die sich ihr in all ihrer aufgereckten Glorie präsentiert hatten. Aber sogar im Ruhezustand trieb der Reichtum des Earls dem gesamten Olymp die Röte ins Gesicht. (S. 113)

Kein Wunder, dass der Guten ein »frecher Hitzeschwall über die Wangen flog«, wenn so unversehens Dächer in ihr Blickfeld rücken zwischen all der Glorie und dem Reichtum! Da kann man schon mal den Kopf verlieren und seine Aufgaben vergessen, sodass man schließlich selbst verdächtigt wird, eine Verräterin zu sein und in einem hochdramatischen Finale seine Loyalität unter Beweis stellen und trotz aller Supertalente gerettet werden muss.

Sagte ich schon, dass Siena noch nicht persönlich mit »prallen Lenden« zu tun hatte?! Das ist gar nicht schlimm, denn sie ist ja – wie wir wissen – in allen Bereichen außergewöhnlich talentiert, also auch in Liebesdingen. Dank Kirtlands tatkräftiger Mithilfe (»Halt mich fest, Julian. Richte mich mit deiner Kraft wieder auf!«) jubelt und jubiliert man also gemeinsam in einem »bebenden Auf und Ab«, während der Krösus seinen Samen in ihr verströmt. Und weil wir nun mal in einem Liebesroman sind, führt diese wundervolle gemeinschaftliche Erfahrung zu ganz neuen schwülstigen Erkenntnissen: »Obwohl ihre Körper nicht mehr verbunden waren, spürte er noch das innere Band zwischem sich und Black Dove [ihr »Künstlername«], das viel stärker war als nur das Fleisch, das für eine Weile eins gewesen war.«

Neben einer total langweiligen Spionage- und ebenso langweiligen Liebesgeschichte ohne jegliche Überraschungen erhalten wir einen Einblick in die Umgangsformen von gutsituierten Büchersammlern im 19. Jahrhundert, über die zumindest ich lieber nichts gewusst hätte. Leider muss ich trotzdem Männergesprächen beiwohnen, die sich um »mickrige Anhängsel von Schwanz, die man mit der Lupe suchen muss« drehen, und die offenbaren, dass laut der Einschätzung der charmanten Kollegen nichts in den Adern von Protagonist Kirtland fließt »außer Pisse und Blut«. Na Bravo.

Und sonst? Sonst gibts noch jede Menge Szenen, die völlig undurchsichtig sind, weil sie so schlecht beschrieben sind, dass man überhaupt nicht folgen kann und nicht weiß, was da eigentlich genau passiert. Vielleicht sind sie auch einfach nur unsinnig und entspringen der überbordenden Fantasie einer Autorin, die einfach keine guten Actionsequenzen schreiben kann und es deshalb heillos übertreibt. Möglicherweise mangelt es mir aber auch schlicht an Vorstellungsvermögen? Urteilt selbst (wenn ihr wollt):

Ein paar Sekunden später tauchten Pferd und Reiter im vollen Galopp aus dem Nebel auf.
»Aufpassen«, schrie Kirtland, als die Hufe auf die vordersten Planken schlugen, »die Brücke bricht jeden Moment ein!«
Noch während er aufschrie, wusste er, dass es zu spät war. Die Planken sackten erst zusammen und splitterten dann mit einem schauderhaften Krachen.
Der Earl trieb seinen Hengst bis zum Wasser. Vielleicht hatte der Fremde den Sturz überlebt. Es war zwar äußerst unwahrscheinlich, aber falls der Mann doch Glück gehabt hatte, konnte er wenigstens am Ufer stehen und ihm helfen, sich aus dem anschwellenden Fluss zu flüchten.
Erstaunt stellte er fest, dass der Reiter in der Lage war, den abrutschenden Hengst zu zügeln, ihm den Kopf nach vorn zu richten und das schaumbedeckte Tier zu zwingen, den Rücken zu krümmen und zu einem gewaltigen Sprung anzusetzen. Die Hufe flogen durch die Luft, der Umhang wirbelte umher. Für den Bruchteil einer Sekunde hingen Pferd und Reiter mitten in der Luft … Plötzlich befanden sie sich wieder auf festem Boden und kämpfen darum, auf der steilen Anhöhe nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
(…)
In diesem Moment bohrte sich ein Splitter einer abgebrochenen Planke längs in den Stiefel des Fremden. Reiter und Pferd drohten, auf den felsigen Grund in der Tiefe zu stürzen. Der Earl reagierte blitzschnell, schoss gefährlich nahe an das Flussufer heran und befreite die gesplitterte Planke mit einem kräftigen Tritt. »Geben sie mir ihre Hand!«
Der Fremde schnappte sich Kirtlands ausgestreckten Arm, und der Earl drigierte seinen Hengst auf höher gelegenes Gelände. Die beiden Pferde waren jetzt über die verschlungenen Arme ihrer Reiter verbunden und versuchten, wieder in sicheren Tritt zu gelangen. (S. 37f.)

Kann irgendjemand folgen und vielleicht doch einen Sinn entdecken? Ich lese folgendes: Da bricht eine Brücke unter dem Gewicht von Pferd und Reiter zusammen, doch in einer Wundertat katapultiert sich ein Pferd im Fallen (wohlgemerkt ohne Boden unter den Hufen) in die Luft und befindet sich auf einmal auf einer Anhöhe, weil die Brücke offenbar steil nach oben führt. Hm? Obwohl ja eigentlich aus der Gefahrenzone, nämlich auf besagter Anhöhe, taucht eine mysteriöse und äußerst tückische Planke auf, die nach den Gesetzen der Schwerkraft eigentlich nach unten in den reißenden Fluss hätte fallen müssen. Tut sie aber nicht, stattdessen bohrt sich hinterhältigerweise in das Bein des Reiters, weswegen das Pferd erneut aus dem Tritt gerät. Damit der heldenhafte Earl seinen Teil zum Geschehen beitragen kann, packt er den Arm des Reiters, der jetzt eventuell doch von der Anhöhe gestürzt ist, denn der Earl befindet sich ja am Flussufer. *???* Dass die Pferde durch die Arme ihrer Reiter verbunden sind und so wieder in den Tritt kommen sollen, obwohl sie das eher behindern dürfte, macht dann auch schon nichts mehr. Was für ein Quatsch!

Fazit:
4/15 – Ein langweiliges Buch mit wenig beeindruckenden Helden, das stellenweise immerhin mit unfreiwilliger Komik zu unterhalten weiß.

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Serieninfo: Merlin’s Maidens

01 The Spy Wore Silk | Geliebte Spionin
02 Seduced by a Spy | Gefährliches Spiel der Versuchung (September 2010)
03 The Scarlet Spy

[Rezension] Lisa Valdez: Patience

Vicar’s Daughters, Book 2

Inhalt:
Patience Dare ist eine außergewöhnliche Schönheit, die allerdings alle Verehrer strikt abweist – bis ihr Schwager Matthew Morgan Hawkmore mit einem Kuss ihre Leidenschaft entfacht. Die beiden beginnen eine Affäre, die Patience in die Welt des BDSM entführt …

Kommentar:
Den regelmäßigen Lesern meines Blogs wird es nicht entgangen sein: Vier Jahre lang habe ich auf die Veröffentlichung von »Patience« gewartet – und ich konnte es kaum glauben, als ich den Nachfolger des grandiosen Debütromans »Passion« schlussendlich doch noch in Händen hielt. Meine Erwartungshaltung war zwiespältig – einerseits hoffte ich auf einen wenigstens ansatzweise adäquaten Nachfolger, andererseits fand ich es kaum vorstellbar, dass ein Buch mit dieser Entstehungsgeschichte und -zeit wirklich gut werden könnte. Und um es vorweg zu nehmen: Das Buch ist nicht nur nicht gut; es ist sogar unterirdisch schlecht. Es wird mir auf immer ein Rätsel bleiben, dass Berkley dieses Buch so veröffentlich hat, statt die Autorin dazu zu zwingen, notfalls weitere vier Jahre daran zu schreiben (ob das etwas genutzt hätte, steht allerdings zugegebenermaßen in den Sternen). Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll mit meiner Kritik, denn hier passt einfach gar nichts.

Es fängt schon mit der Handlung an, die nicht nur teilweise unglaubwürdig, sondern auch mehr als dürftig ist, denn es passiert einfach nichts bzw. nicht viel. Matthew und Patience beschäftigen sich mit BDSM-Lektionen, hadern unabhängig voneinander mit ihrer Identität und der Liebe und wollen angeblich niemals im Leben eine Beziehung – außer natürlich miteinander, aber das können sie sich ja nicht eingestehen, weil es sonst schließlich keinen Konflikt gäbe. Das hindert die beiden aber nicht daran, den anderen im Stillen zu glorifizieren, von einer Beziehung und der ewigen Liebe zu träumen. Dem gesamten Umfeld (Passion, Mark, Tante Matty) ist natürlich vom ersten Augenblick an klar, dass Matt und Patience füreinander bestimmt sind, weshalb diverse Kuppelversuche und nervtötende Psychogespräche stattfinden. Darüber hinaus schlägt sich vor allem Matt mit einigen oberflächlich abgehandelten Schwierigkeiten herum, die mit seiner Abstammung und seiner finanziellen Situation zu tun haben, und das Happyend muss dann noch kurz durch einen Pseudostreit zwischen den Liebenden hinausgezögert werden.

Viel schlimmer noch als die wenig überzeugende Handlung sind allerdings die beiden Protagonisten, die beide überhaupt nicht stimmig, geschweige denn sympathisch sind. Matthew nervt von Beginn an mit einer seltsamen Mischung aus Arroganz und Selbstmitleid wegen seines gesellschaftlichen Falls. Nachdem herausgekommen ist, dass er nicht der reinblütige Sohn eines Earls, sondern ein Bastard ist, wird er von einem Teil der feinen Gesellschaft gemieden. Darüber hinaus hat seine Verlobte die Verlobung mit ihm gelöst – was ihn sehr verbittert, obwohl er inzwischen rückwirkend erkannt hat, dass er sie ohnehin nie geliebt hat und dass die Liebe nichts für ihn ist. Sein selbstgerechter Zorn richtet sich ungerechtfertigterweise auch gegen die Leute, die trotzdem bedingungslos zu ihm halten – etwa sein Bruder Mark, Protagonist aus »Passion«, der sich jedesmal, wenn er Matt als seinen Bruder bezeichnet, darauf hinweisen lassen muss, dass sie nur Halbbrüder sind.
Patience gegenüber verhält Matt sich – entsprechend seiner Rolle in der BDSM-Beziehung – jederzeit herrisch, doch das erstreckt sich nicht nur auf die sexuelle Komponente ihrer Beziehung. Als er erfährt, dass Patience bald nach London abreisen wird, um bei einem berühmten Lehrer Cello-Unterricht zu nehmen, verhindert er das mit einer hinterhältigen Intrige (die interessanterweise nie herauskommt und im Buch keinerlei Folgen nach sich zieht). Spätestens nach dieser Aktion habe ich die Figur, die ich schon von Beginn an nicht besonders mochte, regelrecht gehasst – und jedes andere Buch hätte ich spätestens an dieser Stelle abgebrochen.

Ein Verlust wäre das nicht gewesen, zumal Patience auch keine überzeugendere Figur ist; sie bleibt letztendlich blass und ist nicht sympathischer oder gar stimmiger angelegt als Matt. Obwohl sie nach einem Kuss mit Matthew in voller Leidenschaft entbrannt ist und ihn wie eine Löwin verteidigt, stellt sie von vornherein klar, dass sie keine Beziehung und schon gar keine Hochzeit will, sondern nur eine Affäre; ihre Jungfräulichkeit soll dabei aber bitteschön gewahrt werden. Ist ja auch kein Thema, es gibt ja noch ne Menge andere Methoden der Befriedigung, vor allem im BDSM-Bereich: Man kann sich zum Beispiel direkt zu Beginn eines solchen Verhältnisses nackt an ein Bett fesseln lassen und seinem Schicksal harren, während der Liebhaber erst mal Kartenspielen und einen Trinken geht. Immer gut ist auch Oralsex in verschiedenen Ausprägungen – und darin ist Patience gut. Sie ist nämlich zwar eine gläubige, gottesfürchtige Vikarstochter, hat aber dennoch schon eine Menge Erfahrung mit diesem Thema. Schließlich hat sie von frühester Jugend an die Magd mit ihrem Liebhaber beobachtet und mit Gurken aus dem Garten ihre Technik so sehr perfektioniert, dass Matthew kaum glauben kann, dass er der erste Mann ist, dem sie auf diese Weise Vergnügen bereitet. Abgesehen von ihrer sexuellen Aufgeschlossenheit zeichnet sie sich vor allem durch beeindruckende Brustwarzen, eine permanent pulsierende Klitoris und ständiges Heulen aus.

Die Beziehung zwischen Matt und Patience ist für meine Begriffe wirklich schwer verdauliche Kost. Von (wachsender) Liebe ist nicht das Geringste zu bemerken, hinzu kommt der sehr eigene Fetischsex. BDSM ist zugebenermaßen nicht wirklich mein Thema, es ist mir aber bereits zuvor in diversen Erotikromanen begegnet und nie war es (zumindest für Nicht-Anhänger dieses Fetischs) so gänzlich unerotisch aufbereitet und beschrieben wie hier. Erschwerend hinzu kommt, dass die Grundsituation nicht überzeugt. Möglicherweise erkennen sich die Anhänger extremer Spielarten ja blind, jedenfalls weiß Matt – woher auch immer – sofort, was Passion braucht: nämlich Unterwerfung und Demütigung. »It’s essential to your happiness und fulfillment, Patience. There is a strong part of you that longs to submit and obey.« (S. 107) Und weil Patience sich zwar gegen jegliche gesellschaftliche Konventionen sträubt, aber offenbar trotzdem von Natur aus gehorsam ist, sieht sie das auch brav ein und findet ab sofort ebenfalls, dass sie das braucht – auch wenn ihr das vorher unbekannt war. Und genau hier liegt das Problem: Patience scheint sich ihrer eigenen unterwürfigen Seite nicht mal ansatzweise bewusst gewesen zu sein, bevor Matt ihr seine Dominanzspiele aufgedrängt hat, und an mehreren Stellen zwingt er sie zu Dingen, die sie überhaupt nicht zu wollen scheint und die ihr zu weit gehen. Es ist natürlich schwierig zu beurteilen, was zu BDSM gehört und was nicht; Valdez konnte mir aber einfach nicht glaubhaft vermitteln, dass die Unterwerfung wirklich in Patiences Natur liegt und sie uneingeschränkt Spaß an der Sache hat bzw. Lust aus der Unterwerfung bezieht. Dass Matt sie am Ende mit Schlägen von jahrelang angestautem Leid befreit, sodass sie anschließend endich darüber sprechen kann, was sie seit Ewigkeiten belastet, setzt dem Ganzen die Krone auf und kann höchstens noch von der Tatsache getoppt werden, dass Patience bei ihrer Entjungferung erkennt, dass sie Eva (ja, die biblische!) ist: »I am Eve, and I am yours.« (S. 302)

Zu allen inhaltlichen Mängeln kommt die stilistische Eigenheit, die Protagonisten in Kursivschrift aktuelle Vorkommnisse und Aussagen in einer Art innerem Monolog kommentieren zu lassen – was zum Teil ziemlich überstrapaziert wird:

»And who knows what your future holds?«
»Yes, who knows?« Patience.
[…]
»Of course, I could never let him know.«
»Of course not.« Because you’re a lying cheat.
[…]
»Father and Danforth will never know.«
»No, never.« Because it’ll be a cold day in hell before I ever become your lover.
[…]
»You should hear him. He’s still raging about it.«
At last. »Is he?« (S. 171)

Ebenfalls enervierend sind zahlreiche Dialoge, die teilweise extrem platt und plakativ sind und klingen, als kämen sie aus dem Standarddialog-Baukasten. Das liest sich so:

»I saw you leave with Patience. Where is she?«
»I took her to bed.«
»To her bed, or yours?«
»That’s none of your business.«
Mark shook his head. »That’s unwise, Matt.«
»And why is that?«
»Because Patience isn’t just any woman.«
»I know she isn’t just any woman. That’s why I want her, because she isn’t just any woman.« (S. 50)

Bleibt zu erwähnen, dass wohl ein weiterer Band über die jüngste Vikarstochter Primrose in Planung ist. Ob ich den brauche, weiß ich allerdings noch nicht; mal davon abgesehen, dass ich ohnehin ein wenig daran zweifle, dass Lisa Valdez in absehbarer Zeit ein weiteres Buch schreiben wird. Die Kritik an »Passion« soll ja seinerzeit die Schreibblockade bei ihr ausgelöst haben – und ich bin mir ziemlich sicher, dass die negativen Stimmen zu diesem Roman deutlich heftiger ausfallen dürften als damals.

Fazit:
3/15 – Eine einzige Enttäuschung. Die einzige Gemeinsamkeit mit »Passion« besteht darin, dass in beiden Büchern Sex eine wichtige Rolle spielt und sehr explizit beschrieben wird. Darüber hinaus fehlt »Patience« alles, was den Debütroman ausgemacht hat: nämlich jegliches Gefühl und glaubwürdige, vielschichtige, sympathische Figuren. Und das allerschlimmste ist: Das Buch hat mir irgendwie auch »Passion« ein wenig verleidet.

[Rezension] Mary Balogh: A Matter of Class

Inhalt:
Lady Annabelle Ashton, die Tochter des Earl of Havercroft, ist ruiniert, denn sie ist beim Versuch erwischt worden, mit dem Kutscher ihres Vaters durchzubrennen. Ihr wohlhabender Verlobter löst daraufhin die Verbindung und die Familie muss nicht nur mit dem Skandal leben, sondern steht außerdem vor dem finanziellen Ruin. Diese Gelegenheit lässt sich Bernie Mason, der Erzfeind des Earls, nicht entgehen: Der reiche Emporkömmling, der jahrzehntelang unter den Schmähungen seines Nachbarn Havercroft zu leiden hatte, schlägt seinen auf die schiefe Bahn geratenen Sohn Reginald als Bräutigam für das entehrte Mädchen vor und bietet so einen Ausweg aus dem Skandal sowie aus der finanziellen Misere. Reginald und Annabelle müssen sich gezwungenermaßen der Abmachung fügen – ein denkbar schlechter Start für eine Ehe … 

Kommentar:
Vorweg sei gesagt, dass »A Matter of Class« kein »vollwertiger« Roman, sondern eine Novelle ist: Das ca. 12 Euro teure Hardcover hat nur knapp 200 Seiten, die auch noch in großer Schrift und mit großzügigem Zeilenabstand gesetzt sind. Wer viel Geschichte für sein Geld erwartet, ist mit diesem Buch schlecht beraten; allen anderen sei das Buch trotz des fraglos überteuerten Preises ans Herz gelegt, denn es bietet allerbeste Regency-Romance-Unterhaltung.

Reggie Mason hat in letzter Zeit einen Hang zum Glücksspiel und ein Faible für teure Mode entwickelt und jede Menge Schulden angehäuft. Sein Vater macht sich ernsthafte Sorgen deshalb, zumal er seinem Sohn eine gesellschaftliche Stellung ermöglichen möchte, die ihm selbst nie vergönnt war: Der Nordengländer aus der Arbeiterschicht hat sein sagenhaftes Vermögen als Kohlenhändler gemacht, wurde aber in adligen Kreisen trotz aller Bemühungen nie akzeptiert. Er hat viel Geld in Reggies Ausbildung gesteckt, um diesen zu einem echten Gentleman zu machen, doch das Verhalten seines einzigen Sohnes in letzter Zeit ist nicht gerade die feine englische Art. Als Bernard Mason von der Misere seines Erzfeindes hört, dessen Tochter Annabelle in einen Skandal verwickelt ist und der kurz vor dem finanziellen Ruin steht, ist ihm sofort klar, dass er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Er kann Lord Haverscroft heimzahlen, dass dieser ihn jahrzehntelang geschmäht hat, gleichzeitig kann sein Sohn in den Adelsstand einheiraten und in die gesellschaftlichen Schichten aufsteigen, denen Bernie schon immer gerne angehören wollte.

Vor allem aufgrund seiner finanaziellen Lage kann Lord Haverscroft gar nicht anders, als Masons Vorschlag zähneknirschend zuzustimmen. Er muss seine Tochter mit einem reichen Mann verheiraten, und da nach Annabelles Eskapaden der reiche herzögliche Verlobte abgesprungen ist und wegen des Skandals auch kein anderer sie mehr will, ist die Verheiratung mit Reggie der einzige Ausweg. Er lässt die Masons allerdings zu jedem Zeitpunkt spüren, dass sie nicht standesgemäß sind und behandelt sie mit unsäglicher Arroganz. Seine Tochter ist zwar weniger konventionell, die erzwungene Ehe mit Reggie löst allerdings ebenso wenig Begeisterung bei ihr wie bei ihm aus, und so zanken sich die beiden bei jedem Aufeinandertreffen, und es fliegen ordentlich die Funken. Insbesondere weil Reggie aber immer wieder versichert, das beste aus der arrangierten Ehe machen zu wollen, besteht Hoffnung auf ein gutes Ende.

Der eigentliche Handlungszeitraum erstreckt sich über wenige Wochen, nämlich von der Idee der Eheschließung bis zum Tag der Hochzeit, allerdings ist die gegenwärtige Handlung unterbrochen von Rückblenden in die Kindheit bzw. Jugend von Reggie und Annabelle. Wie sich herausstellt, kennen sich die beiden von früher, und die Episoden aus der Vergangenheit machen schnell deutlich, dass zu irgendeinem Zeitpunkt etwas Gravierendes vorgefallen sein muss, was ihre jetzige Aversion gegeneinander bzw. gegen die Ehe miteinander rechtfertigt. Gerade weil die Rückblenden zeigen, dass die beiden schon als Kinder gegen alle Standesunterschiede befreundet waren und sich sehr geschätzt haben, bezieht die Handlung aus der Frage, was vorgefallen sein mag, große Spannung. Obwohl ein aufmerksamer Leser des Rätsels Lösung gegen Mitte des Buches anhand eines einzigen Schlüsselsatzes erahnen kann, ist die Handlung doch ausgesprochen clever aufgebaut und bietet mal etwas vollkommen anderes.

Die Protagonisten sind überzeugend, obwohl es ihnen – wie allen anderen Figuren – etwas an Tiefe mangelt. Ein wenig einseitig, wenngleich sicher nicht ganz unrealistisch, ist auch die Darstellung der beiden Klassen: Die Emporkömmlinge aus einfachen Verhältnissen sind nette Leute, die ihr Leben genießen, offen, fröhlich und ausgesprochen liebenswert sind; Annabelles Vater als Paradebeispiel eines Aristokraten wird hingegen dargestellt als verknöcherter, herzloser, voreingenommener Snob. Aufgrund der Kürze der Erzählung ist hier aber schlicht keine differenziertere Auseinandersetzung möglich. Immerhin zeigt Balogh einmal mehr, dass sie um historische Authentizität bemüht ist, denn trotz seiner Leichtigkeit stellt das Buch zwei gesellschaftliche Begebenheiten der damaligen Zeit in den Vordergrund, die einen realistischen Rahmen bieten, nämlich den Klassenunterschied und die Tatsache, dass die adligen Töchter oftmals schlicht eine Ware waren und von ihren Vätern an den Meistbietenden verscherbelt wurden.

Fazit:
13/15 – Ein sehr unterhaltsames Buch mit einer außergewöhnlichen Handlung, das nur leider viel zu kurz und für seinen Umfang viel zu teuer ist.