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2017 Reading Challenge

Irina has read 1 book toward her goal of 40 books.
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[Rezension] Kerrigan Byrne: The Highwayman

Serie: Victorian Rebels #1

Inhalt

Dorian Blackwell, the Blackheart of Ben More, is a ruthless villain. Scarred and hard-hearted, Dorian is one of Victorian London’s wealthiest, most influential men who will stop at nothing to wreak vengeance on those who’ve wronged him…and will fight to the death to seize what he wants. The lovely, still innocent widow Farah Leigh Mackenzie is no exception-and soon Dorian whisks the beautiful lass away to his sanctuary in the wild Highlands…

But Farah is no one’s puppet. She possesses a powerful secret-one that threatens her very life. When being held captive by Dorian proves to be the only way to keep Farah safe from those who would see her dead, Dorian makes Farah a scandalous proposition: marry him for protection in exchange for using her secret to help him exact revenge on his enemies. But what the Blackheart of Ben More never could have imagined is that Farah has terms of her own, igniting a tempestuous desire that consumes them both. Could it be that the woman he captured is the only one who can touch the black heart he’d long thought dead?

 

Kommentar

Dieses ziemlich düstere Buch ist der erste Teil der Victorian-Rebels-Serie und verdient – um es vorwegzunehmen – sämtliche Lobpreisungen, die es erhalten hat. Ich reihe mich in den Pulk begeisterter Fans ein, halte meinen Kommentar aber kurz, weil ich der Meinung bin, dass man »The Highwayman« kaum rezensieren kann, ohne zu viel zu verraten und dem künftigen Leser allen Spaß an den Überraschungen zu nehmen.

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[Rezension] Lisa Kleypas: Devil in Spring

The Ravenels, #3

Klappentext:

An eccentric wallflower…

Most debutantes dream of finding a husband. Lady Pandora Ravenel has different plans. The ambitious young beauty would much rather stay at home and plot out her new board game business than take part in the London Season. But one night at a glittering society ball, she’s ensnared in a scandal with a wickedly handsome stranger.

A cynical rake…

After years of evading marital traps with ease, Gabriel, Lord St. Vincent, has finally been caught-by a rebellious girl who couldn’t be less suitable. In fact, she wants nothing to do with him. But Gabriel finds the high-spirited Pandora irresistible. He’ll do whatever it takes to possess her, even if their marriage of convenience turns out to be the devil’s own bargain.

A perilous plot…

After succumbing to Gabriel’s skilled and sensuous persuasion, Pandora agrees to become his bride. But soon she discovers that her entrepreneurial endeavors have accidentally involved her in a dangerous conspiracy-and only her husband can keep her safe. As Gabriel protects her from their unknown adversaries, they realize their devil’s bargain may just turn out to be a match made in heaven…

 

Kommentar:

Meine Begeisterung für Historicals hat in letzter Zeit rapide nachgelassen – nicht nur, weil ich Eishockeyspieler für mich entdeckt habe, sondern auch, weil ich überwiegend durchschnittliche und schlecht(er)e Bücher aus diesem Genre erwischt habe. Zum Glück liegt man mit Kleypas selten falsch – und das ist auch bei diesem Buch wieder so.

Wer beim Titel »Devil in Spring« (so wie ich) nicht geschaltet hat, wird direkt beim Prolog des Romans feststellen, dass es sich beim Protagonisten Gabriel um den Sohn von Evie und Sebastian handelt, den Hauptfiguren aus »Devil in Winter«, Band 3 der Wallflower-Serie (gerade als Cora-Version auf Deutsch wiederveröffentlicht, auch als Kindle-Ausgabe). Die beiden sind immer noch schrecklich verliebt, haben jede Menge Kinder und sind gelassene, liebevolle und verständnisvolle Eltern – was sich bei jedem einzelnen ihrer Auftritte in diesem Buch, ganz besonders im Umgang mit Gabriel, zeigt.

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[Rezension] Sarah MacLean: A Scot in the Dark

Scandal & Scoundrel, #2

Inhalt:
Lonesome Lily Turned Scandalous Siren
Miss Lillian Hargrove has lived much of her life alone in a gilded cage, longing for love and companionship. When an artist offers her pretty promises and begs her to pose for a scandalous portrait, Lily doesn’t hesitate…until the lying libertine leaves her in disgrace. With the painting now public, Lily has no choice but to turn to the one man who might save her from ruin.

Highland Devil turned Halfhearted Duke
The Duke of Warnick loathes all things English, none more so than the aristocracy. It does not matter that the imposing Scotsman has inherited one of the most venerable dukedoms in Britain—he wants nothing to do with it, especially when he discovers that the unwanted title comes with a troublesome ward, one who is far too old and far too beautiful to be his problem.

Tartan Comes to Town
Warnick arrives in London with a single goal: get the chit married and see her become someone else’s problem, then return to a normal, quiet life in Scotland. It’s the perfect plan, until Lily declares she’ll only marry for love…and the Scot finds that there is one thing in England he likes far too much…

Kommentar:
Bis etwa zur Hälfte war das wirklich ein netter Historical, den ich mit 4-4.5 Punkten bewerten wollte. Dann sind der Autorin leider offenbar die Ideen ausgegangen und statt das Buch einfach um ein paar Seiten zu kürzen oder meinetwegen auch Wörter zu schinden oder einen zusätzlichen Handlungsstrang einzuführen (selbst das wäre besser gewesen!), musste mehrfach die gleiche unglaubwürdige Krise bemüht werden, bevor es endlich zum Happy-End kam. Einmal hätte ich es ja noch verstanden, vielleicht sogar zweimal, aber gleich mehrere Krisen aus immer demselben Grund? Nein, sorry, das geht gar nicht.

In der ersten Hälfte des Buches geht es darum, dass der schottische Vormund Alec sein Mündel vor einem Skandal retten will, indem er sie unter die Haube bringt, bevor ein Aktgemälde vor ihr enthüllt wird. Es gibt eine Menge Kabbeleien und amüsante Szenen und es ist schnell klar, dass es zwischen beiden mächtig funkt und sie sich ineinander verlieben. Die beiden sind auch wirklich sympathisch und niedlich zusammen.

Dann aber kommen Liebe und Sex ins Spiel und alles geht den Bach runter. Nachdem es zu sexuellen Handlungen in einer Kutsche gekommen ist, geht das Drama los. Er will sie ja ach so sehr, aber er darf nicht. Er ist ja nur ein schottischer Rohling und muss sie beschützen und ist nichts für sie, obwohl er ja immerhin ein Duke ist und sie nur die Tochter eines Landverwalters. Deswegen beharrt er weiter darauf, ihr einen Mann zu suchen. Leider ist er ihr aber vollkommen erlegen, weshalb nicht viel später aus Fast-Sex in der Kutsche richtiger Sex wird. Großartiger Sex. Voller Leidenschaft und Liebe. Der Schotte wäre aber kein Schotte, wenn ihm anschließend nicht doch wieder einfallen würde, dass sein Mündel nichts für ihn ist und sie was Besseres verdient hat als ihn. Bla, bla, bla. Weitere Zwischenfälle und Liebesschwüre ihrerseits nutzen auch nichts, um ihn umzustimmen und ihr den Wunsch zu erfüllen, sie zu heiraten. Schließlich, endlich, endlich, endlich, offenbart er der Frau seiner Träume, warum er glaubt, er sei nicht gut genug für sie. Die Begründung ist maximal halbwegs überzeugend (eher weniger) und schreckt Lillian entsprechend wenig ab. Es kommt erneut zu stundenlangem, großartigem, liebevollem, leidenschaftlichen Sex und Beteuerungen, dass das alles nicht so schlimm ist und dass Lily Alec versteht. Aber dann der Gipfel: Am nächsten Morgen ist Alec erneut verschwunden, weil er nicht gut genug für sie ist und sie angeblich was Besseres verdient hat. Allerspätestens an diesem Punkt ist man geneigt, ihm zuzustimmen – ich wollte wirklich schreien, und der Grund, warum Alec sich am Ende davon überzeugen lässt, dass er doch gut genug für Lillian ist, hat mich auch nicht besänftigt. Er ist nämlich ungefähr genauso überzeugend wie die Begründung, dass ein Duke mit bewegter Vergangenheit nicht gut genug für eine skandalumwitterte Landstuarttochter sein soll.


7 Punkte (MacLean-Bonus inklusive)

[Keine Rezension] Maya Rodale: Lady meines Herzens

Originaltitel: A Groom of One’s Own
Serie: The Writing Girls #1

Klappentext:

Die Hochzeit des Duke of Hamilton steht kurz bevor, und als Gesellschaftsreporterin darf Miss Sophie Harlow bei dem glanzvollsten Ereignis der Saison natürlich nicht fehlen. Dass sie sich dabei in den Bräutigam verliebt, war nicht geplant. Allerdings ist sie nicht die Einzige, die ihren verbotenen glühenden Kuss nicht vergessen kann. Aber wird der perfekte Duke den Skandal der Saison riskieren, um die Frau seines Herzens zu gewinnen?

 

Kommentar:

Für schreibende Mädels in Regency- bzw. Viktorianischen Zeiten kann ich mich ja per se begeistern, aber … oh Mann! Was hat man nur aus dieser netten Idee gemacht? Dabei klang die Beschreibung so vielversprechend! Am Ende gings aber nur um die unwiderstehliche Anziehung zwischen Sophie und dem Duke, heimlichen Treffen und Betrug.

Die Unverfrorenheit, mit der ausgerechnet die vor dem Altar stehen gelassene Sophie und der vermeintlich ach so ehrenwerte Duke in Anwesenheit der schüchternen Verlobten des Dukes und der versammelten Verwandtschaft flirten, tanzen und sich ziemlich offensichtlich zu kurzen Stelldicheins treffen, ist wirklich bemerkenswert. Und nicht gerade sympathisch, schon gar nicht vonseiten des Dukes, der nicht nur durch sein doppeltes Herzogtum, sondern auch durch seine Doppelmoral auffällt. Er düpert seine Verlobte öffentlich durch sein ungeniertes Geflirte mit Sophie, findet es aber moralisch nicht vertretbar, die Verlobung zu lösen, denn im Gegensatz zu Sophie ist die Braut ja die perfekte Duchess. Das nenn ich mal rücksichtsvoll!

Zum Glück taucht aus dem Nichts ein verwegener bayerischer Prinz auf, in den sich die verschmähte Clarissa verlieben kann und der bei ihr eine Wesensveränderung von 180 Grad herbeiführt. Und noch viel glücklicher ist der Umstand, dass der Bayer nicht nur im Rang höher steht, sondern auch mehr Geld hat, sodass er für die Schulden der Eltern (die nicht gerade begeistert von ihrem nicht englischen Schwiegersohn in spe sind) seiner Angebteten problemlos tilgen kann. Somit ist er für Clarissa keinesfalls eine Notlösung, sondern quasi ein Aufstieg. Also alles gut!

Ein lächerliches Hochzeitsverwechslungsspielchen, das beinahe schiefgeht, ist der »Höhepunkt« dieses Machwerks, von dem ich froh war, es zuschlagen zu dürfen.

Ich hab das Buch übrigens tatsächlich auf Deutsch gelesen (ich glaub, ich habs mal auf dem Flohmarkt eingesackt) und würde sagen: An der Übersetzung lag es nicht, dass mir der Roman so wenig gefallen hat. Die ist nämlich insgesamt ganz gut gelungen, abgesehen davon, dass die Sprache stellenweise recht modern ist. Das ist aber auch im englischen Original so und wird der Autorin von vielen Leserinnen angekreidet.

Keine Ahnung, ob ich noch mal zu einem Buch dieser Autorin greifen würde; im Moment würd ich in Anbetracht meines wachsenden Entsetzens beim Lesen sagen: eher nicht.

 


3/15

 

Serieninfo: The Writing Girls
01 A Groom of One’s Own | Lady meines Herzens
02 A Tale of Two Lovers | Rivalen der Liebe
03 The Tattooed Duke | Geheimes Spiel der Liebe
03.5 Three Schemes and a Scandal (Novella) | (nicht übersetzt)
04 Seducing Mr. Knightly | Von der Liebe verführt

[Rezension] Mary Balogh: Simply Love

Verlagstext:
New York Times bestselling author Mary Balogh returns to the elegance and sensuality of Regency England as she continues the enthralling story of four remarkable women–friends and teachers at Miss Martin’s School for Girls. At the center of this spellbinding novel is Anne Jewell, a teacher haunted by a scandalous past…until she meets a man who teaches her the most important lesson of all: nothing is simple when it comes to love.…

She spies him in the deepening dusk of a Wales evening–a lone figure of breathtaking strength and masculinity, his handsome face branded by a secret pain. For single mother and teacher Anne Jewell, newly arrived with her son at a sprawling estate in Wales on the invitation of an influential friend, Sydnam Butler is a man whose sorrows–and passions–run deeper than she could have ever imagined.

As steward of a remote seaside manor, Sydnam lives a reclusive existence far from the pity and disdain of others. Yet almost from the moment Anne first appears on the cliffs, he senses in this lovely stranger a kindred soul, and between these two wary hearts, desire stirs. Unable to resist the passion that has rescued them both from loneliness, Anne and Sydnam share an afternoon of exquisite lovemaking. Now the unwed single mother and war-scarred veteran must make a decision that could forever alter their lives. For Sydnam, it is a chance to heal the pain of the past. For Anne, it is the glorious promise of a future with the man who will dare her to reveal her deepest secrets…before she can give him all her heart.

 

Kommentar:

Nachdem ich Baloghs Roman »A Summer to Remember« beendet hatte, konnte ich gar nicht anders, als nach »Simply Love« zu greifen, denn hier findet Sydnam, der Bruder des Helden aus »A Summer to Remember«, sein Glück.

Die Lehrerin Anne Jewell wird von ihrem adeligen Bekannten eingeladen, zusammen mit ihrem neunjährigen unehelichen Sohn David einen Monat der Sommerferien mit ihm und der Familie seiner Frau, den Bedwyns, in Wales zu verbringen. Damit David, der sonst fast nur Frauen und Mädchen um sich hat, auch mal unter Männer kommt und adäquate Spielgefährten hat, willigt sie zähneknirschend ein, obwohl ihr gar nicht wohl dabei ist, unter all den Adligen zu sein. Vor Ort entzieht sie sich den Bedwyns und ihrem Anhang, so gut sie kann, und freundet sich stattdessen mit dem Verwalter Sydnam an. Aus ihrer Freundschaft wird langsam mehr, doch als der Sommer vorbei ist, scheint auch ihre Beziehung beendet. Dann allerdings führt eine eine schicksalhafte Fügung sie erneut zusammen, und sie sind gezwungen, die Geister der Vergangenheit gemeinsam zu vertreiben …

Wie unschwer festzustellen ist, erzählt Balogh einmal mehr ihren Lieblingsplot: Ein Paar tut sich aus Vernunftgründen zusammen und verwandelt das Zweckbündnis in eine echte Liebesehe. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern der Autorin sind die Protagonisten zum Zeitpunkt der Hochzeit hier aber sehr wohl ineinander verliebt, nur haben sie ihren Gefühlen nicht getraut und sich deshalb zuvor gegen eine Beziehung entschieden. Dass sie am Ende des Sommers überhaupt auseinandergegangen sind, fand ich als Leser allerdings nicht wirklich nachvollziehbar und auch ein wenig ärgerlich. Schließlich hat Balogh vorher ein halbes Buch lang sehr eindringlich und gefühlvoll geschildert, wie die beiden sich näherkommen, ihre Beziehung Schritt für Schritt intensivieren und sich schließlich ineinander verlieben. Dass es hier um echte Gefühle geht und nicht um einen harmlosen Sommerflirt, der abgehakt ist, sobald man sich nicht mehr sieht, ist schon aufgrund der Charaktere der beiden klar; insofern passte für mich die Trennung bei allen Selbstzweifeln der Helden einfach nicht ganz. Zudem gibt es eine Reihe von Missverständnissen und falsch gedeuteten Gesten, die in ihrer Häufung ein wenig nervten, sowie ein paar Längen in der zweiten Hälfte, weil man sich doch sehr im Kreis dreht. Bei aller Kritik erzählt Balogh aber trotzdem eine wunderbar romantische Geschichte voller Lebensweisheit, in der sich zwei einsame Seelen finden und lieben lernen.

Vor allem Sydnam ist ein unwiderstehlicher Protagonist: Er ist ein »tortured hero«, wie er perfekter nicht sein könnte. Um zu beweisen, dass er ein echter Mann ist, der seinen älteren Brüdern das Wasser reichen kann, ist der begnadete Maler auf den Kontinent gegangen, um gegen Napoleon zu kämpfen. Dort allerdings ist er in Gefangenschaft geraten, wurde gefoltert und ist – mehr tot als lebendig nach Hause zurückgekehrt – mit Verbrennungen der gesamten rechten Körperhälte, ohne Arm und Auge und als seelisches Wrack. Im Laufe der Zeit hat er gelernt, mit seinen Kriegsverletzungen zu leben und das Beste daraus zu machen, allerdings trauert er immer noch der Malerei nach und meidet wegen seiner offensichtlichen Entstellungen den Kontakt zu Fremden. Bemerkenswert an ihm ist, dass er sich – bis auf wenige Momente – nicht in Selbstmitleid und Verbitterung suhlt, sondern versucht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben, sich Herausforderungen zu stellen und optimistisch an die Dinge heranzugehen, auch wenn sie ohne Auge und Arm unmöglich erscheinen. Er ist eine Figur mit außergewöhnlicher Tiefe.

Gleiches gilt im Prinzip auch für Anne, allerdings ist sie zum Teil etwas anstrengend. Sie hat ein uneheliches Kind von einem Adligen geboren und wurde daraufhin von ihren Eltern mehr oder weniger verstoßen. Ihr Selbstwertgefühl hat schwer gelitten, was durchaus verständlich, in der extremen Ausprügung aber phasenweise höchst nervig ist, etwa wenn sie sich einredet, die Bedwyns würden sie trotz der Einladung und aller gegenteiligen Versicherungen verachten, weil sie im Rang unter ihnen steht und ein uneheliches Kind hat. Um Umgang mit Syndam ist sie hingegen wundervoll, auch wenn die beiden einen denkbar schlechten Start haben, weil sie sich nämlich vor dem »Monster« zu Tode erschreckt und panikartig wegläuft. Sie versteht aufgrund ihrer eigenen Geschichte vieles, was andere nicht verstehen, und man kann ihr sogar verzeihen, dass sie – absolut unbelehrbar! – immer wieder mit höchst indiskreten Fragen herausplatzt, für die sie sich dann peinlich betreten entschuldigen muss; aber man verzeiht sie ihr, weil Sydnam hart im Nehmen ist und seine Antworten zu tiefschürfenden, aufschlussreichen Gesprächen führen, durch die die beiden sich erst näherkommen.

Wieder einmal bindet Balogh auch Figuren ein, die man aus älteren Büchern bereits kennt – und zwar ganz besonders viele. Man trifft nicht nur die Protagonisten aus der dazugehörigen Simply-Reihe, sondern auch Kit und Lauren aus »A Summer to Remember« sowie sämtliche Bedwyns nebst ihren Partnern aus der Slightly-Reihe. Sowas gibt einem Roman immer einen besonderen Kick, denn es ist immer wie ein Wiedersehen mit alten Freunden und macht einfach Spaß.

 

Fazit:

14/15 – Toller historischer Liebesroman! Für Fans des Genres ein Muss.

 

Reiheninfo:
01 Simply Unforgettable – 9/15
02 Simply Love
03 Simply Magic
04 Simply Perfect

 

(Gelesen und rezensiert im Dezember 2012.)

Nina Rowan: Das Rätsel der Liebe

Originaltitel: A Study in Seduction
Daring Hearts, #1

Klappentext:

Lydia Kellaway besitzt ein einzigartiges Talent für Mathematik und ist daher in der viktorianischen Gesellschaft eine Außenseiterin. Als sie erfährt, dass Alexander Hall, Viscount Northwood, im Besitz eines Medaillons ist, das ein gefährliches Geheimnis ihrer Vergangenheit birgt, sucht sie ihn auf, um es zurückzuerlangen. Doch Northwood fordert sie zu einem Wettstreit des Geistes heraus. Lydia ahnt nicht, dass dabei ihr Herz auf dem Spiel steht.

Kommentar:

Nina Rowan lässt mich mit ihrem Debüt gespalten zurück. Die Figuren mochte ich allesamt sehr gern, auch die Nebenfiguren, denn sie sind sympathisch, glaubwürdig und liebenswert mit ihren Absonderlichkeiten; die Geschichte hat mich aber nicht so ganz überzeugt.

Lydia ist ein mathematisches Wunderkind. Sie versucht, das Leben in Formeln zu pressen, was ihr teilweise auch gelingt – außer in Sachen Liebe; diesen Versuch sieht sich aufzugeben gezwungen, nachdem sie durch einen Zufall Alexander kennenlernt. Der Mann mit der skandalösen Familiengeschichte – seine Mutter ist mit einem Russen durchgebrannt – zieht sie magisch an, körperlich wie geistig. Und diese Gefühle beruhen auf Gegenseitigkeit; Alexander ist ebenfalls schnell klar, dass er Lydia zur Frau will oder keine. Dummerweise weigert sie sich aber trotz aller Lust und Liebe, den künftigen Lord zu heiraten, denn sie hat ihrerseits ein Familiengeheimnis, das nicht bekannt werden darf.

Was das gut gehütete Familiengeheimnis ist, war relativ offensichtlich. Was im Rahmen der Geschichte daraus gemacht wurde, fand ich nicht so gut. Wer das Buch liest und mich kennt, wird sich darüber nicht wundern, denn es ist hinlänglich bekannt, dass ich so ein Hin und Her absolut nicht leiden kann (hier: „Ich liebe dich, aber ich kann dich nicht heiraten.“ – „Na gut, wenn du mich zwingst, heirate ich dich meinetwegen halt.“ – „Oh, Mist, jetzt kann ich dich aber doch nicht mehr heiraten, denn ich will ja nur das Beste für dich.“)

Am Anfang des Buches steht mal wieder pure Lust im Vordergrund: Lydia und Alexander entbrennen schon bei der ersten Begegnung im Sturm füreinander, was durch allerhand blumig-ausschweifende Beschreibungen deutlich wird. Ich bin ja nach wie vor leicht irritiert, wenn in einem historischen Liebesroman körperliche Anziehung die Basis einer Liebesgeschichte ist und die Lust auch noch recht schnell ausgelebt wird, denn es passt für mich einfach nicht so wirklich in die Zeit, aber gut … man gewöhnt sich an alles. Und Lydias Geschichte rechtfertigt immerhin in gewisser Weise ihren Mangel an viktorianischer Prüderie.

Der Handlungsstrang um Joseph – mit all seinen vergangenen und aktuellen Aspekten – hat mich nicht überzeugt und war mir zu dick aufgetragen. Man hätte die ganze Geschichte eleganter und weniger pseudo-dramatisch lösen können. (Ich bleibe an dieser Stelle etwas vage, weil ich sonst Leute spoilern würde, die die Geschichte noch lesen wollen.) Völligen unsinnig finde ich überdies Alexanders Plan, dem Skandal in England zu entgehen und irgendwann später zurückzukehren, wenn sich die Wogen geglättet haben. Das soll die Lösung zum großen Glück sein? Würde man einen drohenden Skandal nicht in London aussitzen und dem Gerede des Ton trotzen, wenn man seine Frau wirklich liebt, statt sie nach Russland zu schleppen, wo gerade der Krimkrieg ausgebrochen ist?! Außerdem bleibt die Frage offen: Ist Alexander eigentlich auch ein Wunderkind, da es ihm ja gelingt, Lydias für unlösbar gehaltenen Aufgaben zu bewältigen? Vielleicht löst sich dieses Rätsel ja im Laufe der Serie noch, die Alexanders Geschwister zum Thema haben werden – möglicherweise eine Ansammlung von Wunderkindern!

Auf Deutsch ist das Buch Anfang des Jahres 2014 bei Lyx erschienen und ich habe die Serie schon totgeglaubt, aber eineinhalb Jahre nach Band 1 wird nun doch auch noch Band 2 veröffentlicht, Der Klang der Leidenschaft (OT: A Passion For Pleasure). Irgendwie ist das wirklich eine zu lange Zeitspanne, als dass ich noch ein Interesse daran hätte …

 


7/15

 

 

[gelesen im Juni 2014]

Cecilia Grant: Ein unsittliches Angebot

OT: A Lady Awakened
Blackshear, #1

Klappentext:
Nach dem Tod ihres Mannes kämpft die junge Witwe Martha Russell darum, ihr Anwesen Seton Park zu behalten. Um ihren Anspruch darauf zu festigen, greift sie zu einer List: Mit dem attraktiven Lebemann Christopher Mirkwood will sie ein Kind zeugen, das sie als Erbe ihres verstorbenen Mannes ausgeben kann. Sie hätte jedoch nie vermutet, dass sie sich in Christopher (sic!) verlieben könnte …

Kommentar:
Wie ich nach dem Flohmarktkauf dieses Buches festgestellt habe, besitze ich bereits seit geraumer Zeit die englische Ausgabe, die vergessen in meinem Regal vor sich hinverstaubt. Schade eigentlich, denn das Debüt von Cecilila Grant hat mich richtig gut unterhalten.

Die Geschichte ist nicht neu, aber doch eher außergewöhnlich im Reigen der 0815-Historicals. Die zurückgezogen lebende Witwe, eigentlich als Ausbund an Anstand bekannt, beschließt nach dem Tod ihres Mannes, alles daranzusetzen, Herrin über das Anwesen zu bleiben und zu verhindern, dass der Bruder ihres Mannes hier einzieht. Nicht Habgier, sondern die Sorge um die weiblichen Angestellten, die sich in der Vergangenheit seinen sexuellen Übergriffen ausgesetzt sahen, ist dabei ihr Motiv – ein geschickter Zug der Autorin, lässt es doch den Betrug deutlich weniger selbstsüchtig erscheinen. Sie macht sich also auf die Suche nach einem Liebhaber, der ihr innerhalb eines Monats ein Kind zeugt. Praktischerweise wurde gerade der für seine Ausschweifungen bekannte Adlige Theo Kirkwood (nicht Christopher, wie es im Klappentext heißt!) ins Exil aufs Nachbargut verbannt, der nicht gerade lange überredet werden muss, als Marthas »Hure« (oder wie sie es ausdrückt: »Zuchthengst«) einzuspringen.

Was dann folgt, ist allerdings entgegen seiner Erwartungen kein Vergnügen für ihn, denn Martha will keine Lust, sondern wirklich nur seinen Samen – und sie zieht das im Gegensatz zu anderen Heldinnen, die schnell in Leidenschaft entbrennen – ziemlich entschlossen durch. Das finde ich gut, denn alles andere wäre unglaubwürdig gewesen und hätte nicht zu Martha und ihrer Weltsicht gepasst. Entsprechend gefühllos und kurz ist das nächtliche sexuelle Beisammensein der beiden, obwohl sich Mirkwood zunächst redlich bemüht, ihr die Sache so angenehm wie möglich zu machen.

Doch etwas anderes entwickelt sich in diesen veranschlagten vier Wochen zwischen den beiden, nämlich eine echte Freundschaft, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Kirkwoods Entwicklung steht. Der Londoner Lebemann beginnt nämlich, sich für die Aufgaben eines Gutsherren zu interessieren, für die Landwirtschaft und die Menschen, die für ihn arbeiten. Martha ist ihm in diesen Dingen weit voraus und unterstützt ihn, wo sie kann. Dieser Aspekt der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, weil er nicht nur die Entwicklung des Protagonisten zu einem verantwortungsvollen Menschen zeigt, sondern auch – wenn auch nur einen kleinen und vielleicht etwas verklärten – Ausschnitt aus dem Landleben der Zeit. Dass Martha ihn lieben lernt, weil er sich ändert und im Grunde die gleiche Auffassung und das gleiche Verantwortungsbewusstsein an den Tag legt wie sie selbst, ist glaubwürdig. Seine offene, fröhliche, unbekümmerte Art verändert im Gegenzug die nüchterne, ernste, spröde Martha, die in jeder Hinsicht lockerer wird – allerdings im Kleinen und manchmal auch nur im Stillen, was ebenfalls glaubwürdig ist.

Dass ein eigentlich überflüssiger Streit die beiden erst mal entzweien muss, bevor es nach einigen dramatischen Verwicklungen schließlich zum Happy End kommt, hätte nicht sein müssen; das Buch hätte auch so genug Stoff hergegeben. Sehr elegant und gelungen fand ich hingegen die Lösung um das Erbe von Seton Park, die allen zugute kommt, die es verdienen.

Neben den glaubwürdigen Protagonisten, der insgesamt guten Geschichte und dem ansprechenden Rahmen war außerdem der Humor genau mein Ding. Mirkwoods Auseinandersetzungen mit dem heimtückischen Schwein seiner Pächter zum Beispiel haben mich immer wieder aufs Neue zum Lachen gebracht, und auch Marthas zynische Weltsicht, vor allem im Zusammenhang mit dem männlichen Körper, war genau mein Ding. Ihre Gedanken, als Mirkwood sich das erste Mal vor ihr auszieht, sind göttlich und schon wert, das Buch zu lesen.

Die Sprache der Übersetzung ist stellenweise mal wieder relativ modern, es hält sich aber noch in Grenzen. Flüssig zu lesen ist der Roman in jedem Fall, und der nächste Band der Serie befindet sich schon auf meinem Wunschzettel (auch wenn mich der Plot erst mal nicht so anmacht).

 


12/15

 

[Gelesen im Mai 2014.]

 

Anmerkung: Inzwischen habe ich auch den zweiten Band der Serie gelesen, »Das Versprechen der Kurtisane« (OT: A Gentleman Undone), und es hat mir gar nicht gefallen. Natürlich liege ich damit mal wieder völlig konträr zur Allgemeinheit, aber das wundert sicher keinen mehr?! ;) Im Englischen gibt es noch einen dritten Band der Blackshear-Serie, Lyx hat den aber bislang nicht übersetzt und so wie es aussieht, kommt er auch nicht mehr. Zumal der Historical-Versuch des deutschen Vorzeigeverlags wohl insgesamt eher als gescheitert zu bezeichnen ist; das Programm wurde wieder stark runtergeschraubt, wie’s aussieht.

[Rezension] Judith Ivory: Beast

Klappentext:
American heiress Louise Vandermeer has agreed to marry a European aristocrat. Her intended is rumored to be a hideously ugly man, a prospect that propels her into a reckless shipboard affair with a compelling stranger she never sees in the light of day. Unbeknownst to Louise, her mystery man is actually her betrothed, Charles d’Harcourt, whose romantic prank backfires when he becomes smitten with his own fiancee.

Kommentar:
Ich bin ja normalerweise ein großer Fan von »Die Schöne und das Biest«-Variationen, aber das nutzte in dem Fall auch nichts. Zumal das Biest eigentlich gar kein Biest war, sondern ein französischer Adliger, der trotz eines blinden Auges und einer Narbe ziemlich attraktiv ist und keinerlei Probleme hat, Frauen für sich zu begeistern. Aber von vorn:

Aus geschäftlichen Gründen lässt Charles sich auf eine arrangierte Ehe mit der wunder-wunder-wunderschönen Amerikanerin Louise ein, die halb so alt ist wie er und die er das erste Mal auf ihrer Überfahrt von Amerika nach Frankreich sieht. Wobei »sieht« zu viel gesagt ist, denn erstens ist er eigentlich gar nicht da, so rein offiziell (er weilt nämlich heimlich auf dem Schiff, um seiner Affäre mit einer verheirateten Frau zu frönen), und zweitens darf Louise ihn nie anschauen, d.h. nur im Dunklen oder mit verbundenen Augen treffen. Er sagt ihr nämlich nicht, wer er ist, sondern lässt sie in dem Glauben, er wäre ein arabischer Pascha. Louise – naiv und unerfahren, wie sie nun mal ist – ist natürlich vollkommen fasziniert von diesem »fremdländischen« Adonis und lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein, der nicht nur ihre Jungfräulichkeit, sondern auch ihr Herz zum Opfer fällt. Charles verliebt sich ebenfalls in seine zukünftige Frau, verpasst aber unzählige hervorragende Gelegenheiten, ihr reinen Wein über seine wahre Identität einzuschenken, und trennt sich bei Ankunft des Schiffs in Frankreich quasi von ihr. Sie ist zwar aus Vernunftgründen weiterhin bereit, sich auf die Ehe mit dem französischen Adligen einzulassen, leidet aber unter heftigem Liebeskummer wegen ihres arabischen Paschas.

Weil wir uns in einem Märchen Liebesroman befinden, erkennt Louise in ihrem französischen Prinzen den Pascha natürlich nicht wieder, denn er wendet den höchst raffinierten Trick an, nun nicht mehr – wie auf dem Schiff – englisch, sondern französisch mit ihr zu sprechen. Der Sprachwechsel scheint seine Stimme und Intonation so sehr zu verändern, dass Louise keinerlei Verdacht schöpft, auch nicht im Zusammenhang mit seinem sonstigen Auftreten, seinem Handeln oder Denken oder gar seinem Körperbau oder Geruch oder so. Seine Tarnung ist so gut, dass nicht mal Louises Hund ihn wiedererkennt. (Seht ihr mein Augenrollen?!)

Weil Louise ein tapferes Mädchen ist, das aussichtslose Situationen als solche erkennt, heiratet sie Charles wie verabredet trotz aller Liebe zu ihrem Araber; sie weigert sich allerdings zunächst, die Ehe zu vollziehen. Das macht Charles total wütend und spätestens angesichts seines diesbezüglichen gewalttätigen Ausrasters (er zerstört die komplette Einrichtung) hatte er das letzte Fitzelchen meiner Sympathie verloren. Natürlich sagt er Louise immer noch nicht, dass ER der vermeintliche Pascha ist, ebenso wenig wie bei zahlreichen weiteren grandiosen Gelegenheiten im Verlauf der Geschichte. Stattdessen setzt die Autorin offenbar darauf, dass sich Louise neu in ihren Ehemann verlieben soll, was erstens gar nicht so einfach ist angesichts all des Herzschmerzes wegen des unvergleichlichen Paschas und zweitens auch gar nicht so richtig Sinn macht; für mich zumindest nicht. Die Handlung zieht sich wie Kaugummi, ohne dass wirklich was passiert, und irgendwann nervt es nur noch kolossal, dass Charles nicht endlich mal eine der vielen Chancen ergreift, Louise die Wahrheit zu sagen.

Ich glaube, es ist kein allzu großer Spoiler, wenn ich an dieser Stelle verrate, dass die Sache am Ende natürlich rauskommt und zu einer Krise führt, bevor es zum Happy End kommen kann. Meine Güte, was für ein blöder Tanz … Ich wünschte, Mary Balogh hätte diese Geschichte ab der Ankunft in Frankreich zuende erzählt; das wäre genau ihr Plot gewesen und sie hätte was deutlich Besseres daraus gemacht!


5/15

[Keine Rezension] Sarah MacLean: No Good Duke Goes Unpunished

Rules of Scoundrels, #3

Klappentext:

A rogue ruined . . .

He is the Killer Duke, accused of murdering Mara Lowe on the eve of her wedding. With no memory of that fateful night, Temple has reigned over the darkest of London’s corners for twelve years, wealthy and powerful, but beyond redemption. Until one night, Mara resurfaces, offering the one thing he’s dreamed of . . . absolution.

A lady returned . . .

Mara planned never to return to the world from which she’d run, but when her brother falls deep into debt at Temple’s exclusive casino, she has no choice but to offer Temple a trade that ends in her returning to society and proving to the world what only she knows…that he is no killer.

A scandal revealed . . .

It’s a fine trade, until Temple realizes that the lady—and her past—are more than they seem. It will take every bit of his strength to resist the pull of this mysterious, maddening woman who seems willing to risk everything for honor . . . and to keep from putting himself on the line for love.

 

Kommentar:

Irgendwie fällt mir zu Sarah MacLean in letzter Zeit immer das Gleiche ein: vielversprechend, aber nichts daraus gemacht. Oder zumindest nicht genug. Diesmal sogar extrem wenig – dabei fing es so gut an!

Dem Klappentext ist kaum noch was hinzuzufügen: Temple wurde vor zwölf Jahren des Mordes an Mara Lowe verdächtigt, weil er – ohne Erinnerung an die Nacht – in ihrem blutbesudelten Bett aufgewacht ist und sie verschwunden war. Der sog. Killer Duke hat sich also in Londons Unterwelt zurückgezogen und verdingt sich seitdem in der bereits bekannten Spielhölle »The Fallen Angel« als knallharter Boxer. Auf einmal taucht Mara bei ihm auf, offenbart ihm, dass er sie gar nicht umgebracht hat – was er wegen seines Gedächtnisverlusts gar nicht wusste – und bietet ihm an, genau das zu öffentlich zu machen, wenn er nur ihrem Bruder dessen Schulden erlässt. Das Geld, das er verspielt hat, ist nämlich unglücklicherweise ihres, und sie braucht es, um das Waisenhaus am Laufen zu halten, das sie gegründet hat. Sie lässt sich aus lauter Not und schlechtem Gewissen sogar darauf ein, dass Temple die Bedingungen ihres Handels bestimmt und presst gleichzeitig jeden erdenklichen Pfennig aus ihm heraus.

Natürlich fühlen sich die beiden von der ersten Sekunde an uuuuuuunwiderstehlich zueinander hingezogen (eigentlich ja schon damals, vor zwölf Jahren) und können von Anfang an kaum die Finger bei sich behalten. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was eigentlich die ganze Zeit passiert ist, gefühlt gar nichts. Die Handlung plätschert vor sich hin, man knutscht, fummelt, diskutiert, verhandelt, beleidigt sich, versöhnt sich wieder … Gähn! Ich konnte weder die Chemie zwischen den Protagonisten fühlen noch irgendwas mit den beiden anfangen. Das lächerlich dramatische Ende mit dem mir verhasstesten Happy-End-Hindernis aller Zeiten (»Du magst mich lieben, aber ich verlass dich trotzdem, denn du hast was Besseres verdient«) passte da gut dazu.

Das Buch hat übrigens insgesamt doch relativ viele schlechte Kritiken gekriegt, wie ich festgestellt habe (wenn ich während des Lesens nach Rezensionen schaue, wie denn andere Leute das Buch finden, ist das schon immer kein gutes Zeichen!). Spannenderweise liegt das aber im Wesentlichen an der Figur Mara, an der sich jede Menge Hass entzündet, weil sie zugelassen hat, dass der Duke des Mordes an ihr verdächtigt wird. Wie konnte sie das nur tun, die dumme Schlampe – solche wie die sind eine Schande für alle Frauen dieser Welt! –– Äääh … ja. Meine Güte, Leute, das Buch spielt Anfang des 19. Jahrhunderts, das Mädchen ist 16 Jahre alt und verzweifelt, weil sie einen uralten und mutmaßlich gewalttätigen Adligen heiraten muss; ihr Verhalten kann man doch nicht mit heutigen Moralvorstellungen bewerten! Und außerdem: Schon mal was von mildernden Umständen gehört?

Dass ich mich nicht an Mara und ihrem Handeln störe, ändert aber nichts daran, dass ich Band 3 der Serie noch enttäuschender fand als die beiden Vorgänger (denen ich ja immerhin jeweils 10 Punkte gegeben habe. Ich hab sie trotzdem deutlich schlechter in Erinnerung und vermute, dass da jede Menge Autoren-Bonus enthalten war). MacLean hat es keineswegs geschafft, nach ihrer hervorragenden Debütserie ihr Niveau zu halten. Sie hat zwar immer noch nette Grundideen, macht aber einfach keine guten Geschichten mehr daraus. Und ihr vielgerühmter Humor ist ihr in diesem Buch dann auch gänzlich abhandengekommen. Ich hoffe, sie findet noch mal zu alter Form zurück und geb ihr noch eine Chance mit dem Abschlussband der Serie, der im November 2014 erscheinen wird.

 

5/15

 

Serieninfo:
01 A Rogue By Any Other Name – 10/15 (Rezension)
02 One Good Earl Deserves a Lover – 10/15
03 No Good Duke Goes Unpunished – 5/15
04 Never Judge a Lady By Her Cover

 

Eine Frage noch an alle, die das Buch und die weiteren Bände der Serie schon gelesen haben:

Spoiler

War schon immer bekannt, das Chase eine Frau war und ich habs vergessen, oder war diese Enthüllung der große Clou? (Bitte in der Antwort die Kommentarleser nicht spoilern!)

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[Keine Rezension] Máire Claremont: The Dark Lady

Mad Passions, #1

Klappentext:
Lord Ian Blake has returned from India a broken man. Years ago, he pledged to Lady Eva Carin—his childhood companion and first love—that he would bring her husband back alive. His failure haunts him. But even his jaded soul can’t anticipate the shocking sight of beautiful, independent Eva confined in a madhouse.

Locked in an asylum, forgotten by society, Eva is adrift in both body and mind. For Ian to break her free, they must cross a powerful enemy—and prove her sanity to England’s unforgiving aristocracy. But the biggest danger of all may come when the secrets of Eva’s tragic past are finally unlocked.

 

Kommentar:
Ich weiß gar nicht, wo ich über dieses Buch gestolpert bin; sehr wahrscheinlich bei Goodreads. Der Klappentext hat mich jedenfalls sofort angemacht – vor allem den Irrenhaus-Hintergrund fand ich sehr spannend –, also hab ich das E-Book heruntergeladen und direkt losgelesen.

Den Anfang der Geschichte fand ich wirklich stark. Lord Ian Blake sucht nach einem längeren Indienaufenthalt seine Jugendliebe und die Frau seines besten Freundes auf, deren Mann er eigentlich heil aus Indien zurückbringen sollte – was ihm aber nicht gelungen ist: Hamilton ist tot – und es ist schnell klar, dass die Vorwürfe, die Ian sich deshalb macht, vielschichtig sind. Doch nicht nur das, Eva ist gar nicht da. Wie Ian erfährt, ist Evas Sohn Adam, der Erbe von Hamilton, bei einem Unfall ums Leben gekommen; stattdessen hat Hamiltons Bruder Thomas die Herrschaft über Haus und Land übernommen und Eva in ein Irrenhaus verfrachtet, weil sie angeblich an ihrer Trauer verzweifelt ist und sich umbringen wollte. Ian sucht die Einrichtung umgehend auf und entführt die laudanumsüchtige Eva in einer dramatischen Aktion, die einen Toten mit sich bringt und gleichzeitig die Protagonistin des nächstes Bandes der Serie einführt. Eine nicht wirklich aufregende Flucht von Ort zu Ort vor den Irrenhauswärtern folgt, die deutlich macht, dass Ian unbedingt beweisen muss, dass Eva nicht verrückt ist, wenn die Jagd irgendwann ein Ende haben soll.

In Maire Claremonts Debüt gibt es viele gute Ansätze, ganz überzeugen kann das Buch aber nicht. An den Protagonisten liegt das nicht, sie sind trotz – oder wegen! – ihrer Ecken und Kanten sympathisch und man wünscht ihnen ihr Glück. Die Story schafft es aber nicht, die Grundspannung aufrechtzuerhalten; es gibt viel Im-Kreis-Gedrehe, und die diversen Krisen enden ziemlich unspektakulär. Trotzdem war der Roman gut genug, um mir direkt Lust auf Band 2 zu machen – den ich nun ebenfalls direkt runtergeladen habe und für den Julia Quinn wohl erst mal warten muss!

 


9/15

 

Serieninfo:
01 The Dark Lady
02 Lady in Red
02.5 A Lady Undone
03 The Dark Affair (2014)