Februar 2010
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[Rezension] Mary Balogh: A Matter of Class

Inhalt:
Lady Annabelle Ashton, die Tochter des Earl of Havercroft, ist ruiniert, denn sie ist beim Versuch erwischt worden, mit dem Kutscher ihres Vaters durchzubrennen. Ihr wohlhabender Verlobter löst daraufhin die Verbindung und die Familie muss nicht nur mit dem Skandal leben, sondern steht außerdem vor dem finanziellen Ruin. Diese Gelegenheit lässt sich Bernie Mason, der Erzfeind des Earls, nicht entgehen: Der reiche Emporkömmling, der jahrzehntelang unter den Schmähungen seines Nachbarn Havercroft zu leiden hatte, schlägt seinen auf die schiefe Bahn geratenen Sohn Reginald als Bräutigam für das entehrte Mädchen vor und bietet so einen Ausweg aus dem Skandal sowie aus der finanziellen Misere. Reginald und Annabelle müssen sich gezwungenermaßen der Abmachung fügen – ein denkbar schlechter Start für eine Ehe … 

Kommentar:
Vorweg sei gesagt, dass »A Matter of Class« kein »vollwertiger« Roman, sondern eine Novelle ist: Das ca. 12 Euro teure Hardcover hat nur knapp 200 Seiten, die auch noch in großer Schrift und mit großzügigem Zeilenabstand gesetzt sind. Wer viel Geschichte für sein Geld erwartet, ist mit diesem Buch schlecht beraten; allen anderen sei das Buch trotz des fraglos überteuerten Preises ans Herz gelegt, denn es bietet allerbeste Regency-Romance-Unterhaltung.

Reggie Mason hat in letzter Zeit einen Hang zum Glücksspiel und ein Faible für teure Mode entwickelt und jede Menge Schulden angehäuft. Sein Vater macht sich ernsthafte Sorgen deshalb, zumal er seinem Sohn eine gesellschaftliche Stellung ermöglichen möchte, die ihm selbst nie vergönnt war: Der Nordengländer aus der Arbeiterschicht hat sein sagenhaftes Vermögen als Kohlenhändler gemacht, wurde aber in adligen Kreisen trotz aller Bemühungen nie akzeptiert. Er hat viel Geld in Reggies Ausbildung gesteckt, um diesen zu einem echten Gentleman zu machen, doch das Verhalten seines einzigen Sohnes in letzter Zeit ist nicht gerade die feine englische Art. Als Bernard Mason von der Misere seines Erzfeindes hört, dessen Tochter Annabelle in einen Skandal verwickelt ist und der kurz vor dem finanziellen Ruin steht, ist ihm sofort klar, dass er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Er kann Lord Haverscroft heimzahlen, dass dieser ihn jahrzehntelang geschmäht hat, gleichzeitig kann sein Sohn in den Adelsstand einheiraten und in die gesellschaftlichen Schichten aufsteigen, denen Bernie schon immer gerne angehören wollte.

Vor allem aufgrund seiner finanaziellen Lage kann Lord Haverscroft gar nicht anders, als Masons Vorschlag zähneknirschend zuzustimmen. Er muss seine Tochter mit einem reichen Mann verheiraten, und da nach Annabelles Eskapaden der reiche herzögliche Verlobte abgesprungen ist und wegen des Skandals auch kein anderer sie mehr will, ist die Verheiratung mit Reggie der einzige Ausweg. Er lässt die Masons allerdings zu jedem Zeitpunkt spüren, dass sie nicht standesgemäß sind und behandelt sie mit unsäglicher Arroganz. Seine Tochter ist zwar weniger konventionell, die erzwungene Ehe mit Reggie löst allerdings ebenso wenig Begeisterung bei ihr wie bei ihm aus, und so zanken sich die beiden bei jedem Aufeinandertreffen, und es fliegen ordentlich die Funken. Insbesondere weil Reggie aber immer wieder versichert, das beste aus der arrangierten Ehe machen zu wollen, besteht Hoffnung auf ein gutes Ende.

Der eigentliche Handlungszeitraum erstreckt sich über wenige Wochen, nämlich von der Idee der Eheschließung bis zum Tag der Hochzeit, allerdings ist die gegenwärtige Handlung unterbrochen von Rückblenden in die Kindheit bzw. Jugend von Reggie und Annabelle. Wie sich herausstellt, kennen sich die beiden von früher, und die Episoden aus der Vergangenheit machen schnell deutlich, dass zu irgendeinem Zeitpunkt etwas Gravierendes vorgefallen sein muss, was ihre jetzige Aversion gegeneinander bzw. gegen die Ehe miteinander rechtfertigt. Gerade weil die Rückblenden zeigen, dass die beiden schon als Kinder gegen alle Standesunterschiede befreundet waren und sich sehr geschätzt haben, bezieht die Handlung aus der Frage, was vorgefallen sein mag, große Spannung. Obwohl ein aufmerksamer Leser des Rätsels Lösung gegen Mitte des Buches anhand eines einzigen Schlüsselsatzes erahnen kann, ist die Handlung doch ausgesprochen clever aufgebaut und bietet mal etwas vollkommen anderes.

Die Protagonisten sind überzeugend, obwohl es ihnen – wie allen anderen Figuren – etwas an Tiefe mangelt. Ein wenig einseitig, wenngleich sicher nicht ganz unrealistisch, ist auch die Darstellung der beiden Klassen: Die Emporkömmlinge aus einfachen Verhältnissen sind nette Leute, die ihr Leben genießen, offen, fröhlich und ausgesprochen liebenswert sind; Annabelles Vater als Paradebeispiel eines Aristokraten wird hingegen dargestellt als verknöcherter, herzloser, voreingenommener Snob. Aufgrund der Kürze der Erzählung ist hier aber schlicht keine differenziertere Auseinandersetzung möglich. Immerhin zeigt Balogh einmal mehr, dass sie um historische Authentizität bemüht ist, denn trotz seiner Leichtigkeit stellt das Buch zwei gesellschaftliche Begebenheiten der damaligen Zeit in den Vordergrund, die einen realistischen Rahmen bieten, nämlich den Klassenunterschied und die Tatsache, dass die adligen Töchter oftmals schlicht eine Ware waren und von ihren Vätern an den Meistbietenden verscherbelt wurden.

Fazit:
13/15 – Ein sehr unterhaltsames Buch mit einer außergewöhnlichen Handlung, das nur leider viel zu kurz und für seinen Umfang viel zu teuer ist.

Artikel über die Blutsaugerromanzen

Nur ein kurzer Hinweis: Die Zeit hat einen Artikel über die derzeit allseits beliebten Blutsaugerromanzen online gestellt: »Die Blöde und das Biest«. Schon der Titel macht deutlich, dass das Genre eher hoch- und nicht ernstgenommen wird, unterhaltsam ist der Artikel aber allemal zu lesen – auch für Vampiranhängerinnen! Besonders gut gefällt mir persönlich ja die Einschätzung von Jeaniene Frosts »Cat & Bones«-Serie, trifft sie doch genau meinen Nerv, wenn es heißt: »Dort wird die dusslige Halbvampirin Cat von einem untoten Kopfgeldjäger zur Undercover-Mätresse ausgebildet.«

Druckfrisch 6.2.2010

Beth Harbison: Shoe Addict 2 – Kaufrausch (OT: Secrets of a Shoe Addict)
Tiffany hätte sich nie träumen lassen, dass eine Shoppingtour sie in solche Schulden reinreißen würde. Schließlich ist sie doch die perfekte Vorstadtfrau. Pfarrersgattin Abbey wird wegen ihrer dunklen Vergangenheit erpresst. Und Loreen wollte wirklich keinen Gigolo anmachen. Das war ein dummes, sehr teures Missverständnis. Auf einmal brauchen alle drei Frauen viel Geld und das sofort. Da haben sie eine Idee: Telefonieren können sie doch alle. Aber ab jetzt ist jeder Anruf bares Geld wert

Eve Houston: Prior’s Ford 1 – Unter den Dächern von Prior’s Ford (OT: Secrets in Priors Ford)
In Prior’s Ford, einem idyllischen Dorf in Schottland, geht das Gerücht, dass der alte Steinbruch wieder in Betrieb genommen werden soll. Das sorgt für ziemlichen Aufruhr: Bilderbuchmutter Jenny wird mit ihrer bewegten Vergangenheit konfrontiert, ein Journalist schnüffelt herum und Clarissa enttarnt ein schmutziges Geheimnis ihres verstorbenen Mannes. Plötzlich ist es aus mit der Harmonie …

Gabriella Engelmann: Wolkenspiele
Nach 15 Jahren ist ihre Ehe gescheitert, der Traum vom großen Glück zerplatzt und Anna braucht eine Auszeit. Sie reist nach Amrum und lernt den charmanten Paul kennen, der sie auf andere Gedanken bringt. Doch die Schatten der Vergangenheit holen Anna immer wieder ein, und dann ist da auch noch ihr undurchsichtiger Vermieter, der ein Geheimnis zu hüten scheint …

Marginalie #9: Wenn die Maskierung versagt …

Letzthin bin bei der Zusammenstellung für die Druckfrisch-Rubrik mal wieder auf einen tollen, mitreißenden Untertitel gestoßen, zum Buch »Gebliebter Freibeuter« nämlich:

»Er trug eine Maske – doch sie blickte in sein Herz«

Ziemlich dumm gelaufen für den Freibeuter, würd ich sagen. Manchmal hilft einfach selbst die beste Maskierung nix! ;)

Druckfrisch 5.2.2010

Droemer Knaur hat ausgeliefert, u.a. den vierten Teil der Schattenritter, den zweiten Teil der Exorzistin und den neuen Hertz, außerdem diverse Erotica.

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»Rubinrot« wird verfilmt

Wie ich gerade im Buchmarkt gelesen habe, wird Kerstin Giers »Rubinrot« verfilmt. Man darf gespannt sein auf weitere News!

Edit: Ergänzend noch die vollständige Pressemitteilung von Arena:

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[Rezension] Yasmine Galenorn: Die Hexe

Originaltitel: Witchling
Schwestern des Mondes, Band 1

Inhalt:
Weil ihre Mutter ein Mensch war, hat man die drei magischen Schwestern Camille, Delilah und Menolly aus dem Reich der Elfen und Feen verbannt. Doch auch auf der Erde gelingt es ihnen nicht, ein normales Leben zu führen – was daran liegen mag, dass Camilles Zauber sich meist gegen sie selbst wenden, Delilah sich oft versehentlich in eine kuschelige Katze verwandelt und Menolly vor Jahren gegen ihren Willen zu einer Vampirin gemacht wurde. Doch nun hängt das Schicksal aller Menschen, Elfen und Feen von den Schwestern ab – Dämonenfürst Schattenschwinge hat einen Weg gefunden, um die Grenzen seines Unterirdischen Reichs zu überwinden. Die Schwestern sehen sich einer bedrohlichen Übermacht gegenüber …

Kommentar:
Der erste Teil der »Schwestern des Mondes«-Serie startet mit dem unheilverkündeten Mord am kleinwüchsigen Riesen Jocko, der sich im Laufe der Handlung nur als kleines Puzzleteil in einer groß angelegte Verschwörung des mächtigen Dämons Schattenschwinge entpuppt. Es liegt in der Macht der drei Schwestern, gemeinsam mit ihrem Freunden und Helfern die Welt zu retten – was allerdings weniger spannend ist als es klingt.

Einen großen Teil des Buches nehmen – neben ausufernden Beschreibungen von Klamotten, Schuhen und Accessoires – die sehr detaillierten Erklärungen der Welt(en) ein, die das Setting für das Buch bilden. Sehr vereinfacht gesagt gibt es drei große Reiche: die Unterirdischen Reiche, in denen sich die Bösen tummeln, die Anderwelt, in der die Mehrzahl der magischen Wesen lebt, sowie die vorwiegend von Menschen bevölkerte Erdwelt. Während die Letztgenannten durch bewachte Portale miteinander verbunden sind, ist die Unterwelt streng abgeschottet – oder sollten es zumindest sein. Im Grunde mixt Galenorn Altbekanntes neu zusammen und bereichert es mit einigen neuen frischen Aspekten. Das gilt sowohl für die Welten als auch für die Wesen, die bekannten und unbekannteren Mythen verschiedener Kulturkreise entstammen, aber auch neu erdachten skurrilen Gestalten. So begegnet man beispielsweise Vampiren, zahlreichen Gestaltwandlern und Feenwesen, Harpyen, Riesen, einer Baby-Gargoyle, die als Haustier bei den Schwestern lebt, einem Drachen(mann), einem Psychoschwafler und einer Leichenzunge, die einem Sterbenden die letzten Gedanken entlockt (ein »Who is who« findet man online bei Droemer Knaur).

Die drei Schwestern, die für den Anderwelt-Nachrichtendienst arbeiten, sind nicht gerade Vorzeige-Sidhe. Aufgrund ihrer Gemischrassigkeit fühlen sie sich weder der Ander- noch der Erdwelt wirklich zugehörig, und ihre Gaben bzw. Fähigkeiten tendieren dazu, auszufallen. So gehen die Zauber der Hexe Camille öfter mal nach hinten los, die Werkatze Dalilah verwandelt sich bei Aufregung ungewollt in ihre Tiergestalt, und weil Menollys Gabe des Kletterns bei einer Vampirbeschattung versagte und sie abstürzte, wurde sie verwandelt. Während die Autorin hinsichtlich der Talente ihrer Protagonistinnen einen erfrischenden Mut zur Lücke beweist, geht sie bei der Optik keine Kompromisse ein: Alle drei Schwestern sind überwältigend schön und sexy, jede auf ihre ganz eigene Weise, sodass für jeden Geschmack was dabei ist.

Das Buch wird aus Sicht der Hexe Camille erzählt, die im Gegensatz zu den anderen Schwestern ein bisschen spröde und unterkühlt wirkt. Trotz längerer sexueller Abstinenz nach der Trennung von ihrem Ex-Freund Trillian ist sie nicht gerade der monogame Typ, was sie beim Sex mit zwei verschiedenen Männern unter Beweis stellen darf. Stimmig sind diese Szenen allerdings nur bedingt. Die sehr direkte Aufforderung »Komm mit nach oben und fick mich, bis wir die Sterne vom Himmel schütteln« (S. 105) mag dem einen oder anderen zu derb sein, passt aber zu Camille, ihrer Sprache und ihrem Denken. Vollkommen unpassend allerdings ist die anschließende blumig-metaphorische Sexszene: Nachdem Camille angesichts von Trillians Schönheit ein paar Tränchen der Unsicherheit verdrückt hat und sich beide ausreichend versichert haben, dass sie sich gegenseitig wollen, obwohl sie bereits mitten dabei sind, werden die Vorgänge schlimmer als im kitschigsten Liebesroman beschrieben. Camille sucht nach dem »Gral, der uns über uns selbst hinausheben und in jenes Reich bringen würde, in dem unsere Seelen verschmelzen konnten« (S. 108), und sie »ringen an einer offenen Schlucht liebevoll« miteinander, bevor sich einer nach dem anderen die Klippe hinunterstürzt, nachdem der letzte Faden gerissen ist. Buah. Das geht irgendwie gar nicht, insbesondere, weil es einfach nicht zu Camille passt. Ihre anschließenden Ausführungen, dass sie ihren Ex-Freund zwar liebt, aber nicht mag, sind auch nicht gerade nachvollziehbar – es scheint fast, als würde hier Liebe mit Lust verwechselt.

Eine echte Bereicherung für das Buch sind die Nebenfiguren. Der Fels in der Brandung für die teils etwas chaotisch wirkenden Schwestern ist Morio, ein Yokai-kitsune (japanischer Fuchsdämon), der jederzeit erfreulich souverän ist. Der Vollblutmensch Chase hingegen ist mit seiner Aufgabe zwar einigermaßen überfordert, hat aber Humor und sorgt mit einigen trockenen Bemerkungen für Erheiterung. Außerdem begegnet man unter anderem der ziemlich derangierten, entmachteten Feenkönigin Titania und dem Drachen(mann) Smokey, der von einem eingebildeten St. Georg gejagt wird.

Fazit:
8/15 – Der Auftaktband der Serie wartet mit einer Menge guter und humorvoller Ideen auf, ist aber nicht wirklich fesselnd, weil sehr viel Zeit auf die detaillierte Beschreibung der Fantasywelt verwendet wird. Weil mir persönlich genau das zu langweilig ist, lese ich kaum High Fantasy, sondern nur die »Light-Variante« in Form von Urban Fantasy; wer an der Entwicklung von fantastischen Welten aber Freunde hat, wird das Buch sicher mehr schätzen als ich. In der Hoffnung, dass Band 1 die Grundlagen gelegt hat für einen actionreicheren Band 2, werde ich »Die Katze« definitiv trotzdem lesen, denn Potenzial ist durchaus vorhanden!

[Buch der Stunde] Keri Arthur: Full Moon Rising

Bevor ich in Versuchung komme, mir die gerade erschienene deutsche Ausgabe zu kaufen, obwohl die englische bereits hier steht, schnapp ich mir jetzt mal den ersten Band der Riley-Jensen-Serie.

Erster Satz:

The night was quiet.

Druckfrisch 2.2.2010

Wie immer Anfang des Monats jede Menge Neuerscheinungen aus allen Bereichen, darunter heute ausnahmsweise mal ein Krimi: der neue Reichs.

Carrie Vaughn: Midnight Hour 5 – Die Stunde der Spieler (OT: Kitty and the Dead Man’s Hand)
Kitty und Ben, die sich mittlerweile an ihr Leben als Alphawerwölfe von Denver gewöhnt haben, wollen auch ihre menschliche Verbindung besiegeln und beschließen kurzerhand, in Las Vegas zu heiraten. Damit umgehen sie nicht nur die aufwendigen Hochzeitsvorbereitungen, sondern vor allem Kittys dominante Verwandtschaft. Doch natürlich läuft in Vegas nicht alles so reibungslos, wie geplant: Kitty muss mit dem örtlichen Vampirgebieter Kontakt aufnehmen und moderiert außerdem ihre erste Live-Sendung vor Publikum – im Zuge derer sie einen mysteriösen Magier und andere dunkle Wesen kennenlernt. Dass in ihrem Hotel gleichzeitig ein Waffenkongress auf Werwölfe spezialisierter Kopfgeldjäger stattfindet, trägt nicht zu Kittys Entspannung bei. Schließlich würden diese sie lieber heute als morgen ihrer Trophäensammlung hinzufügen. Als plötzlich Ben spurlos verschwindet, steht weit mehr als die geplante Hochzeit auf dem Spiel …

Jennifer Rardin: Jaz Parks 3 – Ein Quantum Blut (OT: Biting the Bullet)
Dies sind die Abenteuer von Jaz Parks, die der CIA bei einem heiklen Job hilft: Vampire jagen! Vampire, die dabei sind, ein düsteres Reich zu errichten. Vampire, die aber nicht mit Jaz Parks gerechnet haben – der unerschrockensten Heldin, die je die Welt der Blutsauger betreten hat.

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[Unsinn lesen mit Irina] Im Schatten des Windes, Vol. 1

Wie gewünscht starte ich hiermit die Rubrik »Unsinn lesen mit Irina«. Manche Bücher verdienen es einfach nicht besser – und »Im Schatten des Windes« von Katherine Kingsley gehört eindeutig dazu.

Der 6. Februar 1808 ist ein schicksalhafter Tag für die magere kleine Serafina. Das erschreckend hässliche Kind wird von ihrem dahinsiechenden Vater schnell noch Aidan Delaware, Earl of Aubrey, dem Sohn eines Freundes versprochen, bevor er das Zeitliche segnet. Da die Ehe aber erst am 18. Geburtstag des Mädchens geschlossen werden kann, übergibt er es bis dahin einigermaßen widerwillig der Obhut der seltsamen Tante aus Wales.

11 Jahre später, am 12. Januar 1819, scheint Serafina dem schlechten Einfluss ihrer bekloppten Tante vollkommen erlegen zu sein. Sie steht auf einem Felsen rum, singt (natürlich mit glockenheller Stimme) und betet, dass Aidan, dem sie damals versprochen wurde, sie endlich holt, um sie »auf den Flügeln der Liebe davonzutragen«. Dass sie und Aidan über Zeit und Raum hinweg zusammengehören, daran hat sie keinen Zweifel, schließlich träumt sie schon seit ihrem vierzehnten Lebensjahr immer wieder davon, wie sie triumphal in eine Stadt einreitet und von ihm in Empfang genommen wird. Zwar heißen die beiden nicht Aidan und Serafina, sondern Adam und Sarah, aber mit solchen Kinkerlitzchen hält sie sich nicht auf, zumal es wichtigere Dinge in diesem Traum gibt, die es zu hinterfragen gilt. Adam/Aidan küsst sie nämlich, bis ihr fast die Sinne schwinden und eröffnet ihr, seinen Schwur bald »im Fleische zu besiegeln«. Unser Herzchen wacht leider immer auf, bevor sie herausfindet, wie man einen Schwur im Fleische besiegelt, reimt sich aber blitzgescheit zusammen, dass es sich a) bei diesem Vorgang möglicherweise um etwas handelt, was ihr gefallen könnte, und dass sie b) die verklemmte Tante besser nicht danach fragt.

So richtig in Schwung kommt die Handlung etwa vier Monate später, um genau zu sein: am 26. April (wie wir wissen, weil uns die Autorin dankenswerterweise stets mit exakten Datumsangaben versorgt). Aidan erfährt nämlich just an diesem Tag, dass er so gut wie verheiratet ist – und zwar bereits seit dem 6.02.1808. Sein Vater hatte das Eheversprechen zwischenzeitlich ganz vergessen, jetzt ist es dem praktisch veranlagten Mann aber doch wieder eingefallen, weil die Familie nämlich bankrott ist und Serafina ein riesiges Vermögen besitzt, das am Tag der Trauung in Aidans Besitz übergehen wird. Der arme Aidan steht erst mal unter schwerem Schock und dreht seinem Vater unverständlicherweise nicht den Hals um. Möglicherweise ist er einfach zu entsetzt, um zu handeln, weil er nämlich zu allem Übel erfahren muss, dass seine Zukünftige farblos ist, vorstehende Augen, schlechte Zähne und einen knochigen Körper hat, und nicht nur hässlich ist, sondern auch noch ein wenig einnehmendes Wesen hat: »Sie ist grämlich, und sie horcht gern an Schlüssellöchern.« Wie gesagt ist Vater Delaware aber durchaus praktisch veranlagt, deshalb hat er zum Trost für seinen Sohn ein geniales Rezept fürs Zusammenleben mit der hässlichen Erbin: »Du brauchst sie ja nicht oft anzuschauen, mein Junge. Ich bin sicher, dass du sie im Ostflügel oder sonstwo unterbringen kannst.« So hervorragend beraten, fügt Aidan sich schließlich in sein Schicksal.

Am 30. April, zurück in Wales, erfahren wir erst mal mehr über Seraphinas Tante Elspeth, die sich als eine Art Hexe herausstellt. Sie begeistert sich für alte keltische Bräuche und Überlieferungen, ihre Zauberversuche verlaufen aber eher weniger erfolgreich. Das hält sie natürlich nicht davon ab, es weiter zu versuchen, denn Versuch macht ja kluch. Vor lauter Zaubern vergisst die Exzentrikerin blöderweise manchmal die eine oder andere unwichtige Angelegenheit – etwa, dass Aidan geschrieben hat, um die Hochzeit in Gange zu bringen. Ist ja auch nicht weiter wichtig oder gar dringend, und die Hauptsache ist, dass es ihr irgendwann in einem lichten Moment wieder in den Sinn schießt. Als sie Serafina also in einem Augenblick der Klarheit mitteilt, dass der Traumprinz endlich bereit zur Hochzeit ist, ist die außer sich vor Begeisterung und kommt in ihrem Überschwang gleich auf die elementarste Sache zu sprechen, die mit ihrer anstehenden Ehe verbunden ist: die Hochzeitsnacht. Obwohl sie schlau genug ist, die Schwur-im-Fleische-Sache aus dem Spiel zu lassen, verweigert die verklemmte Tante unglücklicherweise die Auskunft. Das veranlasst die wissbegierige Serafina, wilde Spekulationen anzustellen, die uns Lesern nach all dem vorherigen Unsinn einen ersten Höhepunkt bescheren:

Würde sie denn nie erfahren, was nach dem Küssen passierte? Es musste etwas Wundervolles sein, dessen war sie sich sicher, aber über den genauen Ablauf war sie sich nicht im Klaren. Sie wusste, dass der Mann seinen Samen irgendwie in die Frau brachte, und dass daraus ein Baby entstand. Doch wie der Mann das machte, war ihr ein Rätsel und weckte ihre Neugier. Sie stellte sich Aiden mit einer kleinen Pipette vor, wie Tante Elspeth sie bei Kranken verwendete, aber es kam ihr unwahrscheinlich und wenig romantisch vor, dass ihr Mann sie auffordern würde, den Mund zu öffnen und etwas zu schlucken (sic!). Was im Bett ablief, musste viel ungewöhnlicher sein, sonst würde man nicht so ein Geheimnis daraus machen. Es musste wohl irgend etwas mit der Tatsache zu tun haben, dass die beiden Geschlechter verschiedene Körper hatten, und sie mussten sich dabei wohl irgendwie berühren, jedenfalls hoffte Serafina das, denn in ihrem Traum hatte sie sich in den Armen des geliebten Mannes unglaublich glücklich gefühlt. (S. 32)

Während man sich noch staunend fragt, ob die Autorin sich für den Oswald Kolle der 90er-Jahre hält und mit diesen ebenso hochinteressanten wie fantasiereichen Ausführungen ihren Beitrag zur Aufklärung ihrer Leser leisten will, tritt auch schon wieder Elspeth in Aktion. Unter der strengen Aufsicht ihres Papageis Basil, der sie nicht ganz zu Unrecht als heimtückisch bezeichnet, wirft sie einen Blick in ihre Kristallkugel – und sieht dort sogar wider Erwarten etwas: einen ziemlich verärgerten Aidan, der die Schuldenscheine seines Vaters in Augenschein nimmt. Das ist an sich nichts Neues, bildet aber einen guten Aufhänger, um noch mal auf Serafinas herausragende Qualitäten als Braut hinzuweisen: Sie hat ein riesiges Vermögen, glaubt an die alten Götter und hat von den dunklen Seiten des Lebens keine Ahnung. Zugleich erfährt der aufmerksame Leser, dass hier noch etwas anderes, viel tiefgreifenderes im Gange ist: Es gilt für Aidan und Serafine nämlich ganz offensichtlich, ein Schicksal zu erfüllen und eine fast tausend Jahre alte Karmaschuld zu begleichen. Ja, genau, Karmaschuld! Kar-ma-schuld! Mit dieser höchst subtilen Bemerkung, die einem da in einem Nebensätzen ganz beiläufig um die Ohren gehauen wird, wird man auch schon ins nächste Kapitel entlassen. Gott sei Dank – war ja wirklich genug für den Anfang!