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2014 Reading Challenge

2014 Reading Challenge
Irina has read 9 books toward her goal of 24 books.
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Ich lese gerade


goodreads.com

[Rezension] David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal

Originaltitel: Every Day
Serie: Every Day, #1

Inhalt:

Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.

Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?

Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?


Kommentar (mit Spoilern!):

Die Idee von A, der jeden Tag im Körper eines anderen gleichaltrigen Menschen aufwacht, klingt eigentlich viel zu fantastisch, um mir zu gefallen. Komischerweise gefällt sie mir trotzdem, denn so, wie die Geschichte erzählt wird, geht sie trotzdem auf und kommt einem irgendwie gar nicht so fantastisch, sondern fast real vor. Bemerkenswert an dieser Rahmenhandlung ist, dass A nicht wirklich die Person ist bzw. mit der Person verschmilzt, in der er steckt, sondern dass er immer der Gleiche ist und versuchen muss, sich dem fremden Körper wenigstens so weit anzupassen, dass seine Anwesenheit nicht weiter auffällt. Das bereitet ihm hin und wieder ganz schöne Schwierigkeiten.

In meist kurzen Abschnitten erzählt A von seinen Erlebnissen, die so verschieden sind wie die Menschen, die für einen Tag seine Hülle sind. Er befindet sich z.B. im Körper einer Zicke, eines Strebers, eines minderjährigen illegalen Dienstmädchens, mehrerer Homosexueller, einer Drogenabhängigen, einer Depressiven, eines Fettleibigen usw. Das ist wirklich gut gemacht und bindet auf unaufdringliche Weise jede Menge Problemthemen aus dem Lebensalltag ein, allerdings ohne großartig zu werten und ohne den moralischen Zeigefinger zu heben.

Mit A’s Vorgehen, normalerweise nicht allzu sehr in das Leben der Jugendlichen einzugreifen, in denen er sich gerade befindet, ist es vorbei, als er in Gestalt von Justin auf dessen Freundin Rhiannon trifft und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Von diesem Tag an ist A’s Liebe zu ihr der rote Faden, der sich durch die Episoden mit seinen »Wirten« zieht und seinem Leben einen neuen Sinn gibt. Doch diese Liebe stürzt ihn auch in einen tiefen Konflikt, denn von diesem Tag an stellt er das Leben seiner »Gastgeber« notfalls auch auf den Kopf, um das Mädchen zu treffen, dem sein Herz gehört, und er plagt sich zunehmend mit Fragen zu seiner Existenz.

Während A zu allem bereit ist, hat Rhiannon so ihre Schwierigkeiten mit der Situation. Obwohl sie sich in A verliebt hat und wirklich versucht, mit all dem klar zu kommen, was da unverhofft auf sie einprasselt, schafft sie es nur bedingt. Und auch wenn sie immer sein wahres Ich spürt, hat sie große Probleme damit, dass er bei jedem Treffen ein anderer ist, und sie hat Probleme mit körperlicher Annäherung, wenn er gerade ein Mädchen ist oder ein Junge, der ihr nicht gefällt. Auch dass sie im Grunde nie wissen, ob sich ihre Verabredungen und Pläne realisieren lassen, bereitet ihr Kopfzerbrechen und verkompliziert ihre Beziehung. Rhiannon will Sicherheit und Beständigkeit, und die kann A ihr nicht geben, solange er jeden Tag ein anderer ist.

Ich hatte beim Lesen häufiger den Eindruck, dass A mehr investiert, vielleicht auch mehr fühlt als Rhiannon – was sich auch in seiner selbstlosen letzten Aktion widerspiegelt. Außerdem habe ich mich hin und wieder gefragt, ob Rhiannon eigentlich von den Lesern und Leserinnen gemocht wird, denn von ihr werden ja die romantisch-idealistischen Vorstellung von Liebe zum Teil ganz schön torpediert. Das liegt nicht nur an ihren zunehmenden Zweifeln, sondern auch an ihrer mangelnden Offenheit bzgl. gleichgeschlechtlichen Körperlichkeiten und an ihrer Fixierung auf Äußerlichkeiten, als sie A in Gestalt eines stark übergewichtigen Jungens nicht berühren will. Ich finde es mutig, dass der Autor das Mädchen so anlegt, obwohl doch Äußerlichkeiten keine Rolle spielen sollten, schon gar nicht, wenn man jemanden liebt; manch einer könnte Rhiannon vielleicht als oberflächlich oder wenig tolerant sehen. Für mich machte aber genau das die Figur und damit auch die Story realistisch.

Meinetwegen könnte die Geschichte so stehen bleiben, wie sie endet, aber es wird – voraussichtlich nächstes Jahr – eine Fortsetzung mit dem Titel Rhiannon geben. (Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Geschichte fortgeführt oder nur noch mal aus Rhiannons Perspektive erzählt wird. Bislang hab ich mich auch nicht weiter damit beschäftigt, falls jemand mehr weiß: Immer her mit den Infos!)


11/15

[Keine Rezensionen] Bunter Urlaubsmix

Zwar hab ich lange nichts im Blog veröffentlicht, gelesen und ein paar Notizen hab ich aber trotzdem gemacht. Zeit, die mal kurz zu verbloggen. Die unten aufgeführten Bücher habe ich alle während meines Urlaubs im Mai/Juni verschlungen (oder auch nicht verschlungen).

 
 

Louise Penny: Denn alle tragen Schuld (Armand Gamache, #1) – o.W.

Die pensionierte Lehrerin Jane Neal stirbt durch den Pfeil einer Armbrust. Der gewaltsame Tod der liebenswerten Malerin in den Wäldern Kanadas schockiert das ganze Dorf. Nach und nach entdeckt Inspector Gamache von der Sûreté du Québec, dass hinter den idyllischen Spitzengardinen von Three Pines ein mörderischer Kosmos aus Neid und Habgier liegt. Und Jane? Was hat die alte Dame bei ihrer gnadenlosen Betrachtung der menschlichen Schwächen entdeckt, das jemand zu einem heimtückischen Mord trieb?

4,5 Sterne bei Amazon, ich habs nach 60 Seiten abgebrochen. Ich kann ja Headhopping grundsätzlich nicht besonders gut leiden, aber in einem Krimi geht es gar nicht, wenn die Story abwechselnd vom Kommissar, seiner Assistentin, deren Vater, den Verdächtigen und (gefühlt) siebenundneunzig weiteren Dorfbewohnern erzählt wird. Zudem ist mir der Erzählstil zu ausschweifend, und der Wust an verschiedenen Figuren und Handlungssträngen überfordert und nervt mich. Ich kann mir leider auch überhaupt nicht vorstellen, dass das Buch noch besser wird; es ist mir ein Rätsel, wie es so viele Preis gewinnen konnte. Mir ist meine Zeit dafür echt zu schade.

 
 

Ben Aaronovitch: Der böse Ort (Peter Grant, #5) – 7/15

Seltsame Dinge geschehen im Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Dinge, die eine magische Anziehungskraft auf Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant ausüben. Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offenbar nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechtester Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse daran an den Tag legt …

Ich würde diese Serie so gerne mögen, aber es bleibt dabei: Wir beide, wir werden keine Busenfreunde mehr. Obwohl es so viele Ansätze gibt, die mir gefallen, können mich die fantastischen Geschichten aus der Feder dieses humorvollen Autors einfach nicht packen und überzeugen. Trotzdem werde ich angesichts der Entwicklungen in diesem Buch das nächste doch wieder lesen »müssen«, weil ich wissen will, wie es weitergeht mit Leslie.

 
 

Andreas Föhr: Totensonntag (Wallner, #1/Prequel) – 12/15

»Totensonntag« erzählt Kommissar Wallners allerersten Fall: Im Herbst 1992 ist Clemens Wallner frischgebackener Kriminalkommissar. Bei einem Besäufnis auf einer Berghütte am Tegernsee, zu dem Kreuthner ihn mitgenommen hatte, geraten Wallner und Kreuthner in eine Geiselnahme. Vom Geiselnehmer erfährt Wallner von einer dramatischen Geschichte, die sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ereignet hat und die Kreuthner alias »Leichen-Leo« den Hinweis zur Entdeckung seiner ersten Toten liefert. Es handelt sich um ein Skelett in einem edelsteinbesetzten Sarg mit einer Kugel im Schädel …

Bereits im November 2013 hatte ich dieses Buch begonnen und ziemlich schnell entnervt weggelegt. Im Mai, entspannt im Urlaub, wollte ich ihm eine letzte Chance geben, damit es nicht länger in meiner Goodreads-„Ich lese gerade“-Liste rumhängt. Eigentlich hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass ich weiterkommen und es mir gefallen könnte, aber von wegen! »Totensonntag« ist einer der überzeugendsten Regionalkrimis, die ich je gelesen habe. Die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor, skurrilen und tragischen Figuren, Vergangenheit und Gegenwart ist extrem gelungen, und verbunden mit einer wirklich guten Krimihandlung ist »Totensonntag« ein richtig gutes Buch. Ich werde definitiv weitere Bücher des Autors lesen.

 
 

Colette Auclair: Thrown (Aspen Valley, #1) – 4/15

Professional horse trainer Amanda Vogel dreams of riding jumpers in the Olympics, but after seeing her best friend die in a riding accident, she’s so traumatized she can’t compete. Broke and desperate, she takes a summer job in Aspen teaching some big-shot widowed movie star’s spoiled daughters to ride—and braces herself for three miserable months. But the movie star is funny, down-to-earth, and gorgeous—and his spoiled daughters are just desperate for a mother figure. By Labor Day, she has to choose between capturing a gold medal…and the man who has captured her heart.

Ich sagte ja schon mal, ich bin ein Pferdemädchen; als ich diesen »Liebesroman mit Pferden«, Golden-Heart-Finalist 2012, auf einem US-Blog entdeckt habe, war ich schnell angefixt. Nach einem ganz guten Beginn hat mich das Buch aber schnell verloren. Eigentlich wollte ich es sogar bei knapp der Hälfte abbrechen, die tollen Goodreads-Rezensionen haben mich aber davon abgehalten, und ich dachte, da müsste einfach noch was kommen. Von wegen. Mich konnte weder eine der Hauptpersonen noch die Pferde noch der Stil packen. Ich konnte keine Emotionen fühlen und mir ist völlig unklar, wieso sich Brady und Amanda überhaupt ineinander verliebt haben, wo sie doch kaum miteinander zu tun hatten und Brady sich auch noch die meiste Zeit wie ein Hirni aufführt. Jede Menge überflüssige Plottwists, nicht nachvollziehbare Albernheiten und beispielloser Wankelmut (Ich will, ich will nicht. Du bist verrückt, du bist nicht verrückt. Ich kann nicht, ich kann doch.) runden die Langeweile ab. Am interessantesten waren noch die Kinder des Filmstars, aber die konnten die Sache auch nicht rausreißen. Ebenso wenig wie der zuckersüße Epilog. Der nächste Band um Amandas Freundin Beth wird definitiv ohne mich stattfinden, egal was die Rezensentinnen schreiben.

 
 

Saskia Berwein: Todeszeichen (Leitner und Grohmann, #1) – 10/15

In einer Grube im Wald werden die Überreste einer zerstückelten Frauenleiche gefunden. Schon bald steht fest: Sie ist ein weiteres Opfer des „Künstlers“– eines Serienmörders, der bereits fünf Frauen entführt, tagelang gequält und ihnen bei lebendigem Leib rätselhafte Bilder in die Haut geschnitten hat. Kommissarin Jennifer Leitner und Staatsanwalt Oliver Grohmann ermitteln fieberhaft, um den grausamen Killer endlich zu stoppen …

Um ehrlich zu sein, war ich nach dem Prolog schon fast so weit, das Buch wegzulegen, weil mir die Anfangsszene zu brutal und ekelhaft war. Ich will die Handlung nicht aus Sicht des Opfers geschildert bekommen; ich bin kein Freund von detaillierten Missbrauchs- und Tötungsbeschreibungen , für solche Sachen bin ich schlicht zu zartbesaitet. Ich bin aber froh, dass ich dabeigeblieben bin, denn das Buch entwickelte sich zu einem soliden und ganz spannenden Thriller mit guten Ermittlern, der mich – trotz einiger weiterer mir zu brutaler Szenen – insgesamt gut unterhalten hat. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn die Autorin sich in weiteren Bänden das Headhopping verkneifen würde.

 
 

Courtney Cole: If You Stay – Füreinander bestimmt (Beautifully Broken, #1) – 7/15

Seit dem Tod ihrer Eltern hält die 23-jährige Mila zusammen mit ihrer Schwester Madison das Familienrestaurant am Laufen und ist überzeugte Single-Frau. Das ändert sich, als sie Pax Tate kennenlernt. Pax ist auf den ersten Blick alles andere als ein Traummann: tätowiert, knallhart und mit schlechtem Benehmen. Doch ausgerechnet von ihm und seiner sexy Ausstrahlung fühlt Mila sich unwiderstehlich angezogen. Gegen jede Vernunft geht sie eine Beziehung mit ihm ein und entdeckt immer mehr Pax’ zärtliche Seite. Aber die Vergangenheit holt Mila und Pax unaufhaltbar ein. Wird die Kraft ihrer Liebe ausreichen, um zu bestehen?

Ach ja, mal wieder ein New-Adult-Roman mit einem gebrochenen Helden und einer furchtbar naiv wirkenden Sauberfrau als Gegenüber. Der Anfang war mal was anderes, dann entwickelte sich das Buch aber schnell Richtung Mittelmäßigkeit und verbreitete eher Langweile denn Unterhaltung. Pax’ Geheimnis und Grund für seinen Drogenmissbrauch war mir zu dick aufgetragen, und dass er am Ende die totale Wandlung zum weichgespülten Superlover vollzieht, ist angesichts seiner Geschichte ziemlich unglaubwürdig. Band 2 um Milas Schwester werde ich definitiv nicht lesen.

Cecilia Grant: Ein unsittliches Angebot

OT: A Lady Awakened
Blackshear, #1

Klappentext:
Nach dem Tod ihres Mannes kämpft die junge Witwe Martha Russell darum, ihr Anwesen Seton Park zu behalten. Um ihren Anspruch darauf zu festigen, greift sie zu einer List: Mit dem attraktiven Lebemann Christopher Mirkwood will sie ein Kind zeugen, das sie als Erbe ihres verstorbenen Mannes ausgeben kann. Sie hätte jedoch nie vermutet, dass sie sich in Christopher (sic!) verlieben könnte …

Kommentar:
Wie ich nach dem Flohmarktkauf dieses Buches festgestellt habe, besitze ich bereits seit geraumer Zeit die englische Ausgabe, die vergessen in meinem Regal vor sich hinverstaubt. Schade eigentlich, denn das Debüt von Cecilila Grant hat mich richtig gut unterhalten.

Die Geschichte ist nicht neu, aber doch eher außergewöhnlich im Reigen der 0815-Historicals. Die zurückgezogen lebende Witwe, eigentlich als Ausbund an Anstand bekannt, beschließt nach dem Tod ihres Mannes, alles daranzusetzen, Herrin über das Anwesen zu bleiben und zu verhindern, dass der Bruder ihres Mannes hier einzieht. Nicht Habgier, sondern die Sorge um die weiblichen Angestellten, die sich in der Vergangenheit seinen sexuellen Übergriffen ausgesetzt sahen, ist dabei ihr Motiv – ein geschickter Zug der Autorin, lässt es doch den Betrug deutlich weniger selbstsüchtig erscheinen. Sie macht sich also auf die Suche nach einem Liebhaber, der ihr innerhalb eines Monats ein Kind zeugt. Praktischerweise wurde gerade der für seine Ausschweifungen bekannte Adlige Theo Kirkwood (nicht Christopher, wie es im Klappentext heißt!) ins Exil aufs Nachbargut verbannt, der nicht gerade lange überredet werden muss, als Marthas »Hure« (oder wie sie es ausdrückt: »Zuchthengst«) einzuspringen.

Was dann folgt, ist allerdings entgegen seiner Erwartungen kein Vergnügen für ihn, denn Martha will keine Lust, sondern wirklich nur seinen Samen – und sie zieht das im Gegensatz zu anderen Heldinnen, die schnell in Leidenschaft entbrennen – ziemlich entschlossen durch. Das finde ich gut, denn alles andere wäre unglaubwürdig gewesen und hätte nicht zu Martha und ihrer Weltsicht gepasst. Entsprechend gefühllos und kurz ist das nächtliche sexuelle Beisammensein der beiden, obwohl sich Mirkwood zunächst redlich bemüht, ihr die Sache so angenehm wie möglich zu machen.

Doch etwas anderes entwickelt sich in diesen veranschlagten vier Wochen zwischen den beiden, nämlich eine echte Freundschaft, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Kirkwoods Entwicklung steht. Der Londoner Lebemann beginnt nämlich, sich für die Aufgaben eines Gutsherren zu interessieren, für die Landwirtschaft und die Menschen, die für ihn arbeiten. Martha ist ihm in diesen Dingen weit voraus und unterstützt ihn, wo sie kann. Dieser Aspekt der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, weil er nicht nur die Entwicklung des Protagonisten zu einem verantwortungsvollen Menschen zeigt, sondern auch – wenn auch nur einen kleinen und vielleicht etwas verklärten – Ausschnitt aus dem Landleben der Zeit. Dass Martha ihn lieben lernt, weil er sich ändert und im Grunde die gleiche Auffassung und das gleiche Verantwortungsbewusstsein an den Tag legt wie sie selbst, ist glaubwürdig. Seine offene, fröhliche, unbekümmerte Art verändert im Gegenzug die nüchterne, ernste, spröde Martha, die in jeder Hinsicht lockerer wird – allerdings im Kleinen und manchmal auch nur im Stillen, was ebenfalls glaubwürdig ist.

Dass ein eigentlich überflüssiger Streit die beiden erst mal entzweien muss, bevor es nach einigen dramatischen Verwicklungen schließlich zum Happy End kommt, hätte nicht sein müssen; das Buch hätte auch so genug Stoff hergegeben. Sehr elegant und gelungen fand ich hingegen die Lösung um das Erbe von Seton Park, die allen zugute kommt, die es verdienen.

Neben den glaubwürdigen Protagonisten, der insgesamt guten Geschichte und dem ansprechenden Rahmen war außerdem der Humor genau mein Ding. Mirkwoods Auseinandersetzungen mit dem heimtückischen Schwein seiner Pächter zum Beispiel haben mich immer wieder aufs Neue zum Lachen gebracht, und auch Marthas zynische Weltsicht, vor allem im Zusammenhang mit dem männlichen Körper, war genau mein Ding. Ihre Gedanken, als Mirkwood sich das erste Mal vor ihr auszieht, sind göttlich und schon wert, das Buch zu lesen.

Die Sprache der Übersetzung ist stellenweise mal wieder relativ modern, es hält sich aber noch in Grenzen. Flüssig zu lesen ist der Roman in jedem Fall, und der nächste Band der Serie befindet sich schon auf meinem Wunschzettel (auch wenn mich der Plot erst mal nicht so anmacht).

 


12/15

 

[Gelesen im Mai 2014.]

 

Anmerkung: Inzwischen habe ich auch den zweiten Band der Serie gelesen, »Das Versprechen der Kurtisane« (OT: A Gentleman Undone), und es hat mir gar nicht gefallen. Natürlich liege ich damit mal wieder völlig konträr zur Allgemeinheit, aber das wundert sicher keinen mehr?! ;) Im Englischen gibt es noch einen dritten Band der Blackshear-Serie, Lyx hat den aber bislang nicht übersetzt und so wie es aussieht, kommt er auch nicht mehr. Zumal der Historical-Versuch des deutschen Vorzeigeverlags wohl insgesamt eher als gescheitert zu bezeichnen ist; das Programm wurde wieder stark runtergeschraubt, wie’s aussieht.

[(Un-)Cover] Schlimmer gehts immer

Auch wenn man sich natürlich die Frage stellen muss, ob ein Möbel schmeißender Goldfisch unbedingt einen Liebesroman »zieren« muss: Als ich das Cover zum aktuellen Kristan-Higgins-Roman gesehen habe …

 

 

… war ich voller Hoffnung,
dass die Zeiten der allerschlimmsten Cover-Verbrechen …

 

 

… des Mira-Verlags weitgehend vorbei sind.

 
 

Aber

VON WEGEN!

 

 

(Cover und Titel sowie die Kombination aus beidem machen mich mal wieder echt mal sprachlos.)

[Rezension] Judith Ivory: Beast

Klappentext:
American heiress Louise Vandermeer has agreed to marry a European aristocrat. Her intended is rumored to be a hideously ugly man, a prospect that propels her into a reckless shipboard affair with a compelling stranger she never sees in the light of day. Unbeknownst to Louise, her mystery man is actually her betrothed, Charles d’Harcourt, whose romantic prank backfires when he becomes smitten with his own fiancee.

Kommentar:
Ich bin ja normalerweise ein großer Fan von »Die Schöne und das Biest«-Variationen, aber das nutzte in dem Fall auch nichts. Zumal das Biest eigentlich gar kein Biest war, sondern ein französischer Adliger, der trotz eines blinden Auges und einer Narbe ziemlich attraktiv ist und keinerlei Probleme hat, Frauen für sich zu begeistern. Aber von vorn:

Aus geschäftlichen Gründen lässt Charles sich auf eine arrangierte Ehe mit der wunder-wunder-wunderschönen Amerikanerin Louise ein, die halb so alt ist wie er und die er das erste Mal auf ihrer Überfahrt von Amerika nach Frankreich sieht. Wobei »sieht« zu viel gesagt ist, denn erstens ist er eigentlich gar nicht da, so rein offiziell (er weilt nämlich heimlich auf dem Schiff, um seiner Affäre mit einer verheirateten Frau zu frönen), und zweitens darf Louise ihn nie anschauen, d.h. nur im Dunklen oder mit verbundenen Augen treffen. Er sagt ihr nämlich nicht, wer er ist, sondern lässt sie in dem Glauben, er wäre ein arabischer Pascha. Louise – naiv und unerfahren, wie sie nun mal ist – ist natürlich vollkommen fasziniert von diesem »fremdländischen« Adonis und lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein, der nicht nur ihre Jungfräulichkeit, sondern auch ihr Herz zum Opfer fällt. Charles verliebt sich ebenfalls in seine zukünftige Frau, verpasst aber unzählige hervorragende Gelegenheiten, ihr reinen Wein über seine wahre Identität einzuschenken, und trennt sich bei Ankunft des Schiffs in Frankreich quasi von ihr. Sie ist zwar aus Vernunftgründen weiterhin bereit, sich auf die Ehe mit dem französischen Adligen einzulassen, leidet aber unter heftigem Liebeskummer wegen ihres arabischen Paschas.

Weil wir uns in einem Märchen Liebesroman befinden, erkennt Louise in ihrem französischen Prinzen den Pascha natürlich nicht wieder, denn er wendet den höchst raffinierten Trick an, nun nicht mehr – wie auf dem Schiff – englisch, sondern französisch mit ihr zu sprechen. Der Sprachwechsel scheint seine Stimme und Intonation so sehr zu verändern, dass Louise keinerlei Verdacht schöpft, auch nicht im Zusammenhang mit seinem sonstigen Auftreten, seinem Handeln oder Denken oder gar seinem Körperbau oder Geruch oder so. Seine Tarnung ist so gut, dass nicht mal Louises Hund ihn wiedererkennt. (Seht ihr mein Augenrollen?!)

Weil Louise ein tapferes Mädchen ist, das aussichtslose Situationen als solche erkennt, heiratet sie Charles wie verabredet trotz aller Liebe zu ihrem Araber; sie weigert sich allerdings zunächst, die Ehe zu vollziehen. Das macht Charles total wütend und spätestens angesichts seines diesbezüglichen gewalttätigen Ausrasters (er zerstört die komplette Einrichtung) hatte er das letzte Fitzelchen meiner Sympathie verloren. Natürlich sagt er Louise immer noch nicht, dass ER der vermeintliche Pascha ist, ebenso wenig wie bei zahlreichen weiteren grandiosen Gelegenheiten im Verlauf der Geschichte. Stattdessen setzt die Autorin offenbar darauf, dass sich Louise neu in ihren Ehemann verlieben soll, was erstens gar nicht so einfach ist angesichts all des Herzschmerzes wegen des unvergleichlichen Paschas und zweitens auch gar nicht so richtig Sinn macht; für mich zumindest nicht. Die Handlung zieht sich wie Kaugummi, ohne dass wirklich was passiert, und irgendwann nervt es nur noch kolossal, dass Charles nicht endlich mal eine der vielen Chancen ergreift, Louise die Wahrheit zu sagen.

Ich glaube, es ist kein allzu großer Spoiler, wenn ich an dieser Stelle verrate, dass die Sache am Ende natürlich rauskommt und zu einer Krise führt, bevor es zum Happy End kommen kann. Meine Güte, was für ein blöder Tanz … Ich wünschte, Mary Balogh hätte diese Geschichte ab der Ankunft in Frankreich zuende erzählt; das wäre genau ihr Plot gewesen und sie hätte was deutlich Besseres daraus gemacht!


5/15

[Keine Rezension] Janet Evanovich: Der Beste zum Kuss

Originaltitel: Sizzling Sixteen
Stephanie Plum, #16

Klappentext

Stephanie Plum erbt von ihrem Onkel Pip eine geheimnisvolle Flasche, die Glück bringen soll. Doch danach sieht es zunächst gar nicht aus: Cousin Vinnie, Eigentümer von Vincent Plum Bail Bonds, wird wegen angeblicher Spielschulden von einem Gangster festgehalten. Zum Glück haben Stephanie und ihre Kolleginnen einige Erfahrung darin, wie man vermisste Personen aufspürt. Aber wie sollen sie an die 786.000 Dollar kommen, die nötig sind, um Vinnie auszulösen? Mal ehrlich: Stephanie liegt gar nicht so viel an ihrem Boss, aber sie liebt nun mal ihren Job, also muss etwas passieren. Und ausnahmsweise entpuppen sich Morelli und Ranger, die beiden Männer an ihrer Seite, als wahre Glücksfälle …


Kommentar:

Was ist das eigentlich für ein Quatsch, dass jedes Stephanie-Plum-Buch das Wort »Kuss« im Titel enthalten muss? Mir geht dieser erzwungene Unsinn wirklich auf den Senkel; wieso bringt man stattdessen nicht das Engagement auf, Entsprechungen zum Original zu finden, die die Bandnummern enthalten, so wie man es bei den ersten vier Bänden gemacht hat? Aber nein, man setzt auf nichtssagende, austauschbar idiotische und krampfhaft auf lustig getrimmte Titel wie »Der Beste zum Kuss«, »Kuss mit Soße« oder »Kuss Hawaii« und auch noch Werbesätze, in denen Schwachsinnswörter wie »Nonkussultra« vorkommen! Wer denkt sich so was aus und kriegt derjenige wirklich Geld dafür??? Glauben die Verlage ernsthaft, dass die Leser das witzig finden?! (Finden andere Leser das vielleicht wirklich witzig, nur ich nicht?)

Okay, das Buch ist immerhin etwas besser als der deutsche Titel, wobei dazu ja nicht so viel gehört. Die Story ist mal wieder höchst absurd und übertrieben – wie man es von Stephanie-Plum-Büchern erwarten muss. Obwohl ich ein paarmal laut lachen musste über so manch eine Szene oder Formulierung, fand ich die Serie früher deutlich lustiger als heute. Ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob das daran liegt, dass sie heute noch übertriebener ist als früher – besser gesagt: nicht nur übertrieben, sondern zu übertrieben – oder dass sie einfach nicht mehr wirklich was Neues bietet und man außerdem irgendwie doch erwartet, dass Stephanie irgendwann noch was dazulernt bei der Verhaftung von NGVlern. Wenigstens ein kleines bisschen was!

Den nächsten Band werde ich selbstverständlich wieder kaufen und für eine schnell zu lesende, seichte und irgendwie ganz amüsante Unterhaltung wird er allemal gut sein. Und das ist ja auch schon was. (Und ich hab die Hoffnung ja immer noch nicht aufgegeben, dass Stephanie sich irgendwann Ranger schnappt – auch wenn ich nicht wirklich dran glaube. Dumme Nuss!)


9/15

[Keine Rezension] Sarah MacLean: No Good Duke Goes Unpunished

Rules of Scoundrels, #3

Klappentext:

A rogue ruined . . .

He is the Killer Duke, accused of murdering Mara Lowe on the eve of her wedding. With no memory of that fateful night, Temple has reigned over the darkest of London’s corners for twelve years, wealthy and powerful, but beyond redemption. Until one night, Mara resurfaces, offering the one thing he’s dreamed of . . . absolution.

A lady returned . . .

Mara planned never to return to the world from which she’d run, but when her brother falls deep into debt at Temple’s exclusive casino, she has no choice but to offer Temple a trade that ends in her returning to society and proving to the world what only she knows…that he is no killer.

A scandal revealed . . .

It’s a fine trade, until Temple realizes that the lady—and her past—are more than they seem. It will take every bit of his strength to resist the pull of this mysterious, maddening woman who seems willing to risk everything for honor . . . and to keep from putting himself on the line for love.

 

Kommentar:

Irgendwie fällt mir zu Sarah MacLean in letzter Zeit immer das Gleiche ein: vielversprechend, aber nichts daraus gemacht. Oder zumindest nicht genug. Diesmal sogar extrem wenig – dabei fing es so gut an!

Dem Klappentext ist kaum noch was hinzuzufügen: Temple wurde vor zwölf Jahren des Mordes an Mara Lowe verdächtigt, weil er – ohne Erinnerung an die Nacht – in ihrem blutbesudelten Bett aufgewacht ist und sie verschwunden war. Der sog. Killer Duke hat sich also in Londons Unterwelt zurückgezogen und verdingt sich seitdem in der bereits bekannten Spielhölle »The Fallen Angel« als knallharter Boxer. Auf einmal taucht Mara bei ihm auf, offenbart ihm, dass er sie gar nicht umgebracht hat – was er wegen seines Gedächtnisverlusts gar nicht wusste – und bietet ihm an, genau das zu öffentlich zu machen, wenn er nur ihrem Bruder dessen Schulden erlässt. Das Geld, das er verspielt hat, ist nämlich unglücklicherweise ihres, und sie braucht es, um das Waisenhaus am Laufen zu halten, das sie gegründet hat. Sie lässt sich aus lauter Not und schlechtem Gewissen sogar darauf ein, dass Temple die Bedingungen ihres Handels bestimmt und presst gleichzeitig jeden erdenklichen Pfennig aus ihm heraus.

Natürlich fühlen sich die beiden von der ersten Sekunde an uuuuuuunwiderstehlich zueinander hingezogen (eigentlich ja schon damals, vor zwölf Jahren) und können von Anfang an kaum die Finger bei sich behalten. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was eigentlich die ganze Zeit passiert ist, gefühlt gar nichts. Die Handlung plätschert vor sich hin, man knutscht, fummelt, diskutiert, verhandelt, beleidigt sich, versöhnt sich wieder … Gähn! Ich konnte weder die Chemie zwischen den Protagonisten fühlen noch irgendwas mit den beiden anfangen. Das lächerlich dramatische Ende mit dem mir verhasstesten Happy-End-Hindernis aller Zeiten (»Du magst mich lieben, aber ich verlass dich trotzdem, denn du hast was Besseres verdient«) passte da gut dazu.

Das Buch hat übrigens insgesamt doch relativ viele schlechte Kritiken gekriegt, wie ich festgestellt habe (wenn ich während des Lesens nach Rezensionen schaue, wie denn andere Leute das Buch finden, ist das schon immer kein gutes Zeichen!). Spannenderweise liegt das aber im Wesentlichen an der Figur Mara, an der sich jede Menge Hass entzündet, weil sie zugelassen hat, dass der Duke des Mordes an ihr verdächtigt wird. Wie konnte sie das nur tun, die dumme Schlampe – solche wie die sind eine Schande für alle Frauen dieser Welt! –– Äääh … ja. Meine Güte, Leute, das Buch spielt Anfang des 19. Jahrhunderts, das Mädchen ist 16 Jahre alt und verzweifelt, weil sie einen uralten und mutmaßlich gewalttätigen Adligen heiraten muss; ihr Verhalten kann man doch nicht mit heutigen Moralvorstellungen bewerten! Und außerdem: Schon mal was von mildernden Umständen gehört?

Dass ich mich nicht an Mara und ihrem Handeln störe, ändert aber nichts daran, dass ich Band 3 der Serie noch enttäuschender fand als die beiden Vorgänger (denen ich ja immerhin jeweils 10 Punkte gegeben habe. Ich hab sie trotzdem deutlich schlechter in Erinnerung und vermute, dass da jede Menge Autoren-Bonus enthalten war). MacLean hat es keineswegs geschafft, nach ihrer hervorragenden Debütserie ihr Niveau zu halten. Sie hat zwar immer noch nette Grundideen, macht aber einfach keine guten Geschichten mehr daraus. Und ihr vielgerühmter Humor ist ihr in diesem Buch dann auch gänzlich abhandengekommen. Ich hoffe, sie findet noch mal zu alter Form zurück und geb ihr noch eine Chance mit dem Abschlussband der Serie, der im November 2014 erscheinen wird.

 

5/15

 

Serieninfo:
01 A Rogue By Any Other Name – 10/15 (Rezension)
02 One Good Earl Deserves a Lover – 10/15
03 No Good Duke Goes Unpunished – 6/15
04 Never Judge a Lady By Her Cover

 

Eine Frage noch an alle, die das Buch und die weiteren Bände der Serie schon gelesen haben:

Spoiler
War schon immer bekannt, das Chase eine Frau war und ich habs vergessen, oder war diese Enthüllung der große Clou? (Bitte in der Antwort die Kommentarleser nicht spoilern!)

[Abseits] Von neuen Katastrophen mit der Fürst-Pückler-Torte

Ich bin euch nach meinen Auführungen zum Biskuit ja noch ein Posting zum Endergebnis schuldig. Es ging leider nicht schneller, ich brauchte Zeit, um mich von all den Katastrophen zu erholen, die mit der Füllung passiert sind. Jetzt kriegt ihr aber den Bericht, inkl. aller Dramen! :D

Nachdem ich den Biskuit mittels des neuen Tortenschneiders ziemlich krumm geschnitten hatte (Merke: Manchmal sollte man selbst bei simpel erscheinenden Dingen einen Blick in die Gebrauchsanweisung werfen!), hab ich mich an die Schichten für meine Fürst-Pückler-Torte gemacht.

Zunächst war die Schokoschicht dran. Also los: Sahne aufgeschlagen, Schokolade im Wasserbad geschmolzen, Gelatine untergerührt, unter die Sahne gezogen – Sahne zusammengefallen. Möglicherweise wäre es nicht verkehrt, nicht nur in Gebrauchsanweisungen zu schauen, sondern auch, sein Gehirn einzuschalten. Ist ja logisch, dass die Sahne zusammenfällt, wenn die Schokolade noch zu warm ist. [Ich hab sie dann übrigens trotzdem in einer Springform auf einen der nicht aufgegangenen Biskuitböden gegossen, um mal zu schauen, was passiert bzw. ob was passiert. Das misslungene Ding ist tatsächlich geliert, oh Wunder! Mein Mann hat sie am Montag seinen Kollegen auf die Arbeit mitgenommen und die Begeisterung für die »Schokoladentarte« war groß.] Dennoch frohgemut einen neuen Versuch gestartet, der dann auch geklappt hat, weil ich die Schokolade lang genug runtergekühlt habe. Die Sahne ist wunderbar geliert und hatte die perfekte Konsistenz.

Ich konnte also die Erdbeerschicht in Angriff nehmen: Erdbeeren mit etwas Puderzucker püriert, Gelatine dazu, kalt gestellt, Sahne geschlagen, Erdbeeren unter die Sahne gezogen, mehrfach probiert (sooooooo lecker!) und dann voller Optimismus auf die Schokoschicht gegossen. Nach einer Stunde: kein Effekt. Nach zwei Stunden: auch nicht. Die Sahne war nur unwesentlich fester als beim Draufgießen. Tja. Sahne runtergenommen, vier Blatt Gelatine aufgelöst (eins mehr als vorher), unter die Erdbeersahne gezogen und einen Schreikrampf gekriegt, weil die scheiß Gelatine direkt klumpte. Sahne weggeschmissen, noch mal Erdbeerpüree gemacht, neue Sahne geschlagen, vier Blatt Gelatine aufgelöst, alles zusammengemischt. Diesmal erfreulicherweise kein Klumpen, aber leider erneut kein Gelieren! Für meinen Zustand ist das Wort »entnervt« kein Ausdruck, aber ich wollte einfach nicht aufgeben und hab den Plan geändert und mich erst mal an die Vanillesahne gemacht.

Also schlecht gelaunt die Sahne mit dem selbst gemachtem Vanillezucker zu einer relativ intensiv schmeckenden Vanillecreme aufgeschlagen, Gelatine dazu, auf die Schokoschicht gegossen. Während des Gelierens zu Lidl gefahren und neue Gelatine und mehr Sahne besorgt, denn meine Bestände waren – obwohl ich mich extra gut bevorratet hatte – nach all den Missgeschicken erschöpft.

Einige Mails später (verzweifelte von mir, ermutigende von anderen) und nachdem die Vanillesahne problemlos fest geworden war, hab ich dann den allerletzten Versuch mit der Erdbeersahne gestartet. Wäre mir dann auch egal gewesen, wenn sie nicht fest geworden wäre; als oberste Schicht hätte sie dann eben runterlaufen dürfen, das wäre sicher auch dekorativ gewesen! *g* Winterkatze riet dazu, es mit sechs Blatt Gelatine zu versuchen, das würde auf jeden Fall reichen – und sie sollte recht behalten. Allerdings war die Schicht von der Konsistenz her eher wie Sülze denn wie eine schnittfeste Sahnecreme und hatte aus unerfindlichen Gründen jede Menge Geschmack eingebüßt. Aber egal, sie ist immerhin fest geworden!!!

Weil ich echt keinen Bock mehr auf die verkackte Torte hatte und sie außerdem auch so hübsch war, habe ich auf den oberen Biskuit, mit dem ich das gute Stück hätte bedecken sollen, verzichtet und auch nur auf dem Rand Sahne verstrichen. Das mit der Deko übe ich auch ein andermal, aber erst, wenn ich einen vernünftigen Spritzbeutel habe! Ironischerweise ist das Mistding ingesamt am Ende doch ganz ansehnlich geworden; man sieht ihr all die Katastrophen nicht an. Fast könnte ich stolz auf meine allererste Torte sein!

Sie war übrigens ganz lecker, aber selbst wenn alle Schichten problemlos beim ersten Versuch geklappt hätten, würde der Aufwand sich m.E. nicht lohnen. Man hat nämlich im Wesentlichen die Schokoladensahne geschmeckt; dafür kann man sich die beiden anderen Schichten echt sparen. Und die Erdbeersahne pur essen!

 
Morgen versuch ich mich übrigens an Red Velvet Cupcakes mit Frischkäse-Frosting. Ich hoffe, das geht ohne so ein Generve vonstatten und wird was – ich will sie nämlich zu einem Geburtstag mitnehmen.

 

 

[Abseits] Von der unterschätzten Kunst, einen vernünftigen Biskuit zu backen

Vorab: Nein, ich werde (höchstwahrscheinlich) kein Koch- und Backblog, aber da ich momentan aus beruflichen Gründen tief ins Thema Backen verstrickt bin, werde ich hin und wieder von meinen Experimenten berichten. Soweit ich weiß, gibts ja auch diverse Bäckerinnen und Köchinnen unter den Lesern, insofern freut sich der eine oder andere ja sogar?!

 

Gestern hab ich mich an meinem allerersten Biskuitboden versucht – Torten waren bislang einfach nicht mein Thema. So schwer kanns ja eigentlich nicht sein, dachte ich, naiv wie ich manchmal nun mal bin. An meinen ersten Versuch bin ich also voller Zuversicht rangegangen, hab exakt nach Rezept erst Eischnee aufgeschlagen, dann die Eigelb mit Zucker und heißem Wasser und zum Schluss die trockenen Zutaten (Mehl, Stärke, Kakaopulver). Dann hab ich alles schön vorsichtig vermischt, damit die Luft im Eischnee erhalten bleibt, aber selbst ohne Erfahrung mit Biskutteigen bemerkt, dass das irgendwie ne recht zähe Angelegenheit wird. Nun gut, mal nicht in Panik verfallen. Könnte ja sein, dass der Teig im Ofen auf wundersame Weise sein Volumen verfünffacht oder so, denn er bedeckte gerade mal so meine 28er-Springform – die ich übrigens brav, gemäß aller Abweisungen und Warnungen nur mit Backpapier ausgelegt und nicht gefettet hatte. Das Ergebnis seht ihr auf dem Foto … nicht. Das Ding ist direkt in den Müll gewandert, denn es ging kein bisschen auf und ich hätte jemanden damit erschlagen können.

So leicht bin ich aber ja nicht zu entmutigen. Ich habs auf die Eigelbmasse (falsche Konsistenz?!) einerseits und die zu große Form andererseits geschoben und vor allem darauf, dass ich die Eigelb-Zucker-Masse und die trockenen Zutaten nacheinander unter den Eischnee gerührt hatte. Im Rezept stand eigentlich, dass man es auf einmal machen soll – wie ich nach neuerlichem Studium feststellen musste. Also hab ich direkt nen zweiten Versuch gestartet. Ergebnis: Die Masse fiel erneut beim Unterheben – diesmal mit Schneebessen statt Teiglöffel – zusammen. Ich hab sie trotzdem gebacken, aber das Ergebnis entsprach exakt meinen Erwartungen und erneut kam ein Totschläger aus dem Ofen.

Die Verzweiflung stieg und wir wurde klar: Es ist alles andere als einfach, einen lockeren Biskuit zu backen. Hätte ich mal die fertigen Wiener Böden im Supermarkt mitgenommen! Aber vielleicht muss ich einfach mehr Eier nehmen? Einen Versuch wollte ich noch machen, während das Chili fürs Abendessen vor sich hinköchelte. (Das Chili ist übrigens hervorragend gelungen. Beim ersten Versuch!) Also diesmal drei statt vier Eier und die restlichen Zutaten entsprechend angepasst. Der Teig war erfreulicherweise schon mal ein ganze Stück volumiger als die vorherigen, aber als Offenbarung würde ich ihn trotzdem nicht gerade bezeichnen. Er ging beim Backen auch nur minimal auf und war mit dem neu erworbenen Tortenbodenschneider überhaupt nicht durchzuschneiden, so fest war er.

Heute morgen stand ich dann vor der Frage: In den Supermarkt fahren und einen fertigen Boden kaufen oder noch einen Versuch starten? Neuer Tag, neues Glück, dachte ich, allerdings nur mit einem neuen Rezept, denn dass ichs mit dem mehrfach erfolglos erprobten noch hinkriegen würde, hielt ich für ausgeschlossen. Und wen fragt man in so einem Fall? Klar, Chefkoch.de. Dort fand ich dann auch ein Rezept, das alle anderen User in höchsten Tönen lobten, nicht zuletzt als gelingsicher. Das sollte ich ja wohl auch hinkriegen mit meinen verbliebenen vier Eiern! Die Zutaten waren exakt die gleichen, der Unterschied war nur, dass beim Chefkochrezept erst die Eiweiß mit dem Zucker steif geschlagen und dann die Eigelb – nicht aufgeschlagen – untergerührt werden und dann die trockenen Zutaten dazukommen. Und siehe da, es entstand eine wunderbar luftige, cremige Masse, die beim Backen ihr Volumen ungefähr verdreifachte und aus der ich einen lockeren tollen Boden rausgekriegt habe. Hach!

Jetzt ist er abgekühlt und ich kann ihn schneiden und frohgemut mein Experiment fortsetzen und mich an die Füllung machen – um die es eigentlich nur ging, denn ich dachte ja nicht, dass es so schwer ist, einen Biskuit zu backen. (Ist es ja auch nicht. Wenn man das richtige Rezept hat.) Ach so, es soll übrigens eine Fürst-Pückler-Torte werden und ich hab Angst vor der Gelatine! :D

 

Bücher Q1/2014

Das Leben ist manchmal wirklich seltsam. Nachdem ich vor einiger Zeit noch drei Bücher pro Woche gelesen habe, sind es im Moment drei pro Vierteljahr. Interessiert sich jemand dafür, welche drei Bücher es waren? Ich erzähl’s einfach mal.

 
Kristan Higgins: Lucy kriegt’s gebacken – 7/15

Inhalt: Tick. Tack. Tick. Tack. Seit ein paar Wochen hört die Bäckerin Lucy es ganz deutlich. Ihre biologische Uhr tickt. Es ist also an der Zeit, die Trauer über den frühen Tod ihres Mannes abzuschütteln und sich auf die Suche nach einem geeigneten Samenspender – und wenn möglich Ehekandidaten – zu machen. Solide soll er sein, zuverlässig und kinderlieb. Er muss ja nicht unbedingt so attraktiv oder leidenschaftlich wie Ethan sein, ihr Schwager und Freund »mit gewissen Vorzügen«. Mit diesen gelegentlichen Treffen muss jetzt Schluss sein. Denn Kinderkriegen ist eine ernste Sache. Und das wird sie Ethan auch so sagen. Gleich. Also nachdem er aufgehört hat, sie so zu küssen. Sie auszuziehen. Sie zu lieben. Halt, warte mal, sie zu lieben? Kann das wirklich wahr sein?

Ich meine mich zu erinnern, dass ich in letzter Zeit nach jedem Higgins-Buch nörgelig bin und behaupte, erst mal keine Bücher der Autorin mehr zu lesen. Das war diesmal wieder so. Ich kenne – von Enid Blyton abgesehen – wirklich wenige Autoren, die ihre Geschichten mit einer solchen Beharrlichkeit immer und immer wiederholen. Leider werden die Storys dabei nicht optimiert, sondern langweilen eher, weil das alles ja irgendwie schon diverse Male da war und nichts wirklich Neues oder gar Überraschendes passiert. Hier ist mal wieder eine Frau panikartig auf Männersuche und trifft sich mit allen möglichen seltsamen Gestalten, während der beste Freund/alte Bekannte doch eigentlich die beste Wahl wäre. GÄHN. Und wenn dann auch noch die Heldin nervt, weil ihre Blindheit fürs Offensichtliche einfach furchtbar ist, ist das auch nicht sehr hilfreich. So steht am Ende mal wieder der Entschluss, das nächste Buch der Autorin auszulassen. Überraschung, Überraschung!

 

Sophie Jordan: Foreplay (Ivy Chronicles, #1) – 12/15

Inhalt: Pepper has been hopelessly in love with her best friend’s brother, Hunter, for, like, ever. He’s the key to everything she’s always craved: security, stability, family. But she needs Hunter to notice her as more than just a friend. Even though she’s kissed exactly one guy, she has the perfect plan to go from novice to rock star in the bedroom: take a few pointers from someone who knows what he’s doing.

Her college roommates have the perfect teacher in mind. But bartender Reece is nothing like the player Pepper expects. Yes, he’s beyond gorgeous, but he’s also dangerous and deep—with a troubled past. Soon what started as a lesson in attraction is turning both their worlds upside down, and showing them just what can happen when you go past foreplay and get to what’s real. . . .

Von Sophie Jordan wollte ich eigentlich schon längst mal einen historischen Liebesroman gelesen haben, das hat aber nicht geklappt. Dafür bin ich wie die Jungfrau zum Kinde zum Auftakt ihrer aktuellen New-Adult-Serie gekommen, und das war durchaus ein Glücksfall. Das Buch hat mir insgesamt richtig gut gefallen, es hat mit Pepper und Reece zwei sympathische Protagonisten, und die Geschichte ist ansprechend und unterhaltsam. Okay, es ist natürlich völlig klar, dass der Plan der »Unterrichtsstunden« nicht aufgehen wird und dass sich da mehr entwickelt, aber insgesamt geht das alles noch in Ordnung. Ziemlich bescheuert fand ich nur den vollkommen übertriebenen Showdown um den Brand, aber der Rest des Buches hat mir so gut gefallen, dass das den guten Gesamteindruck nicht trübt.

 

Samantha Young: Before Jamaica Lane – 9/15

Inhalt: Olivia Holloway hat es satt, Single zu sein. Warum muss sie auch immer gleich Reißaus nehmen, wenn ein attraktiver Mann nur in ihre Nähe kommt? Die hübsche Amerikanerin ist notorisch schüchtern. Ihr bester Freund Nate Sawyer flirtet dagegen für sein Leben gern. Deshalb sagt er auch sofort zu, als Olivia ihn bittet, ihr Nachhilfe im Flirten zu geben. Zuerst ist es nur ein Spiel, leidenschaftlich und sexy. Dann merkt Olivia, dass da mehr ist. Viel mehr. Doch Nate ist kein Mann für feste Beziehungen. Und plötzlich steht alles in Frage: ihre Freundschaft, ihr Vertrauen, ihre Liebe.

Noch ne Geschichte, in der sich das Mädel von einem Kerl unterrichten lässt, um sich einen anderen zu angeln, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass Schülerin und Lehrer hier beste Freunde sind (wobei, wenn man ehrlich ist, sie von Anfang an total auf ihren besten Freund abfährt). Obwohl ich sonst ein großer Fan von Samantha Young bin, hat mir die Geschichte überhaupt nicht gefallen. Hier ist sooo klar, dass die Sache in die Hose gehen und zum totalen Bruch führen wird, dass ich mich von Beginn an darüber geärgert habe, dass ich zwei Freunde auf so nen Quatsch einlassen. Zudem konnte ich mit den beiden Protagonisten nicht viel anfangen. Nate mit seinem fadenscheinigen Jugendtrauma, das ihm als Rechtfertigung dafür dient, die Frauen ohne Rücksicht auf Verlust reihenweise flachzulegen und sich auf keine Beziehung einzulassen, fand ich echt albern; die Begründung dafür war mir echt zu dünn. Und als nicht viel weniger schrecklich empfand ich Olivia mit ihrem unbegründeten Mangel an Selbstbewusstsein. Ihr wisst schon: »Ich bin so hässlich«, »Mein Arsch ist so fett« usw. – was natürlich, ich muss es wohl nicht erst erwähnen – überhaupt nicht zutreffend ist. Ich hoffe wirklich, dass mir das nächste Buch der Autorin wieder mehr zusagt.

 
 

Daneben hab ich sogar noch ein paar Bücher angelesen, ne Menge sogar. Die meisten hab ich schon wieder verdrängt, zwei davon sind mir aber noch im Gedächtnis:

Nicola Karlsson: Tessa

Inhalt: Berlin, Sommer, Gegenwart. Tessa ist schön und begehrenswert und könnte eigentlich glücklich sein. Aber ihre manische Sehnsucht nach Liebe, Zuwendung, Bestätigung hält sie davon ab. Gut, dass ein Glas Wodka so eine angenehm kühlende, betäubende Wirkung hat. Vor allem in Kombination mit den Beruhigungstabletten, die die Ärztin ihr verschrieben hat. Tessa weiß, dass sie aufhören sollte, und meint, dass sie jederzeit aufhören könnte. Aber da befi ndet sie sich längst in einer Abwärtsspirale, in einem desaströsen Strudel.

Interessierte mich thematisch sehr, gefällt mir stilistisch aber gar nicht oder besser gesagt: Es geht einfach nicht an mich ran. Ich krieg keinerlei Verbindung zur Protagonistin – die bei einem solchen Thema für mich aber unverzichtbar ist. Werde ich wohl eher nicht weiterlesen.

 

Bernhard Aichner: Totenfrau

Inhalt: Blum ist Bestatterin. Sie ist liebevolle Mutter zweier Kinder, sie besticht durch ihr großes Herz, ihren schwarzen Humor und ihre Coolness. Blum fährt Motorrad, sie trinkt gerne und ist glücklich verheiratet. Blums Leben ist gut. Doch plötzlich gerät dieses Leben durch den Unfalltod ihres Mannes, eines Polizisten, aus den Fugen. Vor ihren Augen wird Mark überfahren. Fahrerflucht. Alles bricht auseinander. Blum trauert, will sich aber mit ihrem Schicksal nicht abfinden. Das Wichtigste in ihrem Leben ist plötzlich nicht mehr da. Ihr Halt, ihr Glück. Durch Zufall findet sie heraus, dass mehr hinter dem Unfall ihres Mannes steckt, dass fünf einflussreiche Menschen seinen Tod wollten.

Blum sucht Rache. Was ist passiert? Warum musste Mark sterben? Als sie die Antworten gefunden hat, schlägt sie zu. Erbarmungslos. Warum sie das tut? Warum sie dazu fähig ist? Die Antwort darauf liegt Jahre zurück.

Die Story klingt eigentlich echt ganz gut, aber so leid es mir tut, ich kann das Buch nicht lesen. Dieser Stakkatostil, der Satzbau, die Form der Dialoge … es geht einfach nicht. Nervt. (Wer genauer wissen will, was ich meine, möge sich die Leseprobe bei Amazon zu Gemüte führen.)

 

Jetzt gerade lese ich endlich Sarah MacLeans letztes Buch, »No Good Duke Goes Unpunished« – mal schauen, wie sich das so entwickelt. Es lässt sich ganz gut an.