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2015 Reading Challenge

2015 Reading Challenge
Irina has read 5 books toward her goal of 30 books.
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Ich lese gerade


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Mit »Shades of Grey« (allein) zu Haus

Dieser Artikel schlummert in seiner Ur-Fassung bereits seit 2013 in meinem Dashboard, damals noch unter dem Titel: Therapy in Zeiten von »Shades of Grey«. Ich habe mich an ihn erinnert, als ich bei Amazon – ganz versehentlich, is eh klar – auf die nagelneue und brandheiße »Official 50 Shades of Grey Pleasure Collection« gestoßen bin, die aus allerlei Dingen besteht, die man halt so braucht, wenn man das Buch nachspielen will: Handschellen, Nippelklemmen, Liebeskugeln, Vibratoren, allen möglichen Peitschen und Masken und so weiter und so fort. Haushaltsübliche Gebrauchsgegenstände eben.

 

Damals, zur Zeit des ursprüngliche Artikels, war die Pleasure-Collection weit und breit noch nicht in Sicht, da ging es um eine andere Entdeckung, nämlich das »Shades of Grey«-Partyspiel. Vielleicht kennt ihr noch das Gesellschaftsspiel »Therapy«, das in den spätem 1980er-Jahren seinen Siegeszug feierte und auf keiner Party fehlen durfte? Ich habs gehasst, weil es mir deutlich zu persönlich war – so viel will ich nicht irgendwelchen Leuten preisgeben, und ich will auch gar nicht so wirklich wissen, wie andere mich einschätzen. Belastet nur! :D

Die Spielbeschreibung des »Fifty Shades of Grey«-Partyspiels, das als »romantisch, prickelnd und total witzig« charakterisiert wird, klingt jedenfalls schon mal total super: Es wird eine Frage gestellt und dann abgestimmt, wer am besten zur Frage passt. Zur Belohnung gibts ein Innere-Göttin-Plättchen für alle, die in ihrer Einschätzung mit der der Fragestellerin übereinstimmen (oder so). Könnte zum Beispiel so aussehen: Wem würdest eine Peitsche gut stehen? Wer täuscht am regelmäßigsten einen Orgasmus vor? Wer hat seinen Freund am häufigsten betrogen? Wem traust du am ehesten zu, den Partner einer Freundinnen zu verführen? Die Reaktion auf die Einschätzung stell ich mir in der Tat »sehr witzig« vor. Braucht man unbedingt!

Nebenbei bemerkt: Als Zielgruppe war damals, als ich den ursprünglichen Artikel geschrieben habe, »unisex« angegeben. Inzwischen wird das Spiel als tolle Unterhaltung für einen lustigen Mädelsabend angepriesen. Wundert einen nicht wirklich, welcher echte Mann will schon ein »Innere Göttin-Plättchen« gewinnen?!

 

Ich weiß nicht, ob ich wissen will, was im Zuge des Films noch so alles auf den Markt geworfen wurde an … ähm … Fanartikeln, von denen ich nichts mitgekriegt habe. Gibts vielleicht schon eine »Christian Grey-Anzugedition«? Oder vielleicht eine »Shades of Grey«-Edition des Jane-Austen-Gesamtwerks (weil Jane Austen ja Anas Lieblingsautorin ist, wenn ich mich recht erinnere)? Sind irgendwelche tollen Sachen bekannt? Jedenfalls ist echt faszinierend, wie viel Geld man mit (überarbeiteter) Fanficition machen kann; E.L. James hat mit Sicherheit ausgesorgt. (Es sei denn, Stephenie Meyer hat einen Weg gefunden, sich finanziell am Erfolg beteiligen zu lassen.)

 

Übrigens, den Film hab ich noch nicht angesehen, aber ich WERDE! Irgendwann, wenn er mal im Fernsehen kommt. Mich interessiert schon, was die aus dem Buch gemacht haben; die Hauptdarstellerin mit ihrem naiv-hilflosen Blick aus großen Augen finde ich schon mal sehr passend gewählt. Außerdem bietet der Film die Chance, die unendlichen Wiederholungen einfach zu streichen (namentlich das ewige Vertragswiedergekäue) und so ein bisschen Spannung in die Sache zu bringen. Meinen Mann schick ich derweil in die Kneipe oder mit dem Auto in die Werkstatt oder so, nicht dass er hinterher noch die Pleasure Collection bestellt! ;)

 

Falls noch mal jemand meine Rezension zu Band 1 der Buchserie lesen möchte, kann das HIER tun. Und falls sich jemand fragt, ob ich mir später noch die weiteren Bände vorgenommen habe: Nein. Mich hat einfach nicht die Bohne interessiert, wie die Geschichte weitergeht und was mit diesen beiden Nervensägen passiert.

[Keine Rezension] Amanda Cross: Gefährliche Praxis

Originaltitel: In the Last Analysis
Serie: Kate Fansler, #1

Inhalt:
Als die Literaturprofessorin Kate Fansler von einer Studentin nach einem fähigen Psychoanalytiker gefragt wird, denkt sie sich nichts dabei, ihren ehemaligen Geliebten und jetzigen guten Freund Emanuel Bauer zu nennen. Doch eines Tages findet man die Studentin erstochen auf Emanuels Analysecouch. Nicht nur er gerät in Verdacht, sondern auch Kate. Die allerdings ist weniger eingeschüchtert als vielmehr in ihrem Ehrgeiz angestachelt: Sie beschließt, den Täter oder die Täterin auf eigene Faust zu suchen und das gesamte nähere Umfeld einer genauen Analyse zu unterziehen. In witzigen und ironischen Dialogen wird hier über Literatur und Wahrheit, Psychoanalyse und Werbung diskutiert – und natürlich über Mord.

Kommentar:

Ich und Cozy-Krimis – das ist immer ein Experiment, das richtig nach hinten losgehen kann. Häufig sind mir die Bücher einfach zu lahm und harmlos … und langweilig. Ich hab keine Idee, woran man es festmachen bzw. ob man einigermaßen zuverlässig vorhersagen könnte, ob mir ein Buch dieses Genres liegt. Fest steht: Wenn sich eine Literaturprofessorin als Amateurdetektivin betätigt, klingt das durchaus erst mal reizvoll für mich. Leider wirkte diese spezielle Literaturprofessorin von Anfang an dermaßen klugscheißerisch und besserwisserisch auf mich, dass es sozusagen Hass auf den ersten Blick war. Überhaupt hat mich bereits der Prolog des Buchs genervt und eine Aversion gegen sämtliche dort vorkommenden Figuren nebst ihrer (psychologischen) Ergüsse hervorgerufen, die ich auch nicht mehr ablegen konnte. Es machte sich also rasant Genervtheit, unglücklicherweise auch noch gepaart mit gähnender Langeweile, bei mir breit, zumal der Schreibstil und Plotaufbau für meinen Geschmack viel zu behäbig war. Um nicht in eine neuerliche Leseunlustphase zu rutschen oder sogar an chronischer Langeweile zu sterben, hab ich das Buch irgendwann mitten im 4. Kapitel abgebrochen. Eine sicherlich sinnvolle Maßnahme – aber leider ein wenig zu spät, die Leseunlust hat sich dennoch breitgemacht.

Hätte ich übrigens die obige Inhaltsbeschreibung (gefunden bei Krimi-Couch) vorher gelesen, hätte mich garantiert schon der letzte Satz (»In witzigen und ironischen Dialogen wird hier über Literatur und Wahrheit, Psychoanalyse und Werbung diskutiert – und natürlich über Mord«) davon abgehalten, das Buch aus dem Regal zu ziehen. Andererseits steht die Büchergilde-Gesamtausgabe schon seit einer halben Ewigkeit (geschätzte 15–18 Jahre) bei mir rum und ist zweimal mit mir umgezogen, es wurde also Zeit. [Zu meiner Verteidigung sei angemerkt: Ich hatte damals, Ende der 1990er-Jahre, als ich die Serie gekauft hab, tatsächlich irgendeinen Band, vermutlich sogar den ersten, also »Gefährliche Praxis«, vielleicht aber auch »Albertas Schatten«, das aus unerfindlichen Gründen als erstes Buch der Büchergilde-Ausgabe enthalten ist, gelesen und fand den nicht mal so schlecht. Offenbar aber auch nicht gut genug, um einen weiteren Band zu lesen …)] Wie auch immer … mein Versuch führt nun wengistens dazu, dass mal wieder ein paar Bücher rausfliegen. Und das ist gut so, denn ich will mittelfristig zwei bis drei Billys leer kriegen und durch ein Sideboard ersetzen.

Falls irgendjemand trotz meines Genörgels Interesse an der Serie hat und schön gestaltete Bücher und Cozy-Krimis mag – ich geb die komplette Büchergilde-Ausgabe ab. Sie umfasst die Bände:

01 Gefährliche Praxis
02 In besten Kreisen
03 Eine feine Gesellschaft
04 Schule für höhere Töchter
05 Tödliches Erbe
06 Die Tote von Havard
07 Süßer Tod
08 Albertas Schatten
09 Der Sturz aus dem Fenster
10 Die Verschwörung der Frauen
11 Spionin in eigener Sache

Und sie sieht so aus:

[Keine Rezensionen] Der Januar

Zu Rezensionen kann ich mich derzeit leider absolut nicht aufraffen, aber damit hier wenigstens ein bisschen was passiert, werd ich mal versuchen, wenigstens immer mal zu posten, was ich zuletzt gelesen habe. Der Januar lohnt sich auch richtig; obwohl viel zu tun, hatte ich abends bzw. am Wochenende noch den Kopf zum Lesen frei.

 
 
Gregor Weber: Feindberührung (Grewe #1) – 14/15

Die Fallschirmjäger sind immer die ersten, die in Auslandseinsätze geschickt werden, die ersten, auf die geschossen wird, die zurückschießen, töten, getötet werden. Lars »Bomber« Rems war einer von ihnen. Jetzt liegt der ehemalige Afghanistan-Kämpfer tot in seiner versifften Wohnung, elf Messerstiche in der Brust. Zunächst glaubt Hauptkommissar Grewe an Drogen, Suff, Milieu. Doch irgendwas stimmt daran nicht. Denn seit seiner Verwundung war Bomber nicht mehr auf Spur, berichten die Kameraden. Grewe spürt, dass es hier um mehr als einen Mord geht …

Das Krimidebüt von SR-Tatort-Kommissar Gregor Weber hat mich wirklich umgehauen, hier passen Figuren, Fall und Spannung – und der Schreibstil ist auch richtig gut. Wenn man sich nicht am Bundeswehr-/Kriegssetting stört und auf Ermittlerkrimis ohne großartige Thrillerelemente steht, ist man mit diesem Buch gut beraten! Der zweite Fall von Grewe und seinem Team ist direkt auf meinen Wunschzettel gewandert. (Neben »Kochen ist Krieg«, seinem Buch über das Leben in Profiküchen.)

 
 

Maurer: Föhnlage (Jennerwein #1) – 9/15

Bei einem Konzert im schönen Garmisch-Partenkirchen stürzt ein Mann von der Saalempore ins Publikum – tot. Und der Zuhörer, auf den er fiel, auch. Kommissar Jennerwein nimmt die Ermittlungen auf: War es ein Unfall, Selbstmord, Mord? Während er sich mit widersprüchlichen Zeugenaussagen herumschlägt, spekulieren die Einheimischen genussvoll bei Föhn und Bier. Warum ist der hoch angesehene Bestattungsunternehmer Ignaz Grasegger auf einmal so nervös? Derweil verfolgt Jennerwein eine heiße Spur…

Ganz netter Regionalkrimi, der mir in Buchform vermutlich nicht so gut gefallen hätte. Die Lesung des Autors mit deutlich bayerischem Akzent hat aber Spaß gemacht.

 
 

Ali McNamara: Zwei Männer für Miss Darcy – 7/15

Darcy McCall fällt aus allen Wolken: Ihre Tante Molly hat ihr nicht nur ein millionenschweres Vermögen hinterlassen, sondern auch ein gottverlassenes Stückchen Erde: die kleine Insel Tara vor der irischen Küste. Und genau hier liegt Darcys Problem, denn das Geld bekommt sie nur, wenn sie zwölf Monate dort verbringt. Widerstrebend lässt sie ihr hippes Londoner Großstadtleben hinter sich, nur um festzustellen, dass die Insel gar nicht so einsam ist. Denn gleich zwei Männer setzen dort alles daran, Darcy zum Bleiben zu bewegen …

Ach ja, Chick Lit halt, und zwar sehr durchschnittliche. Die Protagonistin scheint zu Beginn ne ziemlich nervensägige und oberflächliche Tussi zu sein, wandelt sich allerdings – auf Tara angekommen – in rasendem Tempo zu einer vernünftigen und erstaunlich patenten Frau. Überhaupt geht alles sehr sehr glatt da auf der Insel und die Story plätschert ohne große Spannung vor sich hin. Würde jetzt nicht unbedingt wieder ein Buch der Autorin lesen, auch wenns nicht wirklich schlecht war und den einen oder anderen rührseligen Moment hatte (dafür bin ich ja immer zu gewinnen). Der Unterhaltungswert war für meinen Geschmack einfach zu gering.

 
 

Elizabeth Hoyt: Duke of Midnight (Maiden Lane #6) – 13/15

Twenty years ago Maximus Batten witnessed the brutal murders of his parents. Now the autocratic Duke of Wakefield, he spends his days ruling Parliament. But by night, disguised as the Ghost of St. Giles, he prowls the grim alleys of St. Giles, ever on the hunt for the murderer. One night he finds a fiery woman who meets him toe-to-toe-and won’t back down . . .
Artemis Greaves toils as a lady’s companion, but hiding beneath the plain brown serge of her dress is the heart of a huntress. When the Ghost of St. Giles rescues her from footpads, she recognizes a kindred spirit-and is intrigued. She’s even more intrigued when she realizes who exactly the notorious Ghost is by day . . .
Artemis makes a bold move: she demands that Maximus use his influence to free her imprisoned brother-or she will expose him as the Ghost. But blackmailing a powerful duke isn’t without risks. Now that she has the tiger by the tail, can she withstand his ire-or the temptation of his embrace?

Sehr unterhaltsam mit tollen Protagonisten, wenngleich der Duke für meinen Geschmack gerne noch etwas arroganter hätte sein dürfen. Selbst der krimiähnliche Plot ist für einen Liebesroman wirklich ganz gut und spannend gemacht. Ich werde mir direkt den nächsten Band um Artemis’ Bruder schnappen.

 
 

Elizabeth Hoyt: Darling Beast (Maiden Lane #7) – 8/15

Falsely accused of murder and mute from a near-fatal beating, Apollo Greaves, Viscount Kilbourne has escaped from Bedlam. With the Crown’s soldiers at his heels, he finds refuge in the ruins of a pleasure garden, toiling as a simple gardener. But when a vivacious young woman moves in, he’s quickly driven to distraction . . .
London’s premier actress, Lily Stump, is down on her luck when she’s forced to move into a scorched theatre with her maid and small son. But she and her tiny family aren’t the only inhabitants—a silent, hulking beast of a man also calls the charred ruins home. Yet when she catches him reading her plays, Lily realizes there’s more to this man than meets the eye.
Though scorching passion draws them together, Apollo knows that Lily is keeping secrets. When his past catches up with him, he’s forced to make a choice: his love for Lily . . . or the explosive truth that will set him free.

Leider konnte Hoyt das hohe Niveau des Vorgängerbandes nicht halten – was vor allem deshalb sehr schade ist, weil Apollo als angeklagter Mörder, der aus Bedlam geflohen ist, eine extrem interessante Figur mit viel Potenzial ist. Auch Lily, eine mittellose Schauspielerin, hat alles, was eine gute Figur braucht: Charme, Liebenswürdigkeit, Humor, Loyalität (und ein Kind, das mal nicht nervt). Das hilft aber nichts, der Plot flacht trotz der guten Figuren nach einem starken Beginn schnell ab und plätschert ziemlich langweilig vor sich hin. Es sprühen einfach keine Funken zwischen den Protagonisten und die Aufklärung des Verbrechens, dessen Apollo unschuldig angeklagt wurde, ist ebenfalls nicht besonders überzeugend oder spannend, sodass das Buch doch eher eines der schlechteren der Maiden-Lane-Serie ist. Na ja, kann ja mal passieren, beim nächsten Band bin ich trotzdem wieder dabei. ;)

[Rezension] David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal

Originaltitel: Every Day
Serie: Every Day, #1

Inhalt:

Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.

Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?

Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?


Kommentar (mit Spoilern!):

Die Idee von A, der jeden Tag im Körper eines anderen gleichaltrigen Menschen aufwacht, klingt eigentlich viel zu fantastisch, um mir zu gefallen. Komischerweise gefällt sie mir trotzdem, denn so, wie die Geschichte erzählt wird, geht sie trotzdem auf und kommt einem irgendwie gar nicht so fantastisch, sondern fast real vor. Bemerkenswert an dieser Rahmenhandlung ist, dass A nicht wirklich die Person ist bzw. mit der Person verschmilzt, in der er steckt, sondern dass er immer der Gleiche ist und versuchen muss, sich dem fremden Körper wenigstens so weit anzupassen, dass seine Anwesenheit nicht weiter auffällt. Das bereitet ihm hin und wieder ganz schöne Schwierigkeiten.

In meist kurzen Abschnitten erzählt A von seinen Erlebnissen, die so verschieden sind wie die Menschen, die für einen Tag seine Hülle sind. Er befindet sich z.B. im Körper einer Zicke, eines Strebers, eines minderjährigen illegalen Dienstmädchens, mehrerer Homosexueller, einer Drogenabhängigen, einer Depressiven, eines Fettleibigen usw. Das ist wirklich gut gemacht und bindet auf unaufdringliche Weise jede Menge Problemthemen aus dem Lebensalltag ein, allerdings ohne großartig zu werten und ohne den moralischen Zeigefinger zu heben.

Mit A’s Vorgehen, normalerweise nicht allzu sehr in das Leben der Jugendlichen einzugreifen, in denen er sich gerade befindet, ist es vorbei, als er in Gestalt von Justin auf dessen Freundin Rhiannon trifft und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Von diesem Tag an ist A’s Liebe zu ihr der rote Faden, der sich durch die Episoden mit seinen »Wirten« zieht und seinem Leben einen neuen Sinn gibt. Doch diese Liebe stürzt ihn auch in einen tiefen Konflikt, denn von diesem Tag an stellt er das Leben seiner »Gastgeber« notfalls auch auf den Kopf, um das Mädchen zu treffen, dem sein Herz gehört, und er plagt sich zunehmend mit Fragen zu seiner Existenz.

Während A zu allem bereit ist, hat Rhiannon so ihre Schwierigkeiten mit der Situation. Obwohl sie sich in A verliebt hat und wirklich versucht, mit all dem klar zu kommen, was da unverhofft auf sie einprasselt, schafft sie es nur bedingt. Und auch wenn sie immer sein wahres Ich spürt, hat sie große Probleme damit, dass er bei jedem Treffen ein anderer ist, und sie hat Probleme mit körperlicher Annäherung, wenn er gerade ein Mädchen ist oder ein Junge, der ihr nicht gefällt. Auch dass sie im Grunde nie wissen, ob sich ihre Verabredungen und Pläne realisieren lassen, bereitet ihr Kopfzerbrechen und verkompliziert ihre Beziehung. Rhiannon will Sicherheit und Beständigkeit, und die kann A ihr nicht geben, solange er jeden Tag ein anderer ist.

Ich hatte beim Lesen häufiger den Eindruck, dass A mehr investiert, vielleicht auch mehr fühlt als Rhiannon – was sich auch in seiner selbstlosen letzten Aktion widerspiegelt. Außerdem habe ich mich hin und wieder gefragt, ob Rhiannon eigentlich von den Lesern und Leserinnen gemocht wird, denn von ihr werden ja die romantisch-idealistischen Vorstellung von Liebe zum Teil ganz schön torpediert. Das liegt nicht nur an ihren zunehmenden Zweifeln, sondern auch an ihrer mangelnden Offenheit bzgl. gleichgeschlechtlichen Körperlichkeiten und an ihrer Fixierung auf Äußerlichkeiten, als sie A in Gestalt eines stark übergewichtigen Jungens nicht berühren will. Ich finde es mutig, dass der Autor das Mädchen so anlegt, obwohl doch Äußerlichkeiten keine Rolle spielen sollten, schon gar nicht, wenn man jemanden liebt; manch einer könnte Rhiannon vielleicht als oberflächlich oder wenig tolerant sehen. Für mich machte aber genau das die Figur und damit auch die Story realistisch.

Meinetwegen könnte die Geschichte so stehen bleiben, wie sie endet, aber es wird – voraussichtlich nächstes Jahr – eine Fortsetzung mit dem Titel Rhiannon geben. (Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Geschichte fortgeführt oder nur noch mal aus Rhiannons Perspektive erzählt wird. Bislang hab ich mich auch nicht weiter damit beschäftigt, falls jemand mehr weiß: Immer her mit den Infos!)


11/15

[Keine Rezensionen] Bunter Urlaubsmix

Zwar hab ich lange nichts im Blog veröffentlicht, gelesen und ein paar Notizen hab ich aber trotzdem gemacht. Zeit, die mal kurz zu verbloggen. Die unten aufgeführten Bücher habe ich alle während meines Urlaubs im Mai/Juni verschlungen (oder auch nicht verschlungen).

 
 

Louise Penny: Denn alle tragen Schuld (Armand Gamache, #1) – o.W.

Die pensionierte Lehrerin Jane Neal stirbt durch den Pfeil einer Armbrust. Der gewaltsame Tod der liebenswerten Malerin in den Wäldern Kanadas schockiert das ganze Dorf. Nach und nach entdeckt Inspector Gamache von der Sûreté du Québec, dass hinter den idyllischen Spitzengardinen von Three Pines ein mörderischer Kosmos aus Neid und Habgier liegt. Und Jane? Was hat die alte Dame bei ihrer gnadenlosen Betrachtung der menschlichen Schwächen entdeckt, das jemand zu einem heimtückischen Mord trieb?

4,5 Sterne bei Amazon, ich habs nach 60 Seiten abgebrochen. Ich kann ja Headhopping grundsätzlich nicht besonders gut leiden, aber in einem Krimi geht es gar nicht, wenn die Story abwechselnd vom Kommissar, seiner Assistentin, deren Vater, den Verdächtigen und (gefühlt) siebenundneunzig weiteren Dorfbewohnern erzählt wird. Zudem ist mir der Erzählstil zu ausschweifend, und der Wust an verschiedenen Figuren und Handlungssträngen überfordert und nervt mich. Ich kann mir leider auch überhaupt nicht vorstellen, dass das Buch noch besser wird; es ist mir ein Rätsel, wie es so viele Preis gewinnen konnte. Mir ist meine Zeit dafür echt zu schade.

 
 

Ben Aaronovitch: Der böse Ort (Peter Grant, #5) – 7/15

Seltsame Dinge geschehen im Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Dinge, die eine magische Anziehungskraft auf Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant ausüben. Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offenbar nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechtester Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse daran an den Tag legt …

Ich würde diese Serie so gerne mögen, aber es bleibt dabei: Wir beide, wir werden keine Busenfreunde mehr. Obwohl es so viele Ansätze gibt, die mir gefallen, können mich die fantastischen Geschichten aus der Feder dieses humorvollen Autors einfach nicht packen und überzeugen. Trotzdem werde ich angesichts der Entwicklungen in diesem Buch das nächste doch wieder lesen »müssen«, weil ich wissen will, wie es weitergeht mit Leslie.

 
 

Andreas Föhr: Totensonntag (Wallner, #1/Prequel) – 12/15

»Totensonntag« erzählt Kommissar Wallners allerersten Fall: Im Herbst 1992 ist Clemens Wallner frischgebackener Kriminalkommissar. Bei einem Besäufnis auf einer Berghütte am Tegernsee, zu dem Kreuthner ihn mitgenommen hatte, geraten Wallner und Kreuthner in eine Geiselnahme. Vom Geiselnehmer erfährt Wallner von einer dramatischen Geschichte, die sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ereignet hat und die Kreuthner alias »Leichen-Leo« den Hinweis zur Entdeckung seiner ersten Toten liefert. Es handelt sich um ein Skelett in einem edelsteinbesetzten Sarg mit einer Kugel im Schädel …

Bereits im November 2013 hatte ich dieses Buch begonnen und ziemlich schnell entnervt weggelegt. Im Mai, entspannt im Urlaub, wollte ich ihm eine letzte Chance geben, damit es nicht länger in meiner Goodreads-„Ich lese gerade“-Liste rumhängt. Eigentlich hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass ich weiterkommen und es mir gefallen könnte, aber von wegen! »Totensonntag« ist einer der überzeugendsten Regionalkrimis, die ich je gelesen habe. Die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor, skurrilen und tragischen Figuren, Vergangenheit und Gegenwart ist extrem gelungen, und verbunden mit einer wirklich guten Krimihandlung ist »Totensonntag« ein richtig gutes Buch. Ich werde definitiv weitere Bücher des Autors lesen.

 
 

Colette Auclair: Thrown (Aspen Valley, #1) – 4/15

Professional horse trainer Amanda Vogel dreams of riding jumpers in the Olympics, but after seeing her best friend die in a riding accident, she’s so traumatized she can’t compete. Broke and desperate, she takes a summer job in Aspen teaching some big-shot widowed movie star’s spoiled daughters to ride—and braces herself for three miserable months. But the movie star is funny, down-to-earth, and gorgeous—and his spoiled daughters are just desperate for a mother figure. By Labor Day, she has to choose between capturing a gold medal…and the man who has captured her heart.

Ich sagte ja schon mal, ich bin ein Pferdemädchen; als ich diesen »Liebesroman mit Pferden«, Golden-Heart-Finalist 2012, auf einem US-Blog entdeckt habe, war ich schnell angefixt. Nach einem ganz guten Beginn hat mich das Buch aber schnell verloren. Eigentlich wollte ich es sogar bei knapp der Hälfte abbrechen, die tollen Goodreads-Rezensionen haben mich aber davon abgehalten, und ich dachte, da müsste einfach noch was kommen. Von wegen. Mich konnte weder eine der Hauptpersonen noch die Pferde noch der Stil packen. Ich konnte keine Emotionen fühlen und mir ist völlig unklar, wieso sich Brady und Amanda überhaupt ineinander verliebt haben, wo sie doch kaum miteinander zu tun hatten und Brady sich auch noch die meiste Zeit wie ein Hirni aufführt. Jede Menge überflüssige Plottwists, nicht nachvollziehbare Albernheiten und beispielloser Wankelmut (Ich will, ich will nicht. Du bist verrückt, du bist nicht verrückt. Ich kann nicht, ich kann doch.) runden die Langeweile ab. Am interessantesten waren noch die Kinder des Filmstars, aber die konnten die Sache auch nicht rausreißen. Ebenso wenig wie der zuckersüße Epilog. Der nächste Band um Amandas Freundin Beth wird definitiv ohne mich stattfinden, egal was die Rezensentinnen schreiben.

 
 

Saskia Berwein: Todeszeichen (Leitner und Grohmann, #1) – 10/15

In einer Grube im Wald werden die Überreste einer zerstückelten Frauenleiche gefunden. Schon bald steht fest: Sie ist ein weiteres Opfer des „Künstlers“– eines Serienmörders, der bereits fünf Frauen entführt, tagelang gequält und ihnen bei lebendigem Leib rätselhafte Bilder in die Haut geschnitten hat. Kommissarin Jennifer Leitner und Staatsanwalt Oliver Grohmann ermitteln fieberhaft, um den grausamen Killer endlich zu stoppen …

Um ehrlich zu sein, war ich nach dem Prolog schon fast so weit, das Buch wegzulegen, weil mir die Anfangsszene zu brutal und ekelhaft war. Ich will die Handlung nicht aus Sicht des Opfers geschildert bekommen; ich bin kein Freund von detaillierten Missbrauchs- und Tötungsbeschreibungen , für solche Sachen bin ich schlicht zu zartbesaitet. Ich bin aber froh, dass ich dabeigeblieben bin, denn das Buch entwickelte sich zu einem soliden und ganz spannenden Thriller mit guten Ermittlern, der mich – trotz einiger weiterer mir zu brutaler Szenen – insgesamt gut unterhalten hat. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn die Autorin sich in weiteren Bänden das Headhopping verkneifen würde.

 
 

Courtney Cole: If You Stay – Füreinander bestimmt (Beautifully Broken, #1) – 7/15

Seit dem Tod ihrer Eltern hält die 23-jährige Mila zusammen mit ihrer Schwester Madison das Familienrestaurant am Laufen und ist überzeugte Single-Frau. Das ändert sich, als sie Pax Tate kennenlernt. Pax ist auf den ersten Blick alles andere als ein Traummann: tätowiert, knallhart und mit schlechtem Benehmen. Doch ausgerechnet von ihm und seiner sexy Ausstrahlung fühlt Mila sich unwiderstehlich angezogen. Gegen jede Vernunft geht sie eine Beziehung mit ihm ein und entdeckt immer mehr Pax’ zärtliche Seite. Aber die Vergangenheit holt Mila und Pax unaufhaltbar ein. Wird die Kraft ihrer Liebe ausreichen, um zu bestehen?

Ach ja, mal wieder ein New-Adult-Roman mit einem gebrochenen Helden und einer furchtbar naiv wirkenden Sauberfrau als Gegenüber. Der Anfang war mal was anderes, dann entwickelte sich das Buch aber schnell Richtung Mittelmäßigkeit und verbreitete eher Langweile denn Unterhaltung. Pax’ Geheimnis und Grund für seinen Drogenmissbrauch war mir zu dick aufgetragen, und dass er am Ende die totale Wandlung zum weichgespülten Superlover vollzieht, ist angesichts seiner Geschichte ziemlich unglaubwürdig. Band 2 um Milas Schwester werde ich definitiv nicht lesen.

Cecilia Grant: Ein unsittliches Angebot

OT: A Lady Awakened
Blackshear, #1

Klappentext:
Nach dem Tod ihres Mannes kämpft die junge Witwe Martha Russell darum, ihr Anwesen Seton Park zu behalten. Um ihren Anspruch darauf zu festigen, greift sie zu einer List: Mit dem attraktiven Lebemann Christopher Mirkwood will sie ein Kind zeugen, das sie als Erbe ihres verstorbenen Mannes ausgeben kann. Sie hätte jedoch nie vermutet, dass sie sich in Christopher (sic!) verlieben könnte …

Kommentar:
Wie ich nach dem Flohmarktkauf dieses Buches festgestellt habe, besitze ich bereits seit geraumer Zeit die englische Ausgabe, die vergessen in meinem Regal vor sich hinverstaubt. Schade eigentlich, denn das Debüt von Cecilila Grant hat mich richtig gut unterhalten.

Die Geschichte ist nicht neu, aber doch eher außergewöhnlich im Reigen der 0815-Historicals. Die zurückgezogen lebende Witwe, eigentlich als Ausbund an Anstand bekannt, beschließt nach dem Tod ihres Mannes, alles daranzusetzen, Herrin über das Anwesen zu bleiben und zu verhindern, dass der Bruder ihres Mannes hier einzieht. Nicht Habgier, sondern die Sorge um die weiblichen Angestellten, die sich in der Vergangenheit seinen sexuellen Übergriffen ausgesetzt sahen, ist dabei ihr Motiv – ein geschickter Zug der Autorin, lässt es doch den Betrug deutlich weniger selbstsüchtig erscheinen. Sie macht sich also auf die Suche nach einem Liebhaber, der ihr innerhalb eines Monats ein Kind zeugt. Praktischerweise wurde gerade der für seine Ausschweifungen bekannte Adlige Theo Kirkwood (nicht Christopher, wie es im Klappentext heißt!) ins Exil aufs Nachbargut verbannt, der nicht gerade lange überredet werden muss, als Marthas »Hure« (oder wie sie es ausdrückt: »Zuchthengst«) einzuspringen.

Was dann folgt, ist allerdings entgegen seiner Erwartungen kein Vergnügen für ihn, denn Martha will keine Lust, sondern wirklich nur seinen Samen – und sie zieht das im Gegensatz zu anderen Heldinnen, die schnell in Leidenschaft entbrennen – ziemlich entschlossen durch. Das finde ich gut, denn alles andere wäre unglaubwürdig gewesen und hätte nicht zu Martha und ihrer Weltsicht gepasst. Entsprechend gefühllos und kurz ist das nächtliche sexuelle Beisammensein der beiden, obwohl sich Mirkwood zunächst redlich bemüht, ihr die Sache so angenehm wie möglich zu machen.

Doch etwas anderes entwickelt sich in diesen veranschlagten vier Wochen zwischen den beiden, nämlich eine echte Freundschaft, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Kirkwoods Entwicklung steht. Der Londoner Lebemann beginnt nämlich, sich für die Aufgaben eines Gutsherren zu interessieren, für die Landwirtschaft und die Menschen, die für ihn arbeiten. Martha ist ihm in diesen Dingen weit voraus und unterstützt ihn, wo sie kann. Dieser Aspekt der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, weil er nicht nur die Entwicklung des Protagonisten zu einem verantwortungsvollen Menschen zeigt, sondern auch – wenn auch nur einen kleinen und vielleicht etwas verklärten – Ausschnitt aus dem Landleben der Zeit. Dass Martha ihn lieben lernt, weil er sich ändert und im Grunde die gleiche Auffassung und das gleiche Verantwortungsbewusstsein an den Tag legt wie sie selbst, ist glaubwürdig. Seine offene, fröhliche, unbekümmerte Art verändert im Gegenzug die nüchterne, ernste, spröde Martha, die in jeder Hinsicht lockerer wird – allerdings im Kleinen und manchmal auch nur im Stillen, was ebenfalls glaubwürdig ist.

Dass ein eigentlich überflüssiger Streit die beiden erst mal entzweien muss, bevor es nach einigen dramatischen Verwicklungen schließlich zum Happy End kommt, hätte nicht sein müssen; das Buch hätte auch so genug Stoff hergegeben. Sehr elegant und gelungen fand ich hingegen die Lösung um das Erbe von Seton Park, die allen zugute kommt, die es verdienen.

Neben den glaubwürdigen Protagonisten, der insgesamt guten Geschichte und dem ansprechenden Rahmen war außerdem der Humor genau mein Ding. Mirkwoods Auseinandersetzungen mit dem heimtückischen Schwein seiner Pächter zum Beispiel haben mich immer wieder aufs Neue zum Lachen gebracht, und auch Marthas zynische Weltsicht, vor allem im Zusammenhang mit dem männlichen Körper, war genau mein Ding. Ihre Gedanken, als Mirkwood sich das erste Mal vor ihr auszieht, sind göttlich und schon wert, das Buch zu lesen.

Die Sprache der Übersetzung ist stellenweise mal wieder relativ modern, es hält sich aber noch in Grenzen. Flüssig zu lesen ist der Roman in jedem Fall, und der nächste Band der Serie befindet sich schon auf meinem Wunschzettel (auch wenn mich der Plot erst mal nicht so anmacht).

 


12/15

 

[Gelesen im Mai 2014.]

 

Anmerkung: Inzwischen habe ich auch den zweiten Band der Serie gelesen, »Das Versprechen der Kurtisane« (OT: A Gentleman Undone), und es hat mir gar nicht gefallen. Natürlich liege ich damit mal wieder völlig konträr zur Allgemeinheit, aber das wundert sicher keinen mehr?! ;) Im Englischen gibt es noch einen dritten Band der Blackshear-Serie, Lyx hat den aber bislang nicht übersetzt und so wie es aussieht, kommt er auch nicht mehr. Zumal der Historical-Versuch des deutschen Vorzeigeverlags wohl insgesamt eher als gescheitert zu bezeichnen ist; das Programm wurde wieder stark runtergeschraubt, wie’s aussieht.

[(Un-)Cover] Schlimmer gehts immer

Auch wenn man sich natürlich die Frage stellen muss, ob ein Möbel schmeißender Goldfisch unbedingt einen Liebesroman »zieren« muss: Als ich das Cover zum aktuellen Kristan-Higgins-Roman gesehen habe …

 

 

… war ich voller Hoffnung,
dass die Zeiten der allerschlimmsten Cover-Verbrechen …

 

 

… des Mira-Verlags weitgehend vorbei sind.

 
 

Aber

VON WEGEN!

 

 

(Cover und Titel sowie die Kombination aus beidem machen mich mal wieder echt mal sprachlos.)

[Rezension] Judith Ivory: Beast

Klappentext:
American heiress Louise Vandermeer has agreed to marry a European aristocrat. Her intended is rumored to be a hideously ugly man, a prospect that propels her into a reckless shipboard affair with a compelling stranger she never sees in the light of day. Unbeknownst to Louise, her mystery man is actually her betrothed, Charles d’Harcourt, whose romantic prank backfires when he becomes smitten with his own fiancee.

Kommentar:
Ich bin ja normalerweise ein großer Fan von »Die Schöne und das Biest«-Variationen, aber das nutzte in dem Fall auch nichts. Zumal das Biest eigentlich gar kein Biest war, sondern ein französischer Adliger, der trotz eines blinden Auges und einer Narbe ziemlich attraktiv ist und keinerlei Probleme hat, Frauen für sich zu begeistern. Aber von vorn:

Aus geschäftlichen Gründen lässt Charles sich auf eine arrangierte Ehe mit der wunder-wunder-wunderschönen Amerikanerin Louise ein, die halb so alt ist wie er und die er das erste Mal auf ihrer Überfahrt von Amerika nach Frankreich sieht. Wobei »sieht« zu viel gesagt ist, denn erstens ist er eigentlich gar nicht da, so rein offiziell (er weilt nämlich heimlich auf dem Schiff, um seiner Affäre mit einer verheirateten Frau zu frönen), und zweitens darf Louise ihn nie anschauen, d.h. nur im Dunklen oder mit verbundenen Augen treffen. Er sagt ihr nämlich nicht, wer er ist, sondern lässt sie in dem Glauben, er wäre ein arabischer Pascha. Louise – naiv und unerfahren, wie sie nun mal ist – ist natürlich vollkommen fasziniert von diesem »fremdländischen« Adonis und lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein, der nicht nur ihre Jungfräulichkeit, sondern auch ihr Herz zum Opfer fällt. Charles verliebt sich ebenfalls in seine zukünftige Frau, verpasst aber unzählige hervorragende Gelegenheiten, ihr reinen Wein über seine wahre Identität einzuschenken, und trennt sich bei Ankunft des Schiffs in Frankreich quasi von ihr. Sie ist zwar aus Vernunftgründen weiterhin bereit, sich auf die Ehe mit dem französischen Adligen einzulassen, leidet aber unter heftigem Liebeskummer wegen ihres arabischen Paschas.

Weil wir uns in einem Märchen Liebesroman befinden, erkennt Louise in ihrem französischen Prinzen den Pascha natürlich nicht wieder, denn er wendet den höchst raffinierten Trick an, nun nicht mehr – wie auf dem Schiff – englisch, sondern französisch mit ihr zu sprechen. Der Sprachwechsel scheint seine Stimme und Intonation so sehr zu verändern, dass Louise keinerlei Verdacht schöpft, auch nicht im Zusammenhang mit seinem sonstigen Auftreten, seinem Handeln oder Denken oder gar seinem Körperbau oder Geruch oder so. Seine Tarnung ist so gut, dass nicht mal Louises Hund ihn wiedererkennt. (Seht ihr mein Augenrollen?!)

Weil Louise ein tapferes Mädchen ist, das aussichtslose Situationen als solche erkennt, heiratet sie Charles wie verabredet trotz aller Liebe zu ihrem Araber; sie weigert sich allerdings zunächst, die Ehe zu vollziehen. Das macht Charles total wütend und spätestens angesichts seines diesbezüglichen gewalttätigen Ausrasters (er zerstört die komplette Einrichtung) hatte er das letzte Fitzelchen meiner Sympathie verloren. Natürlich sagt er Louise immer noch nicht, dass ER der vermeintliche Pascha ist, ebenso wenig wie bei zahlreichen weiteren grandiosen Gelegenheiten im Verlauf der Geschichte. Stattdessen setzt die Autorin offenbar darauf, dass sich Louise neu in ihren Ehemann verlieben soll, was erstens gar nicht so einfach ist angesichts all des Herzschmerzes wegen des unvergleichlichen Paschas und zweitens auch gar nicht so richtig Sinn macht; für mich zumindest nicht. Die Handlung zieht sich wie Kaugummi, ohne dass wirklich was passiert, und irgendwann nervt es nur noch kolossal, dass Charles nicht endlich mal eine der vielen Chancen ergreift, Louise die Wahrheit zu sagen.

Ich glaube, es ist kein allzu großer Spoiler, wenn ich an dieser Stelle verrate, dass die Sache am Ende natürlich rauskommt und zu einer Krise führt, bevor es zum Happy End kommen kann. Meine Güte, was für ein blöder Tanz … Ich wünschte, Mary Balogh hätte diese Geschichte ab der Ankunft in Frankreich zuende erzählt; das wäre genau ihr Plot gewesen und sie hätte was deutlich Besseres daraus gemacht!


5/15

[Keine Rezension] Janet Evanovich: Der Beste zum Kuss

Originaltitel: Sizzling Sixteen
Stephanie Plum, #16

Klappentext

Stephanie Plum erbt von ihrem Onkel Pip eine geheimnisvolle Flasche, die Glück bringen soll. Doch danach sieht es zunächst gar nicht aus: Cousin Vinnie, Eigentümer von Vincent Plum Bail Bonds, wird wegen angeblicher Spielschulden von einem Gangster festgehalten. Zum Glück haben Stephanie und ihre Kolleginnen einige Erfahrung darin, wie man vermisste Personen aufspürt. Aber wie sollen sie an die 786.000 Dollar kommen, die nötig sind, um Vinnie auszulösen? Mal ehrlich: Stephanie liegt gar nicht so viel an ihrem Boss, aber sie liebt nun mal ihren Job, also muss etwas passieren. Und ausnahmsweise entpuppen sich Morelli und Ranger, die beiden Männer an ihrer Seite, als wahre Glücksfälle …


Kommentar:

Was ist das eigentlich für ein Quatsch, dass jedes Stephanie-Plum-Buch das Wort »Kuss« im Titel enthalten muss? Mir geht dieser erzwungene Unsinn wirklich auf den Senkel; wieso bringt man stattdessen nicht das Engagement auf, Entsprechungen zum Original zu finden, die die Bandnummern enthalten, so wie man es bei den ersten vier Bänden gemacht hat? Aber nein, man setzt auf nichtssagende, austauschbar idiotische und krampfhaft auf lustig getrimmte Titel wie »Der Beste zum Kuss«, »Kuss mit Soße« oder »Kuss Hawaii« und auch noch Werbesätze, in denen Schwachsinnswörter wie »Nonkussultra« vorkommen! Wer denkt sich so was aus und kriegt derjenige wirklich Geld dafür??? Glauben die Verlage ernsthaft, dass die Leser das witzig finden?! (Finden andere Leser das vielleicht wirklich witzig, nur ich nicht?)

Okay, das Buch ist immerhin etwas besser als der deutsche Titel, wobei dazu ja nicht so viel gehört. Die Story ist mal wieder höchst absurd und übertrieben – wie man es von Stephanie-Plum-Büchern erwarten muss. Obwohl ich ein paarmal laut lachen musste über so manch eine Szene oder Formulierung, fand ich die Serie früher deutlich lustiger als heute. Ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob das daran liegt, dass sie heute noch übertriebener ist als früher – besser gesagt: nicht nur übertrieben, sondern zu übertrieben – oder dass sie einfach nicht mehr wirklich was Neues bietet und man außerdem irgendwie doch erwartet, dass Stephanie irgendwann noch was dazulernt bei der Verhaftung von NGVlern. Wenigstens ein kleines bisschen was!

Den nächsten Band werde ich selbstverständlich wieder kaufen und für eine schnell zu lesende, seichte und irgendwie ganz amüsante Unterhaltung wird er allemal gut sein. Und das ist ja auch schon was. (Und ich hab die Hoffnung ja immer noch nicht aufgegeben, dass Stephanie sich irgendwann Ranger schnappt – auch wenn ich nicht wirklich dran glaube. Dumme Nuss!)


9/15

[Keine Rezension] Sarah MacLean: No Good Duke Goes Unpunished

Rules of Scoundrels, #3

Klappentext:

A rogue ruined . . .

He is the Killer Duke, accused of murdering Mara Lowe on the eve of her wedding. With no memory of that fateful night, Temple has reigned over the darkest of London’s corners for twelve years, wealthy and powerful, but beyond redemption. Until one night, Mara resurfaces, offering the one thing he’s dreamed of . . . absolution.

A lady returned . . .

Mara planned never to return to the world from which she’d run, but when her brother falls deep into debt at Temple’s exclusive casino, she has no choice but to offer Temple a trade that ends in her returning to society and proving to the world what only she knows…that he is no killer.

A scandal revealed . . .

It’s a fine trade, until Temple realizes that the lady—and her past—are more than they seem. It will take every bit of his strength to resist the pull of this mysterious, maddening woman who seems willing to risk everything for honor . . . and to keep from putting himself on the line for love.

 

Kommentar:

Irgendwie fällt mir zu Sarah MacLean in letzter Zeit immer das Gleiche ein: vielversprechend, aber nichts daraus gemacht. Oder zumindest nicht genug. Diesmal sogar extrem wenig – dabei fing es so gut an!

Dem Klappentext ist kaum noch was hinzuzufügen: Temple wurde vor zwölf Jahren des Mordes an Mara Lowe verdächtigt, weil er – ohne Erinnerung an die Nacht – in ihrem blutbesudelten Bett aufgewacht ist und sie verschwunden war. Der sog. Killer Duke hat sich also in Londons Unterwelt zurückgezogen und verdingt sich seitdem in der bereits bekannten Spielhölle »The Fallen Angel« als knallharter Boxer. Auf einmal taucht Mara bei ihm auf, offenbart ihm, dass er sie gar nicht umgebracht hat – was er wegen seines Gedächtnisverlusts gar nicht wusste – und bietet ihm an, genau das zu öffentlich zu machen, wenn er nur ihrem Bruder dessen Schulden erlässt. Das Geld, das er verspielt hat, ist nämlich unglücklicherweise ihres, und sie braucht es, um das Waisenhaus am Laufen zu halten, das sie gegründet hat. Sie lässt sich aus lauter Not und schlechtem Gewissen sogar darauf ein, dass Temple die Bedingungen ihres Handels bestimmt und presst gleichzeitig jeden erdenklichen Pfennig aus ihm heraus.

Natürlich fühlen sich die beiden von der ersten Sekunde an uuuuuuunwiderstehlich zueinander hingezogen (eigentlich ja schon damals, vor zwölf Jahren) und können von Anfang an kaum die Finger bei sich behalten. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was eigentlich die ganze Zeit passiert ist, gefühlt gar nichts. Die Handlung plätschert vor sich hin, man knutscht, fummelt, diskutiert, verhandelt, beleidigt sich, versöhnt sich wieder … Gähn! Ich konnte weder die Chemie zwischen den Protagonisten fühlen noch irgendwas mit den beiden anfangen. Das lächerlich dramatische Ende mit dem mir verhasstesten Happy-End-Hindernis aller Zeiten (»Du magst mich lieben, aber ich verlass dich trotzdem, denn du hast was Besseres verdient«) passte da gut dazu.

Das Buch hat übrigens insgesamt doch relativ viele schlechte Kritiken gekriegt, wie ich festgestellt habe (wenn ich während des Lesens nach Rezensionen schaue, wie denn andere Leute das Buch finden, ist das schon immer kein gutes Zeichen!). Spannenderweise liegt das aber im Wesentlichen an der Figur Mara, an der sich jede Menge Hass entzündet, weil sie zugelassen hat, dass der Duke des Mordes an ihr verdächtigt wird. Wie konnte sie das nur tun, die dumme Schlampe – solche wie die sind eine Schande für alle Frauen dieser Welt! –– Äääh … ja. Meine Güte, Leute, das Buch spielt Anfang des 19. Jahrhunderts, das Mädchen ist 16 Jahre alt und verzweifelt, weil sie einen uralten und mutmaßlich gewalttätigen Adligen heiraten muss; ihr Verhalten kann man doch nicht mit heutigen Moralvorstellungen bewerten! Und außerdem: Schon mal was von mildernden Umständen gehört?

Dass ich mich nicht an Mara und ihrem Handeln störe, ändert aber nichts daran, dass ich Band 3 der Serie noch enttäuschender fand als die beiden Vorgänger (denen ich ja immerhin jeweils 10 Punkte gegeben habe. Ich hab sie trotzdem deutlich schlechter in Erinnerung und vermute, dass da jede Menge Autoren-Bonus enthalten war). MacLean hat es keineswegs geschafft, nach ihrer hervorragenden Debütserie ihr Niveau zu halten. Sie hat zwar immer noch nette Grundideen, macht aber einfach keine guten Geschichten mehr daraus. Und ihr vielgerühmter Humor ist ihr in diesem Buch dann auch gänzlich abhandengekommen. Ich hoffe, sie findet noch mal zu alter Form zurück und geb ihr noch eine Chance mit dem Abschlussband der Serie, der im November 2014 erscheinen wird.

 

5/15

 

Serieninfo:
01 A Rogue By Any Other Name – 10/15 (Rezension)
02 One Good Earl Deserves a Lover – 10/15
03 No Good Duke Goes Unpunished – 6/15
04 Never Judge a Lady By Her Cover

 

Eine Frage noch an alle, die das Buch und die weiteren Bände der Serie schon gelesen haben:

Spoiler
War schon immer bekannt, das Chase eine Frau war und ich habs vergessen, oder war diese Enthüllung der große Clou? (Bitte in der Antwort die Kommentarleser nicht spoilern!)